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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-09-25 · Heft 39 (25.9.1914) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 39 (25.9.1914)
Date
1914-09-25
Page
Seite 459 (sequence 3)
Language
German
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' "'ei 7^.-' *- ' ' ' ■ '; setzung ihrer Spender, zu je ein Viertel an die verschiedenen obengenannten Roten-Kreuz-Sammlungen abgegeben werden. L.S., Basel. * Der Kaiser hat an den Präsidenten Wilson einen flammenden Protest gegen die Lügenmärchen und das kulturwidrige Verfahren der feindlichen Mächte gerichtet. In einer Besprechung dieses Protestes, die von der „Franks. Zeitg." gegeben wird, lesen wir: Sehr tätige Teile des amerikanischen Volkes helfen uns bei der Aufklärungsarbeit. Zunächst schauen die Millionen von Deutschen oder Kindern eingewanderter Deutschen dem Existenzkämpfe des alten Vaterlandes nicht müßig zu, sie arbeiten und wecken, wo sie können. Dazu kommen die Millionen der Irländer, die sich jetzt offen als Freunde Deutschlands bekennen, weil sie, die Söhne und Enkel der der englischen Hungerp-eitsche und dem englischen Galgen Entflohenen, nie zu versöhnende Todfeinde Englands sind und bleiben. Vergesserl nur auch nicht die vielen Hunderttausende russischer Juden in Amerika, die von den Segnungen des Baschkirentums am eigenen Leibe und durch die Schicksale ihrer Angehörigen zu viel erfahren haben, um sich von der englischen und französischen Presse weismachen zu lassen, der Zar kämpfe für Freiheit und Kultur. Diese Einflüsse werden, zusammen mit dem Nachdenken der politischen Kreise, hoffentlich in absehbarer Zeit eine Wandlung auch in der breiten öffentlichen Meinung herbeiführen. Der amerikanische Botschafter in Berlin, Herr Gerard, hat kürzlich versichert, Amerika bleibe neutral. Nun, wir haben auch nichts anderes erwartet, verlangen nichts Besseres. Aber es gibt verschiedene Arten, neutral zu sein, und wir könnten wünschen und uns denken, daß die große amerikanische Nation im Verlaufe des Krieges mehr Wohlwollen und Verständnis für Deutschland zeigte, als in ihrer Presse vor einigen Wochen sichtbar war. Der Krieg wird einmal enden, am Friedensschluß muß auch Amerika in hohem Grade interessiert sein. Wir wünschen, daß es dabei den seiner Größe gebührenden Einfluß übe, und das wird dann möglich sein, wenn man in den Vereinigten Staaten anfängt, wie England, so Deutschland Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. * Ueber dieLage der Juden inRußland bringt der „Berliner Börsen-Courier" folgenden bemerkenswerten Artikel: lieber die Lage der Juden in Rußland erhalten wir von vorzüglich informierter Seite ein Situationsbild, das im Hinblick auf die in Amerika zirkulierenden Nachrichten besonders interessieren dürste: Der Lügenseldzug der alliierten Mächte, der mit so großem Erfolg im Gegensatz zum Schlachtfeldzug geführt wird, bewirkte es, daß man außerhalb Rußlands an eine bereits erfolgte Besserung der rechtlosen Lage der russischen Juden glaubte. Es tauchte sogar in sehr bestimmten Formen das Märchen von einem Manifest des Zaren „an seine lieben Juden" auf. Es scheint von russischen Agenten speziell für das Ausland fabriziert worden zu sein. In Rußland selbst weiß mau nicht das geringste davon. Namentlich in Amerika gibt man sich dem Glauben hin, daß die politische Gleichstellung der Juden eine bereits vollzogene Tatsache fei. Alle diese Annahmen entbehren jeder tatsächlichen Grundlage. Im Gegenteil: die Lage der russischen Juden hat sich infolge des Krieges noch hundertfach verschlechtert. Alle mittelalterlichen Härten und Grausamkeiten, die die Judengesetzgebung in Rußland mit sich führt, treten .gegenwärtig doppelt scharf hervor. Der Ansiedlungsrayon besteht nach wie vor. Sogar jetzt werden zahllose jüdische Familien aus ihren Heimatsorten, die von der korrupten russischen Polizei als außerhalb des Rayons liegend gedeutet werden, aus gewiesen. Während der Krieg an der östlichen Grenze, dern Hauptsttz der jüdischen Bevölkerung tobt, während 350 000 bis 400 000 jüdische Soldaten für das „Väterchen Pogrom" kämpfen, werden ihre Angehörigen außerhalb des Rayons nicht geduldet. An den alten Orten können sie nicht bleiben, ins Innere des Reiches dürfen sie nicht kommen. Als Rußland vom Eingreifen Englands in den Krieg noch nicht völlig überzeugt war, trug sich die Regierung mit der Idee, den Ansiedlungsrayon aufzuheben und noch ein paar andere liberale Reformen zu versprechen, um auf die liberale öffentliche Meinung, einzuwirken. Dies erwies sich aber als überflüssig, denn England beeilte sich, seinen Anschluß an das Kosakentum kundzugeben. „England hat leider zu früh ja gesagt", seufzte mancher fortschrittliche Russe. * Da diesmal, der hohen Feiertage wegen, schon am 19. September Redaktionsschluß ist, so müssen wir uns mit wenigen Nachrichten begnügen. Die große Schlacht an -der Marne, von Compiegne bis nach Verdun, in der fünf deutsche Armeen den vexeinigten Franzosen und Engländern gegenüberstehen, war bis zum 17. noch nicht entschieden. Die Sache soll für die Deutschen günstig stehen, mehrere Angriffe der Feinde sind abgewiesen. Teilerfolge unserer Truppen sind erzielt. Vom 14. bis 16. wurde folgendes gemeldet: In Belgien ist gestern ein Ausfall aus Antwerpen, den drei belgische Divisionen unternahmen, zurückgeworfen worden. In Ostpreußen ist die Lage hervorragend gut. Die russische Armee flieht in voller Auflösung. Bisher hat sie mindestens 150 Geschütze und 20 000 bis 30 000 unverwundete Gefangene verloren. Im Osten schreitet die Vernichtung der russischen ersten Armee fort. Die eigenen Verluste sind verhältnismäßig gering. Die Armee v. Hindenburg ist mit starken Kräften bereits jenseits der Grenze. Das Gouvernenent Suwalki wurde unter deutsche Verwaltung gestellt. Aus Berlin wird „Aftenbladet" depeschiert, daß General v. Hindenburg von russischen Gefangenen die Bestätigung erhalten hat, daß die vorher genannte „Millionen-Armee" in Wilna überhaupt nicht existiert, da sämtliche Truppen dort, sogar die Kaiserliche Garde, beordert wurden, sich an den Kämpfen bei der Weichsel zu beteiligen. Tatsächlich sollen die Ostseeprovinzen fast vollständig von größeren Truppenverbünden frei sein. In Oberschlesten verbreitete Gerüchte über drohende Gefahr sind nicht begründet. & Eine vollkommene Entscheidung der Riesenschlacht im Westen ist noch nicht erfolgt; wohl aber der herrliche Anfang eines, wie wir hoffen, endgültigen Sieges. Am 18. September wurde nämlich gemeldet: Das französische 13. und 4. Armeekorps und Teile einer weiteren Division sind gestern südlich Nohon entscheidend geschlagen und haben mehrere Batterien verloren. Feindliche Angriffe gegen verschiedene Stellen der Schlachtsront sind blutig zusammengebrochen, ebenso ist ein Vorgehen ranzösischer Alpenjäger am Vogesenkamm Breuchthal zurückgewiesen. Bei Erstürmung des Chateau Brimont bei Reims sind 2500 Gefangene gemacht worden. Auch sonst wurden in offener Feldschlacht Gefangene und Geschütze erbeutet, deren Zahl noch nicht zu übersehen ist. Das Ostheer setzt seine Operationen im Gouvernement Suwalki fort. Teile gehen auf die Festung Osowiec vor. * In Homburg ist vor einigen Tagen David Wolfson gestorben. Er war ein anerkannter langjähriger Führer der zionistischen Partei, mannhaft in seinem Auftreten, in heiliger Ueberzeugung von seinem Ideal erfüllt. Ungeheuer tätig, von Freund und Feind geschätzt, kein Schreier, kern bloßer Parteimensch, sondern ein aufrechter, treuer Mann, dessen volles und ganzes Lebensinteresse dem Judentum galt. Ehre seinem Andenken! * Zur Berichtigung unserer Mitteilung in Nr. 38 S. 450, Sp. 1 schreibt uns der Ausschuß des Verbandes der deutschen Juden: „Die Mitteilung über die Eroberung der ersten Fahne bei Lagarde durch den jüdischen Musketier Fischel erscheint uns jetzt allerdings zuverlässig bestätigt durch die Mitteilung eines jüdischen Theologen, daß in der Ersatztruppe, bei der er steht, dies ausdrücklich in einer Regimentsparole bekanntgegeben worden ist." * Uns geht folgendes zur Veröffentlichung zu: Kriegsspeiseanstalt der Tohnbee-Halle d e r B e r l i n e r L o g e n U. O. B. B. Schwer lastet die Zeit auf fast allen Schichten der Bevölkerung. Unstreitig wird von allen Seiten viel getan, um die drückendste Not zu lindern durch Gewährung von Barunterstützung, Kleidung und

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