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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-08-14 · Heft 33 (14.8.1914) · p. Seite 386

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 33 (14.8.1914)
Date
1914-08-14
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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386 Tao darauf salbende Eiebet, bei dem eia Synagogeuvorsteher mit der Dhorarolle neben den; Rabbiner trat, erbat Gottes Schirm und Schutz für den Kaiser und sein Heer, dafür, daß die Bedrängnis des Krieges den Gauen Deutschlands fern bleiben, das; die Hinausziehenden in Gesundheit und Kraft zu den Ihrigen wieder zurückkehren, und daß diejenige;;, die in; Kriege fallen, einen leichten und sanften Soldatentod finden mögen. Gottes Hand walte gnädig über uns, verleihe unserem Volke den Sieg und segne uns mit Frieden. Das Gebet Adaun Aulom und feine Schlußworte ...In deine Hand empfehle ich meinen Geist und mit meinem Geiste meinen Körper. Ter Herr ist mit nur, ich fürchte nichts" beendete die eindrucksvolle, häufig vom Schluchzen der Frauen begleitete Feier. Tie R e u e S y n a g o g e war schon lange vor Beginn des Gottesdienstes überfüllt. Hunderte von Besuchern, die keinen Sitzplatz mehr gefunden hatten, standen dichtgedrängt in den Gänge;; nnd im Vorsaale. Ein tiefer Ernst lag auf allen Gesichtern. Tie Orgel intonierte nach einem kurzen Präludium, wie am Vorabend des Bersohnungstages, die Kolnidremetooie, nach der Herr Kantor Schmal, abwechselnd mit den; Ehore, den Psalm 130 „Aus der Tiefe rufe ich Dich, Herr", vortrug. Tann sprach Rabbiner Tr. B l u m e n t h a l als einleitendes Gebet den Psalm 3, der sich von der Klage über die große Zahl der den Beter umlauernden Feinde („Herr, wie sind meiner Dränger so viel, lvie viele stehen gegen mich auf") im Bewußtsein der Gerechtigkeit seines Kampfes zun; festen Vertrauen auf Gott l„Tu aber, Ewiger, bist ein Schild um mich, bist meine Ehre und richtest mein Haupt empor") und zur Gewißheit des von Gott tominenden Sieges und Segens erhebt. Auf den Grundgedanken dieses Psalms baute sich die Predigt auf. „Mehr denn vier Jahrzehnte", so führte der Prediger aus, „hat unser Vaterland sich der Segnungen des Friedens erfreut, nun aber mußte der Kaiser sein Volk zu den Waffen rufen. Dennoch bangen und zagen nur nicht, denn Gott ist mit uns, unser Schild und unsere Ehre, er wird auch diesmal unser Haupt emporrichten. Getrosten Herzens dürfen wir auf den Beistand des Herrn der Heerscharen hoffen, denn wir ziehen mit reinem Genüssen und reinen Hände;; in den uns aufgezlvungenen Kampf für Hans und Herd, für deutsche Bildung und Gesittung. So einmütig und begeistert, so opferfreudig und siegesgewiß wie wir, ist keiner unserer Feinde, die unter der furchtbaren Last der Verantwortung für de;; von ihnen unter nichtigen Vorwänden angefachten Weltbrand zusammenbrechen werden. Tie; ergriffen sahen wir in diesen Tagen unsere waffenfähige Mannschaft -mit fröhlichen Gesängen in den Kampf ziehen. Größer noch ist vielleicht das Opfer, das die zurückbleibenden Väter und Mütter, Gattinnen und Bräute, Brüder und Schwestern auf dem Altäre des Vaterlandes darzubriugen haben. Wir wollen nicht zurückstehen hinter unseren braven Truppen an Gottvertrauen, an Königstreue und Vaterlandsliebe. Wir wollen ihnen den Abschied von der Heiinat nicht unnötig erschweren und sie mit unseren besten Segenswünschen nnd innigen Gebeten geleiten. Wir wollen stark sein im Dulden und Tragen all des Ernsten und Schweren, das die nächste Zukunft uns bringen wird. Unseres Kaisers Schmuck und Zier fei und bleibe es, siegreich einherzuschreiten für die Sache der Wahrheit und des gebeugten Rechtes! Tie Söhne unserer Glaubensgemeinschaft mögen sich im Kampfe als die lvürdigen Nachkonunen der Makkabäerhelden erweisen nnd durch ihr- Tapferkeit, Manneszucht und Pflichttreue die Ehre des jüdischen Namens erhalten und mehren! Wir alle aber wollen, ein jeder an seinen; Platze und nach den; Maße seiner Kraft, mithelsen, die Wunden zu heilen, die dieser furchtbare Krieg unseren; Vaterlande schlagen wird." Der Prediger schloß mit einen; Gebet um den Segen Gottes für beit Sieg der deutschen Waffen, für die glückliche Heimkehr der Krieger, für den Kaiser und die deutschen Fürsten und für die Erringung eines ehrenvollen, dauernden Friedens. Dam; brausten die Klänge der Nationalhymne „Heil Dir im Siegerkranz", und -- was in der Liturgie nicht vorgesehen war - der ersten Strophe des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles", von der ganzen Gemeinde gesungen, durch das Gotteshaus, und sichtlich gehoben und gestärkt schieden die Tausende andächtiger Beter von der Stätte, an der sie eine Stunde religiöser Sammlung und patriotischer Begeisterung durchlebt hatten. In der Synagoge L i;; d e n st r a ß e predigte Herr Rabbiner Tr. Rosenzweig: Eine Zeit der Not ist über unser deutsches Volk gekommen. Unsere Feinde und Hasser, die lange schon voll Groll und Neid ans unsere Entwickelung und Bedeutung im Völkerteben geblickt, stürmen gegen unsere Grenzen. Unsere Treue gegen den verbündeten Nachbarstaat soll gestraft, unsere ehrliche Arbeit soll vernichtet, unsere deutschen Gaue, die Wissen und Können befruchtet, Tüchtigkeit und Wohlstand gehoben haben, sollen in Oedland gewandelt werden. Ta, in der Zeit der Not, ruft das Vaterland unsere Jünglinge und Männer hinaus auf die Gefilde, wo der Tod schaurige Ernte halten wird. Das ist die Not, die durch unsere Tage zieht! Das ist's, was mit Bangen uns erfüllt in dieser Stunde des Ernstes, zu der unseres Kaisers Wille uns versammelt, unser eigenes Empfinden uns gerufen, das ist das Bangen, das in uns das Wort des Propheten Jona weckt: „Da meine Seele in mir zaget, denk' ich an dich, o Gott, und es dringt zu dir mein Gebet ans deinem heiligen Tempel." - Ist aber diese Gewißheit, die aus des Propheten Wort sich kündet, auch die unseres Sicherlich, da die Seele in uns zaget, denken wir an Gott! Wer von uns hat nicht in diesen Tagen bewußt oder unbewußt: Gott, Gott, hilf! gerufen? Söhne reißen sich aus den Armen der Eltern los, Männer verlassen Weib und Kinder - wer von ihnen wird heimkehren? Keiner weiß es! Nur eines wissen wir, daß unzulänglich unsere Ohnmacht der Kraft ist! Wir blicken auf unfern Kaiser, ein Friedenssürst ist er gewesen! Als Hort des Friedens hat er sich auch in den letzten Tagen noch bewährt, da dräuende Wetterlvolken am Himmel sich zusammenballten - mit der ganzen Energie, die ihm eigen, mit der tiefen Einsicht, die ihn auszeichnet, hat er den grauenvollen Krieg abzuwenden gehofft und doch, vergebens war's; Lüge und Tücke gewissenloser Mächte haben das Schwert ihm in die Hand gedrückt, haben den Krieg mit seinen Schrecken heraufbeschworen! Was bleibt uns? Die Gewißheit des Propheten: „da unsere Seele in uns zaget, wenden wir uns zu Gott: er ist um sein Volk." Eine Ehrenstellung hat Gott dem deutschen Volke in der Reihe der Völker angewiesen bis zu den Tagen, da der große Kaiser die deutsche Kaiserkrone zu des neu erstandenen Reiches Herrlichkeit geschmiedet hat. Was in schwerem Kampf wir errungen, was in ernster Arbeit nur geschaffen haben, der Haß null alles in Frage stellen. Das ist's, was uns mit Bangen erfüllt, was unfern Blick zum Himmel lenkt und ein Gebet in unserem Herzen weckt! Allein,;;;. A., lasset uns nicht vergessen: mit dem bloßen Aufblicken zum Himmel, mit der flüchtigen Lippenregung des Augenblicks ist nicht erfüllt, was die schwere Zeit von uns heischt! Opfern sollen nur zunächst unfern Willen vor dem Willen des Allmächtigen: eine Stunde der Einkehr soll es sein! Das Vaterland zittert ob der Not, die über es gekommen das Vaterland über alles! Das soll die Losung sein und bleiben! Ein einzig Volk von Brüdern wollen nur sein! Wir sind Juden und wollen Juden sein und bleiben; nur sind deutsche Juden nnd Deutsche wollen wir sein mit unserer ganzen Kraft, mit unserem ganzen Empfinden. Hier in unserem deutschen Vnterlande ruhen die Wurzeln unserer Kraft; deutsch ist unser Fühlen und Wissen; die deutsche Sprache ist uns heilig: das deutsche Geistesleben ist unseres Lebens Element. So ist's, so soll's bleiben! Und rechter Glaube und ernste Vaterlandsliebe sind tatenzeugend: sie sollen die große Liebe in uns wecken, die alles umfaßt, alles opfert, die nur dienen will, Tränen trocknen und Leid stillen; die Not unseres Volkes soll die Herzen weich und lind machen: Frauen und Kinder verlieren ihre Ernährer; in jedem Hause erhebe sieh ein Altar, auf dem Opfer der Liebe emporsteige;;. Und zuletzt lasset uns an uns selbst denken! Schwere Sorge ist über uns gekommen. Unsere Hoffnung soll nicht verloren gehen! „Hilfe ist in Gott." Ist er nur ein Gott derer, die vor uns waren? Nein, es ist auch unser Gott; bei ihm ist Hilfe, auf ihn laßt uns hoffen! Ein gerechter Gott ist er, der Gerechtigkeit liebt; ihm trauen wir an unser gebeugtes, gekränktes Recht; ihm trauen wir an unseren Kaiser und seine Arbeit für unser Vaterland, unsere Jünglinge und Männer, die zum Kampfe ziehen für Deutschlands Ehre. Dem gerechten Gott trauen wir an unsere Sache und unsere Sorge, der Gott der Gerechtigkeit wird für uns kämpfen! Und so wollen wir uns beugen vor ihm, dem Herrn der Welt, aus diesen heiligen Räumen steige auf unser Gebet zu ihm! Gebet für den Kaiser, die Kaiserin nnd das kaiserliche Haus, für die Räte der Krone, für das Heer zu Wasser und zu Lände, für das deutsche Vaterland nnd unsere Vaterstadt, für alle, die in schwerer Zeit Werke der Nächstenliebe üben. Zum Schluß: „Der Herr verleihe Macht seinem deutschen Volke; der Herr segne sein Volkmit Frieden!" Ter Priestersegen.

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