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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-09-11 · Heft 37 (11.9.1914) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 37 (11.9.1914)
Date
1914-09-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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78.Jahrgang Nr. 37 Der Gemeindevote. Berlin, II. September 1914 Veilsgr zur „Allgemeinen Leitung des Judentums. korrekpondrilHM und Aschrichtm. Seutlchlsnd. L. G. Berlin, 8. September. Herr Justizrat Arnold Seligsohn feiert am 13. d. M. seinen 60. Geburtstag. Er gehört einer weitverbreiteten Familie aus Samotschin, dem Osten unseres Vaterlandes, an, hat aber den größten Teil seines Lebens in Berlin zugebracht. Er studierte Jurisprudenz und wandte sich, der Advokatur zu. Er brachte es in seinem Beruf zu großem Ansehen und zu hoher Bedeutung. Auch als Schriftsteller auf seinem Spezialgebiet, dem des Patentrechts, erlangte er Ruf und Autorität. Arnold Seligsohn lebt in glücklicher Ehe, die mit mehreren Kindern gesegnet ist. Zwei seiner Söhne sind dem Rufe des Königs zu den Fahnen gefolgt. Seligsohn widmet gern seine Kräste jüdischen Angelegenheiten. Seit vielen Jahren gehört er dem Vorstand des Hilfsvereins für jüdische Studierende und dem Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums an. Sein scharfer Verstand, seine klare und rasche Auffassungsgabe, sein humanes Wesen machen ihn zu einem ungemein wertvollen Mitgliede der Körperschaften, denen er angehört. Er übt im stillen eine große und reiche Wohltätigkeit. In seinem Hause, im Kreise einer ausgedehnten Verwandtschaft und einer reichen Freundesschar ist er der liebenswürdigste Wirt, der seinen Gästen schöne Stunden angeregter Geselligkeit zu verschaffen weiß. Ein innerlich gefesteter, gütiger, dem Fortschritt ergebener, wissenschaftlich und praktisch rastlos arbeitender, den Seinen mit innigster Liebe, förderndem Rat und nie versiegender Tat ergebener Mann, genießt er bei den Seinen, in den Kreisen seiner Berufs- und Glaubensgenossen, bei den großen Scharen seiner Klienten den Ruf eines hervorragenden Mannes, eines trefflichen Menschen, ein Vorbild der Tüchtigkeit, Bescheidenheit und Redlichkeit. Möge es dem jugendlichen Sechziger noch lange vergönnt sein. Glück zu genießen und Wonne zu verbreiten, den Seinigen ein Stolz, unserer Gemeinschaft ein verehrtes, geliebtes und nachahmenswertes Beispiel. 22 Berlin, 8. September. Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, ist der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Tr. Ludwig F r a n k in einen: der letzten Gefechte gefallen. Tr. Frank wurde durch einen Kopfschuß getötet. Ter Abgeordnete Frank, der im 41. Lebensjahr stand und im Reichstag seit 1907 den Wahlkreis Mannheim vertrat, war eine der schönsten Hoffnungen der sozialdemokratischen Partei; ein kluger Taktiker und zugleich ein glänzender Redner. Wer ihn, der in seinem Aeußeren an Lassalle erinnerte, auf der Reichstagstribüne sah, wer seinen geistvoll zngespitzten Ausführungen gelauscht hat, dem wird Tr. Frank unvergeßlich sein. Daß der Vorwurf der „Vaterlandslosigkeit", den man gegen die Sozialdemokratie erhoben hatte, nicht berechtigt war, hat ihr Verhalten in dieser Zeit zur Genüge bewiesen; daß vollends Tr. Frank ein Maun von starkem patriotischen Empfinden gewesen ist, zeigte er durch die Tat, als er sich beim Beginn des Feldzuges als Freiwilliger zur Beförderung meldete. Und doch war Tr. Frank zugleich ein Vorkämpfer der internationale!: Verständigung, und er hatte eben erst an der deutsch-französischen Baseler Konferenz teilgenommen. Wie bei allen anderen, hüben und drüben, war bei ihm, so sehr er auch an seinen Ideen sesthalten mochte, der Gedanke, daß jetzt das Vaterland verteidigt werden und siegen müsse, allein maßgebend und entscheidend. Auf der großen Opferliste des Krieges steht der Name des Juden Ludwig Frank neben den Namen so vieler Taufende deutscher Männer. Berlin, 8. September. In der Toynbeehalle der Berliner Logen 11. O. B. B., Gipsstrahe 12 a, ist seit Sonntag, dem 6. dieses Monats bis auf weiteres eine Kriegsspeiseanstalt (rituell) eingerichtet. In derselben wird jedermann — ohne Unterschied der Konfession — in der Zeit von 12—1 und 1—2 Uhr für 10 Pfennig ein Mittagessen verabreicht gegen Marken, die vorher täglich — außer am Sonnabend — an folgenden Stellen ausg-egeben werden: 1. in der Toynbeehalle, Gipsftraße 12a (Hof, 1 Treppe) von 9 bis 11 Uhr vormittags und 4 bis 5 Uhr nachmittags; 2. im Arbeitsnachweis der Berliner Logen 11. O. B. B., Monbijouplatz 10, vormittags 9 bis 12 Uhr. 22 Berlin, 8. September. Um der Forderungen des Tages willen, und um ihren Anteil an der vaterländischen Arbeit beizutragen, hat die Ortsgruppe Groß-Berlin des Jüdischen Frauenbundes die Räume ihres Mädchenklubs, Rosenthaler Straße 40, zu einem Bureau der Hilfskommission IX des Nationalen Frauendienstes, zur Verfügung gestellt. Selbstverstündlich stehen die Räume des Mädchenklubs seinen Mitgliedern des Abends ungestört zur Verfügung. Die Ortsgruppe wird auch ihren Klubmitgliedern gegenüber im erhöhten Maße bestrebt fein, gerecht zu werden. 22 Berlin, 8. September. Die Fechterscbaft des Jüdischen T ur n v e r e i n s Bar K o ch b a veranstaltet für Kriegsfreiwillige, ungedienten Landsturm und uneingezogene Militärpflichtige einen militärischen Ausbildnngskursus, um für den Diensteintritt vorzubereiten und den Körper an anstrengenden Dienst beizeiten zu gewöhnen. Ter Kursus wird von Fachleuten geleitet und ist von der Militärbehörde genehmigt worden. Die Ausbildung findet in folgenden Fächern statt: 1. Fechten mit Säbel und Bajonettiergewehr. 2. Exerzieren mit Gewehr und in feldmarschmäßiger Ausrüstung. 3. Schießen. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Wahl des Ausbildungssaches freisteht, der gewühlte Kursus aber auch stets pünktlich besucht werden muß. — Näheres auf dein Fechtboden, Fürstenbergfestsäle, Nosenthaler Straße 38 (Montag und Mittwoch 8 bis 10 Uhr abends). Teilnahme für jeden (auch Nichtmitglieder). L/D Frankfurt a. Oder, 4. September. Auch in der hiesigen Gemeinde sind erhebliche Summen, bisher über 6000 Mark, gesammelt und für allgemeine Liebeswerke zur Verfügung gestellt nwrden. Der Vorstand und die Vereine wollen darüber hinaus noch namhafte Spenden zeichnen. Der Gemeinde selbst erwachsen durch die gastliche Aufnahme ausländischer Glaubensgenossen nicht geringe Lasten, die aber freudig getragen werden. Große Anerkennung verdient die humane Behandlung der Russen durch die Behörde. In Einzelsällen ist es gelungen, den armen Leuten lohnende Beschäftigung unter Beobachtung der Sabbatruhe -- bei Nichtjuden — zu verschaffen. Bei den hiesigen Regimentern dienen als Ersatzmanuschasten Hunderte von Juden. Nicht weniger sind inr Felde. Für beide Kategorien fanden auf Veranlassung der Kommandantur feierliche Andachten unter Beobachtung des Jomkipur-Ritus statt. Tie Feldgebetbücher des Verbandes der deutschen Juden wurden hierbei verteilt. Schließlich verdient noch Erwähnung, daß in den hiesigen acht Feldlazaretten Herr Rabbiner Tr. Salomonski eine geregelte Seelsorge durchgeführt hat und bei den zahlreichen Trnppenvereidigungen in Gemeinschaft mit den Geistlichen der anderen Bekenntnisse fungiert. 22 Königsberg i. Pr., 4. September. Seitens der Organisationen der hiesigen Gemeinde sind folgende Beiträge als Liebesgaben für die im Felde verwundeten Krieger bisher gezeichnet Nwrden: 1. Für den P r o v i n z i a l v e r e i n vom Roten Kreuz: Bon der Synagogengemeinde 3000 Mark, von der Wohltätigen Gesellschaft 1000 Mark, von dem Hilssverein für kranke russische Israeliten (Bikkur cholim) 1000 Mark, von dein Königsberger Fenerungsverein 1000 Mark, von der Provinzialkasse Ostpreußens für jüdische Wanderarmenfürsorge 500 Mark, von dem Israelitischen Verein für Krankenpflege und Beerdigung (Ehebra Kaddischa) 500 Mark, von der Kant-Loge (U. O. B. V.) 500 Mark, von dem Verein zur Bespeifnng armer oder kranker Israeliten (Hachnossas orchim) 300 Mark. 2. Für den Vaterländischen F r a u e n v e r e i n, Ortsverein Königsb e r g : Bon dem Frauenverein für Witwen und Waisen 500 Mark, von dem Frauenverein für Krankenpflege und Beerdigung (Frauenchebra) 500 Mark, von dem Weiblichen Verein für Armenpflege 600 Mark. Summa 9300 Mark. Ferner sind Einzelbeitrnge von Gemeindemitgliedern für obige Zwecke und für die o st - Preußifchen Flüchtlinge gezeichnet worden, welche sich Zwischen 3 Mark und 2 0 0 0 0 Mark bewegen. Auch sind namhafte Beitrüge z u r L i n d e r n n g d e r K ri e g s n o t i n der Gemeinde aufgebracht worden. Das Israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz und die

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