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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-08-07 · Heft 32 (7.8.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 32 (7.8.1914)
Date
1914-08-07
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Abteilung eingeleitet. Tie Biolinistin Marie Deutscher handhabte mit virtuoser Meisterschaft ihr schwieriges Instrument, aus dem die Töne wie Perlen hervorquollen. Für Fräulein Gründer vom hiesigen Stadttheater, welches in letzter Stunde plötzlich erkrankte, sprang in liebenswürdiger Weise Fräulein Charlotte Steinkritzer ein. Tie Opernsängerin, eine Schülerin von Nikolaus Nothmühl, gab mit tiefem Empfinden die Schubertschen Lieder „Aufenthalt" und „Erlkönig". Tie überaus weiche, glockenreine Stimme entfaltete sich ganz besonders und Zeigte ihren überraschenden Umfang im „Erlkönig". Sehr niedlich war das Terzett für Violine, Klavier und Gesang „Sing mich Zur Ruh" von Edwin Grüne, in welchem als Sängerin Zum erstenmal öffentlich Fräulein Käthe Brandenburg, eine hoffnungsvolle und für die Zukunft viel versprechende Schülerin der bekannten Gesanglehrerin Fräulein Schwartz in Kolberg auftrat. Opernsänger Willy Kaiser, jugendlicher Heldentenor, sang mit kraftvoller und wohlklingender Stimme die Arie des Vasco aus der „Afrikanerin" von Meyerbeer und das Preislied aus den „Meistersingern von Nürnberg" von Wagner und brachte einen ebenso würdigen als gefälligen Abschluß der beiden einzelnen Teile des Konzerts. Ein Bild holder weiblicher Anmut bot die Tanzgruppe, welche wie in den beiden Vorjahren Fräulein Rose Kamm, geprüft-diplomierte Leiterin für Gymnastik, durch ihre jugendlichen Schülerinnen in cntZückender Weise stellte. Rauschender Beifall des vollen Saales, der sich bei einzelnen Künstlern vielfach wiederholte und zuweilen gar nicht enden Zu wollen schien, war der wohlverdiente Lohn der trefflichen Mitwirkenden, welche ihre Kunst sreundwillig in den Dienst der Wohltätigkeitsanstalt stellten. ~ Leipzig, 4. August. Ter rumänische Student der Medizin B e r c o v i c i richtet an alle nichtdeutschen Kommilitonen der Universität Leipzig einen Ausruf, indem eres als eine moralische Pflicht aller derjenigen ausländischen Studenten, die nicht Zu den Waffen gerufen sind, bezeichnet, jetzt dem Lande ihre Dankbarkeit zu beweisen, dem sie ihre geistige Ausbildung Zu verdanken haben. Besonders diejenigen Kollegen, denen wegen ihrer jüdischen Kons e s s i o n in ihrem Geburtslande jede geistige Fortentwicklung versagt war, mögen in dieser Stunde daran benfen, daß ihnen Deutschland stets die Pforten seiner Bildungsstätten offen hielt und ihnen das gab, was ihr Vaterland ihnen versagte. 22 Hamm i. W., 31. Juli. Ter Verband der S y n a - g o g e n g e m einden W e st f a l c n s hielt hier am 5. d. M. den 22. ordentlichen Gemeindetag ab. Von den 62 Gemeinden des Verbandes waren 32 durch 35 Delegierte vertreten; amorsend waren sechzig Personen. Die Versammlung wurde gegen 10% Uhr vom Vorsitzenden des Venvaltunasausschusses, Herrn Liebe nfeld - Bochum, eröffnet, der durch Zuruf auch zum Leiter der Tagung bestimmt wurde. Zu Beisitzern wurden die Herren K o p p e l - B a m b e r g e r - und B l u menthal- Hanun sowie die Herren Tr. C o b l e n z - und Tr. K a tz e n st e i n - Bielefeld, zu Protokollführern die Herren Hauptlchrer K a u f in a n u - Gelsenkircheu und Lehrer Weiler- Hamm berufen. Einleitend begrüßte der Vorsitzende aufs herzlichste die erschienenen Delegierten und Gäste sowie auch den Vertreter der Stadt Hamm, Herrn Stadtrat S ch l i ch t e r. Herr K o p P e l - B a m - der ge r, Vorsteher der Synagoaengemeinde Hamm, begrüßte die Versammlung mit dem Wunsche, daß die Ergebnisse der Verhandlungen erfolg- und segensreich für die Gemeinden und ihre Entwicklung sein mögen. Darauf erhielt Herr Stadtrat Schlichter- Hamm das Wort. Er hieß im Namen der Stadtverwaltung und in Vertretung des burd) eine Amtsreise verhinderten Herrn Oberbürgermeisters den Gemcindetag herzlich willkommen und wünschte seinen Verhandlungen einen guten Verlauf. Im Namen des T. I. G. B. begrüßte Herr Dr. M i ch a e t i s - Hamm die Versammlung. Sodann wurde in die Tagesordnung eingetreten: 1. Bericht über die Tätigkeit im 22. und 23. Geschäftsjahr. Ter Bericht lag gedruckt vor. Eine Diskussion darüber fand nicht statt. 2. Kassenbericht mib Erteilung der Entlastung. Tie vorliegenden Rechnungen für die Zwei Geschäftsjahre mußten noch geprüft werden. Zu Rechnungsprüfern, auch, für die nächste Etattzperiode, wurden die Herren H e r z b e r g und Golds ch m i d t - Bielefeld berufen und beauftragt, die Belege zu prüfen und dann Bericht zu erstatten. 3. Genehmigung des Haushaltsplanes für 1914/15. Herr Rabbiner Dr. E o b l e n z sprach über den Entwurf. Ter Kasseubestaud beträgt 546,72 Mark. Tie Einnahmen werden veranschlagt auf 5313 Mark. Tie Ausgaben betragen: für Subventionen 3950 Mark, für Schulinspektion 150 Mark, für Beiträge zum D. I. G. B. und Verband der deutschen Juden 100 Mark, für Vorträge 150 Mark, für Verwaltungskosten einschließlich Schreibhilfe, Porti. Drucksachen 900 Mark, so daß noch zur Verfügung des Gemeindetaaes 563,72 Mark bleiben. Der Vorsitzende sprach dann über bie Frage der Neuauflage der Gebetbücher. Diese Angelegenheit soll in einer besonderen Ausschußsitzung erörtert werden, die das Weitere zu veranlassen hat. Aus Beschluß der Versammlung wurden Punkt 6 und 7 der Tagesordnung vorweggenommen. 6. Festsetzung des Ortes für den nächsten Gemeindetag. Herr Dr. Katzenstein beantragte: Da in. zwei Jahren der Gemeindeverband 25 Jahre besteht, soll der nächste Gemeindetag in zwei Jahren in Bielefeld besonders festlich begangen werden. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Ebenso folgender Antrag: Der Verwaltungsausschuß beantragt gemäß §§ 9 und 12 der Satzungen, die Amtszeit der im Jahre 1915 satzungsgemäß ausscheideuden Mitglieder des Ausschusses bis zum Jahre 1916 zu verlängern. Sollten besondere Umstünde die Abhaltung eines Gemeiudetäges im Jahre 1915 erfordern, so sollen die satzungsgemäßen Wahlen auf diesem Gemeindetage vorgenommen werden. Die Wahl des Ortes für den im Jahre 1915 einzuberufenden Gemeindetag wird dem Veschlusse des Ausschusses anheimgestellt. Nach einer Pause, in welcher den Versannnlungsteilnehmern seitens der Synagogengemeinde Hamm in liebenswürdiger Weise ein Frühstück geboten wurde, sprach Herr Rabbiner Dr. Eoblenz über Punkt 4: Westfälische Pension^ und Witwenkasse. Der' Referent stellte einige Unklarheiten bezüglich der gesetzlichen Stellung zu den Kassen richtig. Die Anrechnung der nicht peusionsfühigen Dienstjahre muß satzungsgemüß innerhalb zweier Dieustjahre herbeigeführt werden. Nach dieser Frist kann dieselbe nicht mehr erfolgen. War die Stellung pensionspflichtig, so kann jederzeit die Anrechnung der Dienstjahre erfolgen. Betreffs der Eingaben au den Herrn Landeshauptmann wünscht die Zentralstelle Bielefeld größere Pünktlichkeit und Sachlichkeit. Referent stellte besonders fest, daß der Herr Landeshauptmann sich bei allen Verhandlungen außerordentlich entgegenkommend zeige, und bat, gerade mit Rücksicht hierauf, in Zukunft um Beachtung der vorgetragenen Wünsche. 5. Wie sind die Synagoaeugemeinden entstanden? Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Dr. M i ch a e l i s-Hamm. Ter Vortragende ging von der Emanzipation der Juden im vorigen Jahrhundert aus und gab die Faktoren an, die dazu geführt haben. In eingehender Weise schilderte er die Zustände während der Zeit der Kammerknechtschaft und beitete dann über zur Geschichte der Juden in Preußen nach dem dreißigjährigen Kriege. Er zeigte, welchen Einfluß die französische Revolution und Napoleon I. aus die Organisation der Inden in Frankreich und den ihm ungehörigen deutschen Landen hatten. Tie Bestrebungen, das Gemeindeleben zu organisieren, blieben während des ganzen 18. Jahrhunderts im Fluß, was der Referent durch zahlreiche interessante Beispiele, namentlich aus der Geschichte westfälischer Gemeinden, belegte. Tie ganze Bewegung fand endlich ihren Abschluß im Judengesetz von 1847, das noch bis heute die gesetzliche Grundlage allen Gemeindelebens ist. Dieses Gesetz hat sich im großen und ganzen bewährt. Eine Aenderung desselben wäre nicht erwünscht. Der Vortrag wurde mit außerordentlichem Beifall ausgenommen. Die Versammlung gab dem Wunsche Ausdruck, er möge durch Veröffentlichung in einer Zeitschrift einem weiteren Kreise Zugänglich gemacht werden. Inzwischen war die Revision der Jahresrechnungen pro 1912/13 und 1913/14 beendet, und Herr HerZberg erstattet über das Ergebnis Bericht; aus Grund dessen sprach die Versammlung einstinlmig die Entlastung des Kassenführers aus. 7. Verschiedenes, a) Herr Hühnlein- Bochum wies aus die .geringe Zahl der persönlichen Mitglieder unseres Verbandes hin. Eine geeignete Werbetätigkeit könnte dem Verbände mancherlei Geldmittel zuführen, d) Ein Antrag M eye r-Herford, die Passahverpflegung der im Gefängnis zu Herford Internierten betreffend, wurde nach kurzer Debatte zurückgezogen, c) Herr Seminarlehrer K e ß l c r - Münster sprach über Schiedsgerichte, Wanderbibliothek und eine lebhaftere Propaganda für den Gemeindeverband. 6) Herr Hauptlehrer Kausma u n-Gelsenkirchen lenkte die Aufmerksamkeit des Ausschusses auf die Angelegenheit der Ausländer. Es wurde ein Antrag Eoblenz angenommen: Der Gemeindetag beauftragt den Ausschuß, die Frage der Behandlung der Ausländer als Thema auf die Tagesordnung eines der nächsten Gemeindetage zu setzen, e) Die'Gebetbuchfrage soll in der nächsten Ausschußsitzung beraten werden. Damit war die Ta-gesorduuug erschöpft. Herr Oberlandesgerichtsrat G r ü n e b a u m - Hamm dankte Herrn Liebenfeld für die ausgezeichnete Leitung der Versammlung. Herr Liebenfeld dehnte diesen Dank auf die Tätigkeit der Ausschuß-

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