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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-08-14 · Heft 33 (14.8.1914) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 33 (14.8.1914)
Date
1914-08-14
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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389 Wir haben das dringendste Interesse daran, daß Umsang und Art der Beteiligung der deutschen Juden an dem sich' entwickelnden Feldzuge zuverlässig festgestellt werden. Dies ist aber nur durch unverzügliche Maßnahmen möglich. Wir bitten Sie deshalb, unter freundlicher Aufwendung jeglicher Bemühung — mit Hilfe Ihrer Vertrauensmänner an den andern Orten Ihres Bezirks — jeden zu ermitteln, und dem Bureau des Verbandes der Deutschen Juden, Berlin W 35, Potsdamer Str. 45, schriftlich zu nennen, der in irgendeiner Eigenschaft der Armee oder Marine angehören wird, sei es, daß er bei der Mobilmachung schon unter der Fahne stand, freiwillig eintritt oder mit den Reserven, der Landwehr oder dem Landsturm einberufen ist oder wird oder in irgendeiner Eigenschaft in der Wehrmacht Verwendung findet, sei es als Soldat, Matrose, Maschinist, Spielmann, Unteroffizier, Deckoffizier, Reserveoffizier, Sanitätsoffizier, Krankenpfleger (oder -Pflegerin), Intendantur, Proviantamts-, Feldpost- oder Kriegsgerichtsbeamter oder sonstwie. Wir wiederholen unsere Bitte um möglichst genaue Ermittlungen, Schiff, Standort, Einstellungsart, Dienstgrad; Zivilberuf, Familienstand, Alter und Adresse anzugeben, jedenfalls zunächst alle die Einzelheiten, die Ihnen zuverlässig bekannt werden. Wir wiederholen unsere Bitte um möglichst genau Ermittlungen, die Ihnen sowohl die in Frage kommenden Behörden wie die Gemeindeverwaltungen bei Nachfrage sicher erleichtern werden. Verband der Deutschen Juden. * 5. A u g u st. Auf Grund der Erklärung des Reichskanzlers, daß die deutschen Truppen Belgien besetzen mußten, har England an Deutschland den Krieg erklärt. Ein russischer Angriff auf Memel wurde abgeschlagen. Deutsche Truppen haben die russische Grenzstadt Kibarty erstürmt. Eine russische Kavalleriebrigade wurde bei Soldau zurückgeworfen und vernichtet. # 6. A u g u st. Für Preußen wurde eine Amnestie erlassen. Algerische Hasenbefestigungen wurden durch deutsche Kriegsschiffe zerstört. Wielun, südlich von Kalisch, wurde von preußischen Truppen besetzt. Das Eiserne Kreuz wurde erneuert. In der darüber erlassenen Verfügung heißt es: Angesichts der ernsten Lage, in die das teure Vaterland durch einen ihm ausgezwungenen Krieg versetzt ist, und in dankbarer Erinnerung an die Heldentaten unserer Vorfahren in den großen Jahren der Befreiungskriege und des Kampfes für die Einigung Deutschlands wollen Wir das von Unserem in Gott ruhenden Urgroßvater gestiftete Ordenszeichen des Eisernen Kreuzes abermals Wiederaufleben lassen. Das Eiserne Kreuz soll ohne Unterschied des Ranges und Standes an Angehörige des Heeres, der Marine und des Landsturmes, an Mitglieder der freiwilligen Krankenpflege und an sonstige Personen, die eine Dienstverpflichtuug mir denr Heere oder der Marine eingehen oder als Heeres- und Marinebeamte Verwendung finden, als eine Belohnung des aus dem Kriegsschauplatz erworbenen Verdienstes verliehen werden. Auch solche Personen, die daheim sich Verdienste um das Wohl der deutschen Streitmacht und der seiner Verbündeten -erwerben, sollen das Kreuz erhalten. * 7. A u g u st. Der deutsche Kaiser hat folgenden Aufruf erlassen: An das deutsche Volk! Seit der Reichsgrnndnng ist es durch 43 Jahre Mein und Meiner Vorfahren heißes Bemühen gewesen, der Welt den Frieden zu erhalten und im Frieden unsere kraftvolle Entwickelung zu fördern. Aber die Gegner neiden uns den Erfolg unserer Arbeit. Alle offenkundige und heimliche Feindschaft von Ost und West, von jenseits der See haben wir bisher ertragen im Bewußtsein unserer Verantwortung und Kraft. Dtiux aber will man uns demütigen. Man verlangt, daß wir mit verschränkten Armen Zusehen, wie unsere Feinde sich zu tückischem lleberfall rüsten, man null nicht dulden, daß nur in entschlossener Treue zu unserem Bundesgenossen stehen, der um sein Ansehen als Großmacht kämpft und mit dessen Erniedrigung auch unsere Macht und Ehre verloren ist. So muß denn dps Schwert entscheiden. Mitten im Frieden überfüllt uns der Feinds Darum auf. zu den Waffen! Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande. Um Sein oder Nichtsein unseres Reiches handelt es sich, das unsere Väter sich neu gründeten. Um Sein oder Nichtsein deutscher Macht und deutschen Wesens. Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Alaun und Roß. Und wir werden diesen Kampf bestehen auch gegen eine Welt von Feinden. Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war. Vorwärts mit Gott, der mit uns sein wird, wie er mit den Vätern war! Berlin, bcn 6. August 1914. Wilhel m. * 8. August. Am 7. wurde die Festung Lüttich von den preußischen Truppen genommen. Nachdem die Abteilungen, die den Handstreich auf Lüttich am 6. unternommen hatten, verstärkt worden waren, wurde der Angriff durchgeführt; am 7. morgens um 8 Uhr war die Festung im deutschen Besitz. Der Kaiser hat dem General v. Emmich, der persönlich im Sturm auf Lüttich die Truppen vorwärts führte, den Orden pour le merite verliehen. — Siegreiche Vorpostengefechte der Oesterreicher an der galizischen Grenze bei Podwoloczska und Rowosihetzk. — Vermehrung des englischen Landheeres beschlossen. — Vereinigung deutscher und österreichischer Grenzschutztruppen bei Olkusch und Wolbrom. — Minenkrieg in der Themsemündung. Untergang des deutschen Dampfers „Königin Luise" und des englischen Kriegsschiffes „Amphion". — Die deutschen Grenzschutztruppen im Oberelsaß sind von feindlichen Kräften, die aus der Richtung Belfort Vorgehen, angegriffen worden. Das Vorgehen der französischen Truppen ist zum Stehen gekommen. Bei Altkirch gingen sie bereits wieder in Richtung auf Belfort zurück. # 9. A u g u st : Siegreiches Gefecht gegen die Russen bei Bialla und Schmalleningken. — Viertausend bei Lüttich gefangene Belgier auf dem Wege nach Deutschland. — Die Oesterreicher dringen an verschiedenen Stellen siegreich in Polen ein. — Türkische Schiffe auf englischen Werften beschlagnahmt. Große Erregung in Konstantinopel. — Besetzung Lomes (Togo) durch die Engländer. — Zerstörung des finnländischen Kriegshafens tzangö durch die Russen. Wir halten es für unsere Pflicht, mit einer derartigen gedrängten Kriegschronik fortzufahren, können aber natürlich nur einen kurzen Auszug geben. Dagegen sind wir bereit, alles zu veröffentlichen, was in diesen fürchterlichen Zeiten von Juden zum Heile des Vaterlandes getan wird. Wir bitten unsere Leser und Freunde, uns alles mitzuteilen, was sie von solchen Taten erfahren, mitansehen und erleben. Die „Kölnische Zeitung" veröffentlicht folgenden Artikel „Unsere deutschen Juden": Mißverständnisse müssen umgehend beseitigt werden, zumal in einer so ernsten Stunde, wo nichts die reine Begeisterung trüben soll, mit der ganz Deutschland den ihm aufgedrungenen Kampf nusninunt. So ergreifen wir gern die Gelegenheit, um einen Satz in denr iit Nr. 877 der „Kölnischen Zeitung" erschienenen Aufsatz „Die große Stunde" richtig zu stellen. Dort war gesagt, daß auch unsere jüdischen Mitbürger einmütig dem Ruse zu den Waffen folgten. Sie wüßten, was ihre Stammesgenossen in Rußland zu leiden Hütten und was diesen bevorstände, wenn dort infolge eines siegreichen auswärtigen Krieges die Reaktion wieder die Oberhand bekäme. Natürlich ist es uns im Traum nicht eingefallen, damit unfern jüdischen Mitbürgern einen egoistischen Patriotismus unterstellen zu wollen. Der Hinweis auf die traurige Lage der russischen Juden erklärt sich daraus, daß der Verfasser des Aufsatzes fünf Jahre m Rußland gelebt und einen Einblick in das grenzenlose Elend der russischen Juden getan hat. Dieser Gedanke floß ihm also mnvittkürlich in die Feder. Wir berichtigen dieses Mtzverständnis um so lieber, als die Zuschrift ein herrliches Bekenntnis echter Vaterlands-

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