Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1914)
- Date
- 1914-08-28
- Page
- Seite 414 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Grund haben, über die Juden und ihren Patriotismus herzuziehon. Sie versuchen es eben jetzt noch, solange sie nicht durch die Tatsachen eines besseren belehrt werden. Na, uns soll's recht sein, d-er Krieg Hilst uns und an ihm wird der Antisemitismus zugrunde gehen, hoffentlich ans recht lauge Zeit. lyine holländische Zeitung, das „Handelsblad", bespricht die Meldung der deutschen Presst, das; der Zar eine Proklamation „An meine lieben Inden" erlassen habe, und bemerkt, das; es unglaublich erscheine, das; die russische Negierung gewagt habe, ein solches Dokument zu verbreiten; denn indem man diesen Aufruf vernehme, trete ein Stück Geschichte vor das geistige Auge, das in mancher Hinsicht ein Schandfleck für die Kultur sei, nämlich die Judenhetzen, die Pogroms, die moralischen und körperlichen Mißhandlungen und die Aechtung der Inden und ihre Ausstoßung aus dem Kreise der gebildeten Menschheit. Seitdem Rußland Polen annektiert habe, habe den Juden der Zutritt zum Boden des heiligen Rußland nicht mehr verwehrt werden können. Denn sie waren es, die in Polen Handel und Industrie trieben. Rußland habe also die Inden mit in Kauf nehmen müssen, habe sie aber als Parias und Bügelfreie behandelt. Man habe ihre Dienste gebraucht und benutzt, sie aber unter eine Gesetzgebung gestellt, die eine ununterbrochene Drohung und Schikanierung und ein Hindernis für ihr moralisches und intellektuelles Leben bedeutete. In der Duma sei öffentlich ausgesprochen worden, das; die ganze Polizei von erpresserischer Aussaugung der Juden lebe; sogar der Bizegouverneur von Charkow bekomme jährlich (H>()0 Rubel von diesem „Judengeld". Wie könne da die Rede sein von „Wohltaten" und von „Liebe" des Hauses Romanows Durch die letzte Revolution hätten alle Völker gewonnen, nur die Juden nicht. An den Beilis- Prozeß erinnernd, schreibt das „Haiwelsblad": „Nein, vielmehr ist der Haß und die Abneigung des Slawenvotkes gegen die Juden immer genährt und künstlich erhalten worden. Wie wäre also jetzt eine solche Proklamation möglich?" * 2 0. A u g it st. Erfolgreicher Vorstoß der kleinen Kreuzer „Straßburg" und „Stralsund" nach der südlichen Nordsee. Untergang eines englischen Unterseebootes. Vormarsch der Lesterreicher über die Same. Deutscher Erfolg bei Tirlemont (Belgien). Eine Antwort von wahrhaft antiker Große hat der d e n t s ch e G o u v e r n e u r v o n K i a u t s ch o u auf das japanische Ultimatum erteilt: Einstehe für Pflichterfüllung bis aufs äußerste. Tie englische Regierung veröffentlicht folgende amtliche Mitteilung: Die englische und die japanische Regierung sind über die notiveudigen Maßregeln zum Schutz ihrer Interessen im fernen Osten sonne auch betreffs der Integrität des chinesischen Reichs übereingekomineu. Japans Tätigkeit soll sich nicht über das Chinesische Meer hinaus erstrecken, außer wenn der Schutz der japanischen Schiffahrt dies erfordert, auch nicht auf die asiatischen Geivässer westlich des Ehinesisches Meeres und zu Lande auf kein anderes als das von Deutschland besetzte Gebiet in Ostasien. * Am 20. August sind die d e u t f ch e n T r u p P e n in B r ü s s e l eingezogen. Tie deutschen und österreichischen Staatsangehörigen, die älter als 4r> und jünger als 17 Jahre sind, haben die Erlaubnis erhalten, Rußland zu verlassen. R oirr, 20. August. Eine offiziöse italienische Note erklärt die von ungeduldigen Rationalisten infolge der französisch-englischen Aktion in der Adria befürchteten Gefahren für unbegründet und bekräftigt nochmals den Willen der Regierung, an ihrer Neutralität unter Wahrung der italienischen Interessen zum Wohle Italiens und Europas unverbrüchlich sestzuhalten. Die deutschen Truppen, die in Brüssel eingezogen sind —- der König von Belgien hat sich nach Antwerpen geflüchtet, die Königin, die Tochter eines bayrischen Herzogs, soll sich in Süddeutschland aufhalten — lverden gewiß Gerechtigkeit üben für das schwere Unrecht, das in schmählicher Weise den Deutschen angetan worden ist. Aber sie werden, das sind wir sicher, Manneszucht halten und nicht den deutschen Namen mit den Greueln beflecken, durch die andere Nationen sich geschändet haben. * Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht Depeschen des Kaisers, des Prinzen Heinrich, des Königs von England, der englischen und deutschen Minister, aus denen zur Evidenz folgendes hervorgeht: Deutschland hat den Frieden mit Rußland gewollt und dazu geeignete Vorschläge gemacht, Rußland hat diese Bemühungen vereitelt und die Kriegsfurie entfesselt. Deutschland hat den Krieg mit Frankreich verhüten wollen um den Preis gewährleisteter Neutralität, England hat es abgelehnt, die französische Neutralitätserklärung auszuwirken und zu verbürgen. Wer ist schuld an dem deutsch-französischen Krieg? In erster Linie England. Die Verantwortung für den jetzt entbrannten beispiellosen Weltkrieg fällt daher mit voller Schwere dort auf Rußland, hier auf England. Die Aktenstücke beweisen unwiderleglich, das; Deutschland für den Frieden eingetreten ist, so lange es ihm mit Ehren überhaupt noch möglich war. Frohbewegten Herzens können wir melden, daß die erste große, entscheidende Schlacht gegen die Franzosen geschlagen j worden ist und mit einem glänzenden Siege der deutschen Truppen geendet hat. Tie erste offizielle Notiz, die Freitag, 2 l. August, nachmittags 4 Uhr, in Berlin verbreitet wurde, lautete: Unter Führung seiner königlichen Hoheit des Kronprinzen von Bayern haben Truppen aller deutschen Stämme gestern in Schlachten zwischen Metz und den Vogesen einen Sieg erkämpft; der mit starken Kräften in Lothringen vordringende Feind wurde auf der ganzen Linie unter schweren Verlusten geworfen. Viele Tausende von Gefangenen und zahlreiche Ge- | schütze sind ihm abgenommen. - Ter Gesamterfolg läßt sich noch nicht übersehen, da das Schlachtfeld einen größeren Raum einnimmt als in den Kämpfen von 1870/71 unsere gesamte Armee in Anspruch nahm. Unsere Truppen, beseelt von unaufhaltsamem Drang nach vorwärts, folgten dem Feind und setzen den Kampf auch , heute fort.! Am 22. August wurde weiter gemeldet, daß acht französische | Armeekorps geschlagen worden sind, und. daß der Rückzug in! vollständige Flucht ausartete, j Tie offizielle Mitteilung lautet: „Tie von unseren Truppen geschlagenen französischen Kräfte sind! heute verfolgt worden. Ter Rückzug der Franzosen artet in Flucht! ans. Bisher wurden mehr als 10 000 Gefangene gemacht und min-! destens 50 Geschütze erobert. Tie Stärke der geschlagenen feindlichen! -Kräfte wurde auf mehr als acht Armeekorps sestgestellt."; Ter Jubel in Berlin und im ganzen Deutschen Reich über diese! Großtat unserer herrlichen Truppen ist allgemein.! Bon weiteren Kriegsmeldungen liegt vor:! 21. August. Aufbringung feindlicher Schiffe durch die deutsche j Flotte in den vstasiatischen Gewässern. Bildung einer nationalpolnischen Regierung in Warschau. * Es ist höchst bedauerlich, das; die „Staatsbürgerz e i t u u g" sich immer von neuem, als hätte sie jetzt gar nichts Besseres zu tun, an den Juden reibt. Es mag noch hingehen, wenn sie den Zionisten ihre Widersprüche von einst und jetzt Vorhalt, aber wir wollen ihr auch auf dieses Gebiet nicht