Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1914)
- Date
- 1914-08-28
- Page
- Seite 415 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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415 folgen; es ist sehr wenig rühmlich, wenn sie hämisch ein paar Straferlasse, die Juden betreffend, anfzählt mit der Insinuation, als hätten die Juden etwas Unrechtes getan, um diese Straffreiheit zu erlangen; aber es ist geradezu unwürdig, wenn sie schreibt: Es muß untersucht werden, ob die Juden tatsächlich opferwillig für Kriegszwecke beisteuern. Gewiß, jüdische Zeitungen haben Sammlungen veranstaltet. Hier haben aber die Deutschen hauptsächlich gezeichnet. Es muß ferner beachtet werden, daß es sich um einen Krieg gegen Rußland, den Erbfeind des jüdischen Volkes handelt. Ferner verfolgen die Juden mit ihren Geldzeichnungen auch noch Nebenabsichten. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hat soeben eine Kundgebung veröffentlicht, worin er bittet, ihni jeweils sofort über den llmfang der Beteiligung der Inden an den öffentlichen Sammlungen Mitteilung zu machen. Die Bearbeitung dieses Materials habe eine große politische Bedeutung. Hieraus kann inan ersehen, das; die Inden bei ihren Geldzeichnnngen in den jetzigen Kriegszeiten auch noch die Absicht haben, ihre Wohltätigkeit später im Kamps um die Jndcninteressen agitatorisch ansznmchen. Ganz unbewiesen ist auch die Behauptung des „Bolkserziehers", das; gerade die deutschen Kaufleute, nicht die jüdischen, 300 bis 400 Prozent auf die Lebensmittel aufgeschlagen hätten. Stimmt denn das mit dem Aufschlag überhaupt? Dieselbe Zeitung, die sonst so begierig und] „nicht arisch klingenden Namen" schnüffelt, scheint jetzt diese Gabe plötzlich verloren zu haben. Run, möge sie die Namen prüfen ititb sie würde sehen, wie zahlreich und mit wie großen Gaben die Juden vertreten sind. Wir wollen diese'Freudigkeit im Spenden nicht besonders rühmen, denn nur sehen darin nur die Pflichterfüllung, die wir immer gezeigt haben, aber wir verbitten uns aufs entschiedenste, daß unser Patriotismus irgendwie verdächtigt wird und der herrlichen Lpferwilligkeit der Juden niedrige Motive untergeschoben lverden. Wir spenden reinen Herzens dem Paterlande. Nachstehende Zuschrift geht uns zur Veröffentlichung zu: E ine S \j m p a t h i e k u n d g e b n n g v 0 n E i n io o h n e r n d e s H e i l i g e n L a n d e s i n B e r l i n. In Berlin leben ziemlich viele Palästinenser, bi-e teils im heiligen Lande geboren, teils dort ans verschiedenen Ländern, uamentlieh ans Rußland, wo der Truck des Zarismus sich im nun' unerträglicher gestaltete, in früher Jugend mit ihren Eltern eingelvandert sind. Eine Gruppe t>on ihnen hat sich nun an du; Ber- 1 inor Nlagistrat mit der Bitte gewandt, in diesen schweren Zeiten ihre werktätige Hilfe annehmen zu wollen. In dem an den Lber-! bürgermeisker gerichteten Schreiben heißt es: „Ans Palästina, den; heiligen Lande, wo wir znm großen Teil schon in früher Jugend in den vorn Hilssverein der deutschen Inden unterhaltenen Schulen unsere Erziehung genossen haben, sind wir vor Jahren nach Deutschland gekommen, um dem Studium obznliegen oder um einem praktischen Berufe nachzugehen. In Deutschland fanden wir nicht nur die gastliche Aufnahme, sondern zugleich die beste Stütze für die Teilnahme anr modernen geistigen- Leben. Doppelt stark fühlen wir daher in dieser schweren Stunde mit dem Lande und dem Bolke, dem wir zu so aufrichtiger Dankbarkeit verpflichtet sind. Diese Gefühle der Dankbarkeit und der Menschlichkeit gebieten uns heute, auch unsere schwachen Kräfte in den Dienst der Stadt Berlin zu stellen. Wir sind zu jeder humanitären Mithilfe bereit, sofern wir dadurch etwas Gutes stiften könnten. Und wir wären dem verehrlichen Magistrat zu außerordentlichem Tank verpflichtet, wenn er über uns verfügen wollte. Es braucht wohl nicht betont zu werden, das; wir auf jedwede Vergütung verzichten. Die Genugtuung, für deutsche Verwundete, Kranke oder Arme etwas zu leisten, soll unser einziger Lohn sein." Wie wir erfahren, hat das Schreiben einen überaus günstigen Eindruck gemacht. Es wäre nur zu wünschen, daß es nicht bloß bei der wohlwollenden Entgegennahme sein Bewenden habe, sondern das; dem Anerbieten auch wirklich Folge gegeben werde. Bei der Fülle ■ der zu erledigenden Arbeiten dürfte sich hierzu unschwer Gelegenj heit finden. j *! 22. A lt g it ft. Starke russische Kräfte sind gegen die Linie Gumbinnen- Angerburg im Borgehen. Das 1. Armeekorps hat am 20. erneut den auf Gumbinnen vorgehenden Feind angegriffen und geworfen. Dabei sind 8000 Gefangene gemacht und 8 Geschütze erbeutet. Von einer bei dem Armeekorps befindlichen Kavalleriedi-vision war längere Zeit keine Nachricht da. Die Division hat sich mit zwei feindlichen Kavalleriedivisionen herumgeschlagen. Sie traf gestern bei! dem 1. Armeekorps mit 500 Gefangenen wieder ein. Weitere j russische Verstärkungen sind nördlich des Pregels und südlich der masurischen Seenlinie im Vorgehen. Auch im Oberelsaß befindet sich der Feind im Abzüge. Von dem österreichischen Kriegsschauplatz wird gemeldet: Ans dem südöstlichen Kriegsschauplatz wurden östlich von Visegrad-Rudo eüoa 30 serbische Bataillone nach hartnäckigen Kämpfen am 20. und 21. d. M. geworfen. Es handelte sich dabei um die Schnmadiadivision ersten Aufgebots, vier Regimenter Infanterie, ein Kavallerieregiment, ein Artillerieregiment und je ein Regiment ersten, zweiten und dritten Aufgebots der Drinadivifion. Ferner wird berichtet: Wien, 22. August. Die Krakauer Zeitung „Ezas" meldet, daß zivisehen der österreichisch-ungarischen Armee und russischer Kavallerie bei Kielee ein Kampf stattgefnnden hat. Die Russen wnrden geschlagen und mußten Kielee vollständig räumen. Die Wiener Stalthalterei veröffentlicht das folgende Eommnnignü: Feindliche Kavallerie, die sich gestern in den Grenzgegenden im Norden von Lemberg bewegte, wurde ans der ganzen Linie znrückgeworsen, sie zog sich fluchtartig zurück. Ans feindlicher Seite ist ein General gefallen, ein General wurde verwundet ins Garnisonlazarett von Lemberg übergeführt. Der Feind hatte viele Tote und Verwundete, es wurden auch viele Gefangene gemacht. - Eine in der Richtung ans Lokal in Ostgalizien nördlich von Lemberg, nahe der russischen Grenze vorgedrnngene Kosakendivision der Bortrnppen, verstärkt durch Infanterie, wurde gestern von den Unseren an gegriffen und nach kurzem Kampfe geschlagen, wobei eine Brigade vollkommen zersprengt wurde. Zahlreiche Gefangene sind gemacht und Kriegsmaterial erbeutet worden. * 23. A ii g u st. Nördlich Mel; hat der deutsche Kronprinz, mit seiner Armee zu beiden Seiten von Longwh vorgehend, den gegenüberstehenden Feind gestern siegreich zurückgeworsen. - Vor Namur donnern seit vorgestern abend die deutschen Geschütze. Die Truppen, die unter Führung des Kronprinzen von Bayern in Lothringen gesiegt haben, haben die Linie Luueville-Blamont Eireh überschritten. Das 21. Armeekorps ist heute in Luneville eingezogen. Die Verfolgung beginnt reiche Früchte zu tragen. Außer zahlreichen Gefangenen und Feldzeichen hat der an und in den Vogesen vorgehende linke Flügel bereits 150 Geschütze erbeutet. Die Armee des deutschen Kronprinzen hat heute den Kampf und die Verfolgung vorwärts Longwh fortgesetzt. Die zu beiden Seiten von Neufchateau vorgehende Armee des Herzogs Albrecht von Württemberg hat heute eine über den Semois vorgedrnngene französische Armee vollständig geschlagen und befindet sich in der Verfolgung. Zahlreiche Geschütze, Feldzeichen und Gefangene, darunter mehrere Generale, sind ihr in die Hand gefallen. Westlich der Maas sind unsere Truppen im Vorgehen gegen Maubenge. Eine vor ihrer Front anftretende englische Kavalleriebrigade ist geschlagen. Auf das Ultimatum Japans ist dem hiesigen japanischen Geschäftsträger gestern vormittags nachstehende mündliche Erklärung abgegeben worden: „Auf die Forderungen Japans hat die deutsche Regierung keinerlei Antwort zu geben. Sie sieht sich daher veranlaßt, ihren Botschafter in Tokio abzuberufen und dem japanischen Geschäftsträger in Berlin seine Pässe zuzustellen."