Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-08-28 · Heft 35 (28.8.1914) · p. Seite 420

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 35 (28.8.1914)
Date
1914-08-28
Page
Seite 420 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229123-3229159--70680-3283039
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

in einer dieser, Köln, den 27. Februar 1848, Arresthaus, datierten Zuschriften: „Dich, vielgeliebte Mutter, küsse ich tausendmal und bitte. Dich nicht gänzlich unbegründeten Befürchtungen zu überlassen. Denke daran, wie schnell und glücklich meine Verhaftung im vorigen Jahre sich erledigte, und sei überzeugt, daß es diesmal noch bei weitem weniger auf sich hat." (Schluß folgt.) Litrrsrilchr Mitteilungen. — 3 d) n I o in A j ch, Kleine Erzählungen aus der Bibel. Aus dem jiddischen übersetzt und bearbeitet von Helene Sokolow. 1914. jüdischer Verlag, Berlin und Leipzig. 4°. 124 Seiten. Es ist eine noch unentschiedene Streitfrage, ob wir die biblischen Erzählungen in der schlichten, anspruchslosen Darstellung der Bibel oder in einer erweiterten Ausschmückung lesen und der Jugend darbieten sollen. Diese Frage kann hier nicht erörtert werden; wir haben es hier mit einer Bearbeitung biblischer Erzählungen, die sämtlich der Genesis entnommen sind, zu tun und über diese Bearbeitung unser Urteil abzugeben. Es kann im ganzen nur lobend ausfallen. Wenn mail auch mit einzelnen Worten und Wendungen nicht einverstanden ist, so muß doch anerkannt werden, daß die Ausführung der biblischen Vorlage immer noch den eigenen naiven Ton der Bibel beibehält, und daß sie auch mit Psychologischem Feingefühl die Motive der Bibel nachempfindet. Das Buch verdient das Interesse weitester Kreise, der Bibelforscher, der Folktoristen und nicht zuletzt der Religionslehrer, die aus dem Buche manche Anregung schöpfen können. Wünschenswert lväre eine Einleitung gewesen, welche eine Analyse der Erzählungen gegeben hätte — da es von hohem Interesse wäre, zli sehen, was von den Allsschmückungen der biblischen Erzählungen der Literatur und was der schöpferischen Phantasie des Volkes (ich nehme an, daß Asch doch nur die Erzählungen so wiedergibt, wie er sie vernomlnen hat) verdankt wird. Das Buch ist mit einer Reihe von Abbildungen geschmückt, deren Wiedergabe verdienstlich ist. Die Spamersche Buchdruckerei in Leipzig hat das Buch in einer Weise ausgestattet, die alle Anerkennung verdient und auch verwöhnten Ansprüchen gerecht wird. Auch der jüdische Verlag verdient Dank für die Herausgabe des Buches.. Dr. N. # — Ecoute, Israel. I. Les Per es du Monde. La Maison d’Esclavage. La Terre de Promesse. Premier Cahier de la quinzieme Serie. Edmond Fleg. Cahiers de la Quinzaine periodique paraissant tous les deux dimanches. Paris. 8, rue de la Sarbonne, au rez-de-chaussee. jn der vorliegenden Publikation hat man es nicht etwa, wie man aus dem Titel vermuten könnte, mit einer vierzehntägig erscheinenden jüdischen periodischen Schrift zu tun, vielmehr sind die bisher erschienenen Hefte unseres Sammelwerks Gedichte mannigfachen Inhalts, unter deren Verfassern von bekannteren Autoren Romain Rolland erscheint. Das jetzt ausgegebene Heft von einem Poeten, dessen Namen mir bisher völlig unbekannt war, enthält Gedichte und ist mit einer solchen Raumverschwendung gedruckt, daß der eigentliche Text unseres Buches erst aus Seite 19 beginnt. Die Gedichte sind in sogenannten vers libres, gereimten Versen, aber ohne regelmäßiges Metrum. Der erste Teil — es genüge von ihm zu sprechen — zerfällt in vier Gesänge: Die Vision Gottes, die Vision Abrahams, die Vision Jstracs (!), die Vision Jakobs; sie sind größtenteils getreu nach der Bibel abgefaßt, ohne sonderliche Freiheiten, nicht geradezll geschmacklos, aber doch so, daß man keinen besonderen Anreiz empfindet, auch die folgenden Abschnitte zu lesen. Welchen Zweck diese ganze Publikation verfolgt, die, wie ich höre, in Frankreich geschätzt wird, vermag ich nicht zu sagen. L. G. Lprechlasl. Merrdorr, 30. Juli. Sehr geehrte Redaktion! Sie haben meinem Artikelchen über den „Kultus und die Zeremonien" eine große Ehre erwiesen, scheinen mich aber mißverstanden zu haben, indem Sie mir gegenüber einen Gegensatz zwischen „Gläubigkeit" und „äußeren Formen" konstruieren. Ich könnte erwidern, daß keine Religion ohrre Formen bestehen kann, und daß die Zeremonien den religiösen Sinn erhalten und ernähren. Das war aber nicht die Frage. Ich habe bloß behauptet, daß der wahrhaft Fromme sich mit einigen seltenen gottesdienstlichen Veranstaltungen nicht begnügen kann, vielmehr die Synagoge desto mehr besuchen und die Gebete desto besser beherzigen wird, als er auch sonst seine Religon übt und lebt. M e z iza. Ist sie religiös geboten? Wirkt sie heilend oder schädlich? Von D r. Emnnuel Rosen bäum, Arzt in Paris. Verlag von Sänger und Friedberg, Frankfurt a. M. 1913. Der Verfasser, der im Talmud sehr bewandert ist, stellt den Satz auf: „Um den Talmud zu verstehen, müssen wir die Wissenschaft in den Dienst der talinudischen Lehre setzen, nur auf diese Art werden wir sie verstehen lernen." Demgemäß setzt er die physiologischen Grundlehren des Blutkreislaufs und der Wundbehandlung auseinander und behauptet, daß es wegen der Befürchtung, es können in Wunde während der Operation Gifte oder gifterzeugende Keime eingedrungen sein, die Aufgabe des Operateurs sein müsse, diese Giflstosfe zu entfernen. Dies geschehe am besten dadurch, daß man die Blutung der Wunde, anstatt sie zur Stillung zu bringen, noch begünstigt, was am sichersten durch Ansaugen geschieht. Dafür, daß das Blutaussaugen in der Wundbehandlung ausgezeichnete Dienste leistet, führt er als Beweis die Empfehlung des Blutaussaugens durch wissenschaftliche Größen, wie Billroth, König, Reclus und andere, bei Wunden durch Schlangenbisse und bei solchen an, in die bei einer Sektion Leichengift hineingekommen ist. Daß da voch ein kleiner Unterschied besteht, leuchtet ohne weiteres ein. Die Beschneidung muß eben (wie jede andere Operation!) so ausgeführt werden, daß eine Infektion der Wunde von vornherein ausgeschlossen ist. Die peinlichste Reinlichkeit, die strengste Antisepsis und Asepsis, auf deren unbedingte Notwendigkeit auch der Verfasser hinweist, find Dir die Vermeidung der Infektion und für die ungestörte Heilung der Wunde immer noch die besten und wissenschaftlich unbedenklichsten Mittel. Wenn man dem Verfasser auch nicht in allen seinen Schlutzfvlgerungen zustimmen kann, so zeugt das Buch doch von tiefem Wissen und ist recht lesenswert und belehrend. Sanitätsrat Dr. Scherbe l. * Hochachtungsvoll # H. Liber. Die Besprechung von K. W. Goldschmidts Halb-Maske in Nr 33 ist von Sanitätsrat Dr. Scherbel. D. Red. * Als jüdischer Militärseelsorger und Herausgeber des Andachtsbuches für Soldaten bin ich seit Beginn des Krieges wiederholt um Zusendung von Exemplaren und Angabe einer Liturgie für Feldgottesdienste gebeten worden. Da ich allen Anfragern jetzt nicht brieflich antworten kann, so gebe ich hier die gewünschte Auskunft. L Das Militürandachtsbuch ist völlig vergriffen. Neudruck wäre Sache der großen jüdischen Organisationen. 2. Die Andacht auf dem Felde und bei Militürgottesdiensten in der Synagoge gestaltet sich etwa so: a) Min hammezar bis chojil; b) Psalm 3, deutsch, michomaucho; c) Ansprache oder Predigt; d) Gebet für Kaiser und Reich, dann Psalm 20/21, deutsch; e) onno adanny Hauschi ö (nach Sieg: haudu) und Psalm 46; k) Schlußgesang: Schma jisroel, eventuell noch Mincha oder Maariw, je nachdem Zeit ist. Am Sabbat wird, soweit es möglich ist, kurze Sabbatandacht gehalten; ist Torarolle da, wird daraus der Schristabschnitt in entsprechender Verkürzung gelesen, sonst, wenn keine Torarolle dort ist, Verlesung aus einem Bibeltexte, am besten mit Uebersetzung. In der Hoffnung, daß Gott recht bald der gerechten Sache unseres Vaterlandes den Sieg gebe, bin ich Ihr ergebenster D r. Beer mann, Insterburg. Druckkehlerberichtigung. Jn Nr. 33, S. 387, Sp. l, Zeile 19 von unten mutz es heißen „Tiere des Waldes" statt „Tiere des Vaterlandes".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.