Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1914)
- Date
- 1914-08-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Ul ich pfeifen lllld der Boden vom Bonner der (Geschosse erzittert, Aber ich finde Berulsignug, loenn tri; lih'iu Herz ausschilttell kann. Was linden loir nicht alles dnrch^emacht diese wenigen Tage. Aiein Haar ist gebleicht i n einer Schreckens nacht. Wie freuten loir uns, als die -ltnsfen adri'iekten. wie jubelten lvir, als die Deutschen einrücktell. Wir hoben sie mit Speise nnd Trank empfangen und ihnen zugejnbelt, als unseren Errettern von all der Angst nnd Olial, die loir unter unseren Peinigern dllrchznmachen hatten. Das war nicht bloß das Gefühl, das die Juden in der Stadt beseelte, die Polen dachten nicht anders. Aber lvir dachten, nnd unser Bürgermeister, ein Busse, glaubte uns zu lenken. Gr hatte sich an rills Tuben rächen wollen, das; lvir dell deutschen Soldatell freundlich entgegentarnen mit Erfrischungen, da lies; er das Gefängnis öffnen. Er besahl den Verbrechern, loelche er überall in den Häusern nnd hinter dell Häusern als Spione versteckt hatte, ans die deutschen Soldaten zu schienen. Wir hatten davon leine Ahnung, lvir fuhren nachts ans dell Betten erschreckt empor, als loir die Schüsse hörten. Schlaf fanden loir freilich auch so ilicht, aber der Schreck lähmte unsere Glieder. Den Bürgermeister traf seine verdiente Strafe, der deutsche Oberst lies; ihn erschienen. Dann legte er unserer Stadt eine Kontribution von 20 000 Pudeln ans. Tas Schlimmste aber traf uns, als er 24 der angesehenste!; Männer unserer Stadt srstnehinen lies; nnd uns bedeutete, das; für jeden hier erschossenen deutschen Soldaten einer dieser Geiseln erschossen würde. ,,Unsere -vande haben dies Blut llicht vergossen," dürfen lvir ansrnfen niit unserer Thora. Der Oberst lies; die 24 nach Posen ans die! Testung schicken. Unter ihnen ist auch unser zweiter Rabbiner, Gott erhalte ihn lmd schütze ihn! (Bergt. den Bericht ans Posen in der vorigen A'nnlmer. Die Red.) Traurig sieht es jetzt bei uns aus, verödet liegt jetzt unsere Stadt da. ein Schlachtfeld bedeckt mit Toten nnd Ruinen. 4no Tu den sind bei den Strasienkämpsen in den -Häusern gefallen als Dpfer des verbrecherischen Attentats des Bürgermeisters, den sein verdientes Schicksal ereilt hat. Die Jndenstadt im Tunern ist vollständig demoliert. Was fliehen konnte, ist geflohen. Wehe uns, die loir noch leben! (Der Brief ist ans dem Hebräischen überseht.) h) G z e n st o eh an. Sb dieser Brief Sie erreichen loird, weis; ich nicht, die Zensur ist streng, keiner darf den Posten ohne Ausweis passieren. Aber loas ich schreibe, darf jeder lesen. Denn -es ist nur rülnnlich für unsere braven Soldaten, nnd auch die Bürger der Stadt, Poleil irnd Tuben, spielen keine unrühmliche Bolle. Sie tragen keine Schuld an den Ereignissen, die sich hier zntrngen. Was haben sie sieh denn . überhaupt rühren dürfen unter der russischen Knute. „Hände hoch" war der ständige Anruf jedes russischen Soldaten oder Strasnick (Schutzmann) all sie. Sie habeil lvirklich ans inllerstenl Herzellsdrange anfgeatinet von der rnfsischell Schreckensherrschaft nnd echte Gefühle der Freude gezeigt, als unsere tapferen Truppen einrücktell. Aber freilich waren sie damit die Bussen noch llicht los. Gegen 500 Kosaken hatte man zurückgelassen in der Stadt ohne Montnr. in den Häusern versteckt inetft in der Borstadt vor dem Paula nertloster. wo die M'atka bosta voll den; Berbrechernlvilch Blae och bestohlen loar. Dieseil Kerl hatten die Busserl bor ihrem Abzüge mit dein ganzen Berbrechergesindel ans dein Kerker in Petrikall freigelassen. vssenbar um diese verruchte Gesellschaft ans unsere Soldaten losznlasien. Sie ersannen ein teuflisches Manöver, sie raubten den polnischerr Tnden ihre Blöcke und steckten sich in ihre Kleider, um unseren Truppen vor w täuschen, das; es polnische Tuben seien, loelche bie Untaten ausüberl. Unser Konnnandenr hatte eine seine Witterimg, er traute dem Trieden in der Stadt nicht nnd legte die Soldatell nachts llicht in die Bürgergnartiere. sonderil lies; seine ganze Truppe ans denn freien Platze vor dem Panlaneekloster nachts Biwack beziehen. Das war lveise Borsicht. Denn ltachts gegen 34? 11 Uhr brach der Spektakel los. Eine Bombe platzte als Signal für die in dell Häusern um den Platz herum verteilteil maskierten Kosaken lind 'Verbrecher. Nun begann die Schiesierei, loelche 7 unserer Braven das Leben kostete nnb 30 verlmmdete. Der Sberst lies; sofort Appell blasen nnd das Batailloll mit gefälltem Bajonett die Häuser stürillen. Etwa 000 dieser Banditen lvllrdeil herausgeholt lind ans dell Klosterplatz geschleppt. Das Er-empel lvnrde gelilacht. Zlvei der Bestien nmrden an der Klosterntaner sofort er schosse ll, die ailderell nilter Bedeckung llach Beiße ans die Testung geschickt. Polen mtb Tilden bewiesen dabei ihre ehrenhafte Gesinnung, sie waren dem Kommandanten behilflich, die Verbrecher zu stellen nnd ihre Häuser von dem gemeinen Gesindel zu sänberll. Der Kolnnlandaut hat dies ausdrücklich anerlanat. Polen nild Inden uu>lten nichts nlit dem Gelichter genleill haberl. LL Dresden, 21. All au st. Die I s r a e l i t i s che R e l i g i o u sgenleillde D r e s d e il hat ans einftimmißcn Beschluß des Gemeinderats die 'Summe von 32 000 Mark der Allgemeinheit für Liebeswerke ans Alttas; des Krieges zur Verfügung gestellt. Hiervon siild 2000 Mark denl Lalldesansschns; des Boten Kreuzes mld 5000 Mark der nllter der Leitung des Oberbürgermeisters gebildeten „Kriegsorganisation Dresdener Vereine", in deren Zentralansfchllß der Sekretär des Verbandes der israelitischen Neligionsgemeinden im Königreich Lachsen, Herr P l o il n a ch e r , als Vertreter unserer Gemeinde berufen lvorden ist, übernsiefen worden, lieber die Verwendung der restlichen 5000 Mark hat der Gemeinderat sich weitere Elltsehließung Vorbehalten. Ferrrer hat die Gemeinde im Tempel SanlUlelbüchsen zilr Linderung voll Kriegsnot ausgestellt, in die bei dem mit allgemeinen Bettag abgehaltenen Gottesdienst mehrere hnndert Mark in ffeinen Beträgen flössen. Die Israelitische Krankenver- Pfleglmgsgesellschaft hiersetbst hat dem Oberbürgermeister für das Bote Kreuz nnd für die Zwecke der Kriegsorganisation Dresdener Vereine 5000 Mark 0U?Proze>ltiger Erbländer Pfandbriefe zur Verfügung gestellt. Die hiesige Fraternitasloge U. O. B. B. hat beschlossen, ihr Ferienheim in Oberrochwit; dein Kriegsministeriunl zur Verfügnllg zu stellen und dein Boten Kreuz sonne der Stadt zur Unterstützung der Familien militärdienstpslichtiger Einwohner der Stadt Dresden je 3000 Mark zu iiöerlueifeix. Der Israelitische Arinennnterstützllllgsverein hat ebenfalls 3000 Mark für die Kricgsorganisation Dresdener Vereine bewilligt. Der Israelitische Franenverein wird voraussichtlich nlindestens ebensoviel nnd das Israelitische Krankell-Unterstntzullgsinstitnt in Dresden 5000 bis 6000 Mark ans znrnckgeleaten Vermögellsbeständen für die mehrgenannte Kriegsoraanisation der Skadthanptkasse überweiseil. Außerdem findet für bedürftige Gtanbentzgenossell unter Leitung unseres Herrn L e s s e r imentgeltliche Abgabe von Lebellsnlittetn und Brennstoffen statt. Endlich haben nur die Verpflegung der täglich in großen Transporten über Berlill ans Belgien nsw. znrückströillendcll österreichischell Glallbensgenvssen am Bahnhof in die Hand genommen. LL 2lchim-Bremen, 21. August. Ans meiner Familie siild 17 Krieger hiuausgezogeu. Drei verheiratete Brüder, darnllter zwei Unteroffiziere, kämpfen an der französischen Grenze; sieben Schwäger, darunter etn Unteroffizier (Kampfplatz mir unbekannt), sieben Vettern, darunter drei Unteroffiziere, wurden auch zur Fahne gerufen. Mein Vater, Bes. Rothschild, Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Hörstein (Bayern), der 70 als Unteroffizier nlitgenlacht nnb mehrere Auszeichnungen besitzt, hat sich freinsiltig gemeldet. Ich war auch Soldat, wltrde aber vor einigen Jahren wegen eitles Augenleidens für dienstuntauglich erklärt; ich habe mich auch freiwillig gemeldet.--- Am Schluß des Gottesdienstes am allgemeinen Bettage veranstaltete ich eine Sammlung, die 48 Mark ergab. Wir haben das Geld dein Herrn Landrat übergeben, der es für die vernnmdetell Krieger verwenden null. — Zn gleichem Zweck spendete Herr Back;. Anspacher, Hierselbst, dessen Sohn als Artillerist gegen die Bussen kämpft, 150 Mark. Unser Franenverein gab die Hälfte seiner Ersparnisse (100 Mark). Lehrer Rothschild. M. Hamburg, 21. August. Das R e P r ä s e n t a n t e n k o l l e - g i ll m der Deut s ch - T s r a e litis ch e n Ge m e i n d e hielt im Geuleindebnrean, Kaiser-Wilhelnt-Strahe, eilte Sitztntg unter Vorsitz des Herrn Jakob Alexander ab. Ter Vorsitzende erössnete die Sitzung mit einer von echt Patriotischem Geist durchglühten Allsprache, die vonl Kollegium stehetld angehört mtd mit lebhaftem Beifall ausgenommen lvnrde. Zunächst lvnrde ein Antrag des Gemeindevorstandes atlf Bewilligung von 0000 Mark als vorläufiger Beitrag für das Bote Kreuz in Hamburg nnö der Hambnrgischen Kriegshilfe ohne Debatte einstinunig angeltonlinell. Diese Summe sott dell beiden Institutionen zu gleichen Teiletl überwiesen werden. Ein weiterer Alltrag des Genteindevorstalldes, lvonach detl zum Heeresdienst einbernsenell Beanttell der Gemeinde ihre Stellungen ossengehalten werden nnd das ihnen Zustehende Gehalt weitergezahlt wird, wurde ebellfalls ohne Debatte eiustimmig angellommen. Ferner wurde ein Antrag des Borstatldes aus Abäudertulg der Verfassung angenommen, nnb zwar soll es in Zukunft in bezug aus die Neuwahl des Repräsentantenkollegiums heißelv. „Tie Neuwahl des Nepräsentantenkolleginnts kamt in Kriegszeiten durch einstimmigen Beschluß des Vorstandes