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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-07-17 · Heft 29 (17.7.1914) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
Seite 347 (sequence 11)
Language
German
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347 den Anfängen einer wirklichen Emanzipation kann man erst seit 1865 sprechen. In diesem Jahre bestand die Gemeinde aus 40 Familien mit 300 Personen, die sich im Jahre 1870 auf 429 vermehrten. Vollkommene Glaubensfreiheit wurde erst im Jahre 1875 gewährt. Urkundliche Beilagen machen den Schluß der achtungswerten, fleißigen, ohne jede Deklamation rein sachlich geschriebenen Arbeit. L. G. * — Der Weg zum Weltfrieden im Jahre 1913. Pazifistische Chronik. Zusammengestellt von Alfred H. Fried. Berlin, Wien, Leipzig. Verlag der Friedens-Warte. Als Neujahrsgruß vom Verfasser. Nur des Verfassers wegen, der zu den unserigen gehört, sei diese kleine Schrift angeführt. Denn Jüdisches kommt darin nicht vor. Es werden vielmehr nach einer Einleitung des für die Friedensidee unermüdlich kämpfenden Verfassers die wichtigsten Ereignisse aus der Friedensbewegung des vergangenen Jahres mitgeteilt. Worte machen es freilich nicht, und die Diplomaten lassen sich in ihre Arbeit, die ja freilich dem Weltfrieden dienen soll, aber häufig genug zum Kriege führt, nicht von den Friedensfreunden dreinreden. Aber die Verteidiger der Friedensidee sind so ideal gesinnte Männer, daß es immer eine Freude ist, von ihren Bestrebungen Kenntnis zu geben. — Samuel Oppenheimer u n d sein Kreis. (Ein Kapitel aus der Finanzgeschichte Oesterreichs.) Von Dr. Max Grunwald. Von der Nappaport-Stiftung gekrönte Preisschrist. Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüller. 1913. Preis: 6 M. — 7 K 20 H. Es sind im wesentlichen drei Persönlichkeiten, die in diesem Buche behandelt werden, einem Buche, das übrigens den 5. Band der „Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Oesterreich, herausgegeben von der historischen Kommission der israelitischen Kultusgemeinde in Wien" bildet. Die drei Persönlichkeiten, um die es sich handelt, sind: Samuel Oppenheimer, Emanuel Oppenheimer, Simson Wertheimer. (Die anderen weniger bedeutenden Persönlichkeiten, die gleichfalls ausführlich geschildert sind, sollen hier nicht erwähnt werden.) Das Buch ist, wie alle früheren Arbeiten des sehr verdienstvollen Gelehrten und gründlichen Historikers, nach Aktenstücken gearbeitet, die hauptsächlich dem Hofkammerarchiv in Wien entnonunen sind. Auch andere handschriftliche Quellen und natürlich alles erreichbare gedruckte Material ist zu Rate gezogen. Es handelt sich in diesem höchst wichtigen Buche um Finanzgeschäfte großer Art. Wenn man die Zusammenstellung, S. 71 ff., liest, eine Zusammen, stellung der Gegenden, aus denen und für die Oppenheimer lieferte und der Gegenstände, mit deren Lieferung er sich beschäftigte, zum Beispiel Pulver, Salpeter, Waffen, Bücher, Wolle, Dragonerstiefel, Pferde, Flöße, Getreide, Mehl, Ochsen, Heu, Hafer, Spezereien und Branntwein, so muß man über das ungeheure Gebiet und über die Riesenverbindungen dieses jüdischen Händlers, der ein Großkaufmann und Armeelieferant großen Stils war, erstaunen. Der Fleiß des Autors verdient die größte Anerkennung. Es ist erstaunlich, wie er, ein gelehrter Rabbiner, sich in die Details kaufmännischer und finanzieller Unternehmungen hineingearbeitet hat. Es ist eine Freude, den anschaulichen Schilderungen zu folgen, die freilich neben Günstigem auch sehr viel Ungünstiges, neben Erfreulichem auch sehr viel Unerfreuliches zu melden haben. Um so höher ist es anzuerkennen, daß Grnnwald mit voller Objektivität berichtet und nicht etwa bemüht ist, seine Helden als unantastbar zu bezeichnen und seine Gegner schlecht zu machen. Das Werk ist von besonderem Interesse für den Kulturhistoriker, aber auch für den, der namentlich politische Geschichte der Juden im einzelnen erwägt. Der Literarhistoriker kommt weniger auf seine Kosten. Einzelne Notizen, wie S. 148 ff., zeigen, daß Samuel Oppenheimer Bildung besaß, die Wissenschaft förderte und gelegentlich zum Schutze seiner Glaubensgenossen gegen antisemitische Werke auftrat. Einem solchen Werke gegenüber, bcfjcu Quellen man nicht zu prüfen vermag, darf man nicht als Kritiker gegenübertreten, sondern muß als Lernender den reichen Gewinn bezeugen, den man aus diesen unendlich fleißigen, gründlichen Zusammenstellungen und Darlegungen selbst gezogen hat. Natürlich kann hier die Darstellung keine recht kunstvolle sein, da das spröde Material einer solchen Bearbeitung widerstrebt. Gar häufig überwuchern die Anmerkungen den Text bei weitem; vielleicht hätten solche Ausführungen in einem Anhang zusammengestellt werden können. Aber auch ein solcher Wunsch soll keine Kritik sein; man nulß dem Verfasser für seine Gabe außerordentlichen Dank wissen. Das; der gelehrte Herausgeber neben seinem anstrengenden Berufe noch so vieles schassen kann, das ungeheure Vorarbeiten nötig macht, ist geradezu bewundernswert. L G * — Publications ofthe American JewishHistor i c a 1 Society. Number 21. The Lyons Collection, Volume 1. Publislied by the Society. 1913. Jeder Band dieser bedeutenden Publikation erfüllt mich mit einem gewissen Neid. Wo ist bei uns in Deutschland eine jüdisch-historische Gesellschaft, die derartige Werke ausschließlich über die Geschichte der Juden des Landes veröffentlicht (höchstens könnte die Wiener Gemeinde für uns als nachahmenswertes Beispiel gelten). Der vorliegende Band ist gleich seinen Vorgängern trefflich ausgestattet. Der Druck ist ausgezeichnet, sehr 'schöne Bilder, Porträts, Landschaften, Grabsteine, Handschriftenfaksimiles sind in reicher Fülle beigegeben. Der Band unterscheidet sich von seinen Borgängern dadurch, daß er nicht wie jene eine Reihe von Einzelabhandlungen oder Quellenveröffentlichungen, sondern durch die Mittel einer besonderen Stiftung ein abgeschlossenes Werk darbietet. Er enthält die frühesten Urkundenauszüge der spanischen und portugiesischen Gemeinde von New Uork, eine Darstellung der Geschichte dieser Gemeinde, geschrieben von Naphtali Philips, und die Rede des Majors Mordechai M. Noah, die im Jahre 1825 gehalten wurde bei der Grundsteinlegung der Stadt Ararat, die als Zufluchtsort für die Juden in der Nähe von Buffalo (New Uork) errichtet werden sollte. Das gesamte Material der ersten Abteilung ist von Jacques I. Lyons zusarnmeugebracht, der viele Jahre Geistlicher der spanisch-portugiesischen Gemeinde in New Ljork war und der 1877 starb. Er wollte eine Geschichte der Juden von ihrer ersten Ansiedlung in Amerika bis auf die Gegenwart schreiben, vermochte jedoch nicht feinen Plan auszuführen. Seine Samlung wurde von seinen Erben der .Amerikanisch-Historischen Gesellschaft geschenkt. Diese setzte eine Kommission ein, der tüchtige Historiker angehören, die das Material zum Drucke vorbereiteten. Die Biographie des fleißigen Sammlers ist pietätvoll dem Bande vorangestellt. Die Materialien, die in unserem Werke vereinigt sind, beginnen mit dem Jahre 1728 und gehen bis 1760. Darauf folgt eine kurze Biographie des Naphtali Philips, dessen prächtiges Bild wiedergegeben ist. Er war am 19. Oftober 1773 geboren und starb, fast hundertjährig, am 1. November 1870. Er war Journalist, Zeitungsverleger, nahm an jüdischen Angelegenheiten regen Anteil und beschäftigte sich viel mit historischen Studien. Er. hat 1855 eine kurze Geschichte der spanisch-portugiesischen Gemeinde geschrieben, die hier abgedruckt wird. Zu den interessantesten Abschnitten des Buches gehören die Mitteilungen über M. M. Noah, dem Stammvater des Zionismus, dem Begründer der Stadt Ararat, 1825. Es ist von ihm in diesen Blättern oft die Rede gewesen, ein nur wenig bekannter Brief von Zunz an ihn ist gleichfalls vor einiger Zeit hier abgedrnckt worden. Sein Unternehmen, eine jüdische Kolonie, einen jüdischen Staat zu gründen, wurde bereits mehrfach erörtert. Man wird seine Rede aus dem Jahre 1825 als ein merkwürdiges historisches Dokument noch heute mit Interesse lesen. Das ganze Buch ist eine höchst schätzenswerte Dokumentensammlung, die eine unendliche Masse von Einzelheiten enthält. Es ist unmöglich, auf den reichen Inhalt einzugehen oder bei Einzelheiten zu verweilen; für denjenigen, der sich für diese Spezialgeschichten interessiert, bietet das Werk eine außerordentliche Fülle wichtiger Urkunden und bisher unbekannter Tatsachen. — 18 3 3- 1 9 1 3. A u s der Geschichte de r A rmcn - Verwaltung der jüdischen Gemeinde zu B e r l i n. Bon Rechtsanwalt Dr. Lamm. Nach einem in der 32. Vertreterversiuumlung des Verbandes für jüdische Wohlfahrtspflege am 26. November 1913 gehaltenen Vortrag. Druck: Schmitz u. Bukoszer, Berlin C 54, Rosenthaler Straße 26. Eine höchst interessante historische Zusammenstellung, die mit der Erwähnung des im Jahre 1831 bei Gelegenheit der Cholera gegründeten Komitees anhebt und bis aus unsere Tage führt. Wenn man bedenkt, daß die erste Unterstütznngsliste 15 Personen aufweist, für die 57 Taler für 3 Monate bestimmt wurden, und daß irn Jahre

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