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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-07-17 · Heft 29 (17.7.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Übungen dev Hamburger Turner leitete, damit die Mitglieder, nötigenfalls als Freiwillige mit zur Befreiung Schleswig-Holsteins eintreten könnten. Zu einer Verwendung dieser Freiwilligen kam es indessen nicht, da die kriegerischen Ereignisse des Tages von Düppel mib Alscn die Verwendung Freiwilliger nicht mehr erforderten. Gleich bei Beginn der Feindseligkeiten war Cohnheim, der mu 7. November 1840 in Temmin in Pommern geboren war, als Unteroffizier im Braunschweigischen Infanterieregiment N. 64 wieder zu den Waffen gerufen worden. Bei der Erstürmung der Düppeler Schanzen tat er sich durch mutvolles Verhalten rühmlichst hervor, so daß er dort zum Vizeseldwebel befördert wurde. Bei dem U e b e r g a n g e il ach A l s e n , dessen Gedenken heute überall im deutschen Vaterlande gefeiert wird, befand sich Cohnheim in einem der ersten Boote, die vom Satrupholz gegen das feindliche Ufer abstiesien, und kam glücklich durch allen Kugelregen hjndurch, bis beim Vorwärtsstürmen gegen die zur Verteidigung heranrückenden Dänen an einem Knick bei dem Dorfe Kjar seinem Leben ein Ziel gesetzt ward. Dnrch einen Bruder, der als Arzt in demselben Regiment diente, lvar schon eint Mittag die Todesnachricht in Hamburg bekannt, und sofort stand bei zweien seiner Freunde und Turngenossen, Gustav Herbst und Albert Goldschmidt, die Absicht fest, die Leiche des Freundes aufzusuck)en, um sie möglichst nach Hamburg zu überführen. Unter Ueberlvindung außerordentlicher Schwierigkeiten gelang dieser erhebende Freundschaftsdienst. An einem Knick beim Dorfe Kjar liegend, im Tode noch den Degen in der Hand, so wie er seine Mannschaft vorwärts geführt hatte, fanden ihn die Freunde. Am 1. Juki traf der blumengeschmückte Sarg in Altona ein, von wo die Uebersührung nach der Turnhalle der Hamburger Turnerschaft von 1816 erfolgte. Hier wurde die Leiche aufgebahrt, an der auch dann Turner die Totenwacht hielten. Am Nachmittag des 4. Juli fand die feierliche Bestattung aus dem israelitischen Friedhose auf dem Grindel statt. Zur Erweisung der militärischen Ehren lvar eine Kompagnie des königlich preußischen Leibregiments mit der Musik erschienen, die dem mit Helm und Degen und einer Fülle von Kränzen mit Schleifen in den Turnerlind schleswig-holsteinischen Farben geschmückten Sarg das Ehrengeleit gäben. In langem geordneten Zuge folgten die Mitglieder der Hamburger Tnrnerschaft von 1816 unter Führung des damaligen Turnwarts F. L. Nirrnheim, ferner eine Abordnung des Vereins für Schleswig-Holstein mit ihrem Präsidenten Tr. Hermann May sowie alle dienstfreien preußischen Offiziere aus Hamburg und Altona. Am Grabe widmeten der Rabbiner Dr. Frankfurter, ferner der Turnwart Nirrnheim sowie Tr. May dem für das Vaterland Gefallenen wehlnütige Worte des Abschiedes und des Tankes. Als letzter Scheidegrnß krachten die drei Salven über das Grab des Entschlafenen. Seinen Grabstein ziert die Inschrift: „Aus friedlicher Beschäftigung zluu Dienst des Vaterlandes berufen, fiel er am 29. Juni 5624 als Vizefeldwebel des königlich preußischen 64. Infanterieregiments, von einer feindlichen Kugel durch die Brust getroffen, einer der Ersten, die den befreiten Boden Alsens betreten hatten. — Ihm lvar das schöne Los beschieden, daß sein Herz immer für das erglüht war, wofür er stritt, und daß der Kamps ihm überall der Weg zum Sieg ward. Auch um des Gefallenen Schläfe ist der Lorbeer des Sieges gewunden. — Um ihn weint nicht bloß der Schmerz derer, die ihm nahe standen und darum liebten. Auch das Vaterland weiht solchem Sohne ein ehrendes Gedenken." Gegen dieses Grabmal lehnt eine einfache, weiße Marmortafel, die aus freiwilligen Beiträgen der Turnerschaftsmitglieder damals gestiftet wurde, mit dem schlichten Wortlaut: „Ihrem Albert Cohnheim in dankbarer Anerkennung seines Strebens und Wirkens: die Hamburger Tnrnerschaft von 1816." Wilhelmshaven, 10. Juli. Die Grundsteinlegung zur neuen Synagoge der hiesigen israelitischen Gemeinde, welche, wie bereits mitgeteilt, am Mittwoch, den 24. Juni stattfand, war mit einer weihevollen Feier verbunden, an der neben den Mitgliedern der Synagogengemeinde Vertreter der Militär- und Zivilbehörden, der Geistlichkeit aller Konfessionen und der Presse teilnahmen. Die Weiherede hielt Herr Landrabbiner Dr. Hoff mann - Emden. Darauf verlas Herr I. Müller, Vorsteher der israelitischen Gemeinde Wilhelmshaven, die Urkunde über die Gründung der neuen Synagoge. Sodann wurde das Dokument, verschiedene neue Reichsmünzen mit dem Bilde des Deutschen Kaisers, sowie jüdische und sonstige Tageszeitungen in die Urne gelegt und diese vom Architekten Freigang - Wilhelmshaven, dem Erbauer der neuen Synagoge, im Grundstein vermauert. Hierauf bestieg der Großherzoglich Oldenburgische Landesrabbiner Dr. Mannheimer die Kanzel und begrüßte in einer gehaltvollen Rede die Ehrengäste. Als dritter Festredner bestieg der Lehrer der hiesigen Shnagogengemeinde, Herr Siegfried Wetzl e r, das Rednerpult und feierte in schönen Worten die Friedensliebe. Sodann sprach Herr Dr. H o s f m a n n das Schlußwort und wünschte dem Bau Gottes Segen und Schutz. Den Schluß des erhebenden Festaktes bildeten die üblichen drei Hammerschlüge der Vertreter der Behörden und der Gemeindevorstünde. Die neue Synagoge wird sich als ein herrlicher Kuppelbau repräsentieren und somit eine Zierde unserer Stadt werden. Die Kosten stellen sich auf zirka 90 000 Mark. Wilhelmshaven-Rüstringen ist eine unserer jüngsten jüdischen Gemeinden und zählt zurzeit zirka 60 Familien. A. Nürnberg, 10. Juli. Am 1. d. M. waren es 25 Jahre, daß Herr Lehrer Moses R ü l f in den Dienst der Gemeinde Nürnberg trat. Derselbe hat in dieser langen Zeit nicht nur sein Amt als Lehrer wie als Gemeindesekretär in geradezu vorbildlicher Weise bekleidet, sondern er hat sich als Persönlichkeit die Sympathien der ganzen Gemeinde in hervorragendem Maße zu erwerben gewußt. Der Jubilar wurde an seinem Ehrentage ganz besonders geehrt und gefeiert sowohl von der Gemeindeverwaltung und deren Beamten, als auch von zahlreichen Gemeindemitgliedern. Die Gemeindeverwaltung ließ ein wertvolles Oelgemälde von Wilhelm Ritters Meisterhand, welches ein Stück Alt-Nürnberg mit der Synagoge im Hintergrund darstellt, durch eine Abordnung überreichen. Der zweite Vorstand der Gemeinde, Herr Schuldirektor G o nl b r i ch, gedachte hierbei der Verdienste und des Pflichteifers des Jubilars sowohl in der Schule wie im gemeindlichen Verwaltungsdienste. Er betonte, wie Herr Rülf mit feinem pädagogischen Takt die vielen Hindernisse zu überwinden wußte, welche dem jüdischen Religionsunterricht vielfach in den Weg gelegt werden, und wie er das Amt des Gemeindesekretärs durch sein liebenswürdiges und konziliantes Wesen sowohl zur Zufriedenheit der Gemeindeverwaltung wie der Gemeindemitglieder auszuüben verstand. Die Beamten und Lehrer gratulierten unter Führung des Herrn Rabbiners Dr. Freudenthal, welcher in deren Namen eine Bronzestatue, Moses darstellend, unter anerkennenden Worten der Wertschätzung übergab. Herr Rülf dankte mit tiefer Rührung den anwesenden Herren sowohl für die Ehrung als auch insbesondere für die ihm jederzeit erwiesenen Beweise des Vertrauens und des Wohlwollens. A. Nürnberg, 10. Juli. Ein Jubiläum seltener Art feierte am 4. Juli unser Glaubensgenosse Herr Meier May, nämlich das der 40jährigen aktiven Tätigkeit bei der Chevra kadischa, deren Vorstand und Leiter er ebenfalls schon seit vielen Jahren ist. Auch bekleidet Herr May außer vielen anderen Ehrenstellen im jüdischen Gemeinde- und Wohltätigkeitsdienst das Amt eines zweiten Vorsitzenden des israelitischen Wohltätigkeitsvereins. Der Jubilar, welcher sich ob seines schlichten, geraden und bescheidenen Wesens der größten Wertschätzung in weitesten Kreisen erfreut, war an diesem Tage der Gegenstand vielfacher Ehrungen. Vertreter der KultuDgemeinde, des Wohltätigkeitsvereins, des Hilssvereins-, des Fraüenvereins sowie auch der Gemeinderabbiner, Herr Dr. Freudenthal, hatten sich zu einer kleinen Feier eingefunden. Herr Lazarus Kohlmann übergab namens der Verwaltung des Wohltätigkeitsvereins mit warmen, aus tiefstem Herzen kommenden Worten einen silbernen Pokal und rühmte Herrn May als leuchtendes Vorbild treuer und selbstloser Pflichterfüllung, als einen Mann, dessen Namen in der ganzen Gemeinde mit hoher Achtung genannt werde. Nachdem auch Herr Dr. Freudenthal in einer Ansprache dem Jubilar Glück und Segen gewünscht hatte, dankte der Gefeierte den anwesenden Herren und Damen für ihre große Aufmerksamkeit. Mögen Herrn May noch lange Jahre des Glückes und der Gesundheit beschieden sein, und mpge sein Beispiel der treuen und selbstlosen Ausübung des frommen Liebeswerkes an Toten recht viel Nachahmung in Gegenwart und Zukunft im Judentum finden! — Frankfurt a. M., 10. Juli. An der Bornheimer Landwehr, an der Peripherie der sich weitenden Stadt und herausgehoben auS

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