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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-07-17 · Heft 29 (17.7.1914) · p. Seite 342

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
Seite 342 (sequence 6)
Language
German
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342 die jüdische Religion 31t widerlegen, die oft nur aus der Unkenntnis ihrer Lehren entspringen, und ihre gerechte Würdigung zu fördern. Tie Auszüge verschiedensten Inhalts, die abgesehen von älterem jüdischen religiösen Schrifttum (wie Talmud, Schulchan Aruch, Maimonides, Joseph Aldo usw.) bisher namentlich ans theologischen und religionsphilosophischen Schriften (wie von Cohen, Ewald, Güdemann, Herford, Herzfeld, König, Marti, Renan, Stade, Staerck und anderen mehr) für das Archiv gefertigt wurden, haben manche neue Anregung ergeben. In einer eingehenden Umarbeitung und Ergänzung des ursprünglichen Einteillmasplans ist unter anderem eine Reihe von Rubriken eingefügt worden, die die vielseitigen sozialen Borschriften des Judentums zu behandeln bestimmt sind, nämlich 1. Das Judentum als Sck>öpfer sozialer Ethik. 2. Gleichheit aller (Ablehnung von Klassennnterschieden und S tandesvor rechten). 3. Fürsorge der Gemeinschaft für den Schwachen. a) Verhütung der Verarmung. 1. Sicherung des Grundbesitzes, Jobeljahr. 2. Zinsloses Darlehen und Schulderlaß. Ir) Milderung der Armut. 1. Anteil der Armen an der Ernte und dem Armenzehnt. 2. Oeffentliche Armenunterstühung (Geldunterstützungen, Speisung, Kleidung, Wohnungsunterstützung, Loskauf armer Kriegsgefangener). 3. Oeffentliche Witwen- und Waisenversorgung. 4. Oeffentliche Krankenpflege. e) Wohlfahrtspflege (Hygiene usw.). ä) Recht- und Rechtspflege. 0) Hebung der Volksbildung. 1. Allgemeine Schulpflicht. 2. Oeffentliche, unentgeltliche Einheitsschule. 3. Unentgeltlicher Unterricht in höheren Bildungsanstalten. 4. Unentgeltliche Volksbelehrung. 4. Völkerrechtliche Beziehungen. a) Freundliche Beziehungen zu den anderen Völkern. b) Menschlichkeit in der Kriegführung. c) Ziel des Weltfriedens. (Tie Onellenstellen, die in diese Rubriken eingeordnet worden sind, haben gleichzeitig die erste Anregung zu dem anläßlich der 5. Hauptversammlung vom Verbände veröffentlichten Buch „Soziale Ethik im Judentum" gegeben, von dem jetzt bereits drei Auflagen haben erscheinen können.) Reben den A u s z ü gen werden — auf Grund der Katalogzettel, die die Berliner Königliche Bibliothek herausgibt, und anderer Materialien - rer ne Liternturnachweisungen (genaue Titelangaben von Büchern und Aufsätzen) gesammelt, die Arbeiten auf apologetischem Gebiet erleichtern sollen. In dankenswerter Weise liefern außer den ständigen Mitarbeitern auch einige --- nicht nur jüdische — gelegentliche Mitarbeiter dem Archiv aus Interesse für seine Zwecke Material. Ohne viel Mühe kann jeder, dem vorurteilslose Religionswissenschaft fördernswert erscheint, nützliche Mitarbeit leisten, indem er geeignete Stellen, die ihm bei der Arbeit oder Lektüre Vorkommen, untet genauer Quellenangabe abschreibt oder bei größerem Umfang der Stelle diese unter Hinweis auf den Inhalt genau den Zeilen nach bezeichnet und zur Abschrift für das Archiv einsendet oder etwa auf ein apologetisch ergiebiges Werk durch genaue Titelangabe aufmerksam macht. Es bedarf nur der Ausfüllung eines Schemas wie das folgende: 5. Apologetisches Archiv des Verbandes der Teutschen Juden, Berlin W 35, Potsdamer Straße 45. Verfasser: Einsender: Titel (bei Aufsätzen auch der Zeitschrift): Erscheinungsjahr: Ort: Verlag: Band (bzw. Nr.): Seite: Zeilen: Erfreulich wäre es, wenn sich der Kreis dieser freiwilligen Mitarbeiter immer vergrößern wollte. Selbstverständlich versendet der Verband auf Wunsch gern Archivzettel mit dem vorstehenden Schema an jeden, der die Sammelarbeit fördern will. Chicago —löerlin. Zwei jüdische Krankenhäuser. Bon Rechtsanwalt Dr. Lamm, n der Einweihung unseres neuen Krankenhauses hat -£V auch Herr William N. Eisendraht, der Präsident des Michael-Rieß-Hospitals in Chicago, teilgenommen. Als Leiter eines der bedeutendsten jüdischen Krankenhäuser Amerikas sprach er sich besonders anerkennend über die neue Anlage aus und bemerkte, er sei fast neidisch auf die wunderschönen Räume, noch mehr aber auf die weit bemessenen Gartenanlagen und Rasenplätze. Hierin liegt auch gerade der Vorzug gegenüber den Chicagoer Verhältnissen. Das dortige Hospital ist sechs Stock hoch und hat seine Gärten auf den Dächern, allerdings mit einer luftigen Fernsicht auf den Michigan-See. Es gehört den .Associated Jewisli Charities of .Chicago an, von denen ich schon einmal an dieser Stelle berichten durfte. Die Großzügigkeit amerikanischer Wohlfahrtspflege, die jene Vereinigung geschaffen hat, tritt uns auch in der Verwaltung des Hospitals entgegen. Herr Eisendraht war so liebenswürdig, einige Angaben zu machen, denen vergleichsweise Zahlen — allerdings aus unserem alten Krankenhause — gegenübergestellt sind. Danach wurden behandelt in der Zeit vom 1. Mai 1913 bis 30. April 1914: Gegen Bezahlung: in Chicago Juden. . 1799 an 23 924 V.-Tagen Nichtjuden 1312 an 15 898 U n e n t g e l t l i ch: Juden. . 4651 an 64 010 Nichtjuden 583 an 6 539 zusammen in Chicago 8345 Personen an 110 371 Verpflegungstagen, in Berlin 1699 Kranke an 49 634 Verpflegungstagen, davon 1422 Juden und 154 Nichtjuden. in Chicago in Berlin Entlassungen erfolgten. 7630 1330 Todesfälle. 248 f Todesfälle innerhalb 24 Stunden .114 | Bestand am 30. April 1914 .... 353 130 in Berlin 1912/13 27 907 V.-Tage 5 359. 16 184 184 239 8345 1699 in Chicago in Berlin Tägliche Durchschnittszahl . . . Krankheiten: . . 302 141 medizinische.. . . 1828 915 chirurgische . , . 2873 784 gynäkologische.. . . 713 Entbindungen. . . 2931 Eingänge von bezahlenden Patienten 160 673,80 Dollargleich 642 695,20 Mark; Eingänge vom Verband jüdischer Charites 133 000 Dollar gleich 532 000 Mark, zusammen 293 673,80 Dollar gleich 1 174 695,20 Mark. Verpflegungsgelder 133 353,80 Mark, Gemeindezuschuß 117190 Mark. Bei den Chicagoer Einnahmen fallen die Verpflegungsgelder sehr erheblich ins Gewicht. Sie machten mehr als die Hälfte der Einnahmen aus und rühren von 1799 Juden gegen 1312 Nichtjuden her. Diese Zahl beweist die große allgemeine Inanspruchnahme des Hospitals. Sie trägt sicher mit dazu bei, daß 5234 Personen gleich 62,70 Prozent unentgeltlich ausgenommen werden konnten, davon 4651 Juden und 583 Andersgläubige. Das sind Zahlen, von denen man wünschen darf, daß sie sich auch einmal in Jahrzehnten in Berlin erreichen lassen, daß jeder arme kranke Jude unentgeltlich Aufnahme finden könnte. 1912 wurde hier 33 Prozent unentgeltlich behandelt. Unter den? Berliner Verpflegungsgeldern befinden sich allein 36 113 Mark, die von Krankenkassen für ihre Mitglieder A—.

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