Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1914)
- Date
- 1914-09-11
- Page
- Seite 444 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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444 —;- Im Kriege vor Gott un>d Menschen gleich Sind alle im großen Deutschen Reich! Hell klinget so des Kaisers Wort Im Krieg wie im Frieden immerfort! Und alle geloben wir's einig und treu Für alle Zeiten: „Es bleibt dabei!" Ihr Lnkrt der Makkabäer! ttat itist stunden sie, in der Faust das Schwert, Und mühten die feindlichen Reihen. Das Heiligtum galt's und den heimischen Herd Vom tückischen Feind zu befreien. Da schlugen so kraftvoll die Die Söhne der Makkabäer. Und schien auch das Häuslein der Helden zu klein, Den mächtigsten Feind zu bezwingen, Begeisterung führt' in den Kamps sie hinein Und Lehrte die Schwerter sie schwingen. Es waren begeisterte Mäher, Die Söhne der Makkabäer. Und heute gilt's.wieder ein Heiligtum Zu schützen und zu bewahren. Des deutschen Vaterland's Ehre und Ruhm Bedrohen die feindlichen Scharen. Heraus denn zur Ernte, ihr Mäher, Ihr Enkel der Makkabäer! Noch lodert in euch die alte Glut Wie einst in den Herzen der Ahnen. Und gilt's heut' zu schützen ein heiliges Gilt, So folget den flatternden Fahnen. Seid wieder die kraftvollen Mäher, Ihr Enkel der Makkabäer! Und haben sie oft unfern Mut auch verlacht. Wir konnten es ihnen nicht wehren. Doch heute sollt ihr in blutiger Schlacht Gerechteres Urteil sie lehren. Sie sollen erkennen die Mäher, Die Enkel der Makkabäer. Auch euer Blut ist deutsches Blut, Und deutsch sind eure Herzen. Sterbt ihr als Helden mit freudigem Mut, So trugt ihr um Deutschland die Schmerzen. Tann seid ihr die deutschen Mäher, Trotz Enkel der Makkabäer. Gelsenkirchen. S. K a tz. Literarische Mitteilungen. ~ Almansor. Maurisches Drama in fünf Akten von Paul Schwinge. Verlag Pallas, Berlin NW 23, Lessingstraße. In Leipzig bei Otto Klemm. Ein gut gemeintes Drama, das den Glauben an Gott und Menschenliebe predigt. Das eigentliche Liebesdrama zwischen Almansor und Suleika kann hier unerörtert bleiben. Erwähnung verdient der Umstand, daß in dein dramatischen Werke auch ein Jude Rabbi Blanta ben Sophia vorkommt — daß ein Jude wirklich so geheißen, dürfte der Verfasser schwerlich erweisen können —, der ebenso einseitig wie die Vertreter der übrigen Religionen, der christlichen und mohammedanischen, sein Bekenntnis als das einzig wahre darstellen will. Dagegen ist Almansor Träger der Menschheitsgedanken. Wie gesagt, ein gut gemeintes Drama, aber man muß hinzufügen, daß den hier vorgetragenen Lessingschen Gedanken keine Lessingsche Sprache und kein Lessingscher Geist an die Seite gestellt werden können. L. G. — Das kleine, alte Novellenbucy von Leo Greiner. Ausgewählt aus den „Altdeutschen Novellen". Erich Reiß, Verlag, Berlin. Eine Auswahl aus den altdeutschen Novellen desseben Herausgebers, die vor einiger Zeit erschienen waren und sehr großen Erfolg gehabt hatten. Es find frisch erzählte Geschichten, die in einer an-- mutigen Sprache vorgetragen und in eine vergangene Zeit versetzen, vielfach Rittererzählungen, die in eine entschwundene Zeit den Leser führen; mitunter etwas kräftig, wie die Geschichte: Die Heidin. Dieses Milieu hat mit Juden im Grunde nichts zu tun. Wenn ich das Buch! doch erwähne, so gescheht es wegen der ersten Geschichte: Adam utib! Eva, die in ganz origineller Weise das Leben des ersten Menschen-! Paares darstellt, die große Liebe Adams schildert und sein Verdienst für die Rettung Evas, die durch ihre Schwäche auch außerhalb des Paradieses dem Verderben zneilen würde, hervorhebt. L. G. .! — Das antisemitische Ha u p t d o g nt a, beleuchtet von j Eduard König, Dr. phil. et theol., ord. Professor und Geheimrat in Bonn. Bonn 19! 4. A. Marcus und E. Webers Verlag. (Dr. iur. Albert Ahn.) Das Hauptdogma des Antisemitismus ist nach dem Verfasser, daß die Juden als Rasse deutsch- und kulturfeindlich seien, und daß Jesus der arischen, nicht der semitischen Rasse angehört habe. Im Gegensatz dazu weist der Verfasser nach: 1. daß Israeliten schon seit den ersten Tagen der Patriarchen die Träger der besonderen Kultur Israels waren, daß also nicht fremder Einfluß diese Kultur bestimmte; 2. daß ein Rassengegensatz zwischen Israel und Juda nicht bestanden habe: 3. daß zwischen den Bekennern des Judentums und dem Begründer des Christentums kein Rassengegensatz anzunehmen ist. Zum Schluß wendet sich der Verfasser gegen die, welche von der Beobachtung der Praxis der Juden der Gegenwart aus zu antisemitischen Urteilen sich veranlaßt sehen. Diese höchst bemerkenswerten Schlußsätze lauten: „Indes, wie unzuverlässig ist das praktische Verhalten kleinerer oder auch größerer Kreise als Maßstab für die Güte der Prinzipien, nach denen sie handeln sollten! Das sollte doch jede Gemeinschaft, jeder Verein aus seiner eigenen Erfahrung wissen. Doch das allerschlimmste Verfahren ist dies, wenn man eine ganze Entwicklung nach einer einzelnen Stufe beurteilt und insbesondere, wenn man von den Epigonen ausgeht, um daran die Vorfahren zu messen. Nämlich, mancher meint, den Semiten oder speziell den Israeliten überhaupt keine hohe Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums zutrauen zu dürfen, weil er manche jetzige Juden vielleicht als im Geschäftsgebahren unzuverlässige Personen kennen lernen mühte. Aber einen solchen Schluß von der Gegenwart auf die Vergangenheit ziehen zu wollen, das wäre doch gerade so, als wenn jemand einem alten Rittergeschlechte keine tapferen Taten zutrauen wollte, weil die gegenwärtigen Nachkommen jenes Geschlechts ihm nicht wie solche Helden aussehen ... ist es nicht eine Ungerechtigkeit, auch nur einen Vater nach seinem Sohne zu beurteilen? wieviel weniger ist es erlaubt, über Hunderte von Generationen hinweg Rückschlüsse zu ziehen! Die Antisemiten also, die sich in ihrem Urteil von gegenwärtigen Erscheinungen des jüdischen Lebens leiten lassen, verstoßen gegen die historische Gerechtigkeit. Die einstigen Vertreter Israels selbst muß man ins Auge fassen, wenn man gerecht über die kulturgeschichtliche Stellung des alten Israel urteilen will." Die mutige Schrift des würdigen berühmten christlichen Theologen ist aller Achtung wert. Nur schade, daß er es für der Mühe wert hält, eine Zeitschrift, wie der „Hammer", die sich gar nicht belehren lassen will, sondern in ihren agitatorischen Hetzereien sich jedes Mittels bedient, mit wissenschaftlicher Gründlichkeit zu bekämpfen. L. G. — Interessante Kriminalprozesse von kulturhistorischer Bedeutung. Von Hugo Friedlaender, Gerichts- Berichterstatter. Eingeleitet von Justizrat Dr. Erich Sello, Berlin. Darstellung merkwürdiger Strasrechtsfälle aus Gegenwart und Jüngstvergangenheit. X. Berlin W 30, 1914. Hermann Barsdorf, Verlag. Preis: elegant brosch. 3 Mark; in Originalband 4 Mark. Ein neuer Band einer schon oft erwähnten Sammlung. Da in dem vorliegenden keine Prozesse behandelt werden, in denen Juden eine hervorragende Rolle spielen, glücklicherweise auch keine solche, in der Juden als Angeklagte erscheinen, so darf ich mich Damit begnügen, den Inhalt kurz anzuführen: Der Gattenmordprozeß Rosengavt zu Königsberg. Der König der Spieler Rudolph Stallmann. Der Jrrenhausskandalprozeß Lubecki. Ein Liebesdrama im Berliner Tiergarten (Hedwig Müller). L. G.