Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1914)
- Date
- 1914-10-09
- Page
- Seite 486 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- 486 ■-— Sie er sich angeeignet, der rastlose Fleiß, den keine Mühe bleichte, die Zuverlässigkeit des Charakters And der tiefe Ernst, der ihn erfülltes bildeten die Grundbedingungen seines Erfolges und führten dahin, daß die Baufirma Joseph Fraenkel mit der Zeit eine der ersten und der beliebtesten in der ausblühenden Kaiserstadt geworden ist. Von dem Tage an, wo Joseph Fraenkel selbständig wurde, war er unablässig bemüht, für Entwicklung und Fortbildung der Bestrebungen tätig zu sein, die Handwerk und Ackerbau unter den Juden verbreiten sollen. Seit ihrer Begründung gehörte er der Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen sowie der Hilfskasse für Witwen und Waisen verstorbener Handwerker an. Alle Bestrebungen, die das Handwerk unter den Juden fördern, unterstützte er mit Rat und Tat in ausgiebigster Weise. In der Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues nahm er eine hervorragende Stellung ein, ebenso in dem Verein Freunde der Taubstummen — Jedide Jlmin, dessen prächtige Anstalt in Weißensee von seiner Firma erbaut wurde. Seine Lieblingsidee aber, die Begründung eines Lehrlingsheims, konnte er erst im Alter verwirklichen. Es bedurfte nämlich langjähriger Arbeit, um den Boden für diese Idee urbar zu machen. Erst im Jahre 1891 waren seine Bemühungen von Erfolg gekrönt. In diesem Jahre wurde das Lehrlingsheim in Pankow mit dem Zweck errichtet, junge Leute, deren Vorfahren jahrhundertelang nur Handel getrieben haben, zu tüchtigen Handwerkern heranzubilden, d. h. zu Berusszweigen zurückzuführen, welche unter den Juden in der frühesten Geschichte der Kinder Israels in höchster Blüte gestanden und in den Familien Wohlstand und Zufriedenheit gezeitigt haben. Dieser hohen sozialen und ernsten kulturellen Aufgabe galt fortan die Arbeit seines Lebens. Er wußte für seine Idee viele Herzen zu erwärmen. Was er für dieses Institut geleistet, das steht in der Geschichte desselben mit goldenen Lettern eingegraben. (Siehe den 11. Jahresbericht des Vereins „Lehrlingsheim Pankow" über die Zeit vom 1. April 1906 bis zum 31. März 1907.) Maurermeister Fraenkel war eine der populärsten Persönlichkeiten in der Berliner jüdischen Gemeinde, an deren Angelegenheiten er den regsten und wärmsten Anteil genommen hat. Fast dreißig Jahre hindurch stand er im Ehrendienste unserer Gemeinde. Als Repräsentant vertrat er mit großem Eifer die konservativen Interessen, ohne deshalb gegen die liberale Richtung jemals ungerecht oder unbillig zu werden. Besonderes Interesse widmete er als Fachmann den baulichen Angelegenheiten der Gemeindeverwaltung, und sein Rat hat bei den Synagogenbauten während der letzten Jahrzehnte seines Lebens stets großen Nutzen geleistet. Sein besonderes Interesse galt dem Gottesdienst und dem Armenwesen. Außer ' den obengenannten gehörte er auch zu den Begründern und Vorstandsmitgliedern einer großen Zahl anderer Wohltätigkeitsvereine. wirkte überall segensreich nud -zeigte, daß er fürdie soziale . Fürsorge nicht nur ein warmes Herz, sondern auch das richtige Verständnis hatte. Er starb am 27. September 1906, in der Nacht des Versöhnungstages, und wurde unter großer Beteiligung weiter Kreise auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee zur letzten Ruhe gebettete A. K. Deutschlands Stellung in der europäischen Politik und die jüdische Srovlkrrung Sutzlands noch russischem Artril. Von Geh. Oberregierungsrat Dr. Mayer in Karlsruhe. us Septemberheft der „Preuß. Jahrbücher" bringt aus i dem Pariser „Correspondent" einen Aufsatz des Fürsten Kotschubey „Das Problem der Triple-Entente" zum Abdruck. Der Aussatz ist in der Nummer des „Correspondent" vom 26. Juni erschienen, also vor der Ermordung des österreichischen Thronfolgers geschrieben. Bei den umfassenden politischen Kenntnissen und der etwas verhüllenden Form (kein Vorname) wird angenommen, daß der Verfasser der Generaladjutant des Zaren, Generalleutnant Kotschubey ist. Die in dem Aufsatze sich bekundende Ausfassung maßgebender russischer Kreise ist für jeden Deutschen von nicht geringem Interesse. Daß wir aber den Aufsatz an dieser Stelle zur Sprache bringen, rechtfertigt sich dadurch, daß darin den Juden Rußlands eine besondere politisch; Bedeutung zugeschrieben wird. Der Verfasser geht davon aus, daß während mehr als zwei Jahrhunderten Rußland mehr oder weniger den deutschen Staaten tributpflichtig gewesen sei, die nicht nur verarbeitete Artikel einführten, sondern auch Menschen: Professoren, Aerzte, Kaufleute, Fabrikanten, Landwirte, Offiziere usw. Diese in die russische Gesellschaft eingetretenen Fremden wurden mit offenen Armen von Landsleuten ausgenommen, die ihnen vorausgogangen waren. In dieser den deutschen Interessen so günstigen Zeit existierte die russische Nation noch nicht; wenigstens hatte das Volk, welches sie zusammensetzt, noch nicht das Bewußtsein seiner Nationalität. Gefesselt an die Scholle mit den Ketten der Hörigkeit, schien es, ohne zu murren, die Einwanderung der deutschen Gutsverwalter zu ertragen, die sich im Dorf sestsetzten, um es mit erhobenem Stock zu lenken. In den Reihen der Wissenschaft, des Handels, selbst der Verwaltung war es beinahe dasselbe: immer und überall mußte sich das „russische Schwein" vor den deutschen Kulturträgern beugen. Auf dem Lande und in den Städten breitete sich diese deutsche Kultur zum Schaden der französischen aus, die nie weiter als bis in die fest abgeschlossenen Kreise der ersten russischen Gesellschaft gedrungen ist. Deutsche Philosophie und Literatur führten sich mehr und mehr in die höheren Schulen ein, und — damit kommt Verfasser auf die Juden zu sprechen — die finanziellen wie Maurermeister Joseph Fraenkel. ri *T£it