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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-07-17 · Heft 29 (17.7.1914) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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beten Enge, jetzt noch umgeben von grünenden Gärten, über die hinweg der Blick in die Mainebene sreigegeben ist, erhebt sich das neue Krankenhaus, das die Israelitische Gemeinde aus ihren Mitteln und unterstützt von der Opserwilligkeit ihrer Mitglieder erbaut hat. Mit diesem Hospital ist Frankfurt um ein Krankenhaus bereichert, das, mit allen Erfahrungen der modernen Krankenhaustechnik errichtet, neben seiner Zweckmäßigkeit auch alle Anforderungen, die vom ästhetischen Standpunkt aus gestellt werden können, erfüllt. Ter erbauende Architekt Noeckle, dessen Entwurf seinerzeit preisgekrönt aus dem Wettbewerb hervorgegangen ist, hat es meisterhaft verstanden, in der äußeren Formengebung und in der Anordnung des gesamten Komplexes bei dem Besucher und den Patienten zunächst nicht den Eindruck nuskommen zu lassen, daß er sich in einem Krankenhaus befindet. Der Bau, dessen Ausführung knapp drei Jahre in Anspruch genommen hat und bei der dem Architekten der bei Krankenhauseinrichtungen bewährte Architekt V o g g e n b e r g e r zur Seite gestanden hat, ist nicht nach dem sogenannten Pavillonsystem erbaut; sämtliche Kranke, mit Ausnahme der an Infektionskrankheiten leidenden, für die ein besonderes Haus errichtet ist, sind in einem dreistöckigen Gebäude untergebracht. Das Krankenhaus ist zurzeit für 130 Betten eingerichtet, bietet aber die Möglichkeit der Vergrößerung. Was dem Beschauer zunächst auffällt, und was auch von dem Preisgericht gebührend hervorgehoben wurde, ist die Großzügigkeit der Anlage, die die Gebäude um einen großen Binnenhof gruppiert und neben den Anforderungen der Hygiene denen der Betriebstechnik und der praktischen Notwendigkeiten gerecht wird. Der Hauptzugang zu dem Krankenhaus erfolgt von der Wittelsbacher-Allee aus durch die Durchfahrt des Verwaltungsgebäudes, das durch diese in zwei Flügel geteilt wird. In dem rechten Flügel befinden sich die Räume für die Verwaltung, sowie die Untersuchungszimmer für die neu eintretenden Kranken. Der linke Flügel beherbergt in seinem Erdgeschoß die zahlreichen Zimmer für die Behandlung poliklinischer Patienten. In der gleichen Achse, getrennt durch den mit gärtnerischen Anlagen versehenen Binnenhos, befindet sich das Wirtschaftsgebäude, in dessen einer Hälfte im Erdgeschoß die Küchenräume untergebracht sind, während die andere die Wäscherei enthält. Beide sind mit den neuesten Apparaten ausgestattet, wie z. B. mit elektrischen Haushaltungsmaschinen, mit Kulissentrockenapparat usw. und mit einer Entlüftungs- und Entnebelungsanlage versehen. Im gleichen Gebäude ist auch die Desinfektionsanlage eingebaut, die die Desinfektion ganzer Betten gestattet. Das Hauptgebäude, das in langgestreckter Hufeisenform rechtwinklig zum Verwaltungsgebäude im nördlichen Teil des Gartens gelagert ist, ist dreigeschossig und enthält im Erdgeschoß die Räume für die chirurgischen Kranken und die Frauenkrankheiten; im ersten Stock ist die innere Abteilung und im zweiten Obergeschoß ist die Abteilung für Privatkranke. Hier kann außer den Hospitalärzten jeder Arzt die sich ihm anvertrauenden Patienten selbst behandeln. Es wurde deshalb neben dem Operationsraum für den dirigierenden Chirurgen noch ein zweiter für die Aerzte der Stadt und für den Chefarzt der Frauenabteilung eingerichtet. Im allgemeinen wurde von der Herstellung großer Krankensäle Abstand genommen; nur je zwei Säle der medizinischen und chirurgischen Abteilung enthalten neun Betten; die übrigen kleinen Säle enthalten sechs bis vier Betten neben der größeren Zahl von Einzelzimmern. Durchweg wurde auf Behaglichkeit Wert gelegt, soweit es die bis ins äußerste durchgeführte Hygiene zuließ. Tageräume und Loggien gestatten in großem Umfang den Aufenthalt außerhalb der Krankenzimmer. Eine wichtige Neuerung bedeuten die beiden Sonnenbäder auf der Höhe des Daches. Nach Süden gelegen, bieten sie eine wundervolle Aussicht über Berg und Tal, über Wald und Wiesen. Die Korridore sind mit schalldämpfendem Korklinoleum belegt und die Türen mit Filz abgedichtet und schalldicht konstruiert. Mit größerem Komfort ist die Privatabteilung ausgestattet; einzelne Zimmer haben ihre eigenen Baderäume. Die Operationsräume sind nach den strengsten Regeln der Asepsis gebaut, alle Hilssräume, wie das Röntgenzimmer, mit den modernsten Apparaten ausgestattet. Das Hauptgebäude enthält im Souterrain die Anlage für die Hydro- und Mechanotherapie, die ebenfalls mit allen modernen Apparaten ausgeführt werden kann; ebenda sind auch die chemischen, bakteriologischen Laboratorien untergebracht. Sämtliche Räume werden durch eine Ozonisierungsanlage entlüftet und durch eine Pulsions-Warmwasseranlage geheizt, die ihre Zentrale im Wirtschaftsgebäude hat. Nach Süden zu ist das Jnfektionsgebäude errichtet. Es enthält in vier Abteilungen dreißig Betten, hat im Erdgeschoß eine große vorgelagerte Liegehalle und in den oberen Geschossen verandenartige Tageräume. Im Erdgeschoß ist die für Jnsektionsräume zu fordernde „Schlensenanlage" sorgfältigst durchgeführt. Eine zweckmäßige Neuerung weisen die Türen auf, deren obere Füllung für sich geöffnet werden kann, so daß eine ausgedehnte Kontrolle ohne jedesmaliges Betreten der Krankenzimmer möglich ist. Die Speisenzutragung geschieht in der Weise, daß die Speisen von der Gartenseite des Hauses aus durch eine Tür in die Speisenaufzüge hineingereicht werden, ohne daß der Zuträger den Pavillon betritt. Das Krankenhaus gereicht der Israelitischen Gemeinde und der Stadt zur Ehre uiib Zierde; möge es seinen Zweck erfüllen, ben Kranken zum Heile zu gereichen! £££ Karlsruhe, 10. Juli. Ein aus befaiinten Persönlichkeiteu bestehendes Komitee richtet an die Oesfentlichkeit folgenden Ausruf: „Am 25. Juli d. I. feiert der Geheime Oberregierungsrat Dr. David Mayer, Mitglied des Gr. Oberrats der Israeliten in Karlsruhe, seinen sechzigsten Geburtstag. Es bedarf nicht vieler Worte, um die Verdienste hervorzuheben, die er sich in dieser Stellung um die Judenheit Deutschlands überhaupt erworben hat. In einer langen Reihe von Jahren hat er, in dessen Hand tatsächlich die Geschäftsführung des Oberrats liegt, die Organisation des badischen Judentums nach allen Seiten hin ausgebaut und namentlich die synodale Seite derselben neu geschaffen. Die Bemnten und Angestellten der Religionsgemeinschaft verdanken feiner Tatkraft eine erhebliche Verbesserung ihrer Stellung. Alls allen Berwaltuugsgebieten ist unter seiner Leitung eine wohlgefügte Ordnung errichtet lvorden. Ohne Uuterschied der religiösen Richtung werden auch die hohen Verdienste anerkannt werden, die der Jubilar sich aus sozialem Gebiete erworben hat; die Errichtung des Dürrheimer Friedrich-Luisen-Hospizes, das über die Grenzen Badeils hinaus jüdischen Kindern Gesundheit und Lebensfreude bringt, und die trotz aller Schwierigkeiten aus den össentlichen und Privaten Mitteln erfolgte finanzielle Fnndamentierung der Anstalt sind in erster Reihe seiner unermüdlichen Tätigkeit und seinem allen voranleuchtenden Opfersinn zu danken." Das Komitee fordert zu Spenden behufs Aufbringung eines Kapitals ans, das dem Jubilar zu seinem Ehrentag übergeben werden soll, damit dann eine Dr.-David-Mayer-Stistuug zur Förderung des Friedrich-Luisen-Hospizes errichtet werde, nud zwar in erster Linie zur Schaffung von Freibetten für arme Kinder. Beiträge für diesen Fonds nehmen die folgenden Mitglieder des Komitees entgegen: Rabbiner Dr. Appel, Jonas Ettling er, Wilhelm Bär, Rechtsanwalt Dr. Al. Straus in Karlsruhe, Eduard B a u e r, Max G o l d s ch m i d t, Rechtsanwalt Tr. H a ch e u b u r g , Rabbiner Dr. Stecke lma che r in Mannheim, Rechtsanwalt Tr. Kaufm a n n , Rabbiner Tr. P i n k u s in Heidelberg, Geheimrat Prof. Dr. R o s i n in Freiburg, Rechtsanwalt Dr. K a n d e r in Pforzheim. * Frankreich. Z. Paris, 10. Juli. Am 28. v. M. hat unter dem Vorsitz des Herrn Fr. P h i l i p P s o n die Generalversammlung der „I e w i s h Colonization A s s o c i a t i o n" stattgesunden. Anwesend waren-die Herren: L. Cohen, P. Errera, Herbert G. Lonsada als Vertreter der „Anglo Jewish Assoeiation"; S. Re in ach; Kommerzienrat C. L. N etter als Vertreter der Gemeinde Berlin; Fr. Philippson als Bertreter der Gemeinde Brüssel; Justizrat Dr. I. Blau als Vertreter der Gemeinde Frankfurt a. Ni.; Tr. A. Netter als Vertreter der „Alliance Jsraelite Universelle" und Dr. James Simon- Berlin. Herr Leven, Präsident des Verwaltungsrates, hatte sich entschuldigen lassen, ebenso Herr El. G. Montesiore. Anwesend waren auch die Herren: S. Sonnenseld, Ehrendirektor; E. Meyerson und L. Oungre, Direktoren; E. Schwarzseld, Sekretär; W. Auerbach, H. Franck, E. Mayer. A. Schmoll. Der Herr Präsident konstatiert, daß die Versammlung regelrecht zusammengesetzt ist. Nach der Genehmigung des Protokolls über die Versammlung vom 29. Juni 1913 legt der Präsident dem Vorstand den Jahresbericht über die Tätigkeit der Gesellschaft während des Jahres 1913 vor; ebenso die finanzielle Bilanz des Geschäftsjahres und den Bericht des vereidigten Sachverständigen, der die Rechnungen geprüft hat. Sämtliche Aktenstücke werden von der Versammlung genehmigt.

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