Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1914)
- Date
- 1914-07-24
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Verstorben sind 14 Erwachsene (8 Männer, 6 Frauen) und 3 Kinder, welche sämtlich auf unserem Friedhofe beerdigt wurden. Die Gemeinde ist Mitglied des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes der israelitischen Religionsgemeinden im Königreich Sachsen und fördert durch Jahresbeiträge eine Reihe jüdischer Vereinigungen und Institutionen. Der bei dem Verband der israelitischen Religionsgemeinden im Königreich Sachsen bestehende Fonds zur Errichtung eines Altersbersorgungshauses betrug Ende 1913 5825,50 Mark. Am 6. Januar hielt die Konferenz der israelitischen Lehrer im Königreiche Sachsen ihre Jahresversammlung in Chemnitz im Sitzungssaale der Saxonia-Loge ab; zu derselben waren die israelitischen Lehrer unseres engeren Vaterlandes in ihrer Mehrzahl eingetroffen. Die Verhandlungen, an welchen, außer dein Vorsitzenden des Gemeindevorstandes Herrn Kommerzienrat L. Lad ewig und Herrn Rabbiner Dr. Fuchs, mehrere Mitglieder der Gemeindekvllegien und der Schulkommission teilnahmen, erweckten lebhaftes Interesse und zeugten von dem Streben unserer Lehrerschaft nach beruflicher Fortbildung im Dienste der Schule und des Judentums. Der Einweihung des neuen Soldatenheims zu Chemnitz am 16. November wohnte auf ergangene Einladung an den Vorstand als Vertreter desselben Herr Bernhard Kupferberg bei. Der hohe Festtag des 25jährigen Negierungsjubiläums Sr. Majestät d?s Kaisers Wilhelm II. am 15. Juni versammelte die Gemeinde zu einem erhebenden Festgottesdienst in der Synagoge. Ebenso wurde die Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober im Gottesdienste, welcher besonders feierlich ausgestaltet war, festlich begangen. Dem Freitag-Abendgottesdienste am 28. November hatten ans Befehl der Militärbehörde die jüdischen Rekruten der hiesigen Garnison, zwecks religiöser Vorbereitung auf den Fahneneid, beizuwohuen. Diese erstmalige Feier in unserer Gemeinde machte aus die Besucher des Gottesdienstes tiefsten Eindruck. Es fanden 11 Jugendgottesdienste statt. 13 Knaben wurden Barmizwoh; die Mädchen-Konfirmation fiel aus. Um denjenigen Gemeindemitgliedern, namentlich den Angestellten, die durch ihren Beruf , am Besuche des regelmäßigen Gottesdienstes verhindert sind, Gelegenheit hierzu zu geben, beschlossen der Vorstand und die Gemeindeverordneten die , versuchsweise Einführung eines zweiten Freitagabendgottesdienstes mit Predigt, Orgel und Chor, welcher alle 4 Wochen um SA Uhr abgehalten werden sollte. Hiervon wurden sämtliche Gemeindemitglieder durch Zirkular benachrichtigt. Es fanden 2 solcher Gottesdienste statt; dieselben waren indes nur schwach besucht. Tie Religionsschule Heinrich - Beck - Straße 121 wurde im Schuljahre 1912/13 von 190 Kindern (93 Knaben und 97 Mädchen) besucht; im Schuljahre 1913/14 betrug die Anzahl der Kinder 192 (90 Knaben und 102 Mädchen). Ter Unterricht in der Religionsschule wird Mittwoch und Sonnabend nachmittags in 7 nach Jahrgängen getrennten Klassen erteilt. Der Religionsunterricht sür die über 14 Jahre alten israelitischen Schüler der höheren Schulanstalten wurde im Schuljahre 1912/13 von 26 Schülern und 13 Schülerinnen, im Schuljahre 1913/14 im Sommer von 24 Schülern und 19 Schülerinnen, im Winter von 21 Schülern und 18 Schülerinnen besucht. Der Schulbesuch in der Religionsschule und iiu Fortbildungsunterricht war regelmäßig, nur in einem Falle war der Vorstand genötigt, bei der Direktion einer höheren Schulanstalt vorstellig zu werden, worauf alsbald Abhilfe erfolgte. Auswärts wurden durch unsere Lehrer 12 Kinder unterrichtet. Die Schülerbibliothek der Religionsschule (im Rabbinerzimmer der Synagoge) ist rege benutzt worden. Tie Gemeinde besitzt eine Anzahl Stiftungen, zu denen im Berichtsjahre die „Markus- und Rosa-Bernstein-Stiftung" zur Unterstützung würdiger und bedürftiger Witwen und Waisen der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde hinzugekommen ist. München, 17. Juli. In der Halle des neuen israelitischen Friedhofes versammelten sich am 10. d. M. zahlreiche Vertreter der Großindustrie und Handelswelt, sowie der Vorstandschaft der Kultnsgemeinde und eine fast unübersehbare Zahl anderer Trauergäste, darunter Oberbürgermeister Dr. v. Borscht, um dem verstorbenen Kommerzienrat M o r i tz B a l l i n die letzte Ehre zu erweisen. Rabbiner Dr. Werner betonte in der Gedächtnisrede, daß den Verstorbenen neben seiner geschäftlichen Tüchtigkeit vor allem ein seltener Wohltätigkeitssinn auszeichnete, den er namentlich auch innerhalb der Kultusgemeinde vielfach betätigte. An der Grabstätte, die eine Fülle von Kranzspenden zierte, ließ das Gesamtpersonal der Firma Ballin unter Worten des Dankes einen Kranz niederlegen. Von den übrigen Kränzen seien erwähnt die der Bayerischen Gartenbaugesellschaft, des Münchener Altertums- Vereins, der Bayerischen Vereinsbank und des kaufmännischen, technischen und Fabrikpersonals der Firma Ballin. — Der König und die Königin haben an die Familie des verstorbenen Kommerzienrats Ballin von Leutstetten aus ein Beileidstelegramm gerichtet. Ebenso ist durch das Hofmarschallamt des Kronprinzen der Familie Ballin ein Beileidstelegramm zugegangen. §2 Fürth, 17. Juli. Die Israelitische W a i s e n a n st a l t zählte im abgelaufenen Schuljahr 36 Knaben mb 17 Mädchen, demnach insgesamt 53 Zöglinge. Die in der Anstalt befindlichen Kinder haben in ihr sorgsame Pflege, Erziehung und Ausbildung und eine größere Zahl bereits ausgetretener weit in das Leben hineinreichende Fürsorge genossen. Von den Knaben wurden die meisten (32) der Mittelschule zugeführt; die Mädchen dagegen besuchten die städtische Volksschule und nur einzelne wenige die Töchterschule (2) und höhere Handelsschule (2). Die Mädchen von den häuslichen Berufen abzuziehen, ist, wie der Jahresbericht hervorhebt, jetzt um so weniger Anlaß gegeben, nachdem in den letzten Jahren laut Mitteilung der Stellenvermittlungsämter der Andrang zu Handelsgehilfinnen in ebenso großem Maße zugenommen, als die Aufnahmefähigkeit durch schlechten Geschäftsgang und wirtschaftliche Depression sich vermindert hat. Mit dem Ablauf dieses Schuljahres sind 150 Jahre seit Begründung der Israelitischen Waisenanstalt verflossen. Ihren Gepflogenheiten entspricht es nicht, durch feierliche und getragene Veranstaltungen an die Oefsentlichkeit heranzutreten. In emsiger, aber nach außen hin kaum bemerkbarer Tätigkeit hat sie auch das große Werk vorbereitet, das einen Wendepunkt in der Geschichte der Anstalt zu bilden bestimmt ist: die Neueinrichtung der Anstalt nach inodernen, hygienischen und sicherheitspolizeilichen Grundsätzen, zu deren Durchführung sie alsbald schreiten wird. — Metz, 17. Juli. . Das 25 jährige Jubiläum als Oberkantor an der Konsistorial-Shuagoge zu Metz beging vor kurzem Herr Moses Z i v y in geistiger und körperlicher Frische. Herr Zivy erfreut sich in allen Kreisen der Metzer Bürgerschaft wegen seiner lauteren Charaktereigenschaften großer Beliebtheit, und seine zahlreichen Freunde und Bekannten hatten den Tag dazu benutzt, um Herrn Zivy ihre Sympathien zum Ansdruck zu bringen. Der Jubilar stammt aus Mülheims Schon im Alter von 18 Jahren war er Kantor in Bern, genügte dann seiner Militärpflicht und kam nach Bischheim im Elsaß, wo er bis zu seiner Uebersiedelung (1899) nach Metz lebte. — Professor Z e l i g z o n, Lehrer am hiesigen Lyzeum, hat den Roten Adlerorden vierter Klasse erhalten. Zeligzon genießt nicht nur den Ruf eines trefflichen Schulmannes, sondern er hat sich als einer der Gründer und als Mitglied der Gesellschaft für lothringische Geschichte und Altertumskunde und als Verfasser einer Reihe demographischer Arbeiten um die Erforschung der Geschichte und Sprache Lothringens namhafte Verdienste erworben. Zeligzon wirkt am Lyzeum auch als Lehrer der hebräischen Sprache und war zehn Jahre lang Präsident des hiesigen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur. Grstrrreich-Angam. K. Wien, 17. Juli. Dir 'gesamte Tagespresse beschäftigt sich seit dem Ableben des gottseligen Erzherzogs Franz Ferdinand mit feinem Nachfolger, dem Erzherzog Karl Franz Josef, dem zukünftigen Träger der glorreichen Habsburgischen Krone. Es werden viele Episoden aus seinem Leben erzählt und daraus Schlüsse sür seinen edlen Charakter, seine wahrhaft humane und nicht voreingenommene Denknngs- und Handlungsweise und seine zukünftige politische Richtung gezogen. Unter anderem wird übereinstimmend folgende Begebenheit aus der Zeit des Aufenthaltes des Erzherzogs Karl Franz Josef und seiner Gemahlin Erzherzogin Zita in Kolomea (Galizien) berichtet: Das erzherzogliche Paar war von Kolomea im Automobil nach Nadvorna, einem galizischen Torfe, gefahren. Am Waldesrande ließ der Erzherzog, damals noch Rittmeister, seinen Kraftwagen stehen und kehrte mit seiner jungverheirateten Gemahlin in einer kleinen Wirtschaft, deren Besitzer ein Jude war, ein. Nachdem die Wirtin, eine einfache, schlichte Jüdin, für ihre Gäste gesorgt, setzte sie sich zum erzherzoglichen Paare und erzählte, sie habe einen Sohn, der auch in Kolomea diene. Für ihn habe sie fünf Kronen zusammengespart; ob wohl der Herr „Zugsführer" so freundlich wäre, dem Burschen das Geld zu übergeben. „Recht gern," sagte der Erzherzog, „wenn Sie mir das Vertrauen schenken"! Als sie die wohlabgezählten fünf Kronen brachte,