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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-09-18 · Heft 38 (18.9.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 38 (18.9.1914)
Date
1914-09-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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y f*£^*rf.?WS^OT-pe^^ jetzt Verstorbene ist der Vater des Kommerzienrats Georg Haberland. ' E . .l . Sß Berlin, 15. September. Der Reichs verein derbe n t s ch e n Juden hat sich an das königlich preußische S t a a t s m i n i st e r i u m mit dem Ersuchen gewandt, den jüdischen unmittelbaren und mittelbaren Staatsbeamten und Anwärtern, ebenso wie den Hilfsarbeitern und vorübergehend beschäftigten Hilfskräften, durch Suspensation vom Dienst die Möglichkeit zur Teilnahme am Gottesdienst an den hohen Feiertagen zu geben. Er hat sich weiter mit einer Eingabe an die M i l i t ä r beh ö r de gewandt, soweit es die militärischen Operationen zulasfen, gestatten zu wollen, daß die jüdischen Soldaten im Felde und in den Garnisonen Festgottesdienste veranstalten oder an solchen teilnehmen. Bekanntlich war den jüdischen Feldzugsteilnehmern im Kriege von 1870/71 die Möglichkeit gegeben, Festgottesdienste zu veranstalten, resp. denselben beizuwohnen. Der Jom-Kippur-Festgottesdienst vor Metz ist weiten Kreisen bekannt geworden. Vom Vizepräsidenten des Staatsministeriums ist bereits Antwort eingegangen dahingehend, daß das Gesuch des Reichsvereins der deutschen Juden den preußischen Herren Ressortministern zwecks eventuell weiterer Veranlassung für ihren Geschäftsbereich Zur Kenntnis gebracht sei. W. Posen, 11. September. Am vergangenen Freitag abend fand während des Gottesdienstes die Einführung des Gemeinderabbiners Herrn Dr. F r e i m a n n in der Synagoge A statt. Das Gotteshalls lvar in seinen Räumen von Männern und Frauen gedrängt voll; auch viel Militär hatte sich zu dem Akte eingesundcn. In der vordersten Reihe hatten- Herr Gemeinderabbiner Professor Dr. Bloch, die Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung sowie die Vorstände der verschiedenen Wohltätigkeitsvereine innerhalb der Synagogengemeinde Platz genommen. Eine direkte Einladung durch die Gemeinde nach außen hin konnte in Anbetracht der Kriegswirren nicht durchgeführt werden. Nach dem Minchagebet sang der Synagogenchor das Matauwn, und unter dem üblichen Boruch Habu umrbe der Herr Rabbiner von Mitgliedern der Verwaltnn'gskoinrnission 311 seinem mit Blumen geschmückten Sitze geleitet. Auf der Estrade folgten die Begrüßungsansprachen durch den Gemeindevorsteher Herrn Israel Friedlaender und den Vorsitzenden der Repräsentantenv-ersammlung der Synagogengemeinde Herrn Geheimen Kommerzienrat Herz, die Herr Dr. Freimann aufs lvärmste erwiderte. Dann bestieg der Herr Rabbiner die Kanzel, inld in einständiger Rede entwickelte er das Programm seiner amtlichen Tätigkeit und betonte namentlich, daß er bestrebt sein werde, Mittel und Wege zu finden, die Jugend zu wahrhaften Juden und edlen-Menschen 31t erziehen. Tie Worte machten auf die andächtig lauschenden Gemeindemitglieder einen nachhaltigen Eindruck. Redner schloß dann mH dem Segen für die Gemeinde und dem Gebete für Kaiser und Reich und das kämpfende Heer. Der Hallelujagesang beendete die schöne Feier. L/D Rogasen, 11. September. Außer einer Menge Naturalien und sonstiger Liebesgaben, wie Bettzeug, Bettlväsche, Kleidungsstücke usw. für das hiesige Genesungsheim des vaterländischen Frauenvereins, wurden in der hiesigen Gemeinde - mehr als 500 Mark für die Zwecke des Roten Kreuz gespendet; außerdem beschloß die Gemeindevertretung 300 Mark dem hiesigen Lazarett zuzuwenden. — Eine außerordentliche Leistung für das Vaterland kann von der hiesigen Witwe E. Fei b u sch berichtet werden. Dieselbe hat acht Söhne zu den Jahnen entsandt und ihre einzige Tochter hat sich der Roten-Kreuz-Arbeit gewidmet. — Für das Bauprojekt des jüdischen Siechen- und Altersheims für die Provinz Posen war ein Wettbewerb ausgeschrieben worden. Es fand eine Sitzung des Preisrichterkollegiums statt, an - dem Professor T r. Ing. A. Grotte, Oberlehrer an der Bau ge werbe schule in Posen, Kaufmann Rud. Petersd 0 rff teilnahmen. Von den eingereichten Bauentwürfen wurden zwei mit Preisen zu gleichen Teilen prämiiert. Die Preise erhielten Felix Hirsekorn, Architekt in Posen und S. F riedländer, Architekt in Berlin je 250 Mark. <y*> Breslau, 11. September. Aus einem Feldpostbrief der „Schles. Ztg." vom 20. August sei hier folgende interessante Stelle mitgeteilt: . . Ich habe noch nie Städte mit so rein jüdischer Bevölkerung gesehen, wie hier. Heute, als wir uns letzterer Stadt auf drei Kilometer näherten, war die Straße besät mit Kastanträgern, die mit Spaten und Axt die schlechte Straße unter Aufsicht unserer Truppen bessern mußten, daß der Arbeitsschweiß wacker all den Ohrlocken herunterrann. Aber auch diese Einwohnerschaft tut das gern. Die kaufmännische jüdische Bevölkerung schafft alles heran, durch sie lockt man aus allen Ecken noch Lebensmittel heraus. Es wird aber auch gut bezahlt nach hiesigen Begriffen — freilich billig nach sonstigen Begriffen. Wir kauften gestern 30 starke Hammel a 10 Mark, eine gute Gans für fünf bis sechs Personen kostet 2 Mark, und Gänsebraten ist bei der Unmasse der „polnischen Gänsebevölkerung" kein seltener Genuß. Manche Korporalschast kauft sich ihre Privatgans. Aber auch Delikatessen fehlen nicht. Mehrere Waggons mit stehengebliebenen Ladungen wurden von der Division verteilt, und die Wehrleute empfingen jubelnd Schokoladen, echte russische Bonbons, Biskuits, russisches Teegebäck. Alles ehemals als Import für Deutschland bestimmt. Nun kommt es ohne Zoll ab Bahnhof Tschenstochau in deutsche Hände. L. G. Glogau, 11. September. Eine der angesehensten Persönlichkeiten Schlesiens, Justizrat Friedmann in Glogau, beging am 9. September das Jubiläum seiner 50jährigen Wirksamkeit im preußischen Justlzdienst. Nach vorhergegangener richterlicher Tätigkeit versieht der Jubilar seit fast 42 Jahren die Funktionen eines Rechtsanwalts und Notars nach wie vor in vollster Frische und Gesundheit. Er dürfte also einer unserer dienstältesten Rechtsanwälte und Notare sein». Justizrat Friedmann, in dessen Hand eine Fülle von Ehrenämtern, unter anderen das des Stadtverordnetenvorstehers von Glogau, vereinigt ist, spielt auch eine große Rolle im öffentlichen Leben, und zwar nicht nur in seiner Heimatprovinz; auf Städte-, Anwalts- und Juristentagen ist er vielfach hervorgetreten, zum Beispiel hat er auf den Juristentagen in Danzig und Wien die Erörterung des Problems der Todesstrafe in Deutschland wieder in Fluß gebracht. Lange Jahre war Friedmann der juristische Berater und Notar des Vaters unserer Kaiserin, des 1881 verstorbenen Herzogs Friedrich August von Schlesloig-Holsteiu-Sonderburg-Augustenburg in Prunken au, Kreis Sprottau in Schlesien, wo der Herzog bekanntlich einen umfangreichen Grundbesitz, Hüttenwerke usw. hatte, die heute seinem Sohne, dem Herzog Ernst Günther, gehören. Justizrat Friedmann ist ein treuer und eifervoller Jude. In seiner Heimatstadt Glogau wirkt er seit Jahren im Vorstande der Gemeinde und ist in humanitären und Bildungsvereinen seit langer Zeit hervorragend tätig. Auch in den großen jüdischen Vereinigungen spielt er eine führende Rolle. Alls den Judentagen, die er selten oder nie versäumt, ergreift er gern das Wort; noch bei der letzten Vorversammlung in Hamburg hat er durch eine eindrucksvolle Rede den Gang der Verhandlungen bestimmt. Ein lebhafter, liebenswürdiger, .dabei energischer Mann, weiß er sich, wo er auch erscheint, Ansehen, seiner Ansicht Geltung und Berechtigung zu verschaffen. Die Jahre sind fast spurlos an ihm vorübergegangen; er imponiert durch die Frische und Jugendlichkeit seiner Persönlichkeit. Möge es ihm noch lange vergönnt sein, im vollen Besitz seiner Kräfte für die Seinen, seine Vaterstadt und unsere Gemeinschaft zu wirken. — Herr Justizrat Frieduranu ist anläßlich seines goldenen Berufsjubiläums zum Geheimen Justizrat ernannt worden. LZ Dresden, 11. September. Der Vorstand des Krankenu n t e r st ü tz u n g s r n st i t u t s für I s r a e l i t e n zu Dresden hat, nachdem eine zu diesem Zwecke erforderlich gewesene Satzungsänderung. von der Mitgliederversammlung einstimmig angenommen worden war, beschlossen, einen größeren Teil seines Vermögensbestandes für Kriegsnotstandszwecke bereitzustellen. Davon sind bereits 3000 Mark an die Kriegsorganisation der Dresdner Vereine, 1500 Mark an den Landesausschuß für das Rote Kreuz und 1500 Mark an den Albertverein, alles in dreiprozentiger Sächsischer Rente, abgeführt worden. —- Der Israelitische Armenunterstützungsverein hat ebenfalls trotz der durch den Krieg erheblich erhöhten Inanspruchnahme seiner Mittel der Kriegsorganisation 10*00 Mark Dresdner vierprozentige Stadtanleihe überwiesen. £2 Leipzig, 11. September. Die Gemeindevertretung hat auf Antrag des Vorstandes zur.Unterstützung von Angehörigen hiesiger zum Heere einberufener deutscher, österreichischer und ungarischer Glaubensgenossen sowie zur Linderung sonstiger-durch den Krieg her-vorgerufener Not den Betrag bis .30 000 Mark aus Gemeindemitteln bewilligt, auch sind außerdem 5000 Mark dem Noten Kreuz

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