Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1914)
- Date
- 1914-08-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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8 lauscht die Gemeinde in den Gotteshäusern, wenn der geistliche Führer das Gebet für Kaiser und Reich verrichtet. Gehobenen Mutes blicken wir in die Zukunft, wenn auch trübe Wolken unseren Horizont bedecken. Der Allgütige wird in seiner Allmacht unser Kriegsheer als Siegesheer in die Landesgaue zurückführen, dann werden die Verheißungen der Propheten: „Eure Trauertage werden in Freudentage umgewandelt werden" in Erfüllung gehen. Nur wenige Beispiele von der großen Begeisterung der jüdischen Einwohnerschaft in der Stadt und der Provinz Posen. Nach der Statistik ist das Zahlenverhältnis in unserer Provinz: neun Teile Polen, fünf Teile Deutsche und ein Teil Juden. Und trotzdem haben sich laut Mitteilungen 600 bis 800 jüdische Jünglinge und verheiratete Männer der Provinz Posen der Vaterlandsverteidigung zur Verfügung gestellt. Diejenigen, die es bedauern, nicht aktiv an dem Kriege teilnehmen zu können, spenden mit vollen Händen für die Bedürfnisse der mittellos zurückgebliebenen Familien. Nur einiges aus der großen Menge. Der Inhaber der Firma „Brotfabrik Diamant Eugen Markiewicz" liefert während des Krieges täglich an den Magistrat 100 große Brote unberechnet zur Verteilung an bedürftige Frauen von Landwehrmännern im Werte von täglich fünfzig Mark. Die Großfabrik von Stiefeln und Schuhen Gebrüder Sieburth zahlen täglich fünf Mark aus ihrem Geschäfte zur Verteilung für Hilfsbedürftige an das Rote Kreuz. — In vergangener Woche wurden hier als sogenannte Geiseln mit einer Anzahl anderer Männer ein Rabbiner aus Kalisch eingeliefert. Die aufgeregte Menge glaubte die Eingebrachten hinter dem Kornwerk .von einer Salve niederschießen zu sehen. Dem war nicht so. Ob die Männer später nach Kalisch oder sonstwohin expediert worden sind, konnte man nicht erfahren. Herr Rabbiner Dr. Silberberg, hier, intervenierte für den gefangen genommenen Rabbiner aus Kalisch, und es gelang ihm, bei der Gefängnisverwaltung 311 erwirken, dem Inhaftierten koscheres Essen, Tallis, Tsillin und eine Bibel verabfolgen zu dürfen. So edel handelt nur das deutsche Volk selbst in Zeiten des Krieges gegen feindliche Gefangene. 22 Aachen, 14. August. Die vereinigten Wohltätigkeitsanstalten spendeten dem Vaterländischen Frauenverein und dem Roten Kreuz je 5000 Mark. Außerdem wurden 7000 Mark zur Unterstützung von durch den Krieg in Not geratenen Glaubensgenossen zur Verfügung gestellt. - Zahlreiche Angehörige der hiesigen jüdischen Gemeinde betätigen sich eifrig im Dienste des Vaterländischen Frauenvereins und des Roten Kreuzes. -- Herr R a b b i n e r Dr. I a u l u s ist zum F e l d g e i st l i ch e n ernannt worden, in welcher Eigenschaft er eine umfangreiche Tätigkeit anszuüben hat, da Aachen, dicht an der belgischen Grenze gelegen, der Sammel- und Durchgangspunkt mehrerer Armeekorps ist, und in dem Treffen vor Lüttich eine nicht geringe Anzahl jüdischer Soldaten verwundet wurde. 22 Kiefeld, 14. August. Die hiesige Synagogengemeinde überwies dem Roten Kreuz als vorläufige Spende 1000 Mark, dem Ausschuß für Erfrischung durchziehender Krieger R)0 Mark: 3000 Mark wurden bereitgestellt für die Unterstützung bedürftiger Familien von Mitgliedern der Synagogengemeinde, die ins Feld ziehen mußten. Ferner zahlt die Gemeinde allen unter den Fahnen stehenden Angestellten, auch den Mitgliedern des Synagogenchores, die vollen Bezüge bis zur Vollendung des Feldzuges. Die jüdischen Frauenvereine gaben bisher 1300 Mark für verschiedene Kriegszwecke. Die Niederrhein-Loge überwies dem Noten Kreuz 500 Mark als erste Gabe. 22 Köln, 14. August. Auf Antrag des Vorstandes der Synagogen gemeinde wurde in der am 8. August stattgehabten Repräsentantenversammlnng der einstimmige Beschluß gefaßt, 1. einen Betrag von 25 000 Mark zu bewilligen zur Herstellung und Einrichtung von zwei Baracken auf dem Terrain des hiesigen israelitischen Asyls, welche der Militärbehörde zur Belegung mit 70, Verwundeten zur Verfügung gestellt werden sollen, so daß mit den vom Asyl zu diesem Zwecke bereits hergerichteten 80 Betten im ganzen 150 Betten im Asyl zur Verfügung stehen, 2. dem hiesigen israelitischen Unterstützungsverein 10 000 Mark zur Verfügung zu stellen, welche im Interesse armer Familien, deren Ernährer zu den Fahnen einberufen sind, verwendet werden können. — Frankfurt a. M., 14. August. Der hiesige Verein für jüdische Krankenpflegerinnen hat in seinem neuen Schwesternhaus ein vollständig eingerichtetes Reservelazarett mit Aerzten, Schwestern, Hilfspersonal und eigener Küche zur Verfügung gestellt. Im Bedarfsfall werden auf dem Gelände noch zwei Baracken errichtet. Zur Unterstützung der Schwestern hat sich eine Anzahl Damen als freiwillige Helferinnen gemeldet, die sich einem sofort beginnenden Ansbildungskurs unterziehen. Frühere Schwestern des Vereins, die wegen Verheiratung oder aus sonstigen Gründen allsgetreten waren, haben sich der Vereinsleitung zur Verfügung gestellt und tragen wieder das Schwesternkleid. Für die Feldlazarette ist ein erstes Aufgebot von sechs Schwestern dem Roten Kreuz angeboten. Ein weiteres größeres Aufgebot kann folgen, sobald die für die Spitäler erforderlichen Hilfskräfte ausgebildet sind. Hier sind etwa dreißig Kinder von in Rußland wohnenden Eltern eingetrosfen. Die Familien wollten zu Beginn des Krieges Rußland verlassen. Männer und Frauen wurden aber mit vorgehaltenen Revolvern gezwungen, in Rußland zu bleiben, während man die Kinder fortließ. Die deutschen Bahnbeamten nahmen sich der Kinder in der rührendsten Weise an. Alte, ergraute Schaffner hielten die Kleinsten während der Fahrt auf den Armen und sorgten für Speise und Trank. In Frankfurt wurden die Kleinsten in Kinderheimen untergebracht, während die Größeren zu bessergestellten Familien in Pflege gegeben wurden. Der Israelitische H i l f s v e r e i n hatte sich der Kleinen ohne Unterschied der Konfession angenommen und sorgte für ihr leibliches Wohl. Oesterreich-Angara. Wien, 14. August. Das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde hat folgendes Telegramm au das Kriegsministerium gerichtet: „Das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde Wien stellt dem k. u. k. Kriegsministerium in seinem tu Wien, 18. Bezirk, Gürtel Nr. 97 und 99, befindlichen Krankenhaus einhundert Mannschaftsbetten und zehn Offiziersbetten zur Pflege von Verwundeten zur Verfügung. Die Verpflegung, Wartung und ärztliche Behandlung wird unentgeltlich beigestellt. Nebstdent erbietet sich das Kaiserin-Elisabeth-Jnstitut für israelitische Krankenpflegerinnen, mehrere Pflegerinnen für den Kriegsschauplatz zur Verfügtmg ztt stellen. Außerdem werden im Spital der israelitischen Kultusgetneinde von den Abteilungsvorskünden Prof. Dr. Zucke r t a n d l und Dr. Fleischmann über die erste Hilfe und Pflege Verwundeter unentgeltliche Kurse gehalten. Das gefertigte Prästditnu bittet namens der israelitischen Kultusgemeinde Wien, vorstehendes Anerbieten als Zeichen seiner patriotischen Empfindungen entgegennehmen zu wollen." Der Vorstand des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) in Wien hat der Oesterreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz einen Betrag von 3000 Kronen gewidmet. Das Kuratorium der Nathaniel Freiherr von Rothschild s ch e n Stiftung für Nervenkranke hat deit Beschluß gefaßt, in seinen beiden Stiftungsanstalten den vollen Belegraum, und zwar in der Nervenheilanstalt Rosenhügel 92 Betten, in der Nervenheilanstalt Akaria-Theresien-Schlössel 66 Betten der Kriegsverwaltung zur Unterbringung von internkranken, verwundeten und rekonvaleszenten Offizieren und Mannschaftspersonen zur Verfügung zu stellen und die Kosten für die Verpflegung aus eigenen Mitteln zu tragen. — Der Vorstand der Budapest er jüdischen Gemeinde stellte dem königlich-ungarischen Landesverteidigungsministerium im israelitischen Spital hundert Betten für verwundete Soldaten und zwanzig Betten für verwundete Offiziere zur Verfügung, während in dem gleichfalls in Verwaltung der Kultusgemeinde stehenden „Adele Brodyschen Kinderspital" 36 Verwundete Aufnahme finden. Für das „Rote Kreuz" bewilligte der Vorstand 4000 Kronen. Ebenso lvurden bezüglich der Unterstützung der notleidenden Familien eingerückter Reservisten entsprechende Beschlüsse gefaßt. Der Budapester israelitische Frauenverein hat mit Rücksicht auf die Notlage vieler Familien einberufener Reservisten seine Volksküche wieder eröffnet. Dieser Verein stellt auch das Gebäude des „Alice Weißschen Wöchnerinnenheims" dem Ministerium für Spitalszwecke zur Verfügung. Der Budapester israelitische Ferienkolonien-Verein hat beschlossen, das aus 14 Zimmern bestehende und von einen: großen Parke umgebene Gebäude in Diosjenö, in welchem bisher schwächliche jüdische Schulkinder