Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3229123-3229162--70734-3283096- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oran 1× ep/1048048
OCR text
zugoführt iüDrbcit. Im ©cmcutbcmnt ist eine Sammelstelle für das Rote Kreuz, für die allgemeine örtliche Kriegsnotspende sowie für außerordentliche Bedürfnisse der Leipziger Gemeinde, insbesondere für die massenhaft hierher geflüchteten notleidenden russischen Juden errichtet worden, an der durch Privatspender insgesamt gegen 18 OOO Mark bisher eingegangen sind. ZI. Hamburg, 11. September. Ter Israelitische hum a uitä r e Fra u envere t n hatte seine Mitglieder und Freunde zu einer außerordentlichen Versammlung berufen, um über die in gegenwärtiger Lage zu ergreifenden Maßnahmen zu beraten. Die Vorsitzende, F r ä u l e i n S i d o n i e Werner, eröffnete die zahlreich desuchte Versammlung, zu der auch als Vertreter des Gemeindevorstandes Herr Alfred Levy erschienen war, mit dem Hinweis, daß die meisten der dem Rufe des Vaterlandes freudig folgenden Soldaten hauptsächlich auch um das Ergehen ihrer zurückbleibenden Familie besorgt sind. Die Kriegshilfe wird wohl für die Familie sorgen. Aber die Hauptsache bleibt doch die Kleinarbeit auf diesem Gebiete, und da gibt es noch eine Fülle von Arbeit.- In erster Lime gilt es auch die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Der Arbeitsnachweis des humanitären Frauenvereins ist erweitert worden und wird nach Möglichkeit bestrebt sein, auf diesem Gebiete helfend eiuzugreifen. Zur Linderung der schon jetzt einsetzenden Not hat der Verein beschlossen, im Logenheim, Hartungstraße, eine Volksküche einzurichten. Es soll dort ein Mittagessen, die Portion zu 15 Pfennig für Erwachsene und 10 Pfennig für Kinder, verabfolgt werden. Die Küche wird selbstverständlich streng rituell geführt und untersteht der Aufsicht des Oberrabbinats. Im übrigen wird jeder ohne Unterschied der Konfession in dieser Küche, zu der sich später noch eine zweite gesellen wird, gespeist werden, wie denn auch der Verein zur Speisung hilfsbedürftiger israelitischer Krnder und die Knaben- und Mädchenhorte der Gemeinde beschlossen haben, in dieser schweren Zeit jeden Unterschied der Religion unberücksichtigt und ihre Wohltaten jedem sich Meldenden zuteil werden zu lassen. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wurden noch verschiedene Vorschläge gemacht, wie die Errichtung einer Flick- und Nähstttbe, die Schaffung einer Waschküche nsw. Fräulein Werner gab schließlich unter lauter Zustimmung der Anwesenden den Beschluß des Vorstandes bekannt, das Vermögen des Vereins für die Zwecke der Kriegshilfe zll verwenden. e/a Köln, 11. September. Am 22. v. M. war der aus Oran (Algerien) gebürtige, im Gefecht bei Neufchate.au durch einen Bauchschuß schwer'verwundete spaniolische Jude Abraham Maman zur Pflege in das im hiesigen Augustahospital eingerichtete Garnisonlazartt gebracht worden. Da er der pflegenden Schwester den Wunsch aussprach: „Je veux etre enterre chez mes freres“ (ich möchte bei meinen Brüdern beerdigt werden), wurde der Rabbiner Dr. Frank in Kenntnis gesetzt, der alsdann die Sterbegebete bei dem scheidenden Krieger verrichtete. Obschon der verblichene Soldat natürlich weder Verwandte, noch Bekannte hier hatte, versammelte sich ein ansehnliches Leichengefolge zur Erweisung der letzten Ehre. Vor dem Militärleichenwagen ging eine Jnfanteriekorpyralschaft, dahinter Vorstandsmitglieder der beiden Synagogengemeinden und Wohltütigkeitsvereine. In markigen Worten betonte Rabbiner Dr. Frank, unsere deutschen Kämpfer könnten froh sein, wenn sie im Feindeslande so herzliche Aufnahme, Pflege und Aufmerksamkeit finden würden, wie wir sie den Verwundeten und Gefangenen unserer Gegner angedeihen ließen. Mit dem Gebet um baldigen Frieden schloß der Geistliche seine Ansprache. Y. Düsseldorf, 11. September. Der V er e i n z u r F ö r d e r u n g der Handwerke und technischen Berufs arten versendet soeben seinen Bericht über, die beiden Geschäftsjahre 1912/13 und 1913/14. Wir entnehmen demselben, daß am 1. April 1913 16 Lehrlinge, am 1. April 1914 18 Lehrlinge in der Ausbildung begriffen waren. Im ersteren Jahre beendeten 7, im letzten Jahre 4 Lehrlinge ihre Lehrzeit. Ihre Ausbildung erfolgte nach der bisherigen Methode des bewährten Lehrherrn unter gleichzeitiger Mithilfe durch Unterricht in Fortbildungs- und Fachschule sowie besonderem Unterricht im Heim. Das bedeutsamste Ereignis in der Berichtsperiode waren die Umbauten des Hauses Bilker Straße 25 und die Fertigstellung des Heims, dessen Einrichtungen in allen Teilen gut und zweckentsprechend ausgefallen sind. Allerdings hat es dabei, wie der Bericht bemerkt, an unangenehmen Ueberräschungen nicht gefehlt. Vorübergehende, aber recht ernste Geldsorgen tonten nur dank der Bereitwilligkeit eines Freundes beseitigt werden, der den Betrag imi 5000 Mark zinslos zur Verfügung stellte. Der wenig gute bauliche Zustand, in dem sich das Haus vor dem Umbau befunden hat und unvorhergesehene größere Aufwendungen, welche die Einrichtungen des Unterhauses für Zwecke der Loge U. O. B. B. bedingten, brachten das Defizit von rund 5000 Mark. Trotzdem sind die Verpflichtungen bis aus einen kleinen Rest inzwischen beglichen. Die Mitgliederbeiträge 1913/14 sind leider weiter um etwa 2 Prozent gegen das Vorjahr zurückgegm^gen. Der Bericht stellt fest, daß an diesem Rückgang allein die auswärtigen Mitglieder, nicht die Düsseldorfer, beteiligt sind, deren j Zahl int Gegenteil zu genommen hat. Dabei kommen die Leisttmgen! des Vereins mit geringen Ausnahmen ausschließlich Auswärtigen! zugute. Die Gesamteinnahmen im Jahre 1912/13 betrugen j 12 516,— Mark, die Ausgaben dagegen 12 678,— Mark, int Jahre! 1913/14 beliefen sich die Einnahmen -auf 25 769,—Mark, die Ausgaben! auf 25 104,— Mark. Einnahmen sowohl wie Ausgaben von 1912/13 j sind dabei mit eingerechnet, so daß am 1. April 1914 ein Kassenbestand von 665,— Mark vorhanden war. Zu beklagen hatte der Verein den Tod des Geheimen Kommerzienrats I. H i r sch la n d , an dessen Stelle Herr Kurt Hirsch l and in den Ausschuß gewählt wurde. Einen schweren Verlust bedeutete auch der Heimgang des Herrn Jacob Lippmann, Aachen. L 0 Heilbronn, 15. September. In Friedenszeiten findet die Eidesleistung der Rekruten in den Kirchen der verschiedenen Konfessionen statt; diesmal standen am 20. v. M. Evangelische, Katholiken und Jsraelitengemeinsam zur Eidesleistung int weiten Viereck im Käseruenhof, und die Militärgeistlichen aller drei Konfessionen auf dem großen, mit Pflanzen und Waffen geschmückten Feldaltar. Es war vereinbart, daß der Vertreter der Minderheit die religiöse Ansprache halte, und so sprach denn Rabbiner Kahn über die Heiligkeit des Eides und im Anschluß an alttestamentliche Worte und Vorbilder über die Größe, und den Ernst dieser unsrer Zeit. Die Vertreter der christlichen Kirchen' sprachen das Eingangs- und das Schlußgebet. „Gott ist gegenwärtig" und „Großer Gott, nur loben dich" umrahmten die Feier, die wiederum unter Mitwirkung der Feuerwehrkapelle stattfand. Eine markige Ansprache des Kommandeurs schloß das Ganze ab. Wie schwinden doch so viele Unterschiede und Gegensätze dahin in großen schweren Zeiten. Als die Geistlichen im Talar gemeinsam zu der Feier hinanssnhren und dann ant Schluß nebeneinander alt dem Altar standen, da ging gewiß durch viele Herzen eine Ahnung davon, daß „ein Ziel erglänzt dem Pjlgerlaufe" und „ein Vater waltet über allen". Vaterlandsliebe und Gottesglanbe — wir haben ihr Wachsen verspürt im Sturm dieser Zeit; möchten sie mächtige Schwingen bleiben in unserem Volksleben, dann werden die schweren Opfer nicht vergebens, sein, von denen jetzt jeder neue Tag uns Kunde bringt; dann erst werden wir Siegeslieder singen können im höheren Chor. J. VY Stratzbnrg, 10. September. Kurz vor Ausbruch des Krieges ist der Jahresbericht der Religionsschule der israelitischen Gemeinde erschienen. Herr Direktor Dr. S. G r o m b a ch e r erstattet ihn zum 14. Male. Wir entnehmen demselben, daß die Religionsschule im Schuljahre 1913/14 von 374 Kindern {184 Knaben und 190 Mädchen) besucht war. Diese erhielten in sieben Knaben- und sechs Mädchenklassen in der Schule selbst, in fünf Klassen in der Lindnerschen und in drei Klassen in der Köbigschen Höheren Mädchenschule Unterricht. In den beiden letztgenannten Anstalten wurde mit Beginn dieses Schuljahres auch ein hebräischer Kursus eingerichtet. Das Lehrpersonal setzt sich folgendermaßen zusammen: Direktor Dr. Grombacher, Rabbiner Dr. Arthur Weill, Kantor Kaufmann, Chordirigent Bochner und Fräulein Therese Levy. Die Zahl der wöchentlichen Lehrstunden betrug für den Direktor sieben, Dr. Weill drei im Sommer-, sieben im Winterhalbjahr, Kaufmann acht bzw. neun, Bochner fünf und Fräulein Levy sieben, zusammen 30 Stunden. .Dazu kommt noch der an den höheren Schulen staatlich eingeführte Religionsunterricht, der sich ausschließlich auf die jüdische Geschichte und Religionslehre beschränkt, während die von der.Kultusgemeinde errichtete Religionsfchule fast ganz im Dienst des sogenannten chebräischen Unterrichtes (Hebräisch Lesen und Schreiben, Gebet, Pentateuch, Grammatik) steht. Der Direktor richtet