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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-07-17 · Heft 29 (17.7.1914) · p. Seite 339

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
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- 339 graphischen Denkmale, wie er sie besonders Oetker, Marschner, Dingelstedt widmete, und die Erinnerungen aus seiner eigenen. Kindheit und Jugendzeit sind trefflich geschriebene, sehr unterrichtende Bücher, die von interessanten Dingen, bedeutenden Menschen belehrend und unterhaltend berichten. Es sind Denkmäler eines reichen Geistes, die, wenn auch nicht für die Ewigkeit, aber für eine hoffentlich lange Zeit das Andenken an den trefflichen Schriftsteller, der von den Besten seiner Zeit nicht bloß als Leiter eines gebietenden Blattes umworben, sondern um seiner selbst willen geschätzt wurde, erhalten werden. Julius Rodenberg — eigentlich Julius Levy aus Roden berg — war einer der Unseren. Er drängte sein Judentum nicht vor, so daß er in seiner verantwortungsvollen Stellung selten oder nie als Jude angegriffen wurde, aber er blieb der Gemeinschaft treu, der er entstammte. Mit ihm ist einer jener vornehmen, ruhigen Gestalten, einer jener Männer, erfüllt vom Geiste der Klassiker, wurzelnd in den Traditionen echter Humanität, sich gern abseits haltend von den lärmenden Parteien des Tages, entfernt von der Sucht, sich stets in den Vordergrund zu stellen, dahingegangen: Einer von den Bedächtigen, Festen, Treuen, wie sie bei dem Hasten und Drängen des Tages immer seltener werden. Ehre seinem Andenken! * Das „Israelitische Familienblatt" enthält einen Artikel von Louis Gutmann: „Wirtschaftliche Nöte der deutschen Juden!" Darin wird bei aller Anerkennung der Bestrebungen des Zentralvereins, die Firmen zu nennen, in denen ein Jude schwer ankommen kann, ein neuer Vorschlag gemacht. Es heißt nämlich: Die beste Wehr ist jedoch die Selbstwehr. Ich meine damit, eine Organisation der jüdischen Angestellten zu schaffen, ist dringend erforderlich. Einen Verband, der die Angestellten jüdischen Stammes, die durch die Zugehörigkeit zu diesem Stamme jetzt in einer besonderen Lage sind, vereinigen und ihre wirtschaftliche Position verbessern soll. Ein derartiger jüdischer Verein besteht bereits in Oesterreich. Der Sonderzweck einer solchen jüdischen Organisation widerspricht in keiner Weise der Mitgliedschaft und dem Wirken jüdischer Handelsangestellter in paritätischen Fachvereinen. Die jüdischen Angestellten Deutschlands würden gut daran tun, wenn sie die Gründung einer ähnlichen Organisation in Angriff nähmen, die in Verbindung mit analogen Organisationen in anderen Ländern, überall hin, wo Juden wohnen, ihre Wirksamkeit erstrecken wird. Große Vorteile dürfte die Stellenvermittlung eines solchen Verbandes bieten und so ein Gegengewicht gegen die Boykottierung der jüdischen Angestellten darstellen. Zunächst würden sicherlich alle jüdischen Organisationen sich zwecks Beschaffung von Verwaltungsbeamten an den Verband wenden. Die jüdischen Firmen würden größtenteils ebenso verfahren. Dann ist noch zu erwägen, daß heute sehr viele Angestellte ins Ausland gehen wollen, um bessere Stellungen zu erhalten. Manche Firmen senden ihre Angestellten in ihre ausländischen bzw. überseeischen Häuser. Zwar vermitteln auch die paritätischen kaufmännischen Verbände derartige Stellen bei im Auslande domizilierten Firmen. Die Häuser jedoch, die aus Deutschland Angestellte beziehen, zeigen den Juden gegenüber dasselbe Verhalten wie die inländischen Chefs. Dagegen kann ein jüdischer Weltverband durch seine überall tätigen Mitglieder, durch Beziehungen, die er anknüpft, wohl in der Lage sein, über den ganzen Erdball hin Stellen zu vermitteln und seinen Mitgliedern im Auslande zu einer Existenz zu verhelfen. Diese Tätigkeit des zu gründenden Verbandes würde vor allem Juden nach derartigen Ländern hinschafsen, die durch jüdische Arbeit einen gewaltigen Aufschwung erfahren und durch dichte Ansiedlung von Juden, die in allen Berufen tätig sind, eine Gewähr dafür bieten, daß nicht wieder eine Zeit kommt, wo die Juden aus der Wirtschaft des Landes fast ausgeschaltet werden. In Verbindung damit hätte der Verband auch für die Ausbildung seiner Mitglieder bemüht zu sein und ausdrückliches Gewicht dabei aus Sprachen zu legen. Weiteren Nutzen würde der Verband, der in dieser Beziehung sich wohl auf die Mitarbeit seiner Mitglieder verlassen konnte, durch Sammeln von statistischem Material über die Firmen, die jüdische Angestellte boykottieren, und dessen Veröffentlichung bringen. Dem jüdischen Publikum wäre Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben, und bei manchen Firmen wäre die Anstellung von jüdischem Personal zu erreichen. Als Form kann für die zu schaffende Organisation selbstverständlich nur die einer freien Gewerkschaft gewählt werden. Denn in einer anderen Form wäre der Verband nicht imstande, die Rechte der Angestellten energisch wahrzunehmen. Für den technischen Angestellten gilt dasselbe wie für den Kaujnlann. Der Vorschlag ist gewiß ernster Diskussion wert. Ohne dieser, zu der ich gern die Spalten dieses Blattes bereithalte, vorzugreifen, möchte ich folgendes bemerken: i. Bei unseren zahllosen Vereinen und Organisationen wird es nicht leicht sein, eine neue zu schaffen, da sich alle mehr oder weniger ans derselben Schar rekrutieren. 2. Die Logen haben bereits eine Stellenvermittlung, der vielleicht diese neugeplante unliebsame Konkurrenz zu machen scheinen könnte. 3. Eine wirksame Gegenbestrebung müßtn von wohlgesinnten Juden privatim -a u s g >e h e n. Ich -will nicht einer Ausschließlichkeit das Wort reden, nicht beantragen, daß jüdische Firmen oder neutrale Großbetriebe nur Juden anstellen, aber man müßte dahin wirken, die Scheu gar mancher Chefs zu besiegen, sich mit jüdischen Angestellten einzulassen. Man müßte ihr Gewissen schärfen, ihnen die Pflicht nahelegen, bei offenen Stellen unter den gleichwerten und verdienten Kandidaten die Juden zu bevorzugen. 4. Endlich müßte man auf l i be r a l e u n d v o r u r t e i l s l o s e ch r i stl i ch e Kreise zu wirken suchen. Ihr Gewissen müßte geweckt werden. Man müßte es geradezu als ihre Pflicht hinstellen, Juden als Mitarbeiter heranzuziehen, da diese von lauen, konservativen und ängstlichen Firmeninhabern ausgeschaltet werden. Eine solche planmäßige Tätigkeit, zu der es keines neuen Vereins bedarf, würde gewiß sehr gute Wirkungen haben. Die „Breslauer Morgen-Zeitung" bringt folgende aufsehenerregende Mitteilung, die aber bisher von keiner anderen Zeitung bestätigt worden ist: E.i n e neu e R i t u a>l m o r 'da f f ü r -e. Jur Dorfe Graizy wurde ein Bauer mit durchschnittener Kehle ausgesunden, undsofort argwöhnte »die Einwohnerschaft in der Bluttat einen Ritualinord. Ein Jude Hersch Meth wurde als der Mörder bezeichnet. Ein Voltshause begab sich zu ihm, um ihn zu lynchen. Die besonneneren' Elemente Puderten die Bauern jedoch daran. Meth wurde und seinem Sohn verhaftet und gegen beide ist die Untersuchung eingel-eitet worden. * Der „Univers israelite“ enthält einen Artikel über Hospitäler, in dem er die Einrichtung von jüdischen Krankenschwestern, die in Deutschland font des miracles, auch für Frankreich empfiehlt. Während ein solcher Vorschlag gewiß ganz allgemein freudig begrüßt werden muß, sind andere desselben Artikels bestreitbar. Der Artikelschreiber wünscht eine besondere Synagoge für jedes Krankenhaus, oder, wenn dies nicht geschieht, daß Pfleger und Aerzte den Kranken das Beispiel zum Beten und zu religiösen Uebungen geben. Er sagt ferner: „Es ist selbstverständlich, daß Sabbat und Zeremonien, zum Beispiel die rituellen Nahrungsvorschriften streng, das heißt freudig und einfach beobachtet werden, und es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß die Beschneidung, selbst in einem Krankenhaus und von einem Chirurgen vorgenommen, ein religiöser Akt ist, von einer heiligen Würde umgeben. Das jüdische Krankenhaus ist kein gewöhnliches; dort muß ein ganz anderer Geist herrschen." Ich glaube, daß der Verfasser hier viel zu weit geht. Nicht minder im folgenden. Er verlangt zwar nicht, daß ein Rabbiner an der Spitze des Krankenhauses stehen soll. Aber er

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