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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-09-04 · Heft 36 (4.9.1914) · p. Seite 425

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 36 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
Seite 425 (sequence 5)
Language
German
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Die Sicherung der Etappenlinien mußte bisher den Armen überlassen bleiben; da diese aber für den weiteren Vormarsch die zu diesem Zweck zurückgelassenen Kräfte notwendig in der Front brauchen, so hat Seine Majestät die Mobilmachung des Landsturms befohlen. Der Landsturm wird zur Sicherung der Etappenlinien und zur Besetzung von Belgien mitherangezogen werden. Dieses unter deutsche Verwaltung tretende Land soll für Heeresbednrfnisse aller Art ausgenutzt werden, um das Heimatgebiet zu entlasten. Wie der „Frankfurter Zeitung" aus Rom gedrahtet wird, hat das französische Kriegsministerium angekündigt, dem General Joffre sei der Befehl erteilt worden, das Oberelsaß zu räumen, um alle verfügbaren Truppen nach dem Norden zu werfen, wo sich das Schicksal des Krieges entscheidet. Paris, 27. August. In der Absicht, dem Ministerium eine breitere Basis zu geben, hat Ministerpräsident Viviani dem Präsidenten der Republik das Entlassungsgesuch des ganzen Kabinetts überreicht. Der Präsident hat es angenommen und Viviani mit der Neubildung des Ministeriums beauftragt. Am Abend unterbreitete Viviani dem Präsidenten folgende neue Ministerliste: Präsidentschaft: Viviani, ohne Portefeuille, Justiz: Briand, Auswärtiges: Delcasss, Inneres: Malvh, Krieg: Millerand, Marine: Augagneuer, Finanzen: Ribot, öffentlicher Unterricht: Sarraut, öffentliche Arbeiten: Marcel Sembat, Handel: Thomson, Kolonien: Doumergue, Landwirtschaft: Fernand David, Minister ohne Portefeuille: Jules Guesde. Zum Gouverneur von Paris ist, an Stelle des Divisionsgenerals Michel, General Gallieni ernannt worden. Michael hat um ein Kommando unter Gallieni gebeten. Morgen soll ein Erlaß im Amtsblatt erscheinen, der provisorisch für die Kriegsdauer gestattet, bei der Beförderung von Offizieren vom Dienstalter abzusehen. Der Kriegsberichterstatter der „Voss. Zeitg." schreibt: Ueber die Bombardierung Antwerpens durch einen „Zeppelin" kann ich folgende interessante Einzelheiten melden: Als wir am 24. August in Lüttich weilten, sahen wir gegen 1 Uhr nachts einen Zeppelin in nordwestlicher Richtung und großer Höhe die Stadt überfliegen. Deutlich hob sich seine schlanke Gestalt vom Nachthimmel ab, als er sich durch ausgeworfene Leuchtkugeln beleuchtete, damit er nicht für ein feindliches Luftschiff gehalten werde. Sein Besuch galt, wie inzwischen bekannt geworden ist, der Festung Antwerpen, wohin sich bekanntlich die königliche Familie, die Negierung und die belgischen Truppen zurückgezogen haben. Die von „Zeppelin" geschleuderten Spengbomben haben ihre Wirkung getan. Eine der Bomben zerstörte die Gasanstalt, so daß sofort mit der Explosion eines Gasbehälters die Hälfte der Stadt im Dunkel lag. Die Anzahl der Toten nach den Beobachtungen vom „Zeppelin" aus muß bedeutend sein. Jedenfalls bedeutender, als die Antwerpens selbst zugeben. Seitdem herrsche unter der Bevölkerung der belagerten Festung nachts eine ungeheuere Erregung. Diese Furcht hat sich auch, wie heilte hierhergelangte Nachrichten zeigen, auf London übertragen, wo man allnächtlich der Ankunft deutscher Lustkreuzer angstvoll entgegensehe. Um 4 Uhr morgens, als ich gerade zum Sammelplatz ging, sah ich unser stolzes Luftschiff nach wohlverrichteter Arbeit über Lüttich hinweg seinem derzeitigen Standort wieder zufliegen. Sämtliche in Antwerpen auf „Zeppelin" abgegebenen Schüsse haben ihr Ziel verfehlt. * 28. A u g ll st: Die englische Armee, der sich drei französische Territvrialdivisionen angeschlosfen hatten, ist nördlich Saint- Ouentin vollständig geschlagen. Sie befindet sich im vollen Rückzüge über Saint-Quentin. Mehrere tausend Gefangene, sieben Feldbatterien und eine schwere Batterie sind in unsere Hände gefallen. Südöstlich. Mezieres haben unsere Truppen unter fortgesetzten Kämpfen in breiter Front die Maas überschritten. Unser linker Flügel hat nach neuntägigen Gebirgskämpfen die französischen Gebirgstruppen bis in die Gegend östlich Epinal zurückgetrieben und befindet sich in weiterem siegreichen Fortschreiten. Der Bürgermeister von Brüssel hat dem deutschen Kommandanten mitgeteilt, daß die französische Regierung der belgischen die Unmöglichkeit er¬ 425 öffnet habe, sie irgendwie offensiv zu unterstützen, da sie selbst völlig in die Defensive gedrängt sei. Die deutsche Heeresleitung protestiert gegen die durch unsere Gegner verbreiteten Nachrichten über Grausamkeiten der deutschen Kriegführung. Wenn Härten und strengste Maßnahmen nötig geworden sind, so sind sie veranlaßt und herausgesordert durch Teilnahme der Zivilbevölkerung einschließlich Frauen, an heimtückischen Ueberfällen auf unsere Truppen und durch bestialische Grausamkeiten, die an Verwundeten verübt worden sind. Die Verantwortung für die Schärfe, die in die Kriegführung hineingebracht worden ist, tragen allein die Regierungen und Behörden des von uns besetzten Landes, die ihre Bürger mit Waffen versehen und zur Teilnahme am Krieg aufgehetzt haben. Ueberall da, wo die Bevölkerung sich feindseliger Handlungen enthalten hat, ist von unseren Truppen weder Mensch noch Gut geschädigt worden. Der deutsche Soldat ist kein Mordbrenner und Plünderer, er führt nur Krieg gegen das feindliche Heer. Die in ausländischen Blättern gebrachte Nachricht: die Deutschen trieben die Bevölkerung des Landes im Gefecht vor sich her, ist eine Lüge, die den moralischer Tiefstand ihres Urhebers kennzeichnet. Jeder, der die hohe kulturelle Entwickelung unseres Volkes kennt, wird sie als solche von vorn« herein bezeichnen. v. Moltke. * 29. Augu st: Der vom Generalquartiermeister in seiner Veröffentlichung vom 25. August als bevorstehend angekündigte neue Entscheidungskampf hat begonnen. Als Einleitung erfolgte die Besetzung der Grenzstadt Neidenburg durch starke russische Kräfte. Die Russen plünderten die Stadt gründlich und bombardierten sie dann von den nahen Höhen. Den meisten Bürgern Neidenburgs, das etwa sechstausend Einwohner hat, war es gelungen, über Hohenstein nach Allenstein zu fliehen. Das 20. Armeekorps griff energisch in die Kämpfe gegen den russischen Gegner ein. Die „Allensteiner Zeitung" kann mit amtlicher Genehmigung darüber melden: Unser tapferes 20. Korps steht seit 24 Stunden im Feuer mit einem an Kräften weit überlegenen Gegner. Dank der Tapferkeit unserer Truppen und Führer ist es den Russen trotz ihrer gewaltigen Uebermacht nicht gelungen, unsere Stellungen zu nehmen. Der Kampf hat sich dann zu einer riesigen Schlacht auf der Linie Gilgenburg— Neidenburg—Ortelsburg entwickelt mit zirka 50 Kilometer Frontlänge. Hierüber teilt Landrat Hagemnnn in Marienburg der „Marienburger Zeitung" mit, daß zwei, russische Armeekorps aufgerieben worden seien. Unsere Truppen in Preußen unter Führung des Generalobersten v. Hindenburg haben die vom Narew vorgegangene russische Armee in der Stärke von fünf Armeekorps und drei Kavalleriedivisionen in dreitägiger Schlacht in der Gegend von Gilgenburg und Ortelsbürg geschlagen und verfolgen sie jetzt über die Grenze. Seit zwei Tagen und Nächten wird in Ostgalizien aus 400 Kilometer Front ein Entscheidungskampf ausgesuchten. Gleichzeitig mit dem Vorstoß nach Ostpreußen wurde von den Russen eine Offensive nach Galizien ausgenommen. Die russischen Kräfte gingen sowohl aus der Gegend bei Brody als gegen den Zbruczfluß bei Tarnopol vor. Eine weitere russische Gruppe, zwischen Weichsel und Bug vorgehend, wurde durch den österreichisch-ungarischen Gegenangriff in der dreitägigen Schlacht bei Krasnik geschlagen. Die russische Hauptarmee auf der Linie Rawaruska—Zloczow wurde zum Stillstand gebracht. Hier wie am Zbruczflufse finden seit dem 26. die heftigsten Kämpfe statt, wobei der linke Flügel der k. u. k. Mittelarmee bei Zolkiew erfolgreich vordrang. Während die linke Flügelarmee nach der Schlacht bei Krasnik Zwischen Bug und Weichsel in voller Offensive begriffen ist, befindet sich der rechte Flügel fortdauernd im Entscheidungskampf. Die ungeheure Ausdehnung der Gesechtsfront läßt eine lange Dauer der Kämpfe erwarten. Das „Neue Wiener Journal" meldet aus Bukarest: Nach einer Meldung an die Bukarester russische Botschaft bombardiert der russische Panzerkreuzer „Pauteleimon" die Stadt Odessa, wo es den Revolutionären gelungen ist, die Herrschaft an sich zu reißen. Die die ganze Woche hindurch andauernden blutigen Straßenkämpse endeten mit dem vollsten Siege der Revolution. Die Entscheidung führten die Truppen selbst herbei, die sich nach der Niedermetzlung der Offiziere der revolutionären Bewegung anschlossen. Der Polizei-

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