Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1914)
- Date
- 1914-09-04
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 424 —— 25. August. Die gesamte Presse Belgiens mit Ausnahme der von Antwerpen erscheint in deutscher Sprache. Der deutscherseits eingesetzte Gouverneur hat das Weitere veranlaßt. Es ist anzunehmen, daß die französische Sprache neben der deutschen beibehalten wird. Oesterreichs Kriegserklärung an Japan. Da das österreichisch-ungarische Kriegsschiff „Kaiserin Elisabeth", wie gemeldet, den Befehl erhalten hat, die deutschen Streitkräfte in Ostasien bundestreu zu unterstützen, hat, wie wir hören, die österreichisch-ungarische Regierung dem japanischen Botschafter in Wien seine Pässe zugestellt und damit die diplomatischen Beziehungen zu Japan abgebrochen. Gleichzeitig hat der österreichisch-ungarische Vertreter in Tokio, Baron Müller, den Auftrag erhalten, seine Pässe zu verlangen und mit dem Gesandtschafts- Personal, den konsularischen Vertretern und den in Japan lebenden Oesterreichern und Ungarn Japan zu verlassen. Mit der Verwaltung der okkupierten Teile des Königreichs Belgien ist von Seiner Majestät dem Kaiser unter Ernennung znm Generalgouverneur der Generalfeldmarschall Freiherr von der Goltz beauftragt worden. Die Zivilverwaltung ist dem zum Verwal- Lungsches ernannten Regierungspräsidenten v. Sandt in Aachen übertragen worden, dem für die Dauer seiner Tätigkeit das Prädikat Exzellenz beigelegt ist. Dem Berwaltungsches sind beigegeben: der Oberregierungsrat v. Wussow ait§ Kassel. Landrat Dr. Kaufmann aus Euskirchen, Justizrat Trimborn (Mitglied des Reichstags) aus Köln, der bisherige Konsul in Brüssel Legationsrat Kempff sowie der Bürgermeister v. Loebell aus Oranienburg. Die Berufung weiterer Beamten, insbesondere von Technikern der Berg- und Bauverwaltung, ist in Aussicht genommen. Ter Generalgouverneur Generalseldmarschall von der Goltz hat sich zur Uebernahme seiner neuen Tätigkeit bereits nach Belgien begeben. Bei Namur sind sämtliche Forts gefallen. Ebenso ist Longwy nach tapferer Gegenwehr genommen. Gegen den linken Flügel der Arrnee des deutschen Kronprinzen gingen aus Verdun und östlich starke Kräfte vor, die zurückgeschlagen sind. Das Oberelsaß ist bis auf unbedeutende Abteilungen westlich Kolmar von den Franzosen geräumt. Im Großen Hauptquartier ist folgendes Telegramm des Kaisers Franz Josef an Kaiser Wilhelm vom 24. d. M. eingetroffen: Sieg auf Sieg! Gott ist mit Euch und wird es auch mit uns sein! Allerinnigst beglückwünsche ich Dich, teurer Freund, die jugendlichen Helden, Deinen lieben Sohn, den Kronprinzen, .sowie Kronprinz Rupprecht von Bayern und das unvergleichlich tapfere deutsche Heer. Worte fehlen, um auszudrücken, was mich und mit mir meine Wehrmacht in diesen weltgeschichtlichen Tagen bewegt. Herzlichst drückt Deine starke Hand Franz Joseph. * 27. Augu st. Seiner Majestät Kleiner Kreuzer „Magdeburg" ist bei einem Vorstoß im Finnischen Meerbusen in der Nähe der Insel Odensholm im Nebel auf Grund geraten. Hilfeleistung durch andere Schiffe war bei dem dicken Wetter unmöglich. Da es nicht gelang, das Schiff abzubringen, wurde es beim Eingreifen weit überlegener russischer Streitkräste in die Luft gesprengt und hat so einen ehrenvollen Untergang gefunden. Unter dem feindlichen Feuer wurde vom Torpedoboot „V 26" der größte Teil der Besatzung des Kreuzers gerettet. Die Verluste „Magdeburg" und „V 26" stehen noch nicht fest. Bisher gemeldet: tot 17, verwundet 21, vermißt 85, darunter der Kommandant der „Magdeburg". Die Geretteten werden heute in einem deutschen Hafen eintressen. Verlustliste wird sobald wie möglich herausgegeben werden. Oesterreichisches Hauptquartier, 26. August. Die dreitägige Schlacht bei Krasnik endete mit einem vollständigen Siege über die russische Armee, die, zuerst aus dem Raume Frampol—Krasnik gedrängt, größere Kräfte auf dem östlichen Flügel entwickelte. Zuletzt standen mindestens vier Korps aus russischer Seite im Kampf. Sie wurden aber durch unsere unwiderstehlichen Jnsanterieangriffe zum Ausscheiden gezwungen. Dann wurde die Reiterverfolgung gegen Lublin ausgenommen. Der Sieg der österreichisch-ungarischen Truppen erfolgte auf schwierigem, vielfach von Waldzonen durchzogenem Terrain. Die starken russischen Vorhutkräfte hatten günstige Stellungen besetzt, die besonders auch eine wirkungsvolle Verwendung der Kavallerie gestatteten. Die österreichisch-ungarischen Truppen griffen aber mit so großem Elan an, daß der Feind bald geworfen werden konnte. Insbesondere scheint die mit großer Präzision schießende Artillerie eine Panik unter den Feinden bewirkt zu haben, speziell unter den Kosaken. Wien, 25. August. Nach der letzten amtlichen Nachricht aus dem Kriegspressequartier machten die k. und k. Truppen in den siegreichen Kämpfen um Krasnik und Kielce 3000 Gefangene und erbeuteten drei Fahnen, 20 Geschütze und sieben bespannte Maschinengewehre. Ferner meldet das Kriegspressequartier amtlich: In Lemberg traf gestern der erste größere Transport Russen, die in den Grenzgesechten gefangen genommen waren, unter dem Jubel der Bevölkerung ein, der sich noch steigerte, als im Zuge mehrere Maschinengewehre sichtbar wurden. Aus allen Meldungen geht übereinstimmend hervor, daß die Russen in ihrer bekannten» barbarischen Kriegsweise auf eigenem und fremdem Gebiet alles verwüsten, Dörfer und Gehöfte schonungslos in Brand stecken und mit diesen! Verfahren allen völkerrechtlichen Vereinbarungen geradezu Hohn sprechen. Unter diesem Sengen und Brennen hatte anfangs, als die partiellen feindlichen Einfälle noch möglich waren, die übrigens insgefmnt von unseren zu Hilfe eilenden Truppen in tapferer Weise abgeschlagen wurden, das galizische Grenzgebiet und dessen Bevölkerung sehr zu leiden. Seit wir auf feindliches Gebiet vorgedrungen sind, trifft die russische Verwüstungswut die dortigen Ortschaften. Die Methode vermag nufer Vorrücken nicht aufzuhalten, bewirkt aber allenthalben, daß die bedrängte Bevölkerung uns nicht nur in rein Polnischen Gebieten als Befreier aus barbarischer Willkür begrüßt. Als die Nachricht von dem großen Erfolge unserer Waffen bei Krasnik im stationierten Kriegspressequartier bekannt wurde, bemächtigte sich der Bewohner eine freudige Begeisterung. Sie zogen in dichten Scharen vor den Konnnandositz und verlangten stürmisch die Offiziere zu sehen. De'-' Konunandant gab den Inhalt der Siegesbotschaft in einer Ansprache bekannt, die mit Jubelrufen und der Volkshymne aufgenommen wurde. * 27. A u g u st. Das deutsche Westheer ist neun Tage nach Beendigung seines Aufmarsches unter fortgesetzten siegreichen Kämpfen in französisches Gebiet von Cambrai bis zu den Südvogesen eingedrungen. Der Feind ist überall geschlagen und befindet sich in vollem Rückzug-e. Die Größe seiner Verluste an Gefallenen, Gefangenen und Trophäen läßt sich bei der gewaltigen Ausdehnung der Schlachtfelder in zum Teil unübersichtlichem Wald- und Gebirgsgelände noch nicht annähernd übersehen. Die Armee des Generalobersten v. Kluck hat die englische Arrnee bei Maubeuge geworfen ltnb sie heute südwestlich Maubeuge unter Umfassung erneut angegriffen. Die Arrneen des Generalobersten v. Bülow und des Generalobersten Freiherrn v. Hausen haben etwa acht Armeekorps französischer und belgischer Truppen zwischen Sambre, Namur und Maas in mehrtägigen Kämpfen vollständig, geschlagen und verfolgen sie jetzt östlich Maubeuge vorbei. Namur ist nach zweitägiger Beschießung gefallen. Der Angriff auf Maubeuge ist eingeleitet. Die Armee des Herzogs Albrecht von Württemberg hat den geschlagenen Feind über den Semois verfolgt und die Maas überschritten. Die Arrnee des deutschen Kronprinzen hat eine befestigte Stellung des Feindes vorwärts Longwy genommen und einen starken Angriff aus Verdun abgewiefen. Sie befindet sich im Vorgehen gegen die Maas. Longwy ist gefallen. Die Armee des Kronprinzen von Bayern ist bei der Verfolgung in Lothringen von neuen feindlichen Kräften aus der Position von Nancy und aus südlicher Richtung angegriffen worden. Sie hat den Angriff Zurückgewiesen. Die Armee des Generalobersten v. Heeringen fetzt die Verfolgung in den Vogesen nach Süden fort. Das Elsaß ist vom Feinde geräumt. Aus Antwerpen haben vier belgische Divisionen gestern und vorgestern einen Angriff gegen unsere Verbindungen in Richtung Brüssel gemacht. Die zur Abschließung von Antwerpen zurückgelassenen Kräfte haben diese belgischen Truppen geschlagen, dabei viele Gefangene gemacht und Geschütze erbeutet. Die belgische Bevölkerung hat sich fast überall an den Kämpfen beteiligt. Daher sind strengste Maßnahmen zur Unterdrückung des Franktireur- und Bandenwesens angewandt worden. iüäftiüi