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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-10-02 · Heft 40 (2.10.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 40 (2.10.1914)
Date
1914-10-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Professors Philippson zum Vorsitzenden gewählten Herrn Sanitätsr.at Dr. Wreschner und dem zur Unterstützung des Vorstandes neu konstituierten Beirat ein großes Feld der Betätigung eröffnet. Möge es den Herren, die an die große Aufgabe mit Eifer herangetreten sind, beschiA)en sein. Zum Wöhle unserer auf der Wanderschaft befindlichen armen Glaubensgenossen die Organisation auszubauen und die hochgesteckten, aber auch lohnenden Ziele einer wirkungsvollen sozialen Hilfeleistung zu erreichen. g/a Hohensalza, 25. Letztem der. In dem furchtbaren dreitägigen Ringen in Ostpreußen erhielt ein Reserve-Infanterieregiment am 28. August den Befehl, in die Gegend von Hohenstein vorzurücken. Der Infanterie folgte eine Maschinellgelvehrkompagnie. Ein furchtbares Feuer von russischer Leite, besonders voll feindlicher Artillerie, empfing die Vorrückenden, mld es erging an die Maschinengewehrkompagnie der Befehl, kehrtznmachen. Ein Gespannsührer, ein jüdischer F a h r e r, verharrte noch ans feinem Platze und wartete trotz des verheerenden rilssischell Feuers auf seinen Leutnant, der mit seinen beiden Maschinengelvehren nicht zu sehen war. Endlich erblickte er die kleine Abteilmlg, die vonl Trageil der Gewehre, der Munition uslv. so erschöpft loar, daß sie ihren Weg llicht mehr fortsetzen konnte. In sausendem Galopp näherte er sich ihnen in der höchsten Not, nahni alles auf und brachte es in Sicherheit. Auf die Frage des Hauptmanns, wer ihul befohlen habe zu warten, lautete die Anwort: „Ich kann doch selbstverständlich nicht ohne mein Gewehr wegfahren." Ter Kompagniechef ließ denl Fahrer eine Belobigung zuteil werden und meinte dann, der Fahrer sei ein tüchtiger Kerl, wenn der nicht ausgeharrt Hütte, dann hätten wir wohl heute den ganzen Zug nicht gehabt. W. Posen, 25. September. Nach Allsbruch des gegenwärtigen Krieges hatte der Borstand der jüdischen Gemeinde mit Zustimmung «der Repräselltantenversammlmlg den Beschluß gefaßt, aus dem kurz vorher von der Gemeinde erworbenen, zur Anlage eines Friedhofes beftinxmten Terrain an der Großen Berliner Ltraße ein 2500 Ouadratnieter unlfasselldes Flächengrundstück -als Ehrenstätte für Kriegergräber einznrichten bzw. mit der Belegung derartiger Grabstellen den neuen Gottesacker in Angriff zu nehmen und ihm dadurch eine besonders denkwürdige Weihe zu geben. Dieser Tage hat die erste Beerdigung dort stattgefunden, lind zwar handelte es sich um einen rllssischen Kriegsgefangenen jüdischen Glaubens, welcher auf dem Transport dicht vor Posen seinen Berwundungen erlegen und vonl hiesigen Hanptfestllngslazarett der Gemeinde zur Bestattung ausgeliefert worden ist. Die beiden Geineinderabbiner, eine Abordnung der Gemeindebehörden solvie der israelitischen Krankenverpflegungs- und Beerdignngsgesellschaft und eine Anzahl von Gemeindemitgliedern gaben dem Toten das Ehrengeleit. Namens des Gemeindevorstandes hielt Bankdirektor Goldschmidt eine Ansprache, in der er zum Schluß bemerkte: Ein großer Krieg, unserem teuren Baterlan.de und dem uns Verbündeten Oesterreich aufgezwungen, läßt unsere Herzen erzittern ob des Schicksals unserer Lieben, der Väter, Söhne und Brüder, die draußen in Feindesland täglich, ja stündlich, dem Tode ins Antlitz schau eil. Entsprechend diesen nlls alle beherrschenden Gefühlen haben Vorstand und Repräseutantenversammluug der Syuogogmgemeiude beschtossell, auf dem uellen Gottesacker eine Eh reustelle zu schaffen, wo hier verstorbene jüdische Krieger Deutschlands und Oesterreichs, aber auch die unserer Gegner, zur letzten Ruhe gebettet werden sollen — Fremld und Feind im Tode vereint! So ruhe denn in Frieden, du Lohn unseres Glaubens! Nicht kennen wir deinen Namen, nicht deine Heimat, llicht das Regiment, in dem du gestritten und gelitten; nicht lvissen um', ob nicht eine liebende Gattin, zärtliche Kinder, ein tre ^es Mntterherz, ein kummervoller Vater sehnsüchtig deiner harren und nur dich bangen. Wir aber wollen deine Ruhestätte in fürsorgliche Obhut nehmeil, wir wollen dessen eingedenk sein, daß du für dein Vaterland den Heldentod gestorben bist. Allgütiger Vater, lasse ihn einziehen zur ewigen Ruhe, zum ewigen Frieden, zur ewigen Seligkeit. Breslau, 25. September. Das Jüdische V o l k s h e i m lToynbee-Halle), welches seit einer Reihe von Jähreil in den Winterlnonaten an jedem Abelld seine Räume für alle diejenigen geöffnet hält, denen es an einem eigellen genrütlichen Heim mangelt, gedenkt am 13. Oktober wiedermn seine Pforten zu öffnen. Während bisher den Besllchern geistige Genüsse in Form von Unterhaltungs- und Vortragsabenden, daneben aber auch Tee und Gebäck völlig unentgeltlich geboten wurden, legt in der schweren Kriegszeit der Vorstand mehr Gelvicht darauf, die Not der Darbenden Zll mildern. Es ist daher beabsichtigt, jedem Besucher des Volksheims ohne Unterschied der Konfession an jedem Abend gegen ein ganz geringes Entgelt (5 oder 10 Pfennig) ein aus einem Teller Suppe und einem Gange bestehendes reichliches Abendbrot zu gewähren. Für notorisch Arme soll das Abendbrot ganz unentgeltlich sein. In den freundlich erleuchteten und wohlig geheizten Räumen der Tohnbee-Halle (Reuschestraße 51) werden die Besucher Gelegenheit haben, die ausliegende Tagespresse und die erscheinenden Extrablätter zu lesen, sich an Brettspielen (Schach, Dame, Domino usw.) zu unterhalten, und außerdem soll wöchentlich einmal in einem patriotischen Abend über den Stand der Kriegsereignisse und über Themata aus der ruhmreichen Geschichte des deutschen Volkes berichtet werden. Der Vorstand hofft, durch reichliche Spenden, die an den Vorsitzenden, Herrn Dr. Josef Schlesinger, Harrasgasse 4-5, oder an den Kassenlvart, Herrn Artur Fischler, Höfchenstraße 37, erbeten werden, die Mittel zur Durchführung seines Programms zu erhalten. M. Hamburg, 25. September. Das Repräsenta n t e n - Kollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn Jakob Alexander ab. Der Vorstand der Gemeinde ist dem.Beschlnß des Kollegiums auf Einsetzung einer Kommission zur Umgestaltung der Buchführung der Gemeinde beigetreten und hat in diese Kommission sein Mitglied Herrn A. Lewandowskh entsandt. Die auf Antrag des Vorstandes von dem Kollegium beschlossene Ergänzung der Verfassung der Gemeinde, betreffend die Hinausschiebung der Neuwahlen zum Neprüseutantentollegium in Kriegszeiten, bedarf der rviederholten Beschlußfassung nachAbtallf von mindestens vier Wochen. Der Gemeindevorstand hat seinen Beschluß wiederholt und beantragt nunmehr die erneute Beschlußfassung des Kollegiums. Der Beschluß erster Lesung wird einstimmig ohne Debatte genehmigt. Die Neuwahl des Repräsentantenkollegiums wird in Kriegszeiten ausgesetzt, und die Wahlen werden erst'innerhalb eines Vierteljahres nach Abschluß des Präliminarfriedens erfolgen. Bis zur Neuwahl bleibt das bestehende Kollegium im Amt. Der Antrag des Vorstandes auf Bewilligung eines einmaligen Betrages von 4000 Mark an die israelitische höhere Töchterschule (Lyzeum) wird einstimmig angenommen. Es tritt geheime Sitzung ein. 8. Z. Solingen, 25. September. Ans dem aus freier Bergeshöhe am Stöckerberg recht schön gelegenen Friedhofe der Synagogengemeinde Solingen fand am 13. d. M. eine einfache, den heutigen Zeitverhältnissen angepaßte Feier zur Einweihung des erweiterten israelitischenGottesackers und der auf diesem errichteten neuen Friedhosshalle statt. Außer dem Gemeindevorstand hatten sich hierzu die Gemeindemitglieder recht zahlreich eingefunden, ferner waren die Bauhandwerker anwesend, die den Bau ausführten; nur einer, der gern dabei gewesen wäre, nämlich Herr Geheimrat Goppel, mußte mit Rücksicht aus seine 85 Jahre infolge des ungünstigen Wetters der Feier sernbleiben. Der Plan, auf dein Friedhofe eine Halle zu errichten, bestand schon seit Jahren; seine Berlvirklichung wurde beschlossen, als im vorigen Jahre die Erweiterung des Gottesackers sich als notwendig erwies. Durch freiwillige Beiträge der Gemeindemitglieder wurden die Mittel aufgebracht für den in seinen schlichten, der Bedeutung des Gebäudes und der freien Lage angepaßten Formen und Farben überaus wirkungsvollen Hallenbau, der wohl eine der schönsten Friedhofshallen unserer Gegend bildet und in der gärtnerischen Ausschmückung des ganzen Friedhofes eine entsprechende Umrahmung erhielt. Die ganze Anlage wurde nach den Plänen und unter der Leitung der Architektenfirma Scherer u. Oelrich ausgeführt. Unter dem Vorbau der Halle übergab Herr Architekt Scherer dem Shnagogenvorstandsmitglied Herrn Siegfried Feist mit einer passenden Ansprache den Schlüssel zur Friedhofshalle. Die Weihefeier wurde dann in der Halle selbst eingeleitet mit einem Gebet des Kultusbeamten Herrn Josef, worauf Herr Siegfried F e i st das Wort zur ersten Ansprache nahm. Er dankte den Herren Scherer n. Oelrich für die schöne und stimmungsvolle Ausführung des Baues und bat den anwesenden Herrn Scherer, auch allen Mitarbeitern den Dank zu übermitteln. Weiter dankte der'Redner der Friedhofskommission für ihre jahrelange Arbeit und den sämtlichen Gemeindemitgliedern, die durch freiwillige Gaben die Mittel für den Bau aufgebracht, vor allem dem Herrn Geheimrat Coppel, dessen hochherzige Spende die Halle schuldenfrei gemacht. Die Einweihung der Halle falle in eine große, heilige Zeit. Krieg beherrsche die Welt, doch hier, ans dem Gottesacker, solle der Frieden weilen. Eine Stätte des Friedens werde geweiht, auf der wir den irdischen Leib dem dunklen

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