Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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in dem Vorwort einen dringenden Mahnruf an alle Eltern, ihre Kinder regelmäßig dem Unterrichte Zuzuführen, indem er besonders die Notwendigkeit der erhöhten Unterweisung des weiblichen Geschlechtes im Hebräischen betont. Ten Jahresbericht über den Religionsunterricht in der städtischen israelitischen Volksschule erstattet Herr Hauptlehrer Nt. Schwab. Es verdient hervorgchoben zu werden, daß in Straßburg der gesamte Religionsunterricht unentgeltlich ist. Die israelitische Kultusgemeinde trägt alle Kosten im Gesamtbetrag von etwa 13 000 Mark. — Hagenau, 10. September. Die schweren Kämpfe im Oberelsaß, die in letzter Zeit zwischen den Franzosen und Deutschen ausgefochten wurden, erinnern uns daran, daß die dortige Gegend ziemlich stark von Juden bewohnt ist, die jetzt nicht nur zum großen Teil gezwungen waren. Heim und Herd zu verlassen, sondern neben der schweren seelischen Not auch viel durch die Zerstörung von Hab und Gut zu dulden haben. Es wohnen in dem vielgenannten Altkirch 289 jüdische Seelen, Hirsingen 74, Dammerkirch 15, Hagenbach 26, Bergheim 110, Grussenheim 314, Neubreisach 102, Blotzheim 62, Bollweiler 120, Ensisheim 27, Regisheim 154, Dürmenach 205, Hegenheim 169, Hüningen 50, Kolmar 1105, Dörnach 202, Mülhausen 2271, Niederhagental 145, Niedersept 124, Pfostatt 73, Markirch 147, Rappoltsweiler 134, Habsheim 73, Rixheim 69, Senuheim 151, Wattweiler 37, St. Ludwig 60, Kembs 50, Sierenz 113, Ussheim. 120, Gebweiler 305, Sulz 182, Thann 163, Winzenheim 421 Juden. Tie meisten Familien, besonders in der Mülhauser Gegend, haben sich slüchten j müssen, viele davon haben sich während dieser schweren Zeit in der; Schweiz niedergelassen. j Gk^errrich-Anggra. K. Wien, 11. September. Unter der Ueberschrist „Heldentaten j eines Landwehrinsanteristen" bringt die gesamte hiesige Presse j spalten lange Artikel über unseren Glaubensgenossen Julius Reis aus Teschen, dein es infolge seiner geradezu staunenswerten; Leistungen aus dem Schlachtselde gelang, in einigen Tagen vom! gewöhnlichen Infanteristen bis zum Feldwebel vorzurücken. Ritt- : meister Kurt Freiherr v. Reden schreibt aus dem k. k. Kriegspresse- I quartier vom 8. d. M. darüber: Aus den Kämpfen südlich von Lemberg werden jetzt einige Details über die Heldentaten eines einzelnen Mannes bekannt, die den Glauben, daß in modernen Schlachten der einzelne Mann zur Null werde, gründlich wideri legen. Es kommt nur darauf an, daß eine starke Persönlichkeit überhaupt durch die Gunst der Umstände in die Lage kommt, sich zu betätigen, und wir hören wieder Taten, die aus schon historisch gewordener alter Zeit auserstanden zu sein scheinen. Der Infanterist Julius Reif aus Teschen (Landwehrregiment Nr. 31) führte in dem Gefecht bei Suchodol am 24. August in einem kritischen Momente seine Kompagnie zu einem Vorstoßen an, indem er selbst allein voraneilte, die Tistanzpflöcke vor der feindlichen Verteidigungsstellung herausriß und diese Stellung dann wirklich mit seiner Kompagnie im Sturm einnahm. Reis wurde sofort zum Korporal ernannt. Er ist offenbar durch seinen großen Erfolg zum Bewußtsein seiner Fähigkeiten gekommen. In den folgenden Tagen handelte er noch weit kühner und selbständiger. Am 27. August harrte Reis mit seinem Schwarm im heftigen Feuer von Geschütz und Gewehren aus, in einer Stellung, die dem übrigen Teil der Kompagnie fünfmal verloren ging und immer wieder neu erobert werden mußte. Tags darauf betraute man diesen kühnen Korporal mit dem Zugskommando. Reif führte seine Leute taktisch richtig mit unvergleichlichem Elan an den Feind und hatte damit wesentlichen Anteil an dern Erfolg des Tages. Im Verlauf des Gefechtes bemerkte er aus einer Waldblöße fünfzig Russen. Sie verstärkten sich durch Zuzüge auf hundert Mann und wollten den Unseren eben in Flanke und Rücken fallen. Reif sammelte siebzig Mann mit sich, ließ aus 300 Schritt Entfernung anlausen und forderte den Gegner zur Waffenstreckung auf. Als die Russen seuerten, erwiderte Reif mit seiner Schar; die Hälfte der Russen siel, der Rest entfloh. Hierauf rückte Reif auf eine nahe Höhe los, wo vier russische Maschinengewehre standen, griff selbst frontal an, nahm die Bedeckung gefangen und erbeutete die Maschinengewehre. Reif erhielt auf dem Schlachtfelde die Charge des Feldwebels und ist zur Dekorierung mit den höchsten Auszeichnungen vorgeschlagen, die für Unteroffiziere überhaupt erlangbar sind. In einem Armeebefehl wird auf die Heldentaten des Reif hingewiesen und er selbst als Beispiel zur Nachahmung hingestellt. Auch wir freuen uns aufrichtig über die Heldentaten unseres Glaubensbruders und wünschen vorn Herzen, daß seine Heldentaten ihn zu noch größeren Taten anspornen mögen zur Ehre des Judentums und zum Heile des Vaterlandes und seiner glorreichen Armee. Italien. z. Rom, 10. September. Von kriegerischen Leistungen jüdischer Soldaten in Italien erzählt der Oberst Davara in der „Granda Jtalia": Im Jahre 1848 wurden die Freiwilligen aus Piemont meist den Bersaglieri Zugeteilt; man teilte sie in drei Kompagnien: die Studenten bildeten die 3. Kompagnie des 4. Bataillons, die Juden die 7. Kompagnie und die anderen Freiwilligen die 4. Kompagnie. Die sogenannte Hebräerkompagnie zeichnete sich, wie Oberst Davara berichtet, ganz besonders aus. Sie war aus der Katastrophe, in welche das piemontesische Heer hineingeraten war, unversehrt hervorgegangen und rettete dann in Mailand Karl Albert aus großer Gefahr. Als dann im Jahre 1849 der Krieg von neuem begann, überschritt die Hebräerkompagnie mit der 8. Kompagnie, unter Führung König Alberts, den Ticino und kämpfte überaus tapfer bei der „Ssorzesca". Zwei Tage später tat sie bei der „Bicocca" wahre Wunder von Tapferkeit. Jmnitten der Kompagnie wurde der General Perrone getötet und der heldenhafte Major Lyons durch eine Kanonenkugel schwer verwundet und aus dem Sattel geschleudert. Unter dem Rufe: „Für unfern Major!" stürzte sich die jüdische Kompagnie aus den Feind, den sie mit solchem Ungestüm angriff, daß er in wilder Flucht das Schlachtfeld verließ. Als die Juden dann erfuhren, daß in ihrer Nähe ein Infanterieregiment von Savona von der feindlichen Uebermacht hart bedrängt werde und daß seine Fahne bedroht sei, wandten sie sich mit großem Elan dem neuen Feinde zu. Hauptmann Cattaneo, der Führer der Kompagnie, wurde schwer verwundet, so daß er wenige Tage darauf starb; der Leutnant Ritter Radicati, der an seine Stelle trat, wurde getötet; von der ganzen Kompagnie kehrten nur etwa vierzig Bersaglieri unter der Führung des Unterleutnants Dr. Modena heim; aber die Fahne wurde gerettet. Oslgpina. Jerusalem, im August. Die Verhältnisse gestalten sich unter dem Drucke der kriegerischen Wirren von Tag zu Tag bedrohlicher. Die Lebensmittelpreise steigen, und es ist lediglich dem Eingreifen der Stadtverwaltung zu danken, daß nicht noch höhere Preise erreicht wurden. Infolge des Moratoriums zahlen die Banken auch gegen Sicherheit keine nennenswerten Beträge aus, und die spärlich vorhandenen Geldvorräte werden bald ganz zusammengeschmolzen fein. Die Arbeitslosigkeit ist enorm, und außer Lebensmitteln sind überhaupt keine Waren abzusetzen. Katastrophal wirkt namentlich die Störung des Esrogimhandels, aus den sonst um diese Jahreszeit die Hoffnungen weiterer Kreise direkt und indirekt gerichtet sind. Es besteht wenig Aussicht, die Esrogimschisfe nach Triest durchzubringen. Die Sympathien aller Völker der Türkei sind entschieden auf der Seite Deutschlands und Oesterreichs, insbesondere kann man dies auch von der arabischen Bevölkerung sagen. Dem arabischen Haß gegen Rußland ist dieser Tage ein dem russischen Kaiser gehöriger Garten bei Tiberias zum Opfer gefallen. Die Exzedenten könnten nur durch Militärgewalt in ihrem Zerstörungswerk verhindert werden. Die Mobilisation ruft zahlreiche türkische Juden unter die Fahnen. Infolge des Aufhörens der Geldzufuhr aus Deutschland sind auch die Bauarbeiten am Technikum wiederum vollkommen sistiert worden. Israelit. Von Aah und Ferm — Der Verband der jüdischen L e h r e r v e r e i n e i m Deutschen Reiche hat beschlossen, den Familien der im Felde stehenden Verbandsmitglieder aus den Mitteln seiner Zentralhilfskasse einen Zuschuß zu gewähren. Der Verband zählt viele kärglich besoldete und nicht öffentlich angestellte Mitglieder. — Zur Linderung der durch den Krieg geschaffenen Nöte hat Frau Kömruerzienrat CäcilieLoeser in Berlin, die bereits namhafte Summen verschiedenen durch die Kriegsnot geschaffenen Hilfsorganisationen zugewendet hat, 100 000 Mark dem Oberbürgermeister überwiesen. Gleichzeitig stiftete Frau Kommerzienrat Loeser weitere 50 000 Mark zur Verwendung für Privatlehrer