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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-08-21 · Heft 34 (21.8.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 34 (21.8.1914)
Date
1914-08-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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anderen Vorstandsmitgliedern segensreich wirken." Hierauf schloß Herr Sachs die denkwürdige Sitzung mit den von den innigsten Wünschen der Versammlung begleiteten Worten: Gott schütze den Kaiser und das Vaterland. Berlin, 18. August. Der „Berliner Lokal-Anzeiger" veröffentlichte kurz nach Ausbruch des Krieges folgende Zuschrift eines Indern In dieser ernsten Stunde, in welcher unsere Bürger hinaus auf das Schlachtfeld ziehen, um für Deutschlands Ehre zu fechten oder zu sterben, möchte ich im Anschluß an den Aufruf an die deutschen Juden noch jedem Juden, der nach Osten gegen die barbarischen Russenhorden zieht, mit auf den Weg rufen: „Zeigt es diesen knechtenden Barbaren, daß es keine Ritualmörder unter uns Inden gibt, wohl aber gute Vaterlandsverteidiger, die ebenso begeistert ihr Gut und Blut für das Vaterland in die Schanzen werfen wie ihre christlichen Kameraden. Zeigt den Verbreitern solcher feigen Verdächtigungen, daß unsere Hände rein sind von jedem Meuchelmord, daß wir aber unsere Waffen mit starker Faust in ehrlichem Kampfe zu führen verstehen. Das walte Gott! &&& Berlin-Pankow, 18. August. Die Firma I. Garbaty, deren Inhaber, Herr E. Rosenthal, ein naturalisierter russischer Jude ist, hat dem Roten Kreuz 10 000 Mark zur Verfügung gestellt und ebenfalls Herrn Bürgermeister K u h r für die Hilfsaktion in Pankow 10 000 Mark übermittelt. Zugleich gab die Firma I. Garbaty ihren Arbeitern bekannt, daß allen einberufenen Arbeitern für 14 Tage der volle Lohn (die angefangene Woche eingerechnet) ausgezahlt wird. Als Kriegsunterstützung erhält die Frau der Eingezogenen 50 Prozent des Lohnes und jedes Kind 10 Prozent, bis zu einer Maximalhöhe von 75 Prozent vom Verdienst des Einberufenen für die ganze Dauer des Krieges. Die gleiche Unterstützung wird auch an Eltern und Angehörige derjenigen imverheirateten Arbeiter gezahlt, die ihren Lebensunterhalt vom Verdienste des Eingezogenen bestritten. Die im Felde stehenden oder einberufenen ledigen Krieger der Firma erhalten außerdem auf Ansuchen einen Löhnungszuschuß. Auch der Familien der Beamten, deren Ernährer eingezogen sind, ist weitgehendst gedacht worden. Für Kinder der Einberufenen, deren Frauen Mitarbeiten müssen, ist durch einen „Kriegskindergarten Garbaty" gesorgt. Die Kinder erhalten daselbst tagsüber ihre Beköstigung und sind der Aussicht einer Kindergärtnerin unterstellt. Frauen der Krieger, welche ihren Erwerb haben, erhalten trotzdem ungeschmälert die volle oben angeführte Unterstützung der Firma. Die zwei Söhne des Herrn Garbaty stehen gleichfalls im Felde, der eine hat sich sogar als Kriegsfreiwilliger gestellt. Erwähnt sei noch, daß die Firma I. Garbaty dem Kriegsministerium 3000 Mark für denjenigen Unteroffizier oder Gemeinen der Armee oder der Marine zur Verfügung gestellt hat, der die erste russische Fahne oder Standarte erobert. Die Stiftung hat bereits die Genehmigung gefunden Berlin, 18. August. Von der Geschäftsstelle des Kartells der jüdischen Arbeitsnachweise (gegründet vom Jüdischen Frauenbund), Eharlottenbnrg, Wielaudstraße 15, geht uns mit der Bitte um Veröffentlichung folgender Aufruf zu: An unsere angeschlossenen Arbeitsnachweise! Der dringenden Rot der Zeit entsprechend, gehen täglich bei uns zahllose Arbeitsangebote ein. Um unnützer Zeit- und Spesenvergeudung vorzubengen, halten wir es für notwendig, den Organisationsplan unseres Kartells abzu ändern. Die Arbeitsnachweise sollen der Zentrale nur Nachricht zukommen lassen, wenn eine offene Stellung vorhanden ist, die sie selbst oder die ihnen nächstgelegenen Arbeitsnachweise nicht besetzen können. Die Zentrale ihrerseits wird jede eingegangene Vakanz an die übrigen Arbeitsnachweise weitergeben. Wo noch nicht Fühlung mit den paritätischen Arbeitsnachweisen genommen ist, soll dieselbe sofort erfolgen. Wir machen unsere Arbeitsnachweise dringend darauf aufmerksam, die bei ihnen eingeschriebenen jüdischen Lehrerinnen, ledig oder verheiratet, zu veranlassen, sich unverzüglich in den für sie in Frage konunenden Städten den Magistraten zur Verfügung zu stellen. Berlin, 18. August. Der Verein für Arbeitsn a ch w e i s , begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., Monbijou platz 10, der seit fast zwanzig Jahren unablässig bemüht ist, arbeitslosen und vor allem schuldlos in Not geratenen älteren Leuten zu helfen, wendet sich in dieser ernsten Zeit mit der Bitte an alle unsere Mitbürger, ihm jede A r b e i t s Möglichkeit für Männer und Frauen mitzuteilen. Diese Institution, die aus freiwilligen Spenden erhalten wird und sowohl für Arbeitgeber wir für Arbeitnehmer völlig kostenlos arbeitet, unterhält neben der Stellenvermittlung eine Schreibstube, in der schriftliche Arbeiten jeder Art mit der Maschine oder mit der Hand (Massenversand von Drucksachen, Anfertigung von Aufrufen, Briefen usw.) billig und zuverlässig erledigt werden. Durch sofortige Auszahlung der für die Arbeiten eingehenden vollen Beträge an die von dem Verein Beschäftigten sind schon viele Verzweifelte vor dem Aeußersten bewahrt worden. Jetzt melden sich täglich Hunderte von Leuten, die durch den Krieg brotlos geworden sind, und Frauen, die sich und ihre Kinder ernähren müssen, während der Mann im Felde steht. Viele von ihnen möchten gern jede Arbeit verrichten, um sich und ihre Familie erhalten zu können. „Ihnen zu helfen" — schreibt uns der wackere Verein — „ist unsere heiligste Aufgabe, die wir nur erfüllen können, wenn uns unsere Mitbürger dabei tatkräftig unterstützen. Treu unserer Devise: „Arbeit, nicht Almosen", wollen wir allen, die sich an uns tuenden, helfen. Wir danken jedem, der uns bei diesem hohen sozialen Werk unterstützt! Augenblicklich sind bei uns vorgemerkt: Buchhalter, Verkäufer, Schreiber, Kontoristen usw., Hausdiener, Packer, Radfahrer, Handwerker, Arbeiter usw., jede Art weibliches Kontor- und Verkaufspersonal, Arbeiterinnen, Dienstmädchen, Auswärterinnen usw. Wir erbitten schleunigst Anmeldungen von Arbeitsmöglichkeiten jeder Art. Telephon: Fürmännliches Personal Amt Norden 9130, für weibliches Personal und die Schreibstube Norden 9131." — Neustadt, Oberschl., 14. August. Der Regierungspräsident hat nach Anhörung und unter Zustimmung sämtlicher Beteiligten die Synagogengemeinde Zülz infolge des Rückganges ihrer Mitgliederzahl, wodurch eine ordnungsmäßige Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten nicht mehr gewährleistet wird, aufgelöst. Die Mitglieder sowie das gesamte Aktiv- und Passivvermögen der Gemeinde Zülz werden mit der Synagogengemeinde Neustadt vereinigt. Diese Neuregelung tritt mit dem 15. d. M. in Kraft. J. V. Breslau, 14. August. Die Breslauer K o m m a n d a n - t u r läßt an die Truppen, die sich in der Stadt und in der nächsten Umgebung Breslaus befinden, durch Parole bekanntmachen, daß diejenigen jüdischen Soldaten, die auf rituelle Kost reflektieren, sich unverzüglich unter Angabe ihres Quartiers melden sollen. Die Kommandantur sorgt für Weitergabe der Meldung und deren nötige Erledigung. — Ganz unsinnige Gerüchte werden hier über jüdische Soldaten kolportiert, welche angeblich gefallen sein sollen, und dadurch ganze Familien in unnütze Aufregung versetzt. Wir haben festgestellt, daß an diesen Gerüchten kein Wort wahr ist. Bedauerlich aber ist es, daß dergleichen verbreitet wird. Die Verlustlisten werden jetzt regelmäßig herauskommen, außerdem erhalten die Eltern eines gefallenen Soldaten in der Regel unmittelbar vom Regimentskommandeur Nachricht. Für heute teilen nur einige Soldatenunfälle mit, was allerdings bei der großen Zahl von Militär, das in Breslau weilt, und bei der drückenden Hitze, die besonders am vorigen Montag nachmittag herrschte, nicht verwundern darf. In Klein-Tschansch stürzte am Montag nachmittag kurz vor 9 Uhr der Stabsarzt Dr. med. Walter Oettinge.r vom Pferde und zog sich eine Verletzung zu. Der Landwehrmann August Glaser wurde nachmittags, nach 2lA Uhr, auf der Brüderstraße am Hauptbahnhof von Krämpfen befallen. — Der jüngste Dozent am hiesigen theologischen Seminar, Tr. L e w - k o w i tz , ist zur Fahne eingezogen. — 5 0 0 p o l n i s ch e Juden, welche aus der Rückreise von Bädern sich in hiesigen Hotels aushielten, sind in dieser Woche in ihre Heimat in 16 Waggons über Wilhelmsbrück zurückbefördert worden. W. Posen, 16. August. Die jüdischen Mitbürger unserer Stadt bewähren einen Opfermut und Wohltätigkeitssinn, daß man unwillkürlich an die Zeit der Befreiungskriege von 1813 erinnert wird. Schüler von 17 Jahren, Männer der verschiedensten Berufsverhältnisse, Väter von mündigen und unmündigen Kindern verlassen ihre Lieben daheim, willig, weil der Landesvater es wünscht, die Liebe zum Vaterlande es erheischt. „Die Begeisterung macht die Schwachen stark, und die Gerechtigkeit führt zum Siege. Sie umschwärmen mich wie Bienen, beim Namen des Ewigen, ich zermalme sie. Bete für das Wohl der Obrigkeit." Wie andächtig

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