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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-10-02 · Heft 40 (2.10.1914) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 40 (2.10.1914)
Date
1914-10-02
Page
Seite 480 (sequence 12)
Language
German
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480 b e n I h r e n hätte, bekam ich die gleiche 0 e r n e i n ende Antlvort. Schülerinnen. die ich anster dem Hanse hatte, reiche grauen, welche eine Wohnung von viertausend Mark xxxxxehabexx, sich mit Toiletten und Brillanterl behängen, fragte ich an, ob sie den Unterricht, wie festgesetzt war, weiter nehmen wollten; sie haben mir auf meine diesbezügliche z w e i m a l i g e Anfrage gar nicht geantwortet. Nur ein junges Mädchen, die eine Buchhalterinstellung hat, die auf halbes Gehalt gesetzt, und nnr Sonntags Stunde nimmt, ist wieder gekommen, weil sie selbst am besten fühlt, wie ein Ausfall eines Verdienstes ansschaut. Allerdings bin ich auch ihr entgegengekommen, sie zahlt monatlich 7 Mark. Diese 7 Mark sind j e tz t in e i ix e e i n z i g e i n ix a h m e." M. P. Literarilchr Mitteilungktt. Biog r ap h i s ch e s Lexikon der ü h m t e r I u d e n aller Zeiten u n d Länder. Ein Nachschlagebuch für das jüdische Volk von S. Wininger. Czernowitz 1914. Im Selbstverläge des Verfassers. Bnchdrnckerei „Gxitenberg". Komplett in zehn Heften;i 1 Krone. Das Werk eines für seine Idee begeisterten Mannes, der es nur unter schweren Spserxx fertig bringt, den Traum seines Lebens zn erfüllen, sollte man nicht rezensieren, sondern dem Verfasser nur! wünschen, daß er seine Arbeit zn Ende führen könnte. So sehr! dieser Standpunkt aber menschlich berechtigt ist, dem Kritiker muß! die Sache hoher stehen als der einzelne Mensch. Und als Kritiker z muß ich leider sagen, daß das Unternehmen die gerechten Ansprüche, j die man an ein biographisches Lexikon stellt, nicht erfüllt. Denn ein solches darf nicht bloß dasjenige wiederholen, was man längst und zum Teil besser weiß, sondern es müßte wirklich Neues und Abschließendes bringen. Das aber kann man von dein übrigens ailch recht dürftig ausgestatteten Büchlein leider nicht sagen. Zunächst müßte nxan, wenn man sich streng an den Titel halten wollte, bemängeln, daß unter diesen „berührnten Juden" uxxd in einern für das „jüdische Volk" bestimmten Buche sehr viel getaufte Juden xnit ausgenommen sind, so zxnn Beispiel Dessoir, Karl Beck, Bendenxann, Michael Bernays, Sarah Bernhardt und viele andere. Der Hauptfehler aber ist der, daß in dem vorliegenden Hefte, das von A- E geht, einem Hefte, in welchem, was wir keineswegs tadeln wollen. Lebende und Tote bunt durcheinanderstehen, die Biographien rein äußerlich sind. Es werden Lebensdaten und die hauptsächlichen Werke (bei den Lebenden sogar auch die Ordensanszeichnungen, was nur recht überflüssig erscheint), aufgezählt. Von einer wirklichen Eharakteristik der Geschilderten ist niemals die Rede. Ein axxderer Fehler ist, daß die Ausdrucksweise des Herausgebers, wenn sie axxch nicht geradezu schlecht ist, keinesfalls ein einwandfreies Deutsch darstellt. Das Schlimmste aber ist, daß einzellxe Biographien von Fehlern geradezu wimmeln. Uxn dies zu beweisen, nehme ich eine einzelne Biographie, die Ludwig Börnes, vor. Er hieß nicht Leib Bnruch, sondern Loeb; er wurde von Marcus Herz nicht in der Medizin unterwiesen, sondern in der Philosophie und allgexneiner Bildung; er gab weder 1830 noch in Paris seine „Briefe aus Paris" heraus, diese erschienen vielmehr in Hamburg 1831—33; seine Freundin heißt nicht Jeane, sondern Jeanette Wohl. Man könnte diese edle Frau bezeichnen, wie man will, sie aber bloß „Krankenpflegerin" zu «ernten, ist gewiß verkehrt. Man kann von Börne nicht! sagen: „Er gab wieder die „Wage" in französischer Sprache heraus",! denn die 1835 erschienene Zeitschrift „La Balance“, von der übrigens nur ein paar Hefte erschienen sind, ist etwas ganz anderes als die deutsche „Wage". Seine Werke erschienen nicht in Homburg, sondern in Hamburg. Der Herausgeber seiner französischen Schriften heißt lticht Wetter, sondern Wetter. Sein Biograph, übrigens der uxxbedeutettdste, der aber doch als der einzige angeführt wird, während die Arbeiten von Gutzkow, Reinganum und Holzmann viel wichtiger sind, heißt nicht Alberti Conrad, sondern Conrad Alberti. Wenn es so in einer einzigen Biographie von Fehlern wimmelt, so xnuß man einen sehr ungünstigen Schluß auf das ganze Werk ziehen. Ich ntöchte dem Verfasser nicht wehe tun, sein Streben ist rührend, und die Anstrengungen, mit denen er zn kämpfexx hat, sind gewiß groß, aber doch halte ich mich schließlich für verpflichtet, diese Warnung ertönen zu lassen. Soll das Werk wirklich einem Bedürfnis genügen, so müßte es in ganz anderer Weise gemacht werden. L. G. — DoktvrKo h n. Ein Lebenskaxnpf von Max Nordau. Vierte Auflage. Ernst Hofmann & Co. Berlin W. Druck der Spamerschen Bnchdruckerei in Leipzig. 2,40 Mark. Beixxx ersten Erscheinen dieses Dramas von Max Nordau habe ich an dieser Stelle eine Analyse des Inhalts gegeben und meine Bedenken gegen das Werk nicht verhehlt. Diese Bedenken wurzeln wexxiger ixr der Intrige als in einexn äußeren Umstande. Die Intrige ist die, daß ein jüdischer Privatdozent Dr. Kohn sich in eine Christin, Fräulein Moser, die Tochter eines getauften Juden verliebt, von dem Onkel des Mädchens, einexn Pastor und ihrexx Brüdern, einexxx Leutnant und einexn Studenten beleidigt wird, sich mit dem ersteren duelliert und erschossen wird. Die äußeren Umstände sind aber die, daß Kohn bei seinen xnannhaften Worten, xnit denen er uxn die Hand des jxtngen Mädchens wirbt, sich nicht etwa als enragierten gläxxbigen Juden, sondern nur als geschichtlichen Judexx, aber als Zionisten erklärt. Ein Bekexxntnis, das Xoeder xn dexn Charakter des jungen Gelehrten begründet, noch für die Handlung irgexxdxvie nützlich ist. Diese Bedenken sixxd bei erneuter Lektlxre des Stückes nicht geschwunden. Ich hätte daher nicht nötig, noch einmal auf das Draxxxa einzugehexx, wenn nicht einige Bexxxerkuxxgen, die daxnals entxveder gar nicht oder nicht scharf genug gemacht xvorven xvarerr, hinzuzufügen wären. Die eine bezieht sich auf die Umkehr des alten Mosers, des Vaters der Braut. Er, der nur aus abgöttischer Liebe zu seiner Tochter in das Ehebündnis exnwilligt, ohne es recht von Herzen zu billigen, trennt sich von feiner Faxnilie. Er koxnxnt zu der Erkenntnis, er habe ein doppeltes Unrecht getan, das eine, sich in eine christliche Familie einzudrängexx, das aridere: er habe seine Kinder nicht streng genug vom Antisemitismus srexgehalteu. Er trenxxt sich, wenn xnan den Verfasser recht versteht, von den Seixxeu, exxtschlossexx, die adelstolze Frau nebst den ebenso gesinnten Söhxxeix allein zu lassen und xnit seiner ihxxx geistesverwandten Tochter zu leben. Ich halte dies sür einen noch weit größeren dramatischen Fehler als das zioxxistische Bekenntnis des Dr. Kohn. Zudem ist beides, sowohl das plötzlich erwachte jüdische Bewußtsein des alten Moser, als der Zionisxxxus des Dr. Kohn völlig unvorbereitet. Letzterer tritt erst in der Unterredung xnit Moser hervor, während, Xvenxx xoirklich der Zionismus so lebendig in dexn Privatdozexxten vorhanden xoäre, Andeutungen daraxxf schon vorher Hütten Platz finden müssen. Das jüdische Bewußtsein des alten Moser ist gänzlich überrascherxd, eigentlich nur die Konsequenz der salbungsvollen christlichen Reden seines Schxvagers, eines hohen Geistlichen. Aber es ist ganz undexxkbar, daß nicht derartige Gegensätze ixn Laufe der Jahrzehnte schon längst hervorgetreten wären, und bei der gaxxzen Zeichnung des alten Moser ist es völlig unverständlich, wie dieser plötzlich, nachdem er jahrzehntelang seinen Ursprung verleugrxet und jede Erinnerxxng an den Glauben, dexxx er entstaxnxnt, unterdrückt hat, plötzlich wieder Anhänglichkeit an denselben Zeigen sollte. Sind die eben besprochenen Charaktere unwahrscheinlich, ja unxxxöglich, so sind andere höchst koxxventioxxell. Dies gilt besonders von der Liebenden, Christine Moser, deren Heroismus man schwer begreift, da sie ixx dieser schxvülexx uxxd faulen Umgebung ausgewachsen ist; dies gilt nicht Xveniger voxx dexn antisemitischen Stxxdentexx, dexn salbungsvollen Pastor, der aufgeblasenen tyrannischen Mxxtter. Nicht einxxxal den jüdischen Eltern Kohns, arxxxexx Leuten, die völlig in ihren altjüdischen Axxschauungerx xveiter lebexx, in denen sie ausgexvachsen sind, ist ein Hauch eigenen, ursprünglichen Wesens beigexxxischt. Auch das Duell zwischen Kohn und dem jungen Moser halte ich, ganz abgesehen davoxx, daß damit ein gewaltsamer, kein natürlicher Schluß herbexgeführt xvird, für ungerechtfertigt: ein-Offizier, wie er hier geschildert wird, schießt sich nicht mit einem jüdischen Privatdozenten, da er ihn für satisfaktionsunsähig hält. Das Drama, in jeder Weise xmwahrscheinlich, in Borgängexx, wie in Charakteren, ist auch kein lebensvolles Theaterstück. Kann man axtch xnanchen Situationen eine gewisse Spannung nicht absprechexx, so sind doch die überxxxäßig langen Reden erxnüdend; sie gleichen xnehr Fexxilletons xxxxd Dissertationen als bühxxenkräftigen Dialogen. L. 0.

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