Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1914)
- Date
- 1914-08-21
- Page
- Seite 400 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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400 cpnneinschnft zu erheben. Aber diese Art von Gegnern kann auch in einer Zeit, in der, wie man meinen sollte, selbst der Riedrigstgesinnte einen Zug von Hohem in sich spürt, nicht von seiner hämischen Weise lassen. Auch die „Staatsbürczerzeitllnq", die also doch noch zn eristieren scheint, kann ihre alte Mncken nicht lassen. Sie beschäftigt sich mit meinen Ausführungen „Uebereifer" (Nr. 80), beweist aber durch ihre Ausführungen nur, das; sie den Artikel absolut nicht verstanden hat. Wenn sie mich dabei „lammfromm" nennt, so steht sie mit dieser Bezeichnung unter meinen Gegnern ziemlich allein. # 14. A n g u st: Deutsche Warnung an Frankreich und Belgien vor Franktirenrkrieg. Eroberung von Schabntz (Serbien) durch die Oesterreicher. Die „Possische Zeitung" bringt folgende Notiz: K r a k n n , 14. August. In Krakau wurde an allen Anschlagsäulen ein Aufruf der jüdischen Bevölkerung angeschlagen, in dem erklärt wird, daß die jüdische Bevölkerung Krakaus und ganz Galiziens sich ohne jede Einschränkung mit den Bestrebungen der polnischen Nation solidarisch fühlt u'.id daß sie Borsorge für die im Felde stehenden treffen werde. Der Aufruf ist unterzeichnet von den angeseheusteu jüdischen Bürgern Krakaus: diese gehören sämtlichen jüdischen Parteien all, angefnugen von den Zionisten bis zu deil jüdischen Sozialdemokraten und jüdischen Konservativen. 1F A u g u st. Aufgebot des Landsturms für ganz Preußen. Oösterreichische Truppen besetzen Kielnw. Die italienische Regierung läßt erklären, daß die umlaufenden Gerüchte, Italien nehme gegenüber Deutschland und Oesterreich-llngarn eine wenig freundliche Haltung ein, unbegründet seien. Ernennung des Rllssengegners Moercke zum schwedischen Kriegsminister. l 0. A u g u st: Abreise des Kaisers in das Feld. Dankerlaß an die Bevölkerung Berlins. Ermächtigung des Reichskanzlers zur selbständigen Erledigung von Regierungsgeschäften für das Reich und des preußischen Staatsmiuisteriums für Preußen. Ernennung des Staatsministers Tr. Delbrück zum Vizepräsidenten des Staats- Ministeriums. Siegreiche Kämpfe der Oesterreicher gegen die Serben an der Triua. Zurückwerfung der Atontenegriner. Vormarsch der Oesterreicher an der Weichsel. Die Michten unterer Frauen und Jungfrauen gegen das Vaterland. Voll N e g i n a N e i ß e r. ßs<2ine ernste, schicksalsschwere Zeit ist über unser teures Vaterland gekommen. Zweimal haben unsere Vorfahren solche Zeiten durchlebt: 1813 und 1870. In beiden Jahren haben sie sich bewährt. Möge die Gegenwart kein schwächeres Geschlecht finden! Vorgebildet und geschult in sozialer Hilfsarbeit, in bei weitem höherem Grade als ilnsere Vorgängerinnen, erscheint unsere Frauengeneration ganz besonders berufen, überall energisch einzugreisen, wo Hilfe not tut. Schon drängen sich aller Orten unsere Frauen und Jungfrauen, teilzunehmen an dem großen Liebeswerke. In erster Reihe sind es die Kurse zur Ausbildung freiwilliger Krankenpflegerinnen, zu denen unsere Frallen und Jungfrauen in Scharen herbeiströmen. Und dies mit Recht, da die Berufskrankenpflegerinnen zumeist in den Heilanstalten und auf dein Kriegsschauplätze gebraucht werden. Für diejenigen Frauen, die durch Lebensalter, mangelnde Körperkräfte, Pflichten gegen die eigene Familie sich der Fürsorge um Verwundete und Kranke nicht zu widmen vermögen, eröffnen sich andere Gebiete hilfreichen Handelns. Es gilt insbesondere, sich der zahlreichen zurückgebliebenen Frauen und Kinder anzunehmen; den ersteren ratend und helfend zur Seite zn stehen, ihnen Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen, sie mit Geld, Kleidungsstücken mtb Nahrungsmitteln zu unterstützen. Den Müttern, die in schwerer Erloerbstätigkeit stehen, möge die Sorge für ihre Kinder durch Beaufsichtigung in Kinderhorten, die zu Tagesheimen -ausgestaltet werden können, abgenommen werden. Hierdurch erwächst unseren Jungfrauen ein großes Feld der Betätigung. Die Einrichtung i:nd Beaufsichtigung von Nähstuben, in denen Wäsche für unsere Verwundeten angefertigt wird, die Speisung der durchziehenden Truppen an den Bahnhöfen fordern zu werktätiger Hilfeleistung auf. Soziale Hilfsarbeit ist eine Pflicht unserer Frauen und Jungfrauen in Friedenszeiten, um wie viel mehr in der ernsten Gegenwart. Und nicht nur für die der Großstädte, ebenso für die der kleinsten Ortschaften! Mit dem Feldruf: „Mit Gott für König und Vaterland" ziehen unsere Gatten, Väter, Söhne und Brüder in den heiligen Kampf für die Ehre des Vaterlandes. Der Feldruf unserer Frauen und Jungfrauen im Liebesdienst für die Gesamtheit sei: „Wir wollen sein ein einig Volk von Schwestern, vor keiner Not uns fürchten und Gefahr!" hokbsnlner Angela o. Wassermann". Geboren oin 20. Mai 1805 in Wnllerstein. Gestorben am G. Mai 1914 in Berlin. n einem Maientage haben wir in Bamberg nach einer stillen Trauerfeier, die an Einfachheit und Bescheidenheit nicht übertroffen werden kann, die Staubeshülle eines Mannes der Familiengrnft übergeben, dessen Leben ein fast wolkenloser Maientag gewesen, der es schon mit Rücksicht aus seine einflußreiche Stellung^ und seine Gesinnung gegenüber dem Judentum verdient, daß ihm an dieser Stelle mit einigen Worten ein Denkmal der Ehre aufgerichtet werde. Bon Benjamin Disraeli. dem genialen Staatsmann von Großbritannien, wird erzählt, daß er die adelsstolzen Herren im Hause der Peers, als sie es lvagten. den auf politischer Stufenleiter durch eigene Geisteskraft zur höchsten Sprosse des Erfolges emporgestiegenen Judenstämmliug mit ironisierender Anspielung an seine israelitische Abstammung zu erinnern, in ihre Schranken mit den Worten .zurückgewiesen habe: mein Adel ist älter als der eure, denn mein Stammbaum reicht zurück bis auf Abraham, den zum Segen aller Geschlechter der Erde erwählten Gottesfürsteu! Nicht alle geadelten Israeliten haben so adelig gedacht und empfunden. Auf der Stufe, die sie erreicht, haben ihrer viele vergessen der Wurzel, der sie entsprossen, und wir haben im allgemeinen keine Veranlassung, ihr Bild in der Galerie berühmter Männer des Judentums aufzustellen, wie es ein zeitgenössischer Schriftsteller getan. Aber Angelo v. Wassermann, der am 6. Mai d. I. fern der Heimat, an der sein Herz gehangen, in einem Sanatorium zu Berlin nach einem an Aussaat und Ernte reichgesegneten Leben kurz vor Vollendung seines 76. Jahres wie ein verlöschendes Licht seinen Odem ausgehaucht, kannte keinen höheren Stolz als den der Abstammung aus einer durch Wissen und Frömmigkeit ausgezeichneten und im deutschen Vaterland weitverzweigten Familie-). h Infolge der kriegerischen Weltereignisse ist die Beröfsentlichnng dieses Aufsatzes verzögert worden. h Tie Familie fuhrt ihren Stammbaum. den der als Sammler von auf die Geschichte der bayerischen Israeliten bezüglichen Akten und Urkunden verdiente David Wassermann in München ans archivalischen Forschungen mühsam znsammeiigesteUt, bis Anfang des 17. Jahrhunderts zurück. Als Stammvater historisch nachgewiesen ist Elkan Wassermann, 1770 Salzfaktor des Fürsten von Oettingen- Wailerstein. Mütterlicherseits . stammt die Bainberger Linie der Wassermanns angeblich von R. Aklba Ege r.