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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-07-31 · Heft 31 (31.7.1914) · p. Seite 365

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 31 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
Seite 365 (sequence 5)
Language
German
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365 Dezember auf 372 (167 Knaben, 205 Mädchen und weibliche Erwachsene) mit 11454 Verpflegungstagen. Von den Pfleglingen waren 201 badische (179 Kinder, 22 Erwachsene), 171 außerbadische (163 Kinder, 8 Erwachsene). Unentgeltlich oder mit ermäßigtem Verpflegungssatz wurden von den badischen 68, von den außerbadischen 48 ausgenommen. Die Gesamtzahl der außerbadischen mit 171 verteilt sich auf folgende Staaten: Preußen 63 (davon 51 aus Frankfurt a. M.), Bayern 16, Sachsen 2, Württemberg 14, Hessen 9, Elsaß-Lothringen 31, Schweiz 21, England 2, Algier 2, Rußland 1. Ueber die Aufgabe der Anstalt seien aus der Eröffnungsrede des leitenden Arztes folgende Sähe mitgeteilt: „Zweierlei Aufgaben sind es in der Hauptsache, die — soweit es die praktische Arbeit angeht — uns gestellt sind. Die eine ist die Aufgabe, die rekonvaleszente, schwächliche und erholungsbedürftige Jugend zu kräftigen und widerstandsfähiger zu machen gegen die Fährlichkeiten des Lebens. Es ist dies eine vorwiegend prophylaktische, eine krankheitsvorbeugende Arbeit in Gemäßheit des Wortes: Die beste Kur liegt in der Vorbeugung! Mehr denn je hat in den letzten Jahren die Weisheit dieses Wortes sich zur Beachtung und Befolgung durchgerungen, und. der darin enthaltenen Erkenntnis in erster Linie verdanken all nnsere modernen Jugenderholungseinrichtungen ihre Entstehung. Nicht früh genug kann diese Vorbeugung im gegebenen Falle einsetzen, sei es, daß es gilt, mit der Beseitigung von Resten und Folgezuständen früherer Krankheiten die darin enthaltene Anlage zu späteren Erkrankungen wegzuschasfen, sei es, daß solche Kranlheitsanlagen sich infolge von Entwicklungsstörungen oder äußerer Schädlichkeiten entwickelt haben. Vielfach dringt ja auch schon in frühesten Kinderjahren der Keim zu späterer Krankheit in den jugendlichen Organismus ein, um nach einem mehr oder minder langen schlummerhasten Lebenszustand bei der ersten besten den Menschen treffenden Schädigung sich zum verderbenbringenden Krankheitserreger zu entfalten. In allen solchen Fällen ist tatkräftiges Handeln am Platze, hier ist das Feld, auf dem die Anstalten von der Art der unserigen ihre segensreiche prophylaktische Aufgabe zu erfüllen haben. Mit gleichem Ernst, mit gleicher Sorgfalt aber werden wir uns dem anderen Zweig unserer Tätigkeit zuzuwenden haben, das ist die eigentliche Heilbehandlung schon bestehender Krankheiten. Vielfache Berührungspunkte verbinden diese beiden Aufgaben miteinander, besonders wenn es sich um Kinder handelt und um die Krankheiten, die den uns zu Gebote stehenden physikalischen Heilsaktoren zugänglich sind." Ich schließe diese kurze Skizze mit einigen Sätzen aus dem Geleitwort, mit dem die Schrift eröffnet wird, und wünsche, daß dieser Appell bei unseren begüterten Glaubensgenossen nicht unerhört verhalle. Die Sätze lauten: „Es ist klar, daß eine so umfangreiche Wohlfahrtsanstalt mit einem nicht bloß auf die Sommermonate und Ferienzeiten beschränkten Betrieb hohe finanzielle Aufwendungen erfordert und weitgehender Unterstützung der Menschenfreunde in der Nähe und Ferne bedarf. Diese zu organisieren, hat sich der Verein für das Friedrich-und-Luise-Hospiz zur Aufgabe gestellt. Wir sagen allen, die sich ihm aus den ersten Ruf angeschlossen haben, herzlichsten Dank, und wir glauben uns in der Erwartung nicht zu täuschen, daß eine immer steigende Anzahl von Glaubensgenossen, ungeachtet der vielfältigen sonstigen Anforderungen an die Wohltätigkeit, sich eine Ehre daraus machen wird, zum Wachsen und Gedeihen dieses umfassenden sozialen Unternehmens mitzuhelfen, das allen Familien, den begütertsten wie den bedürftigsten, reichen Segen zu spenden berufen ist. Eine allseitige Stützung dieses segensreichen Unternehmens wäre die schönste Feier des Ehrentages des Mannes, dem diese Zeilen in erster Linie gewidmet sind, des jungen Sechzigjährigen, dem es noch lange vergönnt sein möge, sich seines Wirkens zu freuen." L. G. Das Lriedrich-und-Luise-Hospiz"in Dürrheim. drrgs Lindheit. Von E.G u t, Frankfurt a.M. 3ulius Rodenberg, der 83 jährig am 11. Juli in Berlin sanft entschlafen ist, hat uns in seiner Schrift „Aus der Kindheit" I eine Reihe von Jugenderinnerungen überliefert, die uns in den Stand setzen, seine sympathische Persönlichkeit aus seinem heimischen Milieu heraus zu begreifen und zu beurteilen. Lange Jahre zögerte der Bescheidene, diese Blätter zu veröffentlichen. Erst die Aufmunterung der Frau Marie v. Ebner-Eschenbach brachte es zuwege, den damals schon 75jährigen zur Herausgabe des Büchleins zu bewegen. „Unsere Kindheit war voll von Frohsinn, und in jeder Art unschuldigen Vergnügens wurden wir von den Unsrigen gefördert." Diese Worte können als Leitmotiv seiner Erinnerungsblätter angesehen werden, denn es waren glückliche, heitere Jahre, die der Knabe in seinem hessischen Heimatstädtchen Rodenberg unter der Fürsorge kluger, religiös gesinnter Eltern und Großeltern verleben durste. Ein Hang zum Uebersinnlichen war dem Kinde eigen. Namentlich war es eine Betstube, die der jüdischen Gemeinde als Synagoge diente, die ihm stets, wenn er sie betrat, geheimes Beben verursachte. Dieser Raum wird uns treu geschildert. Er enthält eine Anzahl alter,' wurmstichiger Betstühle. Vor dem Allerheiligsten, worin sich eine Thorarolle befindet, hängt ein Vorhang von verschossener Seide mit silbernen Buchstaben bestickt. „Unter einem Betpult lagen schwere, in Leder gebundene Folianten, die wir anzurühren uns scheuten, während die mit Bildern reich verzierten, fibelartigen Bücher, die alle Jahre nur einmal, an den beiden ersten Abenden des Passahfestes, zum Vorschein kamen, eine unerschöpfliche Augenweide boten. Da sahen wir Moses mit den Tafeln des Gesetzes im Arm und den beiden Lichtstrahlen am Haupt, sahen wir Aaron in seinem priesterlichen Schmuck, alsdann die zehn Plagen im Aegypterland, den *) Berlin, Verlag von Gebr. Paetel.

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