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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-08-28 · Heft 35 (28.8.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 35 (28.8.1914)
Date
1914-08-28
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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6 und des ioVvii)'lm11nutc 11f'uüci]iums ansgesetzt lverden. In diesem Falle hat die Neuwahl innerhalb eines Vierteljahres nach Abschluß des Präliminarfriedensv.ertrages zu erfolgen. Vis zur Neuwahl bleibt das bestehende Repräsentantenkolleginm im Amte." — (Die Neuwahl der Repräsentanten sollte int Dezember dieses Jahres erfolgen.) Herr Vachrach beantragt die Aussetzung aller nach der Verfassung notwendigen Wahlen, insbesondere der Vorstaudswahlen, bis llach Beendigung des Krieges. Herr Gemeindevorsteher Alfred Levh widerspricht diesem Antrag und bittet, den Vorstand in dieser schweren Zeit, in der er mit Geschäften überlastet ist, der für ihn notlvendigen Kräfte nicht zli berauben. Es sei durchaus nicht ausgeschlossen, daß der Vorstand sich doch genötigt sehen werde, seine Mitglieder zu vermehren nlld einen diesbezüglichen Antrag all das Repräseiltantellkollegiunl zli richten. Herr Bachrach zieht hierauf seinen Alltrag zurück. Die beantragte Verfassnngsäliderlulg wurde hierauf genehmigt. Es folgt geheime Sitzung. (D Hannover, 21. August. Zur Einleitung etitcr infolge des ausaebrochenen Krieges notwendig gewordenen Hilfsaktion hat der erste Vorsteher der Gemeinde, Senator Fischer, am Tage nach der Mobilmachung sämtliche im Ehrendienst hiesiger Armenlmd Wohltätigkeitsillstitlltionell und sonstige sozial wirkende Persollen zll einer Versnunnümg nach dem Gemeindeverwaltungsgebände einberufen, die von 65 Personell (17 Damen und 48 Herren) besucht war. Es wurde beschlossen, weder eine Sonderorganisation, lloch überhaupt eine neue Organisation zu bilden, sondern selbstverständlich in erster Reihe sowohl Geldmittel wie Mitarbeit den interkonfessionellen Organisationen, lote Vaterländischem Franenverein, Rotem Kreuz, Rationalem Franendieust und. städtischem Kriegsfürsorgeamt zur Verfügung zu stellen, Des weiteren wurde beschlossen, die int Interesse der Wohlfahrt arbeitenden jüdischen Vereine ivühreud des Krieges zu zentralisieren, lim llicht die Mittel und Arbeitskräfte zu verzetteln. Es ist deshalb die Vereinstätigkeit während des Krieges der hier im Jahre 1966 begründeten „Zentralstelle für Armenllnd Wohltätigkeitspflege in der Shnagogengeineinde Hannover" übertragell worden, das Bureau der „Zentrale", das sollst mit dem Armenbureau vereinigt ist, bleibt während des Krieges vonl Arulenbureau räumlich getrennt und in Permanenz erklärt. Die unter dein Vorsitz des zweiten Geilteilldevorstehers (Armenvvrsteher H e r m a n il Ri e h e r) uild dem als stellvertretenden Vorsitzenden flillgiereuden ersteil Vorsteher Senator Fischer arbeitende „Zentrale" hat sechs Arbeitsausschüsse gebildet, Mid zwar: für die Familien der Krieger, für wirtschaftlich Bedrängte, für Flüchtlinge lind Internierte, für Errichtlmg lind Unterhaltung einer Volksküche bzw. Speiseanstalt, für Erteilung von Rat uild Auskunft. Ferner ist ein besonderer Finanzausschuß gebildet, der bereits mit den Sammlungen begonnen hat; es liegen bereits 21 Zeichnungen 1006 Mark iiild über 60 Zeichnungen a 500, 600, 200 und 100 Mark vor. Auch die Vereine haben alls ihrem Kapitalverulögetl erhebliche Zilweudllngen gemacht, so u. a. auch der Wvhltätigkeitsverein 9000 Mark, Frauenverein 1000 Mark, Zionloge 500 Riark, Arinenkontlnission 4000 Mark, lnld verschiedene kleine Vereine hab-etl fast ihr ganzes Vermögen zur Verfügung gestellt. Ferner hat das Ülepreifontnnteilfolleanim ans beit Riittelll der Gellleilide einen Betrag voll 10 OOO Mark der „Zentrale" zur Verfügiulg gestellt, so daß scholl jetzt etwa 60 000 Mark bereitgestellt siild, lloch bevor der Aufruf all die Gemeinde -ergangeil ist. In beit sechs Ausschüssen wetteifern etiva 50 Datuen und Herreil tu fieberhafter Tätigkeit int Interesse der vom Krieg direkt mtb indirekt Betroffenen. Auch eine Anzahl Anwälte hat sich für die Betroffenen zur holtorarfreien Raterteitnng zur Verfügung gestellt. Insoweit Staat und Kommune zltr Ullterstütznug der Kriegsange-' hörigen herangezogell werden könnell, soll dies geschehen, int wesentlichen solleil diese Unterstützungen dann durch Rlittel der „Zentrale" ergänzt werden. — Am 7. Angnst trafen hier zirka 400 alls Anttverpetl atlsgelviesene Glaubensgenossen ein, die hier in städtischen Volksschulen unter gebracht mld mtf Kosteil der Stadt dltrch Dnmell des Israelitischen Franenvereins rituell verpflegt wulrdeil. Ferner sind zirka 60 wohlhabende Russell in einem kleinen Gasthof für eigene Rechnlmg interniert, die, ans der Eisenbahnfahrt von Bad Neuenahr, hier am 4. d. M. anssteigen mußten. Ferner befinden sich iin Polizeigewahrsam zirka 400 Russen, unter denen etwa 15 Glaubensgenossen. Das Repräsentantenkollegilun hat dem Roten Kreuz 5000 Mark, dem Vaterländischen Frauenverein gleichfalls 5000 Mark, dem Stadtdirektor in Hannover 2000 Mark und denl Oberbürgermeister in Vtnben 1000 Riark übenviesen. Ferner hat das israelitische .Krankenhalls sowohl sein altes Hans, als dem Ende des Monats fertigen Erweiterungsbau zur Verfügung gestellt, in welchem zirka 120 Verlonndete Anfllah'.lle sindem sollen; der Generalarzk hat die baldige Belegung mit Schwer verwundeten in Aussicht gestellt, da er das Halls für solche Zwecke besonders geeignet befunden hat. Ferner hat der „Verein zur Unterstützung der Schüler der Vildnilgsallstalt für jüdische Lehrer" (Semin-nristenvereill) das Internat nlit etwa 50 bis (>() Bettell für Lazarettzwecke, meint nötig, zur Verfügung gestellt. (Die Seminaristen und Präparanden sollen alsdann in Familien llntergebracht werden.) Ferner hat die israelitische Erziehungsanstalt Ahlem ihr Mädchenhans zum Militärlazarett eingerichtet mit 75 Betten für verwmldete Soldaten. Ebenso hat der nenerbantr ,,Israelitische Kinderhort", desseil Einweihung am 4. August stattfinden sollte, seine Räume für etwa 80..Betten dem Generalkommando zur Berfügultg gestellt. Auch die Zion löge hat ihr in Rorderneh befindliches Kindererholltn-gsheint mit etnm 90 bis 100 Betten für Gellesende mtb leicht Verwundete durch die Großtoge zur Verfügung gestellt. Die Sammlungen ans jüdischell Kreisen habeil nach den verössentlichteu Sammellisten bislang für das Rote Kreuz zirla 70 000 Mark, für das städtische Kriegsfürsorgeamt zirka 75 000 Marl ergeben. Schweden. Malmö, 21. August. Das in Malmö erseheimulde „Shds v e n s k n D a g b l a d e t" erfährt ans Petersburg Einzelheiten über die Zustände in Petersburg: Rings mit Petersburg werden der Wald nmgehanen und tiefe Laufgräben angelegt. Von der Stadt bis nach Whborg in Finnland, 175 Kilometer weit, hat man die Dörfer von der Zivilbevölkerung geräumt und die Häuser, die hier durchweg ans Holz gebaut sind, niedergebranut. Da sich in den Dörfern Sestrorjezk, Pargolowo, Kokkata und Terijoki in den letzten Jahren fast alte ivohlhabendeu Petersburger Familien Landhäuser errichteten, vor allem aber die d e n t s che u n n b j ü d i s eh e n , die mehr als die Russen die Freiheit des Strandlebens schätzen und in Finnland sich wohler fühlten als im eigentlichen Rußland, müssen Millionenwerte durch die Zerstörung vernichtet worden sein. Da der Verlust aber vornehmlich „Fremdvölkische" trifft, werden sich die russischen Behörden höchstens über den bequemen Vvrlvand freuen, die Verhaßten schädigen und plündern zu können. Die Verteidigungsmethode der Vernichtung, der künstlichen Wüstenbildung, ist in Rußland äußerst beliebt, weil Napoleon durch die Unwegsamkeit Groß- Rußlands znrückgetrieben wurde; auch kommt sie den nationalen Instinkten entgegen. Bulgarien. Z. Sofia, im August. Herr Dr. Eh reu preis, Großrabbiner von Bulgarien, verläßt nach langer, segensreicher Tätigkeit unser Land, um sein neues Amt in Stockholm anzutreten. Alle bulgarischen Bürger ohne Unterschied des Glaubens bedauern sein Scheiden von hier ungemein: hat doch der beliebte Seelsorger es verstanden, während seines langen hiesigen Aufenthaltes sich die Sympathien der ganzen bulgarischen Gesellschaft zu erwerben. Tie israelitischen Gemeindebehörden lverden deshalb anläßlich des Abschieds dem Großrabbiner eine Prächtige Adresse überreichen, ein Werk des Herrn Tat eh eff. Herr Tr. Ehrenpreis ist kürzlich von der Königin in Audienz empfangen lvordeu, bei welcher Gelegenheit die hohe Frau ihm ihren Dank für seine den israelitischen Gemeinden des Landes gewidmete erfolgreiche Tätigkeit anssprach. Auch von Seiner Majestät dem König wird der Groszrabbiner in den nächsten Tagen empfangen lverden. Von verschiedenen Seiten, darunter von Mitgliedern des Ministeriums und der Landeskirche, wurden Herrn Dr. Ehrenpreis zahlreiche ehrende Knndgebnugeu und Beweise des Vertrauens und der Sympathie zuteil, die nicht nur für die allgemeine Beliebtheit des scheidenden Oberrabbiners, sondern auch für die in Bulgarien herrschende Glaubensfreiheit und die Eintracht unter den verschiedenen Konfessionen das beste Zeugnis oblegen. Die bulgarische Regierung richtete an.den scheidenden Rabbiner folgendes Dankschreiben: Sofia, den 21. Juli 1914. Ministerium der äußeren Angelegenheiten. Hochverehrter Herr Oberrabbiner! Mit tiefem Bedauern sieht sich die Königliche Regierung gezlvnngen, auf Ihr Gesuch und dasjenige des israelitischen Central-

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