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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-09-18 · Heft 38 (18.9.1914) · p. Seite 447

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 38 (18.9.1914)
Date
1914-09-18
Page
Seite 447 (sequence 3)
Language
German
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447 Blick auf denjenigen richtet, der unsere Zukunft ist. Wir begehen das Neujahrsfest, wie unsere Väter allzumal, als einen Tag, der heilig ist dem Herrn unserem Gott?* 2) Für uns ist der erste Tischri noch immer der Tqg, der uns nicht nur an die Schöpfung der materiellen und an die Entstehung der sittlichen Welt erinnert, sondern der uns auch das erhebende Bild der künftigen Welt entrollt-des NV JTD^ö Gvttesreiches, da der Ewige, der Erlöser Israels, der ganzen Menschheit sich offenbart haben und sein Wort, wie der schallende Ton des Schophar, in die Herzen der Bewohner des ganzen Erdballs dringen wird. Wir müssen nur auf die Stimme des Schophar achten, die aus seinen Tönen an uns ergehenden Lehren zu verstehen und zu beherzigen suchen. Lautet doch ein altes Wort: ch nawiirpro rx'pa dan 1'rri ban- Alle sind wohl verpflichtet, aber nicht alle befähigt, nicht alle besitzen die sittliche Kraft, dem Schophar die richtigen Töne zu entlocken, seine aufrüttelnde, an das Walten Gottes im Lehen -er Menschen mahnende Stimme aus sich einwirken zu lassen. Zum Lobe des jüdischen Stammes sei es aber gesagt: seine Söhne und Töchter waren von jeher und sind auch gegenwärtig bestrebt, wenigstens in den Tischritagen aus die Stimme des Schophar zu lauschen, die erhabenen Lehren, die er verkündet, auf sich einwirken zu lassen. Und ertönt auch die Stimme des Schophar, wie in diesem Jahre, zu einer Zeit, da die nimn, der Kriegsruf, Schrecken, Elend und Jammer verbreitend, die Herzen der Menschen mit Angst und Zagen erfüllt, da eine Welt in Waffen alle unsere Hoffnung auf die von unfern Propheten der Menschheit geiveissagte friedensreiche Zukunst zu erschüttern droht — wir verzagen nicht, zweifeln nicht an dem endlichen Siege der Menschlichkeit und verharren in unserem Glauben an Gott, da st er die Welt, wie auch die Geschichte des jetzigen Krieges lehrt, in ewiger Gerechtigkeit regiert. Auf drei Dingen — lehren unsere Weisen — beruht die Welt: auf Wahrheit, Recht und Frieden."") Dies sollt ihr tun — ergeht durch Israel ein Prophetenwort an die Völker der Welt sowie an die sie regierenden Fürsten — redet Wahrheit einer mit dem anderen, Wahrheit lind Recht (die allein den Frieden stützen und fördern) handhabet in euren Toren.21) Geschieht dies nicht, triumphiert die Lüge über die Wahrheit, wird das Recht gebeugt und das Unrecht gefeiert, bilden Neid, Haß und Habgier das Zepter, das die Nationen regiert, dann wird die in ihren Grundsesten erschütterte Welt von selbst gerichtet, und eine Stimme aus Himmelshöhen ruft: „Das Strafgericht, das schlummernd schien, erwacht: Der Feind erfährt dann der Vergeltung Macht; Gebrochen wird die prahlend eitle Pracht Bei mächtig tönender Gewalt des Schophar."2S) Möchte doch diese Schophar-Stimme einen kräftigen Widerhall in den Herzen aller Menschen finden, auf daß sie erkennen, daß Gott, der die Quelle der Wahrheit ist, über seine auf Recht und Gerechtigkeit beruhende Welt wacht und alle diejenigen, die sich über sie hinwvgsetzen und, auf ihre Macht vertrauend, den Frieden in der Welt stören zu dürfen glauben, zur strengsten Rechenschaft zieht. Sie würden dann mit mehr Zuversicht in die Zukunft schauen und gegenwärtig — im Hinblick auf Deutschlands Bedrängnis und auf den von unserem gottessürchtigen Heldenkaiser zum Wohle der Menschheit vertretenen Standpunkt der Wahrheit und Treue, des Rechts und der Gesittung , gegenüber einer Welt von Falschheit, Heuchelei, Nehemia 8, 7. 2 jj??®, 29b. J Aboth 1,18. 2 Zacharia 5,16. m Festgeöete, im M.ffnf n s / m de., crffcn Sfl,jngr8fnfl. Bosheit und Niedertracht — gleich mrs in das alte Prophetcnwort einstimmen: Zerschmettert werden seine Haderer, der Herr in den Himmeln donnert über ihnen. Gott richtet die Enden der Erde, verleihet Macht seine m Könige und erhöht das Horn seines Gesalbten. **) Wir Juden aber als Nachkommen eines Volkes, das Jahrtausende überdauert und so viele Kriege überlebt, das schon in altersgrauer Vorzeit die Lehre von dem Walten der ewigen Gerechtigkeit Gottes im Geschicke des einzelnen Menschen wie in der Geschichte der Völker der Welt kund getan hat, wir vertrauen auch in schwerer Kriegszeit auf seine unendliche Barmherzigkeit und treten am ersten Tischri das neue Jahr an mit den flehenden Worten unseres Festdichters: O, nach Milde und Gnade richte die Welt, auf Gnad' und Huld sei dein Thron gestellt. Und Prüfst du die Werke und findest du uns arm, an Verdiensten bar, 0 nimm des wenigen Guten in Gnaden wahr. Und als Geschenk deiner- Gnade sei uns dein Heil beschieden, auftu uns die Pforten zum Segen und Frieden. Me Mache. Berlin, den 15. September 1914. ie Woche begann mit einer herrlichen Siegesnachricht. Am 8. wurde amtlich mitgeteilt, daß die Festung Maubenge nach längerer Belagerung kapituliert habe. Es wurden 40 000 Gefangene gemacht, darunter 4 Generäle, 400 Geschütze erbeutet. Am 9. wurde amtlich mitgeteilt: Vom Breslauer stellvertretenden Generalkommmido wird »ms milgeteilt: Unsere schlesische Landwehr hot gestern »ach siegreichem Gefecht 17 Ossiziere and 1000 Alaun vom russischen Gardekorps und dritten kaukasischen Korps zu Gefangenen gemacht. Es wird nicht einmal bemerkt, wo dieses Treffen stattfand, vermutlich in Ostpreußen. Noch aber bleiben seit längerer Zeit die Nachrichten aus dem Osten aus; man muß, lote vor einiger Zeit, die Kunst des Wartens üben und kann nur hoffen, daß dieses Warten wiederum so belohnt wird, wie vor einiger Zeit durch die überaus glorreichen Kämpfe, deren wir uns vor einiger Zeit freuen durften. Auch ans dem Innern Frankreichs dringt keine amtliche Kunde zu uns. Die beiden folgenden Nachrichten stammen die eine aus dem Haag, die zweite aus der „München-Augsburger Abendzeitung". Sie lauten: Nach -einer Havas-Meldung ist eine Schlacht im Gange ans der Linie An-tenil—Meaux—Sezanne und Vitry. Bei Nancy wurden einige französische Flieger heranterg-eschosseu. Unter diesen befand sich auch -ein Pilot, der -einen Bericht au d-eu Zaren von dein Präsidenten Pvincarö -bringen wollte, worin der Präsident den Zaren ersucht, die kräftigste Offensive zu ergreifen, damit Frankreich für -acht Tage ruhen könnte, da -es sich sonst nicht mehr halten könne. Hoffen wir, daß.die Entscheidungsschlacht, die in der ersten Notiz angedeutet wird, zu unseren Gunsten ausfällt, damit die Ansicht des Herrn Poincare, wenn sie wirklich geäußert worden ist, sich bewahrheitet. Denn man muß bei derartigen Meldungen sehr vorsichtig sein. Die auch von uns gebrachte Nachricht, daß in Odessa eine Revolution ausgebrochen fei, hat sich nicht bewahrheitet. Ebensowenig die Meldung, daß die Japaner Truppen nach Europa werfen wollen; sie scheinen sich vielmehr auf den V-ersuch zu beschränken, Kiautschou zu nehmen. Dagegen scheint es richtig zu sein, daß Gent von den deutschen Truppen besetzt ist, und daß Ostende, wo englische Truppen gelandet sind, von den Deutschen bombardiert werden soll. * Die vor kurzem mitgeteilte Proklamation an die I u d e n i n P 0 l e n ist gemeinsam von der deutsch e n u n d **) 1. Samuel 2,10.

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