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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-08-28 · Heft 35 (28.8.1914) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 35 (28.8.1914)
Date
1914-08-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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"■ “ Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK IudrntnmK". korrelponven?rn und Machrichten. Srutschland. L2 Berlin, 25. August. Unter den zahlreichen Russen, die sich in Deutschland befinden und deren Zahl möglicherweise 60 000 Köpfe beträgt, uneingerechnet die russischen Erntearbeiter, befindet sich eine große Anzahl von Personen in äußerster finanzieller Bedrängnis. Diese Russen, die zurzeit aus militärischen Gründen Deutschland nicht verlassen dürfen, sind vielfach dadurch in finanzielle Bedrängnis geraten, daß ihnen entweder ihre Barmittel ausgegangen sind und daß sie aus Rußland keine neuen Barmittel erhalten können, oder daß sie nur über Rubelnoten verfügen, die im Kurse sehr stark gesunken sind, oder daß sie endlich nur Akkreditive haben, die gar nicht oder nicht in gewünschter Höhe honoriert werden. Dazu kommen andere, die tatsächlich arm sind und in der jetzigen Lage jedes Broterwerbs entbehren. Unter diesen Russen befinden sich in großer Anzahl auch unsere jüdischen Glaubensgenossen. Bei dieser Sachlage ist der H i l f s v e r e i n der deutschen Juden mit dem R e i ch s n m t d e s I n u e r n in Verbindung getreten und hat auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die aus der geschilderten Sachlage sich zum Teil schon ergeben haben und bei Fortdauer des Krieges sich weiter ergeben müssen. In allerwohlwollendster Weise ist das Reichsamt des Innern den Vorstellungen des Hilfsvereins der deutschen Juden entaegengekommen, und es hat sich durchaus bereit erklärt, in jenen Grenzen Erleichterungen zu gewähren, wie sie sich in Rücksicht auf die militärische Notwendigkeit schassen lassen. Solche Erleichterungen, die einerseits ein Gebot der Humanität sind, entlasten zugleich die deutschen Kommunen und Gemeinden von einer schweren Bürde, die aus der Verpflichtung sich ergibt, Tausende und Tausende von Personen vor dem Verhungern zu schützen. Nachdem die gemachten Vorschläge in einer Sitzung, die im Reichsamt des Innern stattgefunden hat, und an der die Herren Dr. James Simon und Dr. Paul N a t h a n vom H i t f s v e r e i n der deutschen Juden teilgenommeu hatten, durchgesprochen waren, fand am 22. d. M. in den Räumen der Deutschen Bank in Berlin eine weitere Besprechung statt, bei der u. a. die Jüdische Gemeinde Berlin durch Herrn I u st i z r a t B r e s l a u e r vertreten war. Auch eine Anzahl in Deutschland zurückgebliebener angesehener Russen hat an dieser zweiten Besprechung teilgenounnen. Das Ergebnis dieser Sitzung ist ein durchaus erfreuliches. Das Wolffsche Telegraphen-Bureau verbreitet über das Ergebnis der Sitzung die folgende offizielle Mitteilung: „Zur Behebung der schweren Notlage, in der sich zurzeit zahlreiche, im Deutschen Reich aufhaltsame Russen befinden, sind in den Räumen der Deutschen Bank in Beisein von Vertretern der zuständigen Reichs- und Staatsbehörden zwei aus Deutschen und Russen bestehende Komitees gebildet worden. Das eine Komitee soll unter den hier befindlichen wohlhabenden Russen eine Sammlung veranstalten, das andere aus den zusammengebrachten Mitteln arme Russen unterstützen." Es mag hervorgehoben werden, das; sich der Hilfsverein der deutschen Juden auch seinerseits von Beginn der Aktion an prinzipiell auf den Standpunkt gestellt hat, daß in diesem Falle die Hilfe ohne jeden Unterschied der Konfession gewährt werden müsse, da auf diese Weise auch den zahlreichen Russen jüdischer Konfession in Deutschland die ersehnte Hilfe gebracht wird, bis die Kriegslage es ermöglichen wird, den Rücktransport der nicht wehrfähigen Russen ins Auge zu fassen. 6. 1. Berlin, 25. August. Die israelitisch-rumänische K o l o n i e in Berlin hatte an den Kaiser folgendes Telegramm gesandt: „Die in Berlin ansässigen Rumänen jüdischen Glaubens empfinden das Bedürfnis, in diesem Augenblick Eurer Majestät für die edle Gastfreundschaft, die sie im Deutschen Reiche gesunden haben, ihren Dank auszusprechen. Sie schätzen sich glücklich, Zeuge der opfermütigen Begeisterung und der festen Zuversicht zu sein, mit der das deutsche Volk den ihm aufgezwungenen Kampf aufnimmt. Unser heißester Wunsch geht dahin, daß der gerechten Sache der Sieg beschieden sein möge und das Deutsche Reich seiner Widersacher Herr werde!" — Hierauf ist aus dem Hauptquartier folgendes Danktelegramm des Kaisers einaetrosfen: „Seine Majestät der * deutsche Kaiser lassen der israelitisch-riunänischen Kolonie in Berlin für den .Huldigungsgruß sehr danken. Der Geheime Kabinettsrat v. Valentins." C/S Berlin, 25. August. Der Verein s ü r j ü d i s ch e Krankenpflegerinnen in Berlin hat zunächst sechs seiner Schwestern für den Kriegsdienst der Behörde zur Verfügung gestellt. Nachdem in dem neuen Krankenhause der jüdischen Gemeinde, Ererzierstraße 11a, 30 Betten als Lazarett bereit gestellt sind, wird die Pflege der dort untergebrachten Verwundeten auch den Schwestern des Vereins obliegen. Eine größere Zahl von jüdischen Hospitälern und Genesungsheimen ist jetzt ihrer eigentlichen Bestimmung entzogen und zu Lazaretten umgewandelt worden, in denen den dort bisher tätigen Schwestern des Berliner Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen ebenfalls die Leitung und Pflege der Insassen anvertraut ist. Der Pflegedienst in dem neuen Krankeuhause absorbiert mehr als dreißig Schwestern, indessen wird die Zahl der Schwestern durch die im November stattfindende staatliche Prüfung von vierzehn Schülerinnen erheblich vermehrt und diese der Privatkranken- und Armenpflege zugewendet werden können. Auch die Zahl der vorhandenen Gemeindeschwestern soll vermehrt werden, so daß für unsere jüdischen Schwestern ein großes Gebiet segensreicher Tätigkeit vorliegt. Nachrichten und Meldungen werden an die Adresse des Vereins oder der Frau Oberin Rose Blau im Schwesternheim, Berlin N., Exerzierstraße 11b erbeten. Dr. K. Danzig, 21. August. Gemäß der Aufforderung des Herrn G e h e i m r a t s P r o fe s s o r Geiger in Nr. 33 der „Allg. Ztg. des Judentums", über die Beteiligung von Juden an vaterlülldisch-en Werken Bericht zu geben, teile ich folgende Einzelheiten aus der hiesigen Gemeinde mit: Tie Sammlung beim Bittgottesdienst, der auch hier unter allgemeiner Beteiligung äußerst eindrucksvoll und erhebend war, ergab 606 Mark. Die Zahl der zu den Fahnen Berufenen steht noch nicht genau fest. Tie Synagogengemeinde stellt genaue Erhebungen darüber an; aus dem Jüdischen Jugendverein Gabriel Riesser Haben! sich zwanzig Mann freiwillig gemeldet. Eine große Anzahl Knaben! und Mädchen sind als Erntearbeiter und im Dienst des Roten! Kreuzes beschäftigt. Ter Israelitische Frauenunterstützungsverein? und der Jüdische Frauenverein sowie der Jüdische Mädchentlub! und der Schwesternbund der Borussialoge sind dem Nationalen > Frauendienst eingegliedert. Hervorragendes leistet die Borussia-! löge. Sie hat das Zoppoter Kindererholungsheim mit 30 Betten! der Militärverwaltung als Lazarett zur Verfügung gestellt, einen Teil ihrer Sitzungsräume für eine städtische Suppenküche hergegeben und ihren Kinderhort zur Aufnahme von Kindern aller Konfessionen geöffnet. Ferner sind 450 Mark dem Roten Kreuz und nls erste Rate 100 Mark zur Unterstützung der Familien der Krieger überwiesen worden. Eine namhafte Anzahl von Geaneindemitgliedern beteiligt sich an dem Bürgerschutzdienst und an der Arbeit in den städtischen Bureaus. Weitere Hilfsaktionen sind im Gange. Zu erwähnen wäre auch, daß der Schwesternbund der Borussialoge nebst vielen anderen Gaben als besondere Spezialität von Liebesgaben 3200 Schwämme gestiftet hat, die von der Militärverwaltung als äußerst dankenswerte Gabe bezeichnet worden sind. Die Opferwilligkeit ist hier — auch bei unseren russischen Glaubensbrüdern — ganz außerordentlich groß; zahlenmäßig läßt sie sich zurzeit noch nicht feststellen. J. R. K. Posen, 21. August. Der „Gemeindebote" vom 14. August bringt eine Korrespondenz aus Posen, in der es unter anderem heißt: „Biele jüdische Mitbürger sind zu Reserveoffizieren befördert worden." Diese Mitteilung entspricht nicht den Tatsachen. Sie würde, wenn sie zuträfe, innerhalb der deutschen Judenschast berechtigtes Aufsehen erregen. Kein Posener Jude ist seit dem Kriegsausbruch zum Reserveoffizier befördert worden. Ich bitte Sie daher, die den Tatsachen nicht entsprechende Nachricht in der nächsten Nummer gefälligst zu berichtigen. Breslau, 21. August. Die „Jüdische Volkszeitung" veröffentlicht in Nr. 34 folgende Briese vom russisch-polnischen Kriegsschauplatz: a) Kalisch. Ich schreibe Ihnen, während die Kugeln um

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