Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1914)
- Date
- 1914-07-31
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Kommerzienrat Hermann 3to1holz, ein früherer Schwersenzer Bürger, hat anläßlich der Verlobung seines ältesten Sohnes 300 Mark zur Verteilung unter die Ortsarmen in Schwersenz ohne Unterschied der Konfession gestiftet. -7 Schmiegel. Das Rentier Israel Schwarz sehe Ehepaar feierte am 9. d. M. die goldene Hochzeit. Die Eheleute sind 30 bzw. 75 Jahre alt und beide geistig und lörperlich sehr rege. Von nah und fern wurde das Jubelpaar durch Aufmerksamkeiten geehrt. S ch neide in ü h l. Frau Dora Schweriner geb. Holländer verschied hier plötzlich im Alter von 42 Jahren. Eine allgemeine Teilnahme zeigte sich bei der Beerdigung. — S a m 0 t s ch i n. Ter 16jährige Kausmannslehrling Willy Seligsohn ist in vergangener Woche in dem Ostseebade Rügenwalde das Opfer seiner hilfsbereiten 'Nächstenliebe geworden. Der junge Mann hörte die Hilferufe zweier Ertrinkenden und sprang in die See, um die mit dem Tode Ringenden zu retten. Bei diesem Rettungswerk hat er leider selbst den Tod gefunden, während die beiden in Gefahr befindlichen Schwimmer gerettet werden konnten. Der Verunglückte ist ein Sohn des hiesigen Kaufmanns Heinrich Seligsohn. Er besuchte bis zum April d. I. das Realgymnasium m Bromberg und trat dann als Lehrling bei einer Handelsfirma in Rügenwalde ein. — Schwersenz. In der Stadtverordnetensitzung am 21. d. M. wurde die Stiftung des Kommerzienrats Hermann Rotholz in Posen, eines ehemaligen Bürgers unserer Stadt, von 30 000 Mark zur Errichtung eines Volks- und Jugendheims mit Dank angenommen. Bürgermeister Sperling ist vom 26. d. M. zu einer achtwöchigen Uebung eingezogen und wird in den Geschäften des Magistrats und der Polizei- Verwaltung durch den Stadtverordneten, Großkaufmann Aron Katz, vertreten. W. Pudewitz, 26. Juli. Am 24. d. M. fand die feierliche Grundsteinlegung für die hiesige Synagoge statt. Die Mitglieder unserer Gemeinde waren zu dem Akte vollzählig erschienen. Unter den Gästen waren u. a. anwesend kommissarischer Bürgermeister Westenburger, Stadtverordnetenvorsteher Tr. Wolfs, Kreisschulinspektor Grothe. Nachdem Korporationsvorsteher Krayn die Erschienenen begrüßt hatte, vollzog sich der feierliche Akt mit einer Ansprache sowie Unterbringung des Grundsteins. Dieser folgte der erste Hammerschlag. Tann wurde eine Urkunde, die die Genealogie der hiesigen jüdischen Gemeinde enthielt, vorgelesen, und nachdem jeder Anwesende sich durch Zeichnung seines Namens verewigt hatte, der Urne einverleibt. Letztere wurde von zwei Aeltesten der Gemeinde zum Vermauern versenkt. Ein gemütliches Beisammensein beschloß den feierlichen Att. M. K. Ratvitsch, 24. Juli. Hier starb Herr S a m uel Mattheus, im Alter von 70 Jahren. Bon dem allgemeinen Vertrauen in die höchsten Ehrenämter der Synagogengemeinde seiner Vaterstadt berufen, stand der Verblichene nahezu vier Jahrzehnte im Mittelpunkt der. Gemeinde, um mit rastloser Arbeitssreudigkeit und voller Kraft für das Wohl der Allgemeinheit zu wirken, selbst die Bürde der Jahre nicht achtend, wann immer ihn an verantwortungsvolle Stelle die Pflicht rief. Hochachtung und Dankbarkeit werden das Andenken des vortrefflichen Mannes in Ehren halten, Freundestreue legt auf sein Grab den Jmmortellenkranz der Unvergessenheit. &&& Bad Salzbrunn, 24. Juli. Ein aus fünf Kurgästen ad hoc gebildetes Komitee veranstaltete mit 22. d. M. zum Besten des hiesigen j ü d i s ch e n K u r h 0 s p i t a l s ein Wohltätigkeitskonzert, das von dem Orchester der Fürstlich-Plessischen Kurkapelle unter generöser Mitwirkung des Oberkantors C e r i n i aus Breslau (Solist) und seiner Gattin (Klavierbegleitung) zur allgemeinen Zufriedenheit ausgeführt wurde. Zum Vortrag gelangten fast ausschließlich Kompositionen jüdischer Meister: F. Mendelssohn, G. Meyerbeer, Lewandowski, Gernsheim, Hatevy. Oberkantor C e r i n i zeigte sich in seinen Darbietungen auf der Höhe seines Könnens. Neben den shnagogalen Kompositionen Lewandowskis, die er mit bekannter Meisterschaft zum Vortrag brachte, erfreute er die Zahlreich erschienenen Kurgäste, unter denen auch viele Nichtjuden sich befanden, mit der Arie des Eliazar aus der „Jüdin", einigen Liedern in italienischer, polnischer und russischer Sprache und zum Schluß mit dem herrlichen Triumphgesang aus „Judas Makkabäus" von Händel, den, ebenso wie die wirkungsvoll gesungene Romanze aus den „Hugenotten", das ganze vorzüglich dirigierte Orchester harmonisch begleitete. Das dankbare Auditorium spendete dem Dirigenten Kgl. Musikdirektor Herrn Max Kaden sowie Herrn und Frau Cerini, die ihre bewährte Kraft in selbstloser Weise in den Dienst der guten Sache stellten, wiederholt wohlverdienten, rauschenden Beifall. E. W. Lregnitz, 28. Juli. Selten dringt aus unserer Gemeinde eine Kunde in die Oeffentlichkeit — ein Zeichen, daß sie blüht und gleich einer trefflich funktionierenden Maschine ihre Allsgaben erfüllt! Auch hellte läge kein Anlaß vor, die Oeffentlichkeit für unsere Gemeinde zu interessieren, wenn nicht unser erster Vorsteher, Herr Ludwig D a n z i g e r, hellte seinen siebzigsten Geburtstag feierte. Herr Danziger ist der Typils eines Mannes eigener Kraft. Vor mehr als vier Jahrzehnten wunderte er von Schmiegel in Liegnitz ein und wußte sich durch Fleiß, Sparsamkeit llnd lautere Gesinnung das Vertrauen seines Chefs Wolfs Krimmer in so hohem Maße zu erwerben, daß dieser ihm seine einzige Tochter zur Frau gab und ihn zum Teilhaber seines bedeutenden Leinenhauses machte. Glück und Segen hat aus dem Ehepaare Ludwig und Auguste-Danziger geruht, blühende Kinder sind ihrem Bunde entsprossen, die Firma Krimmer ist nicht nur zu den angesehensten Geschäften der Stadt, sondern sogar des ganzen Regierungsbezirkes gediehen. Die Synagogengemeinde wählte den idealgesinnten, glaubenssrohen Mann in ihren Vorstand und übertrug ihm im März 1911 nach dem Hinscheiden des vielbetrauerten Heinrich Cohn das Präsidium dieser bei den königlichen und städtischen Behörden der Stadt hochangesehenen Körperschaft. Bel dem Festgottesdienste anläßlich der Hllndertjahrfeier der Gemeinde am 27. November 1912 überreichte ihm der Oberregierungsrat Bartels namens der Regierung den Kronenorden 4. Klasse, „Recht tun, Liebe üben und in Demut wandeln vor Gott dem Herrn" — dieser Forderung des Propheten Micha hat der Jubilar immerdar nachgestrebt; drum freut sich die Gemeinde heute seiner Tatkraft und Umsicht bei ihrer Leitung, seiner hilfsbereiten, lauteren Frömmigkeit und seiner großen Herzensgüte. Gott sei mit diesem echten Juden alten Schlages — ad meo schonim! z. Dresden, 24. Juli. Die „Israelitische Religionsgemeinde" zu Dresden versendet soeben den Verwaltungs- und Jahresbericht auf das Jahr 1913. Aus dessen Inhalt erhellt, daß die jüdische Seelenzahl im Bezirk unserer Gemeinde gegenwärtig 4255 beträgt. Auch im Vorjahr ist seitens der Gemeinde Gottesdienst an den hohen Festtagen in Gemeinden des Bezirks Dresden, so in Freiberg u. a., eingerichtet und für Religionsunterricht gesorgt worden. In Dresden selbst erhielten 471 schulpflichtige Kinder, darunter 155 Schüler höherer Lehranstalten, Religionsunterricht, und zwar 333 in der Religionsschule, 138 privat. Die Zahl der Zensiten war gegenüber dem Vorjahr (1061) um 92 auf 1153 gestiegen, die nach dem Etat 80 710,24 Mark Gemeindesteuern aufbringen sollten. Tatsächlich indessen belief sich die Steuereinnahme auf 85 235,88 Mark, überstieg also den Voranschlag um 4525,64 Mark. Die Gesamteinnahmen beliefen sich aus 127 058,80 Mark, die Gesamtausgaben auf 124 369,28 Mark, so daß am Ende des Berichtsjahres mit dem Bestand per 1. Januar 1913 in Höhe von 43 980,78 Mark sich ein Bestand von 46 670,30 Mark ergab. Der Synagegenneubaufonds hatte Ende 1913 die Höhe von 508 805 Mark erreicht. Dem Bericht ist auch eine Uebersicht über die Tätigkeit der sächsischen Landeskasse für Wanderarmenfürsorge beigegeben. Verausgabt wurden für 1177 Parteien 6178,60 Mark. Die Gesamtausgaben für den ganzen Bezirk der Landeskasse beliefen sich auf 12 700 Mark, denen an Einnahmen nur 11615,93 Mark gegenüberstanden. Das Geschäftsjahr schließt also mit einem Defizit von 1084,09 Mark ab. 3. A. Tölz (Oberbayern), 23. Juli. Das im vorigen Jahre neu errichtete Hellmannsche „Parkhotel", welches Zugleich als jüdisches Restaurant durch seinen gediegenen Komfort und seine gute Leitung sich großen Zuspruchs erfreut, wurde am 21. d. M. durch hohen Besuch beehrt. Ihre königlichen Hoheiten Prinzessin Arnulph sowie die Prinzen Konrad und Heinrich von Bayern kamen von München per Auto mit Gefolge nach Bad Tölz und verweilten längere Zeit im „Parkhotel", wo sie sich ein Souper servieren ließen und auch die eleganten Hotelräumlichkeiten besichtigten. Die hohen Herrschaften schieden anscheinend sehr befriedigt vom Parkhotel, um die Rückfahrt nach München anzutreten. K. Steele, 24. Juli. Die Synagogengemeinde Steele hat einen sehr herben Verlust erlitten. Der Vorsitzende des Vorstandes, Kauf-