Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1914)
- Date
- 1914-08-28
- Page
- Seite 418 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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418 für die nationalökonomischen Fächer übernommen. 1875 hatte > er sich mit Jda Rohr, einer Tochter des Rittergutsbesitzers Adam Rohr au* Langguhle (Provinz Posen), vermählt, die 1904 ihm im Tode voransgegangen ist. Er starb am 20. Mai INI4. Sein Heidelberger Kollege, Geh. Rat Prof. Dr. Gothein, charakterisierte den ausgezeichneten Gelehrten wenige Tage nach seinem Hinscheiden folgendermaßen: „Ueber 40 Jahre hat Leser als Dozent unserer Universität angehört; mit immer gleichem Eifer, immer gleicher Liebenswürdigkeit sich seinem Lehrfach, seinen Kollegen unb Schülern gewidmet. Ans den ersten Jahren seiner Lehrtätigkeit steht er mir vor Augen als der jugendlich heitere, bescheiden überall zurücktretende, schon; damal* auch in abgelegenen Gebieten seiner Wissenschaft er-! staunlich belesene, immer mit feinem Wissen hilfsbereite Ge- 1 lehrte. So ist er zeitlebens geblieben, stets erfreut, mit seinen Kenntnissen oder mit den Schätzen seiner Bibliothek, die er liebevoll gesammelt hatte, die ihm ans Herz gewaehseu war, Fachgenossen oder Zuhörer, bei ihren Arbeiten zu beruteu. Ans feinem eigentlichen Arbeitsgebiet, der Geschichte der nationalökonomischen Wissenschaft, hat er eine Reihe sein ausgeseilter Arbeiten, die mit philologischer Eraktheit und historischer Gerechtigkeit den Werdegang zumal der englischen Nationalökonomie verfolgten, überall klärend eingegrissen, nn* geschenkt. Tie Anfänge de* modernen Handel* unb Geldverkehr* hat er beleuchtet. Tie englische Gesetzgebung und den maßgebenden Einfluß, den sie auf die Theorien der Rationalökonomen geübt, hat er gern behandelt. Hohe Ansprüche stellte er an seine eigenen Arbeiten. Er verwarf, um* ihm nicht völlig ausgereift schien, unb so ist dieses fleißige Forscherleben durch verhättni*- tNäßig wenige Veröffentlichungen gekennzeichnet. Aber alles, was er der Herausgabe für wert erachtete, ist auch bleibender Gewinn der Wissenschaft, und immer unvergessen wird uns bleiben, was er uns Lehrer gewesen ist." Leser hat folgende Arbeiten veröffentlicht: Neckers zweites Ministerium, 1871. Ter Begriff des Reichtum* bei Adam Smith, 1874. Tie Hypothekenbanken und ihre Jahresabschlüsse, 1879. Ein Akzisestreit in England, 1879. Tie britische Erbschaftsbesteuerung, 1881. Untersuchungen zur Geschichte der Nationalökonomie, 1881. Eine Tenkschrist über die englische Wollenindustrie, 1885.?>ur Geschichte der Prämiengeschäste, 1896. In der von ihm mit Lujo Brentano herausgegebenen Sammlung älterer itnb neuer staatswissenschaftlicher Schriften des In- und Auslandes veröffentlichte er: William Staffords: Drei Gespräche über die in der Bevölkerung verbreiteten Klagen, 1895. Robert Malthus: Drei Schriften über Getreidezölle, 1896. Ferner gab er heraus: David Ricardos Schriften über Getreidezölle, 1905. Reben zahlreichen Rezensionen (besonders in Conrads Jahrbüchern der Nationalökonomie, in Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, in der Deutschen Literaturzeitung, im Literarischen Zentralblatt, in der Historischen Zeitschrift und in der Zeitschrift für Sozialwissenschaft) veröffentlichte er u. a. noch die Artikel: Freihandelsschule, Merkantilsystem und Adam Smith in den drei Auflagen des Handwörterbuchs der Staats- Wissenschaften, den Allssatz über die Universität Heidelberg in dem Sammelwerk Tie deutschen Universitäten, 1904; auch arbeitete er mit an Palgraves Dietiommry ok Political Mconomy. Seine Borlesungen behandelten außer den drei Hauptkollegien über theoretische Nationalökonomie, praktische Nationalökonomie und Finanzwissenschaft noch besonders folgende Materien: Handelspolitik, Ueber Freihandel und Schutzzoll, Der Sozialismus der Gegenwart, Die soziale Gesetzgebung des Deutschen Reiches, Einführung in die Statistik, Soziologie. In den letzten Jahren las er vorzugsweise über seine Hauptarbeitsgebiete: Geschichte der Nationalökonomie, Bankwesen und Bankpolitik, Die Börse und die Börsengeschäfte. Außerdem hielt er regelmäßig im volkswirtschaftlichen Seminar nationalökonomische Uebungen ab. Neben seiner umfassenden Tätigkeit auf dem Gebiete der Nationalökonomie beschäftigte er sich in eingehender Weise mit den Werken der deutschen Klassiker. Auch den Forschungen der modernen Naturwissenschaft brachte er lebhaftes Interesse und tiefes Berständnis entgegen. Seine Art war es nicht, nach äußeren Erfolgen zu streben. Bei ihm war es die reine Liebe zur Wissenschaft, die seine Tätigkeit bestimmte. Seinen Schülern war er ein Lehrer, dem sie reiche fachliche Anregung und persönliche Förderung zu danken haben. Selbstlose Güte und Menschenfreundlichkeit waren die Grundzüge seines Wesens. In seinem Festhalten am Judentum, mit dessen Wissenschaft er wohl vertraut war, und in seiner freiheitlichen politischen Gesinnung bewahrte er die gleiche Treue der Ueberzeugung. i,. o. frrtimanii jCaffallr und leine Mutter. Bo» Tr Adolf Ko Hut. er Begründer der deutschen Sozialdemokratie und politisch-philosophische Schriftsteller, der im Duell um den Besitz der rothaarigen Tochter des bayrischen Diplomaten von Dünniges, Helene, am 31. August 3 S64 gefallene Ferdinand L a f falle, mar bekanntlich eine Art Nietzsche-Figur, ein sogenannter llebermensch, jenseits von gut und böse. In seinem genialischen Kraftbeivntztsein, seiner nngebändigten vulkanischen Natur, seinen revolutionären Bestrebungen und in seinen Prof. Dr. Emanuel Leser. als Kollege, Ihnen als