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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-08-21 · Heft 34 (21.8.1914) · p. Seite 401

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 34 (21.8.1914)
Date
1914-08-21
Page
Seite 401 (sequence 5)
Language
German
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401 Von diesem Manne kann aber nicht gesprochen werden, ohne zugleich das Andenken an seinen um einige Jahre jüngeren Bruder zu wecken, der ihm in die Ewigkeit vorangegangen. Der Name Emil Wasser mann (geb. am 12. Mai 1842 in Wallerstein, gest. am 12. November 1911 in Berlin) bedeutete in weiten Kreisen ein Programm, und dies Programm war das altüberlieferte Judentum in modernisierter Fassung. Er schützte es, wie man ein teures Familienerbe schätzt, und dennoch, war es ihm ein Lebendiges und Gegenwärtiges, der Inhalt seines Bewußtseins. Und er selbst war nach seiner ganzen Erscheinung und Geistesbeschasfenheit ein echtes Produkt des Judentums, lind zwar eins von den immer seltener werdenden, in welchem der Geist der Vergangenheit und der Geist der Gegenwart, Thorakenntnis und neuzeitliche Bildung in harmonischem Bunde vereinigt waren. Es war ein Vergnügen, in seinem mit allem Schönen geschmückten Sause ein Bibliothekzimmer 51t finden, in welchem die ehrwürdigen Talmudfolianten, denen er gern eine geschäftsfreie Mußestunde widmete, seine besten Freunde waren. Keine Erscheinung gab es im Judentum, im Leben oder in der Literatur des Judentums, welcher er nicht sein lebhaftestes Interesse zugewendet, kein Bestreben auf geistigreligiösen oder gemeinnützigem Gebiete, das er nicht mit Hingabe seines jederzeit zum Dienen bereiten Wesens und der ihm zur Verfügung stehenden materiellen Mittel unterstützte. Immer und überall stand er an der Spitze der Wohltäter und Förderer. Die Krone der Persönlichkeit war aber doch seine durchaus konservativ gerichtete Frömmigkeit, die ihre -tiefsten Wurzeln in seinem warmfühlenden Herzen hatte. Bon solcher Gesinnung erfüllt, hat er in einer hinterlassenen Niederschrift seiner Wünsche seine sieben Söhne, welche bereits geachtete Stellungen in der Welt einnehmen, gleich den Frommen ehemaliger Zeiten mit ergreifenden Worten zur treuen Anhänglichkeit gemahnt an das Judentum und seine Einrichtungen. In seiner Liebe zum Judentum stimmte auch sein älterer Bruder Angelo v. Wassermann mit ihm überein. Nach Wesen und Art war's allerdings ein anderer. Er war das Weltkind im Goetheschen Sinne dieses Wortes. Seine Begabung und Neigung betätigte er vor allem aus kommerziellem Gebiete. In ihm arbeitete ein intelligenter Geist. und ein zielbewußter Wille, der den eroberten Erfolg zu Verwandeln wußte in ein Mittel neuer Unternehmungen imb neuer Erfolge. Damit ist bereits gesagt, daß er zu denjenigen Erscheinungen kaufmännischer Unternehmer gehörte, die durch schöpferische Arbeitskraft immer neue Betriebe in Bewegung setzen und so durch ihre anregende ltnb befruchtende Tätigkeit werteschaffend wirken. So wird ihm mit Recht nachgerühmt, daß das von ihm in Gemeinschaft mit seinem Bruder geleitete Bankhaus in Bamberg, eines der größten Privatinstitute im Reiche, das in Berlin ein eigenes Halls hat und Schwestergeschäste in London itnb Brüssel, an der Begründung und an dein Aufschwung der oberfränkiscben Textilindustrie einen hervorragenden Anteil hatte. Und er war unser. Die schöne Synagoge in Bamberg loird sein und seines Bruders Andenken erhalten in der Erinnerung kommender Geschlechter. Am 27. Mai 1010 hat der verewigte Prinzregent von Bayern ihm den erblichen Adel verliehenJ. Ich darf, nachdem er für ewig die Augen geschlossen, verraten, daß es ihm Vergnügen machte, seinen großen Einfluß bei Hochgestellten zilgunsten von Glaubellsgenossen, die ein Anliegen hatten, in die Wagschale zu legen. Nichts aber kennzeichnet so sehr seine Gesinnung als sein letzter Wille, in welchem er verfügte: „Ta ich mein ganzes Leben lang ein echter Jehlldi war, so will ich and) als solcher begraben werden. Man soll mich durch die Bruderschaft bestatten lassen und es sollen nilr die hebräischen Gebete gesagt lverden. Ich will keine Grabrede und and) kein deutsches Gebet gehalten haben, das etwa die Stelle einer Leichenrede ersetzen könnte. Ich will, daß der Geistliche kein deutsches Wort bei meiner Beerdigllng spricht. Das soll durchaus keine Abneigung gegen den gegenwärtigen Rabbiner bekirnden. Grllnd der vorstehenderl Verfügung ist vielmehr der, weil ich von jeher Feind aller öffentlichen Huldigungen und Lobeserhebungen war." In genauer Befolgung dieser patriarchalischen Wünsche sind im Beisein einer imposanten Trauerversammlung seine Staubesreste in die Familiengruft, die er sich nach dem im Mürz 1912 erfolgten Tode seiner Gattin (Tora geb. Bauer aus Augsburg) errichtet, versenkt worden. Als die auf seinen Sarg fallenden Erdschollen aus der Tiefe ein dumpfes Echo aufsteigen ließen, mußte ich an die Tichterworte denken: „Auf einem Berge sterben, Wohl muß das köstlich sein, Wo sich die Wolken färben Im Morgensonnenschei lt. Tief unten der Welt Gewimmel, Forst, Flur mxb Stromeslauf, Und oben tut der Himmel Tie goldenen Pforten auf." Dr. A. E ck st e i n. Hermann Lohen- Die r e l i g i ö s e n B e w e g u u g e n der G e g e n w a r t. ermann Cohen hat in einem Vortrag, der den obigen Titel führt, und der in den „Schriften, herausgegeben \mi der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft desJudentums" erschienen ist, in ungemein geistvoller, tief eindriugender und vortrefflich geschriebener Weise die religiösen Bewegungen der Gegenwart behandelt. Der Vortrag verbreitet ') Seine Söhne sind: Kommerzienrat Mar v. Wassermann und Geh. Medizinalrat Dr. Angnst v. Wassermann in Berlin, sowie Engen v. Wassermann, der Chef des Hauses in Brüssel. Hofbankier Angelo v. Wassermann. sw OHM uf'Äf UM - . Slllll 1 . ,

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