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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-07-10 · Heft 28 (10.7.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 28 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Gemeinden geringere Kosten auf als die Religionsschule. Dem Lehrerstande verschaffe sie Befriedigung in der Volksschularbeit und erfolgreiches Auswirken in seiner Tätigkeit; sie gewährleiste die Mitarbeit an der Volkswohlfahrt durch Mitarbeit an der Volksbildung, erwirke und erhalte die geziemende Wertschätzung, stelle die Lehrer unabhängig versorgt hin, behüte den jüdischen Lehrerstand vor dem Versalle und halte ein großes Versorgungsgebiet für die Jugend offen. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Entschließung an: „So lange in Preußen die konfessionelle Volksschule gesetzlich festgelegt ist, fordert der Verein jüdischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens die jüdische Volksschule im Interesse unserer bürgerlichen und politischen Gleichstellung, im Interesse der Jugend, der Gemeinde und des Standes. Er hält es für die Pflicht aller, besonders der größeren Gemeinden, jüdische Volksschulen zu errichten." Dem Vortrag, der mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde, folgte eine Aussprache, in der von der Gemeinde Elberfeld betont wurde, daß man hier der Gründung einer jüdischen Volksschule sympathisch gegenüberstehe und bereits in diesbezügliche Verhandlungen eingetreten sei. Lehrer Goldschmidt, Dortmund, gab sodann einen beifällig aufgenommenen Bericht über die Tagung des Verbandes jüdischer Lehrervereine im Deutschen Reiche in Breslau. Als Ort der nächsten Tagung des Vereins wurde Düsseldorf bestimmt. Am Abend versammelten sich die in großer Zahl erschienenen Lehrer mit Mitgliedern der Elberfelder Shnagogengemeinde im Hotel „Central" zu einem Festessen, . das in fröhlicher Stimmung verlief. Die Verhandlungen wurden am nächsten Tage im Hotel „Central" fortgesetzt. Oberkantor Zivi, Elberfeld, sprach über „Kantorale Fortbildungskurse". Der Verein überläßt es dem Vorstand, Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, die kantorale Fortbildung 31t fördern. In der folgenden Generalversammlung der Pensionskasfe, deren Bestand 1S1 090 Mark beträgt und die im letzten Jahre 7656 Mark an Witwen, Waisen und Pensionäre gezahlt hat, wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. Einen längeren Raum nahmen die freien Besprechungen ein, die Schul- und Standesangelegenheiten behandelten. Nach der Tagung wurde ein Ausflug nach Schwelm unternommen zum Besuch des israelitischen Landheims, das für in der geistigen Entwicklung zurückgebliebene Knaben gegründet ist. E/D Dortmund, 3. Juli. Der Verein „Israelitisches Altersheim in Westfalen" versendet soeben den Bericht über das Vereinsjahr vom l. April 1913 bis 31. März 1914. Wir entnehmen demselben folgende Einzelheiten: Aus der Anstalt traten drei Insassen von Elberfeld, die in das neue Heim der Elberfelder Synagogengemeinde übersiedelten. Ferner traten zwei Pfleglinge aus anderen Gründen aus. Neri ausgenommen wurden zwölf Pfleglinge, so daß gegenwärtig 41 Insassen im Heim sind. Von diesen gehören 33 dem Vereinsbezir'ke und acht anderen Bezirken an. Der gesamte Haushalt besteht ans 47 Köpfe in Der Bericht verzeichnet für das abgelanfene Jahr 16 406 Verpflegungs- Lage gegen 15 444 Verpslegungstage des Vorjahres. Der Gesundheitszustand der Pfleglinge war im Berichtsjahre günstiger als im Vorjahre. Die Beibehaltung der ständigen Krankenpflegerin, di-e seit dem 1. April 1913 angestellt war, erwies sich in diesem Jahre als nicht mehr erforderlich. Der Vorstand hielt im verflossenen Jahre drei Sitzungen ab, in denen meistens Aufnahmen beschlossen wurden. In der Sitzung vom 14. Dezember 1913 kam es im Vorstande zu einer Erörterung über die Frage eines Erweiterungsbaues. Der Vorstand ist der Meinung, daß bei dem offensichtlich starken Bedürfnisse eine Vergrößerung des Altersheinis sich dauernd nicht wird von der Hand weisen lassen. Jedoch läßt sich eine solche nicht ohne eine Anifwendung von etwa 190 000 Mark ins Werk setzen. Dazu fehlen aber vorderhand die Mittel. Der Bericht schließt mit der Bitte an alle Mitglieder. Gönner und Freunde der Anstalt, zu einem demnächst zu gründenden Baufonds Zuwendungen und für deer Gedanken eines Erweiterungsbaues überall kräftig Propaganda zu machen. CA) Darrnstavt, 3. Juli. Der Verein „I ü bischer Kinderhort u n d I u g e n d f ü r s 0 r g c " hat schon im zweiten Jahre seines Bestehens den Kreis seiner segensreichen Tätigkeit erweitern können. Ter von dem Verein geschaffene Hort wird von 4 5 Kindern besucht, die nach dem Urteil ihrer Lehrer in Leistungen und Betragen erfreuliche Folgen dieser Pflege erkennen lassen. Das Baden in den Sommer- und Wintermonaten sowie das Turnen und Spielen lucrben von geeigneten Kräften überwacht. Einige besonders blutarme und unterernährte Kinder genossen eine vierwöchige Ferienerholung in dem Raphael- und Jeannette- Ettlinger-Heim in Hofheim. Die übrigen verbrachten im vergangenen Sommer in einem eigens zu diesem Zweck gemieteten Garten fünf Wochen lang den größten Teil des Tages unter Spiel und nützlichen Beschäftigungen. Der von Frau Gretel Goldstein erstattete zweite Jahresbericht hebt hervor, daß den Kindern täglich durch Frau Cohn ein streng rituelles Mittagessen im Freien gereicht wurde, und bezeichnet den Erfolg dieser „Ferienkolonie" als s e h r e r s r e u l i ch. Als eine besonders wertvolle und nachahmenswerte Einrichtung des Vereins darf die regelmäßige Sprechstunde angesehen werden, in der Auskünfte über Erziehungs- und Vcrnfsfragen erteilt werden. Der Verein, der auch im abgelansenen Jahre die Unterstützung der städtischen Behörden, der Darmstädter Aerzte, der Slarkenburg-Loge und zahlreicher Gönner (aller religiösen Parteirichtungen) genossen hat, darf auch weiterhin der Munifizenz aller Wohltäter warm empfohlen Werdern um so mehr, da er beabsichtigt, bei genügenden Mitteln auch in diesem Sommer wieder den Kindern eine Erholung zu gewähren. Der von Frau Johanna Simon erstattete Kassenbericht bilanziert mit 3557.93 Mark. Oesterreich-Angara. K. Wien, 3. Juti. Das österreichische Judentum wie die gesamte Monarchie stehen noch immer unter dem erschütternden Eindrücke des fluchwürdigen Verbrechens in Sarajewo. In allen Kultusgemeinden der Monarchie werden Trauergottesdienste ans diesem höchst traurigen Anlässe abgehalten und Gebete für unseren greisen und weisen Landesvater verrichtet, daß ihm der Allmächtige die Kraft verleihe, diesen neuerlichen Schicksalsschlag zu ertragen. In vielen Gemeinden werden auch ertra Jugendgottesdienste für die Schuljugend, die bald in die Ferien geht, veranstaltet. Ebenso veranstaltete fast jede größere Kultusgemeinde eine Trauersitzung und sendet Kondolenztelegramme an die Allerhöchste Kabinettskanzlei ab. Der nunmehr in Gott ruhende Erzherzog-Thronfolger und seine erlauchte Gemahlin hauchten ihre Seele in beit Armen der jüdi - s ch e n Militärärzte Dr. A r u st e i n und Dr. P 0 t a k 0 (Pollak) ans. Leider gelang es nicht diesen wackeren Aerzten, die sofort an das Schmerzenslager des erlauchten Paares geeilt waren, die von eines ruchlosen Mörders Hand zu Tode Getroffenen ins Leben znrnckzurnfeu. Menschliche Hilfe war vergebens, denn Gott hak es in seinem nnerforschlichen Ratschlüsse anders beschlossen. Gegenüber dem auch in Oesterreich-Ungarn stark kolportierten Gerüchte, wonach der verstorbene Erbherzog-Thronfolger antisemitischen Einflüsterungen nicht unzulänglich gewesen wäre, wird von Personen, die Se. K. K. Hoheit näher kannten, betont, daß der selig Entschlafene überhaupt eine streng ernste, verschlossene Natur gewesen sei. Von einer Aversion gegen die jüdischen Untertanen der Monarchie konnte schon deshalb nicht gut die Rede sein, weil Erzherzog Franz Ferdinand sehr häufig mit Inden verkehrte und mit ihnen in geschäftlicher Beziehung stand. Lv ist z. B. der Direktor der erzherzoglichen Steinbrüche in Beneschan (Böhmen) ein Jude, der schon seit vielen Jahren im Dienste des Erzherzogs steht. Eine hübsche Anekdote wird auch im „Prager Tagblatt" erzählt: Bei seinem Aufenthalte in Tivoli, Villa d'Este, wurde der Erzherzog-Thronfolger vom dortigen Direktor Sagrae empfangen und zu Tisch geladen. Zn seiner Verwunderung lag ans dem Tische ein seltsam geflochtenes Weißbrot, ein sogenannter „Varches". Ans seine Frage, wieso dieses schmackhafte Gebäck besonders in Italien serviert wird, meinte die Dame des Hauses, daß heute Freitag und sie Juden seien, und die Inden pflegen solche Brote für den Sabbat vorzubereiten. Es werden noch viele andere Anekdoten aus dem Verkehr des Erzherzogs mit Inden erzählt, woraus deutlich hervorgeht, daß er keinen konfessionellen Unterschied kannte unb machte. Um so schmerzlicher beklagen wir seinen und seiner erlauchten Gemahlin jähen Heimgang. Das österreich-ungarische Judentum wird das Andenken des unglücklichen Thronfolgers stets in Ehren halten und es allzeit segnen. - Wiederum wurde eine jüdische Familie in Galizien überfallen, beraubt und das Familienoberhaupt erschlagen. Ein neuer Sport: Judenmorde. Aus Lemberg wird über den neuesten Raubmord berichtet: Am 21. vorigen Monats wurde in dem Städtchen Jnryczew bei Lemberg an den 37jährigen Pferdehändler Ehaim Schor ein Raubmord verübt. Zwei Banditen drangen nachts in die Wohnung des als sehr wohlhabend geltenden Ehaim Schor ein. Als dieser ans dem Bette sprang, stürzte sich einer der Banditen auf

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