Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1914)
- Date
- 1914-07-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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78. Jahrgang. Nr. 30 Berlin, 24. Juli 1914 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". korrelMnLrnrm und Aachrichten. Deutschland. &&& Berlin, 21. Juli. Das neue Krankenhaus der Berliner jüdischen Gemeinde, über dessen feierliche Einweihung wir in Nr. 26 unseres Blattes ausführlich berichtet haben, bildet seit seiner Eröffnung einen Anziehungspunkt für viele einheimische und fremde Glaubensgenossen, die den stattlichen Bau mit seinen mustergültigen Anlagen in Augenschein nehmen möchten. Eine kurze Beschreibung dieses Hauses, das mit seinen Gärten, wie Bürgermeister Dr. Reicke treffend bemerkte, irn Norden Berlins einer schönen Insel gleicht, dürste besonders unseren auswärtigen Lesern willkommen sein. Am Haupteingang in der Exerzierstraße erhebt sich das einfach und zugleich vornehm gehaltene Verwaltungsgebäude, in dessen Erdgeschoß die Verwaltungsräume, Krankenaufnahme mit der Poliklinik, die Apotheke und die Zimmer für die beiden ärztlichen Direktoren sich befinden. Im Seitenflügel ist der einfache Betsaal untergebracht. Das Obergeschoß enthält unter anderem das Aerztekasino mit Rauch- und Bibliothekzimmer und Beamtenwohnungen. Neben dem Verwaltungsgebäude erhebt sich das Schwesternheim, das Wohnungen für die Oberin und hundert Schwestern und Schülerinnen, die in Zimmern für 1 bis 4 Personen untergebracht sind, und außerdem einen sehr freundlichen Speise- und Tagesranm und ein Unterrichtszimmer enthält. Im Untergeschoß sind die Küche und, mit direktem Zugang von außen, eine Badeeinrichtung für Schwestern, die von der Pflege infektiöser Kranken aus der Stadt heimkehren, errichtet. Hinter dem Verwaltungsgebäude befindet sich das Hauptkrankengebüude, das im Erdgeschoß die innere Station, im Hauptgeschoß die chirurgische und in der oberen Etage 12 Zimmer für Klassenpatienten und Wohnungen der Assistenzärzte enthält. Ueberall sind große Liegehallen vorhanden, die es gestatten, Patienten in ihren Betten den Genuß der frischen Luft zu ermöglichen, die durch das Vorhandensein großer Gartenanlagen und angrenzender Gärten eine besonders gute ist. Das Krankenhaus besteht aus einem Mittelgebäude und zwei Flügeln, in denen die Männer und Frauen getrennt untergebracht sind. Vom Mittelgebäude geht noch ein Mittelslügel ab, der im Erdgeschoß hydrotherapeutische Säle mit Zimmern für Massage, Schwitzbäder, Hochfrequenzelektrizität, in der chirurgischen Station die Operationsräume, einen mediko-mechanischen Saal, im zweiten Stock ein Röntgenlaboratorium und auf dem Dach ein Sonnen- und Luftbad enthält. Die hellen Operationssäle, ein kleinerer für septische, ein größerer für die anderen Operationen, sind mit allem hygienischen Komfort der Neuzeit eingerichtet und werden durch Zwischen den beiden Glaswänden zirkulierende Luft erwärmt, so daß die lästigen Zugerscheinungen durch Herabsinken kalter Luft an den Glasflächen beseitigt sind und eine gleichmäßige Jnnenerwärmung der Säle erreicht wird. Besondere Vorbereitungs- und Narkotisierungsräume sind selbstverständlich vorhanden. Auch fehlt nicht ein besonderes Zimmer für die Kystoskopre; genießt doch der Direktor der chirurgischen Abteilung, Prof. James Israel, auf dem Gebiete der Nierenchirurgie Weltruf. Sehr zweckmäßig sind die Räume für die Sterilisierung der Instrumente und Verbandstoffe angelegt. Die Krankensäle mit 16 Betten und die kleineren Krankenzimmer zu zwei Betten werden vom Licht durchflutet. Parallel mit dem Krankengebäude verläuft das Wirtschaftsgebäude mit Koch-, Waschküche und Maschinenraum, dessen Eingang in der Schulstraße liegt, so daß der Krankenhausbetrieb durch die Anfuhr der Materialien nicht gestört wird. Auch das danebenllegende Leichenhaus hat den Eingang in der Schulstraße, so daß der Leichentransport zum Friedhofe ungesehen von den Kranken vor sich gehen kann. Auch der Transport der Leichen von den Krankenstationen zum Leichenhaus geht ebenso vor sich, da er durch unterirdische Gänge, die das Leichenhaus mit den Stationen verbinden, geschieht. Im Keller sind Tierställe und die Leichenkammern, im Erdgeschoß zwei Sektionsräume und ein Zimmer für mikroskopische Untersuchungen, in der ersten Etage solche für bakteriologische, serologische und chemische Untersuchungen, während im Obergeschoß ein pathologisch-anatomisches Museum errichtet wird. Auf der anderen Seite des Wirtschaftsgebäudes erheben sich der Jnfektionspavillon für Masern-, Scharlach- und Diphtheriekranke und eine Quarantünestation. Die Zugänge zu diesen Abteilungen gestatten einen völligen Abschluß der einzelnen Pavillons. Im ganzen sind dort 30 Betten vorhanden. Ebensoviel Betten enthält der gynäkologische Pavillon mit der Entbindungsanstalt, die Prof. Gottschalk untersteht. Im Erdgeschoß befindet sich die Entbindungsanstalt mit 10 Betten, in einem Flügel des Gebäudes die Säle für aseptische und septische Entbindungen, denen im oberen Geschoß die Operationsräume für gynäkologische Operationen entsprechen. Die ganze Anlage, die für 230 Betten bestimmt ist, deren Zentralanlagen aber so eingerichtet sind, daß eine Erweiterung der Anstalt ins Auge gefaßt ist, kostet 3% Millioneu Mark, während für die innere Einrichtung 349 000 Mark augefetzt sind. Die jüdische Gemeinde, schrieb die „Voss. Ztg." in Nr. 303 d. I., hat mit diesem allen Anforderungen der Krankenfürsorge und der Wissenschaft entsprechenden Krankenhause ein mustergültiges Werk geschaffen, das dem weiten Blick und der Hochherzigkeit der Behörden der jüdischen Gemeinde, die ihre Bedürfnisse nur ans eigener Kraft aufbringt, alle Ehre macht. §2 Graudenz, 17. Juli. Der Verein jüdischer Religionslehrer und Kantoren in West Preußen hielt seine 18. Jahresversammlung in Graudenz im Sitzungszimmer der Synagogengemeinde unter der Leitung des Lehrers Mannheim, Graudenz, ab. Die Versammlung war von allen Teilen der Provinz gut beschickt. Kaufmann Kiewe begrüßte die Erschienenen namens des Gemeindevorstandes, Herr M. Jakubowski namens der Repräsentanten, Dr. Jacob namens des Schulvorstandes und des Jugendbundes. Herr Mannheim hielt eine Ansprache, die mit einem Kaiserhoch schloß. Der Geschäftsbericht schilderte, daß die Auskunftei, die Stellenvermittlung und die Raterteilung durchweg stark benutzt werden. Der jüdische Lehrerverband hat für alle Fälle der Not eine Unterstützungskasse ins Leben gerufen, die nach kaum einjährigem Bestehen bereits 1600 Mark besitzt. Auf seine Veranlassung ist eine Eingabe an den Landtag eiugereicht worden, die Steuerfreiheit der Geistlichen der beiden herrschenden Konfessionen auch auf Rabbiner und Kultusbeamte auszudehnen. Es ist begründete Aussicht vorhanden, daß die Novelle des Kommunalabgabengesetzes diese berechtigte Forderung erfüllt. Der Kassenbericht des Herrn Rynarzewski, Pr.-Stargard, balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 285,52 Mark. Es folgte darauf ein von der Gemeinde gebotenes Frühstück, das durch eine Reihe von Toasten gewürzt wurde. An Stelle des verstorbenen Geisenberg, Marienwerder, wurde Herr Mannheim einstimmig als 1. Vorsitzender gewählt, zum 2. Vorsitzenden und Schriftführer Waisenhausinspektor Blumenfeld, Graudenz. Herr Mannheim wurde in den Verbandsvorstand, als Delegierter für den Verbandstag Herr Rynarzewski,Pr.-Stargard, als dessen Stellvertreter Ehaim, Thorn, gewählt. Es folgte eine freie Aussprache über Standes- und Schulangelegenheiten. Die nächste Versammlung soll Pfingsten 1915 in Danzig stattfinden. Herr Weinmann, Briefen, hat ein pädagogisches Referat dazu übernommen. W. Posen, 17. Juli. Vor mehr als 20 Jahren stiftete Moritz R o h r in Breslau zur Erinnerung an seine verstorbenen Eltern einen Betrag von 600 000 Mark mit der Bestimmung, daß m Posen ein Krankenhaus erbaut werden soll. Der Stistnngsbetrag wurde der hiesigen Synagogengemeinde zu diesem Zwecke mit der Maßgabe überwiesen, daß das Krankenhaus die Bezeichnung „Jüdisches Krankenhaus Abraham- und Henriette-Rohrsche-Stiftung" führen soll. Das Stiftungskapital ist durch Spenden von anderer Seite bedeutend verstärkt werden. Die aus den Gesamtlegaten fließenden Einnahmen, welche zur Bestreitung der Ausgaben verwendet werden, reichen zu letzteren nicht aus, es muß vielmehr die hiesige Synagogengemeinde einen erheblichen Zuschuß leisten. Die Anstalt ist in der Glacisstraße ans einem vier Morgen, großen- Grundstücke belegen, wovon ein Morgen bebaut ist. Das Krankenhaus hat -einen Borgarten und einen großen Hintergarten; ferner ist noch ein an der Königsstraße gelegenes, drei Morgen großes unbebautes Gartenland vorhanden. Das Gebäude