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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-09-18 · Heft 38 (18.9.1914) · p. Seite 450

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 38 (18.9.1914)
Date
1914-09-18
Page
Seite 450 (sequence 6)
Language
German
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450 W u x t c s schuldig gemacht, also ein Vergehe» begangen, das geahndet werden muß. Wir wollen keine Bevorzugung, aber wir verlangen unser Recht. Da die Inden so gut wie alle anderen Bürger vor dem Feinde kämpfen, so müssen sie auch in friedlicher Betätigung gleiches Recht mit den anderen erhalten. * Wie vorsichtig man in derartigen Angelegenheiten sein mich, lehrt das Nachstehende. Der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" teilt uns mit, daß er das Nummer 37, Seite 436, Spalte 2 abgedruckte Gesuch nicht abgeschickt habe und fährt fort: „Wir hatten »ns an das Königliche chemische Feuerwerkslaborotoviiim in Spandau gewandt and von diesem die nachstehende Antwort erhalten: „Ans Ihre Eingabe teilt Ihnen das Fcnerwerkslaboratorimn Spandau ergebenst niit, daß die Zurückweisung der -fraglichen Arbeiter durch den hiesigen Pförtner ohne Wissen und Willen des Feuertvcrkslaboratorinms geschehen ist. Infolge des Ansturms der sich bewerbenden Menge, besonders aber über das vorlaute Wesen besagter Arbeiter, erregt, tat der Pförtner, nur er selbst zugibt, die ilnbedachte Aeußernng. Er ist über das Unzicinlichc seiner Handlungsweise belehrt tvordcn." Mit Rücksicht ans diese Antwort glaubten nur die Angelegenheit als erledigt ansehcn zn können." « Auch eine andere Berichtigung müssen wir hier bringen. Wir hatten Nummer 37, Seite 443, und „Gemcindebvtc" Seite 4 mitgeteilt, das; die erste französische Fahne von einem Juden erbeutet worden sei; d i e s i ft n i ch t r i cht i g; wir bitten daher die Blätter, die unsere Nachricht übernommen haben, auch dieser Berichtigung Raum zu geben. Bon geschützter Seite wird uns geschrieben: „Der Soldat, der jetzt im Kriege die erste französische Fahne erbeutete, heißt Pfenfser und liegt schiververwundet im Lazarett. Der jüdische Soldat Fischet hatte dienstlich die Fahne nachher abznliesern — daraus ist der Irrtum entstanden, er hätte sic erobert." Im „Berl. Tagebl." war neulich ein feuriger Aufruf des Herrn A a g e Madelung an die Schweden abgedruckt, sich am Kriege zu beteiligen. Herr Madelung ist ein Däne, der im Ausland, in Italien, lebt, Rußland aus eigener Anschauung kennt und, vbtvohl Christ, seine Sympathie für die von Rußland so grausam behandelten Juden in einem wunderbaren Roman „Die Gezeichneten" zum Ausdruck gebracht hat. Daß er, wie wir alle, eine Niederwerfung, ja geradezu eine Vernichtung Rußlands wünscht, ist erklärlich; daß er, der Däne, sich in schwedische Verhältnisse einmischt, ist unberechtigt. Darum nehmen wir Notiz von einer Abwehr, die eine schtvedischc Zeitung „Dagens Nhheter" gegen den Aufruf des Herrn Madelung veröffentlicht. Sic lautet: „Tos Kricgsgeschrci des dänischen Schriftstellers, das die deutschen Zeitungen bereitwillig ausgenommen haben, ist hauptsächlich ein Niederschlag jugendlichen Ehrgeizes, die Aufmerksamkeit des großen Publikums schneller auf sich z» lenken, als es durch seine literarischen Verdienste bisher geschehen konnte. Da seine Dichteriverkc in Schweden so unbekannt sind, so wäre cs schicklicher gewesen, wenn er sich darauf beschränkt hatte, zu seinen eigenen Landsleuten zu reden und sich nicht in unsere Angelegenheiten zu »rischen. Es mag schwer genug für ihn sein, seine eigenen Landsleute von der lleberzeugung abzubringen, daß die Neutralität in diesem Kriege in ihrem eigensten Interesse liegt. Es ist eigentlich überflüssig, an Herrn Madelungs Ergüsse noch weitere Worte zn verschlvenden. Aber soll etwas gesagt werden, so das eine, daß Schtveden sich für keine der Parteien in diesem Kriege erklärt hat. Schweden hat eine über hundertjährige Periode des Friedens hinter sich, ohne jemand beleidigt oder benachteiligt zu haben. Wir haben in Friedenszeiten nach allen Seiten hin freundschaftliche Beziehungen angeknüpft, die wir entschlossen sind, uns zu erhalten. Große politische Träume und Phantasien liegen uns fern. Wir habenwas wir wünschen. Die Verrücktheit, daß wir danach streben sollten, im Osten zu gewinnen, worauf wir im Westen freiwillig verzichtet haben, zeigt, wie komplett unkundig der dänische Schriftsteller in bezug auf die schwedische Politik und die Ziele und Absichten des schwedischen Volkes ist." * Von dem „Reform Advocate" sind uns die Nummern vom 8., 15. und 22. August zugekommen. Die beiden ersten enthalten bemerkenswerte Auslassungen von Gersvn B. Levy und I. Warnotes. Aus der zweiten mögen einige Stellen hier in deutscher Uebersetzung folgen. Sie lauten: „Krieg, der gehaßte und schreckliche Zeitvertreib eines disziplinierten und geleiteten Pöbels ist weniger zu hassen, wenn die Welt es fühlt, daß der Ausgang des Krieges zu einem Anwachsen im Geiste des Freisinns und der Toleranz führen kann. Die Geschichte blickt zurück und zeigt auf viele Kriege, welche die Vorläufer eines Zeitalters besseren humanen Verständnisses waren. Sie sind düstere und grausame Wege, um den Pfad des Fortschrittes zn ebnen. Aber was gewesen, ist gewesen, und die Geschichte sollte suchen, daraus Lehren für die Zukunft zu gestalten. Das Schreckliche an diesem europäischen Kriege ist, daß es äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich ist, zu sehen, wie die Zivilisation oder die Sache des Freisinns durch die Opfer auf den Kriegsfeldern gewinnen kann." Nach weiteren Ausführungen dieses Gedankens und der besonderen Darlegung, daß die Sache des Freisinns durch den Krieg, ende er, wie er wolle, verlieren müsse, schließt der Verfasser: „Der Jude ist natürlich an diesem Kriege beteiligt. Beim Siege des Freisinns ist er der Gewinner und bei dem Siege der Russen ist er der Hauptleidtragende. Vorausgesetzt, daß Rußland siegt und dann als eine Art Bezahlung für seinen Anteil an der Demütigung Deutschlands und Oesterreichs fordert, daß Galizien und Posen in seinen Besitz übergeht, so würde das heißen, die Zivilisation um mehr als ein Jahrhundert zurückschrauben. Und doch kämpft England, um das möglich zu machen. Die Verfolgung der Juden ist nur symptomatisch. Wo der Jude seine .Kräfte frei regen kann, ist die Kultur im Aufblühen, wo er unterdrückt ist, beweist dies den Niedergang der Kultur. Daher ist es bedauerlich, daß der englische Freisinn und Franzosen mit den Russen zusammengehen. Die Zivilisation verliert viel, wer auch in diesem europäischen Kriege gewinnen mag." Manches in dieser kühlen Auseinandersetzung ist wahr genug, die Hauptsache aber, daß uns der Krieg ausgezwungen worden, wird gar nicht berührt. Der Kulturfreund mag trauern, aber eins bleibt wahr, daß nur wir allein die gerechte Sache verteidigen, und die Hoffnung wird immer stärker und zuversichtlicher, daß alle unsere Feinde schmählich zuschanden werden. Gewiß ist noch viel zu tun, die große Entscheidungsschlacht in Frankreich ist noch nicht zu unseren Gunsten entschieden. Aber wir können in den nun kommenden hohen Feiertagen uns ohne Furcht, dankbaren Gemüts, voll sicheren Vertrauens vereinen und nachsprechen, was der Kaiser jüngst seinen Soldaten zugerufen hat: „Alle diese Siege haben wir Einem zu verdanken, lind das ist unser alter Gott, der über uns i st!" * Ein anderes amerikanisches Blatt, „The American Israelite", 20. August, findet die Beteiligung Englands am Kriege unbegreiflich und sagt: „Wir protestieren dagegen, daß englisches Blut und englische Macht verwendet wird zu dem Zwecke, daß die Slawen ihre Stellring gegen die Deutschen behaupten und ein barbarischer Autokrat auf seinem

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