Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- Seite 456 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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456 glänzende Organisation, linev Einfluß auf die Kundschaft zu leisten vermag! sticht einmal ein Opfer ist es, was von Euch verlangt wird! Man bietet Euch zu billigem Kurse Wertpapiere von hervorragender Sicherheit mit ausgezeichneter Verzinsung! Sage keiner, daß ihm die flüssigen Mittel fehlen! Durch die Kriegsdarlehnskasfeu ist im weitesten Umfang dafür gesorgt, daß die nötigen (Helder flüssig gemacht werden können. Eine vorübergehende kleine Zinseinbuße bei der Flüssigmachung muß heute jeder vaterländisch gesinnte Deutsche ohne Zaudern auf sich nehmen. Die deutschen Sparkassen werden den Einlegern gegenüber, die ihre Sparguthaben für diesen Zweck verwenden wollen, nach Möglichkeit in weitherziger Weise auf die Einhaltung der Kündigungsfristen verzichten. * E> roß Herzog l. S. Landrabbiliat. E i s e n a ch, lü. September. Das Großherzogl. Staatsmiuisterium hat für die Zwecke der freiwilligen Kriegskraukenpflege im Großherzogtum Sachsen eine Veckeukollekte ausgeschrieben, deren Ertrag die Großherzogl. Superintendenten der .Kassenverwaltung des Kultusdepartements bis Ende September d. I. abzuführen haben. Ich halte es für meine Pflicht, den Kliltusgemeindeu nrtb Religio ns de reinigungen des Landes die Anregung zu geben, diesem Vorgänge zil folgen und auch ihrerseits die vaterländische Gesinnung in ähnlicher Weise und dadurch zu betätigen, daß bei allen Gottesdiensten des diesjährigen Neujahrs- und Versöhnungsfestes die zur Thora Gernfenen ihre Spenden gleichfalls der Kriegskrankenpslege widmen. Die Gemeindemitglieder sind hiervon in geeigneter Weise zu verständigen. Ich sehe der Einsendung der Spendenerträgnisse bis Anfang Oktober d. I. entgegen, um dieselben alsbald dem Großherzogl. Staatsministerium mit Bericht überweisen zu können. Rabbiner Dr. Wiese. Herr Redakteur! Aus dem Zitat aus Theodore Stantons Biographie Rosa Bonheurs l Seite 345 Ihres geschätzten Blattes) ist nicht ersichtlich, ob dort die französische Tiermalerin eine Jüdin genannt wird, wie ihr nur leider unbekannter Freund, Ernest Gambart. Rosa Bonheur war jedenfalls keine Jüdin. Sie hatte bloß das Malheur, Bonheur zu heißen, und das brachte Leon Kahn, der unter dem Pseudonym „Leonce Reymoud" eine gegen Drumont gerichtete apologetische Schrift unter dem Titel „La. France n’est pas juivc“, Paris, 1886, schrieb, auf den Gedanken, Bonheur ins Deutsche zu übersehen, und so aus Rosa Bonheur eine Rosa Glück zu machen, die natürlich das Glück haben mußte, eine Jüdin zu sein. Die Unwahrheit dieser Vermutung nmrde schon in dieser Zeitung, Jahrgang 1888, Seite 812, uachgenneseu. Eine interessante Parallele ist die hierzulande hartnäckig festgehaltene Behauptung, August Betmont, der aus Alzey eiugervanderte Bankier, dessen Familie jetzt dem Judentum gänzlich entfremdet ist, habe eigentlich Schönberg geheißen. Ebenso behauptete mir gegenüber ein in Mailand ansässiger deutscher Kaufmann, Pius X. sei als Jude geboren, denn er habe Sarto geheißen; Sarto aber bedeute Schneider, und jeder Schneider sei ein Jude. Ergebenst E i u c i n n a t i, O. G o t t h a r d D e u t s ch. E i n W o r t a n d i e b e i -d ^e n h o ch geehrten I e n e u s e r P r o s e s s o reu E u ck e n u n d H a -e ck e l. Durch die Tagesblätter geht eben eine geharnischte Entrüstungserklärung der beiden wohlbekannten Jeneuser Professoren über Englauds perfides Verhalten im gegenwärtigen Weltkriege. Sie haben damit gewiß jedem der deutschen Gelehrten mir aus der Seele gesprochen; sicherlich beklagen sie alle mit ihnen das Scheitern langjähriger, noch vor kurzem vielversprechend, aussichtsreich gewesenen Bemühungen um aufrichtige internationale Annäherung von deutschen und englischen Gelehrten zueinander, wie sie-dem Manne der Wissenschaft geziemt, unter der Wucht von neuem entfesselten, nationalen Egoismus, der allein England zum Kampfe getrieben; insbesondere muß der Freund der Kultur, der Menschheit es beklagen, wie das Wiederherrschendgewordensein niederer Volksiustinkte wie des Neides, grundlosen Hasses über Vernunst, ja über eigenes, nur wohlverstandenes Interesse einen Verlust nicht leicht wieder einzubringender Kulturwerke bedeutet. Nur eins ist in dieser Protestkundgebung den Widerspruch herausfordernd, es ist freilich nur ein Formelles, das ist, daß sich die beiden Gelehrten noch des Bildes von „heuchlerischem Pharisäertum" bedienen, damit aber einen durch die Jahrhunderte sortgeschleppten Irrtum wieder aufleben machen, heute, nachdem ein Travers Herford mit seinem epochalen Werke „Das pharisäische Judentum", mit dem darin niedergelegten, voraussichtlich für innner uwoiderlegbaren Beweismaterial aufs überzeugendste dargetan, daß es den Pharisäern mit ihren moralischen und religionsgesetzlicheu für sie und für sie selbst zu oberst wie für andere aufrichtigst ernst gewesen, daß es geschichtlich unhaltbar, ihnen in ihrer Gesamtheit eine andere Gesinnung als diese anzndichken. Daß es der englische Theologe, der englische Gelehrte ist, der den Wahrheitssinn und den Mut besessen, mit dem Märchen von pharisäischer Heuchelei aufzuräumen, ändert an der Geltung der Ergebnisse echt wissenschaftlicher Forschung nichts; die Wissenschaft steht über dem Kriege. Gewiß wird es noch einige, vielleicht sogar geraume- Zeit kosten, bis solches zum festen Inventar wissenschaftlichen Bewußtseins der Zeit sich durchgerungen. Eben darum meint Schreiber dieses, sich den Dank auch der beiden hochverdienten Gelehrten zu verdieueu, in diesem Blatt daraus hingewiesen zil haben, nur au seinem bescheidenen Teile zur Verbreitung geschichtlicher Wahrheit beizutragen. Treitel (Laupheim). # Hochverehrte Redaktion' Mit höchstem Interesse las ich in Nr. 36 Ihres werten Organs das Gedenkblatt „Ludwig Kalisch", dessen Namen ich in meiner Jugend oft nennen hörte. Der geschätzte Verfasser irrt jedoch, wenn er aunilnmt, daß deutsche Geistesbildurig der jüdischen Jugend der Stadt Lissa vor hundert Jahren noch nicht Zugänglich war. Das Gymnasium meiner teuren Vaterstadt besteht seit länger als drei und einem halben Jahrhundert. Mein Vater, geboren 1824, war Schüler desselbeu. Mein Großvater väterlicherseits, geboren 1792, beherrschte die deutsche Sprache gleich meisterhaft in Wort und Schrift und vererbte meinem Vater ein Konversationslexikon aus dem Jahre 1834. Breslau, September 1914. Regina Neiße r. Eine W o ch e n s ch r i s t für unsere Krieger im Feld! Um eine ständige geistige Verbindung zwischen unseren im Felde und auf der See kämpfenden tapferen Truppen und der Heimat herzustellen, werden von Generalleutnant z. D. R o h u e, unter Mitwirkung von Oberstleutnant Richelmann und Karlernst K n a tz unter dem Titel „Unseren Helden" in zwangloser Folge Blätter herausgegeben, die — dank der Opferwilligkeit von Geldgebern — den im Felde Stehenden unentgeltlich zugestellt werden. Die Blätter, die im Verlage von Georg Bath,! Berlin SW 11, Bernburger Straße 24/25, erscheinen, sollen die Truppen in einfacher, volkstümlicher Form von den Ereignissen in der Heimat und auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen unterrichten und vor allem auch den Kriegshumor vom Tage an den B iwack se u ern verbreiten. Die Blätter „Unseren Helden" sind von dem Verlage direkt oder von jeder Buchhandlung zum Preise von 10 Pfennig pro Heft zu beziehen. Der aus dem Verkauf in der Heimat erzielte Gewinn wird wieder verwandt, u m d i e Auflage für die Tr u p P e u im Felde zu erhöhen. Wir empfehlen deshalb unseren Lesern die Anteilnahme an dieser vaterländischen Kriegszeitschrift für unsere Soldaten. * An die Abonnenten und Leser der „Volksschriften über die jüdische Religio n". Unsere Jugend, der die „Volksschristen" in erster Reihe zugedacht sind, steht im Felde und kämpft für das Vaterland.! Wir Aelteren aber haben in dieser großen und schweren Zeit keine Muße, uns mit religiösen Fragen und Problemen zu beschäftigen. Darum stelle ich das Erscheinen der „Volksschriften" für den Winter 1914/15 ein. Ziehen Frieden und Arbeit in alle Lande wieder ein, dann werden auch die „Volksfehriften" ihre stille Friedensarbeit innerhalb der Judenheit abermals beginnen. Karlsbad, im September 1914. Rabbiner Dr. I. Ziegler, Herausgeber der „Volksschriften über die jüdische Religion".