Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- Seite 448 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229123-3229162--70723-3283085- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
448 d er ö st e r r ei ch is ch - u ng a ri s ch e n Armeeleitun g unterzeichnet. * Kriegsliteratur geht uns mehrfach zu; ein „Gebetbuch für die ö st e r r e i ch i s ch e n S o l d a t e n", von dem in den „Literarischen Mitteilungen" die Rede sein soll; eine kernige Jl r i e g s p r e d i g t für alle d e u t s che n i s r a e l i t i s ch e n So ld at en" von Dr. M. L e imd örse r und eine wirkungsvolle, von schönem Patriotismus getragene „Ansprache am Bettage vom 8. August" von Dr. H. P i n k u s in Heydekrug. Ebenso weisen wir gern hin auf die Predigt des Rabbiners Dr. Hm. Schwartz: „Wenn du in den Krieg ziehst", Prag, 29. August, ebenso drei Predigten von Dr. A. Eckstein. Sehr empfehlenswert ist auch das „A n d a ch t s b ü ch - lein für die jüdischen Krieger und deren Angehörige" vom Rabbiner Dr. B a m b e r g e r in Schönlanke, Berlin 1914, Verlag von H. Jtzkowski Der Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden teilt uns mit: Als Feldgeistliche sind nach der nunmehr vom preußischen Kriegsministerium erlassenen Verfügung sechs Rabbiner Zur Armee gegangen, und Zwar die Herren Rabbiner Dr. B-aeck von der Berliner, Dr. Italiener von der Darmstädter, Dr. Salzberger von der Frankfurter, Dr. Wilde von der Magdeburger Gemeinde, Dr. Arthur Levy vom Schöneberger Synagogenverein, Berlin- Schöneberg, und Dr. Emi l Levy vom Religionsverein Westen, Berliu-Gharlvttenburg. --- Tie sechs Gemeinden haben in dankenswerter Weise ihr eigenes Interesse gegenüber dem allgemeinen Zurückgestellt und die Rabbiner für die Dauer ihrer Tätigkeit als Feldgeistliche mit vollem Gehalt beurlaubt, obwohl ihnen dadurch manche Schmierigkeiten und zum Teil nicht unerhebliche Opfer namentlich deshalb erwachsen, weil sie gerade zu den Feiertagen ihre Rabbiner entbehren müssen. Die Militärbehörde hat den Herren, abgesehen von der — selbstverständlichen - Gewährung von freier Eisenbahnbesörderung und freien Quartieren, je einen Wagen mit Zwei Pferden und einen Trainsahrer Zur Verfügung gestellt, nachdem (insbesondere durch ein durch sollte parlamentarische und kommunale Wirksamkeit bekalintes — Ausschuszuritglied des V e r b a n d e s der Deuts ch e n I n d e n und ein Mitglied des Vorstandes der Berliner Gemeinde) an den maßgebenden Stellen darauf Hingelviesen worden war, daß vhlie die behördliche Bereitstellung geeigneter Beförderungsmittel im Felde eine ersprießliche Ausübung der seelsorgerischen Tätigkeit nicht möglich seilt würde. Die Herren — die sämtlich reiten können — werden auch oft genug iit die Lage kommen, eines ihrer Pferde satteln Zn lasselt, nm im recht eit Augenblick ans den Platz Zu gelangen, an dem ihre Anwesenheit und ihr Wirken Vvlmöten ist. Tie Rabbiner tragen eine einheitliche, derjenigen der christlichen Feldgeistlichen — abgesehen von ihren besonderen Abzeichen entsprechende Kleidung und sind durch die Armbirtde gekenuZeichnet. Sie nehuten übrigens eine große Anzahl der vom Verbände der Deutschen Zu den im Einvernehlnelt mit einer Reihe von Gemeinden heransgegebenelt F e l d g e b e t b ü che r zur Verteilung an die jüdischen Militärpersonen mit ins Feld. Gin Feld gebet buch für d-ie jüdischen Mannschaften des Heeres ist durch den Verband der Deutschen Juden im Einvernehmen mit einer Anzahl der größeren Gemeinden herausgegeben wordelt, lvelche die Kosten der Auflage und Versendung durch freiwillige Beiträge übernommen haben, an der Spitze die Berliner Gemeinde mit einem Betrage voll 600 Mark. Das in Fornt und Anordnung dem Feldgebetbnch der christlichen Mannschaften entsprechende und gleich ihm schlicht schwarzleinen gebundene Bändchen enthält aus 29 Seiten deutschen Textes eine Zusammenstellultg von Gebeten, Psalmen und vaterländischen Liedern und auf 22 Seiten Gebete in hebräischem Text. Herr Rabbiner Dr. B neck-Berlin hat die Anregung zu der Beröfsentlichung gegeben und den Inhalt zusammengestellt. Ter Verband stellt deit Gemeinden und Rabbinern die vvlt ihnen Zur Verteilung gewünschten Exemplare Zur Verfügung und hat seinerseits eilte kleine Anzahl Bücher au jedes Regimentskommandv -ins Feld gesandt mit der Bitte, sie Zu verteilen, und außerdem an alle diejenigen Militärpersoneu, deren Truppenteil bereits durch die Feldzugsteilnehmerumfrage Im Bureau des Verbandes registriert ist, unmittelbar ein Exemplar mit der Bitte um Angabe weiterer jüdischer Kameraden im Truppenteil versandt. Am 10. September wurde nachstehende amtliche Mitteilung verbreitet: Die östlich Paris in der Verfolgung an und über die Marne vorgodrungelten Heeres teile sind aus Paris und Zwischen Meaux uitd Montmirail von überlegenen Kräften angegriffen. Sie haben in schweren zweitägigen Kämpfen den Gegner ausgehalten und selbst Fortschritte gemacht. Als der Anmarsch neuer starker feindlichen Kolonnen gemeldet wurde, ist ihr Flügel zurückgenommen worden. Der Feind folgte an keiner Stelle. Als Siegesbeute dieser ''Kämpfe sind bisher fünfzig Geschütze und einige Tausend Gefangene gemeldet. Die westlich Verdun kämpfenden Heeresteile befinden sich in fortschreitendem Kampfe. In Lothringen und in den Vogesen ist die Lage unverändert. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz hat der Kampf wieder begonnen. Am späten Abend folgte dann die erfreuliche Meldung: Der deutsche Kronprinz hat heute mit seiner Armee die befestigte feindliche Stellung 'südwestlich Verdun genommen. Teile der Armee greifen die südlich Verdun liegenden Sperrsorts an. Die Forts werden seit gestern durch schwere Artillerie beschossen. General v. Hindenburg hat mit dein Ostheer den linken Flügel der noch in Ostpreußen befindlichen russischen Armee geschlagen und sich dadurch den Zugang in den Rücken des Feindes geöffnet. Der Feind hat den Kampf aufgegeben und befindet sich in vollem Rückzug. Das Ostheer verfolgt ihn in nordöstlicher Richtung gegen den Njemen. * Am 11. September lasen wir: Das stellvertretende Generalkommando in Danzig teilt der Dan- Ziger Presse folgendes Telegramm des die Armee im Osten befehligenden Generalobersten v. Hindenburg amtlich mit: An den gegenwärtigen Kämpfen nimmt das siebzehnte Armeekorps unter Führung seines kommandierenden Generals General der Kavallerie v. Mackensen hervorragenden Anteil. Mehrere Batterien sind erboutet worden. An demselben Tage wurde aus dem österreichischen Kriegspressequartier berichtet: In unverminderter Stärke dauern auch heute die Kämpfe aus dem nördlichen Kriegsschauplätze fort. Die österreichisch-ungarischen Truppen kommen trotz Zähen Widerstandes der Russen Schritt für Schritt vorwärts. Ihre kräftige Offensive dauert an. Die neue Schlacht im Raume von Lemberg, die vor drei Tagen mit einer energischen Offensive unserer dort versammelten Armee begonnen hat, dauerte auch heute den ganzen Tag über mit unverminderter -Heftigkeit fort. Auf dem Schlachtselde befanden sich der Axnmvberkommaudant Erzherzog Friedrich, der Chef des Generalstabs General der Infanterie Conrad v. Hoetzendors und der junge Thronfolger Erzherzog Karl Franz Joses, der seine Feuertaufe erhielt. Der Erzherzog wurde von den Truppen viel bejubelt. Am Abend traf die bestimmte, hocherfvenliche Meldung ein, daß die Offensive unserer Truppen bedeutende Fortschritte gemacht habe. Diese bedeutungsvolle Nachricht, die einer entscheidenden Wendung der Dinge vorauszugehen scheint, wurde mit großer Freude ausgenommen. Am 12. wurde verkündet: Das 22. russische Armeekorps (Finnland) hat versucht, über Lyck in den Kampf in Ostpreußen einzugreifen. Es ist bei Lyck geschlagen worden. * Am 12. abends war zu lesen: Bis 11. September waren in Deutschland rund 220 000 Kriegsgefangene untergebracht. Davon sind Franzosen 1680 Offiziere, 86 700 Manu, Russen 1830 Offiziere, 91400 Mann, Belgier 440 Offiziere, 30 000 Manu, Engländer 160 Offiziere, 7350 Mann. Unter den Offizieren zlvei französische Generale, unter den Russen zwei kommandierende und dreizehn andere Generale, unter den Belgiern der Kommandant von Lüttich. Eine große Zahl weiterer Kriegsgefangener befindet sich im Transport zu den Gefangenenlagern.