Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1914)
- Date
- 1914-09-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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der (5f)-cnn*a 500 Mark, von dem Israelitischen Frauenverein 500 Mark, von der Israelitischen Darlehnskasse 500 Mark (zinslos). K. Danzig, 18. September. Aus der hiesigen Gemeinde sind noch folgende, die vaterländische Betätigung der Juden angehende Bemerkungen nachzutragen. Der Vorstand der Synagoge n-gemeinde hat dem Noten Kreuz, der Kriegshilfe für Danzig und der Nationalspende für die Familien der Gefallenen je 1000 Mark überwiesen. .Neben den von regster Opferwilligkeit zeugenden Spenden aller Gemeindemitglieder ist als besonders rühmlich hervorzuheben, daß die Beamten der Synagogengemeinde zwei Prozent ihrer Gehälter vaterländischen Zwecken zur Verfügung gestellt haben. Aus der Borussia- Loge ist noch anzuführen, daß der Schwesternbund 150 Mark als erste Rate für Kriegshilfe gezahlt hat, und daß für den gleichen Zweck noch 500 Mark aus dem Kreise der Brüder eingegangen sind. Das Zoppvter Kinderheini konnte, da das Note Kreuz die zur Verfügung gestellten 50 Betten in einem großen Lazarett brauchte, zur Unterknnftsstätte für ostpreußische Flüchtlinge gemacht werden, deren Versorgung die Danziger Gemeiiuw unter schweren Lasten sich besonders cmgelegen sein läßt. Leider hat auch schon der Tod seine stolzen Opfer aus unserer Gemeinde gefordert: der Sohn eines hochangesehenen Mannes, des Vorstandsmitgliedes Herrn Justizrat S t e r u b e r g, der Unteroffizier der Reserve Fritz Sternberg, starb am 26. August in der Schlacht den Ehrentod fürs Vaterland. W. Posen, 18. September. Die Ernennung des neuen Erzbischofs von Posen und Gnesen erweckt eine Erinnerung an den verstorbenen Erzbischof Dr. v. Stablewski, wie er duldsam und gerecht auch gegen die Juden gewesen ist. Insbesondere wie er den Klerus ermahnte, von der Beteiligung an irgendwelchen Judenhetzen sich zurückzuhalten. Am 16. Januar 1891 übersiedelte der Propst Dr. v. Stablewski aus Wreschen als Erzbischof nach Posen. Im Juni desselben Jahres wurde dem Erzbischof von der Stadt Wreschen der Ehrenbürgerbrief überreicht. Magistrat und Stadtverordnete wiesen in diesem Briefe aus die Verdienste hin, die sich der Erzbischof während seiner 18jährigen Tätigkeit in der Stadt Wreschen und seinem Gemeinwesen durch stetes Bemühen um die Erhaltung des konfessionellen Friedens und durch Förderung der städtischen Interessen erworben hatte. Bei Beginn der antisemitischen Bewegung warnte Dr. v. Stablewski als Propst von Wreschen von der Kanzel herab die Versammelten vor Unfrieden mit den jüdischen Mitbewohnern. Es dürfte interessieren, Kenntnis von einem Schreiben zu haben, welches Dr. v. Stablewski als Propst an die Witwe des verstorbenen Königlichen Kreisphysikus Dr. Theodor Paradies in Wreschen richtete. Genanntes Schreiben hatte folgenden Wortlaut: „Sehr geehrte Frau! Es gibt Schmerzen, in denen jeder menschliche Trost vergeblich wäre und die nur lindern kann ein Allsblick nach oben. Und doch, sehr geehrte Frall, kann ich mir nicht versagen. Ihnen in diesen Tagen zu erklären, daß Ihr Schmerz auch unser Schmerz ist, daß, wenn Sie in dem Verblichenen nlit Recht einen inniggeliebten Gatten betrauern, wir einen rnenschenfreunblichen, uneigennützigen Arzt und edlen Mitbürger betrauern. Er siel wie ein tapferer Soldat als Opfer seines erhabenen Berufes. An seinem Grabe darf ihm deshalb das Zeugnis nicht versagt werden, daß er in seinem reinen, aufrichtigen Herzen weder die S ch r n n k e n der Religion noch der Rationalität kannte, um seine Menschenliebe zu betätigen. Dies war das Geheimnis, durch welches sich der Verblichene die Achtung und die Liebe so weiter Kreise erworben hat. Ihr Schmerz, sehr geehrte Frall, um den Verlust eines solchen Gatten möge, wenn er nicht Trost, so doch Beruhigung und Linderung in dem Glücke filideil, daß das Andenken Ihres verstorbenen Gatten bei Freunden und Bekannten stets in Ehren bleiben wird. Mit der Versicherung des allsrichtigsten Mitgefühls zeichne ich hoch-achtungsvoll Dr. v. Stablewski." x. Lissa i. P., 18. September. Am 15. d. M. starb hier plötzlich hn Dienste des Vaterlandes bei der angestrengten Tätigkeit als leitender Arzt des Reservelazaretts zll Lissa der Geheime Sanitätsrat Dr. I a k o b H e r r li st a d t. Mit ihm ist eine der geachtetsten und beliebtesten Persönlichkeiten unserer Stadt, ein hervorragender Arzt inld li'.-benslvürdiger Mensch dnhingegang-en. Mit dem vor einigen Monaten verstorbenen L a n d t a g s a b g e o r d n e t e n I u st i z r a t E d li a r d Wolfs, feinem bestell Freunde, hat er zusammen das hiesige Gymnasium besucht nnb hat sich nach Vollendung seiner Studien hier als Arzt niedergelassen. 36 Jahre hat er in Lissa in segensreicher und vorbildlicher Weise als Arzt gewirkt. Das Vertrauen seiner Kollegen berief ihn zürn Mitgliede der Aerzt-ekammer für die Provinz Posen, deren Vorstand und Ehrengericht er bis zu seinem Tode angehörte. Der Vorstorbene war Stabsarzt der Landwehr und Inhaber der Landwehrdienstauszeichnung erster Klasse. Unvergessen bleiben ihm sein Wirker als leitender Arzt des Roten-Kreuz- Krankenhauses und die Hingebung, mit der er sich seit Jahren der Ausbildung zahlreicher Krankenschwestern vom Roten Kreuz gewidmet hat, Verdienste, die von allerhöchster Stelle durch Verleihung der Roten-Kreuz-Medaille anerkannt wurden. Auch über den Kreis seiner Berufsinteressen hinaus hatte Geheimrat Dr. Herrnstadt ein warmes Herz für alle öffentlichen und sozialen Angelegenheiten, denen er gern sein Wissen und seine Arbeitskraft widmete. -Seit dein 1. Januar 1914 gehörte er auch der Stadtverordnetenversammlung an. Auch in der jüdischen Gemeinde betätigte er sich nach Kräften, so als Arzt des Kraukenunterstützungsvereins, als eifriges und tatkräftiges Mitglied der Raphael-Kosch-Loge und dergleichen. Bon dem biblischen Worte ausgehend: „Ter Gerechte lebt in seiner Ueberzeugung" hob Rabbiner D r. G e l l e s bei seiner unter großer Beteiligung stattgefundenen Beerdigung die Verdienste hervor, die der Dahingeschi.edene sich um die leidende Menschheit, um die Interessen seiner Standes genossen, um das Wohl der Stadt und des Vaterlandes erworben, und wie ihn in seinem wissenschaftlichen Streben, m seinem humanen und sozialen Schaffen lind Wirken stets nur seine Ueberzeugung geleitet hat. Ein dauerndes, ehrenvolles Andenken bleibt ihm in unserer Stadt und Gemeinde gesichert. — Die Wollheimsche Stiftung ( W o l l h e i m sch e s Kranken- und Siechenhaus) iu Lissa hat dem Roten Kreuz einstweilen Vier- Betten zur Verfügung gestellt. Vorsitzender des Kuratoriums dieser Stiftung ist Stadtrat Schreyer, Anstaltsarzt Sanitätsrat Dr. Scherbel. Unserem Rabbiner D r. Gelles, der zum Feldpvediger in Aussicht genommen worden ist, ist einstweilen die Seelsorge für die jüdischen Verwundeten nnb Kranken in den Lazaretten von Lissa übertragen worden. E. Neiße, 17. September. Die russis ch e n K u r g ä st e aus den -Bädern der Grafschaft Glatz, meistens Herren jüdischen Glaubens, welche über acht Tage in den Räumen des ehemaligen hiesigen Festungsaefängnisses interniert waren, sind heute auf freien Fuß gefetzt und in die Badeorte wieder entlassen worden. Bei ihrem Abschied rühmten sie die außerordentlich gute Behandlung, die ihnen zuteil geworden war, und veranstalteten eine Sammlung in Höhe von 55 Mark, welchen Betrag sie für die Zwecke des „Nationalen Frauendienstes" der Stadt Neiße bestimmten. Herr Rabbiner Ellguther hat die Summe zu diesem Zweck der Borsitzenden des „Vaterländischen Frauenvereins Nelße-Stadt", Frau Landgerichtspräsident Bollbrecht, überwiesen. J. Kolberg, 18. September. Auch in unserem Badeorte wurden Zahlreiche Glaubensgenossen aus Russisch-Polen und aus Rußland durch den Kriegsausbruch überrascht. Biele von ihnen versuchten in ihre Heimat zu gelangen, wurden aber an den Grenzen zurückgewiestn und mußten zwangsweise wieder nach Kolberg zurückkehren. Da den meisten die Mittel ausgingen, und weder Kreditbriefe aus Rußland ausgezahlt wurden, noch Geldsendungen aus Rußland hierher gelangen konnten, gerieten die.Fremden in große Not. Nicht nur die Aermeren, sondern auch reiche Leute, die in der Heimat in den besten Verhältnissen leben, besaßen keine Mittel, um auch nur den notwendigsten Lebensbedarf zu decken. Dazu kam, daß die russischen Untertanen in Zoppot, die sich in ähnlicher Notlage befanden und ebenfalls an der russischen Grenze nach Zoppot zurückgewiesen worden waren, bald darauf auch voll dort wegen der Festungsrahonverhältuisse mit der zwangsweisen Richtung nach Kolberg ausgewiesen wurden. So stieg die Zahl der in Kolberg anwesenden.Fremden aus Rußland bis auf etwa 3000 Köpfe nach amtlicher Feststellung. Um die erste Not zu lindern, bildete sich ein Komitee aus Mitgliedern der hiesigen jüdischen Gemeinde. Diesem stellten die beiden hiesigen jüdischen Wohltätigkeitsvereine vorläufig 1000 Mark zur Gewährung I von Darlehen zur Verfügung. Schon in acht Tagen waren 800 Mark! davon all Juden, zuur Teil auch an Christen verausgabt. Aber dies; alles war nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Darum trat auf j Veranlassung des ersten Komitees mit Genehmigung der Behörden! ein zweites Komitee von einigen Glaubensgenossen aus Polen