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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-07-31 · Heft 31 (31.7.1914) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 31 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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78. Jahrgang. Nr. 31 Berlin, 31. Juli 1914 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums". korresponLrn?kn und Nachrichten. SkutlchlanL. Berlin, 28. Juli. Die Trauerfeier für den verstorbenen Geheimen Justizrat Dr. Hermann Veit Simon fand am vorigen Dienstag vormittag unter zahlreicher Beteiligung, namentlich aus Juristenkreisen, auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee statt. Vom Kammergericht waren die Senatsprüsidenten Dr. Felix M eher und Dr. Ring erschienen. Das Oberverwaltungsgericht vertrat Geheimer Rat Dr. Berner. Deputationen hatten entsandt: der Vorstand der Gesellschaft der Freunde, der Vorstand und die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, der Berliner Anwaltverein, die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, der Hilfsverein für jüdische Studierende, die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland und das Antizionistische Komitee. Von bekannten Berufsgenosfen, die dem Toten das letzte Geleit gaben, seren genannt die Geheimen Justizräte K e m P n e r , S e l i g f o h n und K o p e tz k i sowie die Justizräte Dr. Koppel, Dr. L i s c o , Dr. S a m t e r , L a u e und H e i n i tz. Zu diesen gesellten sich viele hervorragende Mitglieder der jüdischen Gemeinde, Gewerbetreibende, Gelehrte, Schriftsteller und Künstler, unter ihnen Max Lieb er mann, so daß die Halle nur einen kleinen Teil von allen denen zu fassen vermochte, die dem Entschlafenen noch ein schmerzliches Lebewohl in die Gruft Nachrufen wollten. Kränze hatten gewidmet: Christian Kraft Fürst zu Hohenlohe, die Rechtsanwälte des Kammergerichts, die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, der Letteverein, die Berliner AEG., die Direktion der Bank für Handel und Industrie und viele andere. Rabbiner Dr. Bo eck hielt die Gedächtnisrede. Dann ries Justizrat Max Fuchs namens der Anwaltschaft dem Toten tiefempfundene Worte der Anerkennung nach. Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen überbrachte die letzten Grüße der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und gedachte der Wirksamkeit des Verstorbenen in einem ehrenden Nachruf. Justizrat Arnold Seligs o h n sprach namens des Hilssvereins für jüdische Studierende und schilderte die Persönlichkeit und die Verdienste Veit Simons, während Professor Harry B r e ß l a u dem Freund ein dankbares Abschiedswort widmete. Mit den Klängen des „Integer vitae“ hatte die Feier begonnen; den Schluß bildete der Chorgefang: „Es ist bestimmt in Gottes Rat, daß man vom Liebsten, was man hat, muß scheiden." Berlin, 28. Juli. Der Allgemeine deutsche Kantorenverband und die Kantoren-Hilfskasse in Deutschland veranstalteten auch in diesem Jahr wieder einen Kantoren-Fortbildungskursus in der Zeit vom 2. Juni bis 14. Juli. Die Beteiligung an dem Lehrgang war eine lebhaftere als im verflossenen Jahre. Etwa 20 Teilnehmer aus allen Gauen Deutschlands waren herbeigeeilt, um ihr kantorales Wissen zu bereichern. Die Lehrfächer'bestanden im wesentlichen aus folgenden Teilen: 1. Tonbildung, a) Einführung in die Tonbildungslehre; b) Textstudien; c) Solfeggien u. a. m. (Lehrer: Hauptkantor Asch.) 2. Kantorat. Mussas von Rosch-haschanah und Jom-kippur, nach Lewandowski, Sulzer und div. Komponisten. (Lehrer: Hauptkantor D a v i d s o h n.) 3. Traditionelle Liturgie (C h a s o n u s), a) sämtliche Rezitative am Rosch-haschanah und Jom-kippur; b) Improvisation, Komposition von Weintraub, Friedmann und' anderen Komponisten; e) Gedankenfreie Rezitative (Steiger genannt und nach verschiedenen Komponisten). Lehrer: Hauptkantor Klein. Anschließend an diese Lehrfächer folgte eine Reihe musikwissenschaftlicher und hebräischer Vorträge, und zwar: 1. Der Bau der Orgel. Hans Lüdtke (Organist der Synagoge Fasanenstraße) unterzog dieses Thema einer eingehenden lehrreichen Betrachtung, unter besonderer Würdigung der Orgelbegleitung für den Kantor. 2. Jüdische Synagogen-Kompositionen vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Kapellmeister Kellermann (Chordirigent der Neuen Synagoge) erweckte besonderes Interesse dmch Vorführung eines „Haschkiwenu" von Birnbaum und einer eigenen Komposition, des „Hamake lLewroso". 3. Kirchentonarten und Steige r. Hauptkantor Klein behandelte insbesondere die vier Tonarten: frigische, durische, ligische, mixoligische. 4. Der Kantor im jüdischen Go tt esdie nst. Hauptkantor Davidsohn erläuterte die Bedeutung des „Schliach-Zibur" im Mittelalter und in unseren Tagen. Des weiteren die „Minhagim" und „Tinim", die auch für den Vorbeter der Neuzeit maßgebend geblieben sind. 5. Hebräische Vorlesungen. a) Grammatik; b) Das Gebet; c) Minhagim für den Vorbeter. Dieses Thema wurde von Rabbiner Dr. Hochseld in ganz besonders fesselnder Weise behandelt. Er schilderte: a) Die Entstehung des Gebetbuches und des Gottesdienstes; b) das alte Gebetbuch von der Vergangenheit bis zur Gegenwart; e) den Kultus der beiden Hauptfeste „Neujahr und Versöhnungstag", und zwar: das im 12. Jahrhundert entstandene „Kol-Nidre", das Sünden- und Glaubensbekenntnis, bis zu „Nilaß-Säsiorim" und anderes mehr. Für die speziell für den Kantorlehrreichen, interessanten Ausführungen sei dem Vortragenden an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt. In der Schlußprüfung fand der Vorsitzende der Kantorenhilfskasse, Rentier Louis Jona s, warme Worte der Anerkennung für die Gesamtleistungen. Der Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Kantorenverbandes, Oberkantor H e n l e in Hamburg, war am Erscheinen leider verhindert. Hierauf wurde der Kursus durch Hauptkantor S. Neustadt im Namen beider Verbände mit einigen Worten an die Teilnehmer geschlossen. „Durch meine fast täglichen Inspizierungen", schreibt uns Herr Hauptkäntor Neustadt, „bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, daß der „Kantoren-Fortbildungskursus" eine dringende Notwendigkeit ist und zu einer ständigen Einrichtung ausgestaltet werden muß, wenn der junge Nachwuchs den Anforderungen des modernen Kantors einst gerecht werden soll. Hierzu bedarf es aber in erster Reihe der tatkräftigen Unterstützung der Gemeinden. Den Anfang hierzu machte bereits in diesem Jahre der Deutsch-israelitische Gemeindebund, welchem an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt sei, mit der Bitte, auch fernerhin dem Kantorenstande sein warmes Interesse zu bewahren. Möge dem jungen Kantor Gelegenheit geboten werden, seine in diesem Kursus empfangenen Anregungen und Belehrungen im nächsten Jahre fortzusetzen." w. Aus der Provinz Posen, im Juli. Posen. Unter zahlreicher Beteiligung der verschiedensten Bevölkerungskreise wurde der plötzlich aus dem Leben geschiedene Justizrat Joseph Man-- h e i m e r, Rechtsanwalt und Notar, zur letzten Ruhe bestattet. Im Trauergefolge bemerkte man den Oberbürgermeister Geheimen Regierungsrat Tr. Wilms, den Landgerichtspräsidenten Geheimen Oberjustizrat Tr. Münch, ferner viele Berufsgenossen des Dahingeschiedenen, den Vorstand und die Repräsentanten der Synagogengemeinde, die Verwaltungskommisston der Synagoge 6, Israelitische Brüdergemeinde, die Direktion der israelitischen Waisenknabenanstalt, Vertreter der städtischen Armendeputation, Stadtrar Plankemann, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Placzek, Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Aktienbrauerei Bavaria usw. In seiner tiefempfundenen Trauerrede rühmte Rabbiner Professor Dr. Bloch den Verblichenen als treusorgenden Familienvater, die Lauterkeit seines Charakters, seine menschenfreundliche Gesinnung, die ihn als Vorbild an Treue, Uneigennützigkeit und Hilfsbereitschaft erscheinen lassen. Sein Eifer und feine Pflichttreue werden in vielen Vereinigungen aufs schmerzlichste vermißt werden. Wegen der außerordentlich großen Beteiligung an der Beerdigung fand die Trauerfeier nicht in der Leichenhalle, sondern aus dem freien Platze des Friedhofes statt. Oberkantor Lilienthal trug stimmungsvoll einen Psalmengesang vor. Der Tahingeschiedene erreichte das Alter von 56 Jahren und war Mitglied der Repräsencantenversammlung der Synagogengemeinde, der Direktion der Israelitischen Waisenknabenanstalt, der jüdischen Altersversorgungsanstalt (Moritz Rohrsche Stiftung) in Bojanowo, der städtischen Armendeputation, Aufsichtsrat der Aktienbrauerei Bavaria usw. — Hierselbst fand der Führerkursus des Jungdeutschlandbundes im Regierungsbezirk Posen statt. Den Teilnehmern gab Herr Stadtrat K r o n t h a l bei Besichtigung des > Rathauses die notwendige historische Erklärung. — Herr

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