Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1914)
- Date
- 1914-08-14
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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391 doch durch die einschlägigen Veröffentlichungen in der Presse, durch die Erklärungen der Regierung und der Vertreter aller politischer Parteien im Landtag, durch die vortrefflichen Studien hervorragender Vertreter der Wissenschaft, wie Heimberger, Piloty usw., imd nicht zuletzt durch die eingangs erwähnten lichtvollen Darlegungen Neumeyers allenthalben in der Oefsentlichkeit die unumstößliche lleberzeugung durchgerungen, daß die Revision des Edikts von 1813 nicht nur ein vordringliches Postulat zur Wahrung der Gewissensfreiheit der religiösen Minderheiten bedeutet, sondern vor allem auch, wie sich Heimberger zutreffend ausdrückt, „im Interesse der Ausrechterhaltung der Autorität von Staat und Gesetz dringend geboten" erscheint. Der Verein zur A b w ehr des A n t i s e m i t i s - m u s erläßt folgenden Aufruf: A n u u s e r e V e r t r a u e n s m ä n n e r. Wir sind überzeugt, daß auch diejenigen unserer jüdischen Mitbürger, denen es nicht vergönnt ist, zu den Fahnen zu eilen und in Reih und Glied mit ihren christlichen Mitbürgern dein Feind entgegenzutreten, es an O p f e r w i l l i g k e i t nicht fehlen lassen und den von allen Seiten ergehenden Aufrufen Zu Sammlungen gern Folge leisten werden. Jetzt wird es sich erweisen, wie ungerechtfertigt die Behauptungen der Gegner gewesen sind, daß die Juden für die Verteidignng des Vaterlandes stets nur ein laues Interesse bekundet haben. Tie Zahl der jüdischen Teilnehmer an dem jetzigen großen -Freiheitskampfe wird von anderer Seite genau festgestellt werden. U n s e r V e r e i n wird es sich zur A u s g a b e machen, speziell den Umsang der Beteiligung u n s e r e r j ü d i s ch e n M i t b ü r g e r an den g r o ß e n Liebe s.w e r k en aller Art festzustellen. Wir bitten daher unsere Vertrauensmänner in allen Orten des Deutschen Reiches uns die öffentliche n A u s w e i s e über die ein* g e g äuge n e n S a nt in tun ge n, wie sie von Zeit zu Zeit in den Tagesblättern zur Veröffentlichung gelangen werden, regelmäßig zuzusendeu und die jüdischen Spender besonders kenntlich zu machen. Wir brauchen unsere Vertrauensmänner und Mitglieder aus die große Politische Bedeutung, die eine spätere Bearbeitung dieses Materials haben kann, wohl nicht erst besonders hinzuweiseu,' und hoffen, daß sich keiner unserer Vertrauensmänner im Interesse der Sache dieser kleinen Mühewaltung entziehen wird. Berlin, Magdeburger Straße 14. B u r e a u des V e r e i n s z n r 9t b w ehr d e s 9l ntis e m i t i s m u s. Die Lmau-ipation der Juden in Schleswig-tzMein. Von Ludwig Geiger. ie Provinz Schleswig-Holstein gehört erst seit 1864 zu Preußen; fast unmittelbar vorher, am 14. Juli 1863, hatten die Juden dieser Provinzen ihre Befreiung erlangt. Die Schritte, die allmählich zu dieser Befreiung führten, werden lehrreichen einer kürzlich erschienenen SchrifU) erzählt. — Jüdische Ansiedlungen existierten in Holstein während des 17. Jahrhunderts in Altona, Wandsbeck, Glückstadt. Die Juden, die sich in der letzteren Stadt niederließen, kamen aus Portugal und erlangten für sich das ausschließliche Recht des Handels, während die deutschen Juden davon ausgeschlossen waren. Diese deutschen Juden hatten lange mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen; erst 1729 erlangten sie, daß sie sich in Altona, Rendsburg und einzelnen anderen Städten Niederlagen durften, freilich nur auf Grund besonderer Privilegien und mit der Beschränkung, daß die Aufzunehmenden verpflichtet waren, ein Haus zu kaufen. Trotzdem beginnt seit dieser Zeit ein reges Zuströmen der Juden. 1731 wurde der Oberrabbiner in Altona zum geistigen Leiter aller dänischen Juden, auch der Gemeinde von Hamburg, ernannt. Seitdem erlangt die Gemeinde Altona eine große, wenn auch nicht immer heilsame Bedeutung. Aber die politische Lage der Juden war nicht günstig: nur noch eine Stadt, nämlich Elmshorn, wurde ihnen geöffnet; sie waren ausschließlich auf den Handel angewiesen, vom Ackerbau ausgeschlossen; der Judeneid blieb in seiner mittelalterlichen Härte bestehen. Die napoleonische Zeit brachte ihnen keinen Gewinn, weil Dänemark sich gleich auf Napoleons Seite stellte und infolgedessen kein siegreicher Einzug der Franzosen in Dänemark stattfand. Im eigentlichen Dänemark freilich wurden die Juden, 1814, emanzipiert, aber die holsteinischen Juden konnten trotz ihres Gesuches, 1816, dieser Wohltat nicht teilhaftig werden, vielmehr wurden einzelne Verbote noch verschärft, z. B. das, Grundstücke zu kaufen; wie in Hamburg, so fanden auch in Holstein Judenkrawalle statt. Eine Besserung der Verhältnisse begann infolge des Auftretens S t e i n h e i m s , der im Sinne Rieffers für die Emanzipation eintrat und in christlichen aufgeklärten Männern, dem Pros. Falck in Kiel und dem Advokaten Heiberg in Schleswig, Bundesgenossen fand. Jener unterstützte im holsteinischen Landtag die Petition der Gemeinde!; Altona und Rendsburg, um Aufhebung der beschränkenden Bestimmungen über Wohnort, Stand und Gewerbe und um Unterstellung des jüdischen Kultus- und Schulwesens unter staatliche. Aufsicht, konnte aber mit seinen Vorschlägen nicht durchdringen, obgleich er sich nur auf die angesessenen Juden beschränkte und die Einwanderung verboten wissen wollte. Ein eifriger Schriftenwechsel knüpfte sich an diese Verhandlungen. Steinheim fertigte in glänzender Weise in einem A r t i k e l i m e r st e n I a h r g a n g e u n s e r e r Z e i t u n g j den Abgeordneten Löck ab, der sich als einer der schlimmsten l Judengegner zeigte. *) Die Emanzipation der Inden in Schleswig-Holstein. Von Dr. jur. Viktor, Rechtsanwalt und Notar in Wandsbek. Preis 1,50 Mark. Herausgegeben vom Verbände der jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins. Ludwig Salomon Steinheim.