Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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if)n und versetzte ihm mehrere Messerstiche. Die Frau und die Kinder eilten ihrem Vater zu Hilfe, ivvraus die Einbrecher durch das geöffnete Fenster entflvhcn. Ter Schwerverletzte konnte den Banditen noch beschreiben, ivorauf er das Beivlißtsein verlor und starb, ohne das; ärztliche Hilfe zur Stelle gelvcse» wäre. Der Bezirksarzt Dr. Golub iveigerte sich nämlich, sich in das Haus des Jude» zu begeben, wenn ui an i h m n i ch t d a s H v » v r a r i m v o r a u S beza h l e! Die Vemberger Polizei entsandte eine» Detektiv mit einem Polizeihund. Dieser nahm die Spur aus und verfolgte sie bis in das Wohnhaus eines Fabrikarbeiters, der daraufhin auch verhaftet lvnrde. Unter massenhafter Beteiligung lvnrde der crnivrdertc Schvr zu Grabe getragen. In den Kreisen der jüdischen Dorfbelvohner in Galizien herrsctsi.lvege» der häufig vvrkoinmenden nächtlichen Paubnberfälle grosse Aufregung. Große Empörung herrscht auch in alle» Kreisen über das Berhalteu des k. k. Bezirksarzte-s Dr. Golub, der einein zu Tode Berivmideteu seinen Beistand versagte, »veil ihm das Honorar iiidjt im voraus entrichtet wurde, Galizische Ziistäude! - Wie erinnerlich, versuchte der katholische Priester und Ncligivnslehrer Pater Vrarhoivsky in Kolin voriges Jahr einen Nitualmord zu inszenieren. Anlaß dazu bot ihm das Berschlvinden eines Dienstmädchens namens Paivlik. das, »sie sich bald darauf herausstellte, Selbstmord durch Ertrinken verübte. Es lvnrde auch festgestellt, daß Pater Hrachoivskl,! mit dein Verschivundencn Aiadchen in intimen Beziehungen stand und! mit ihm ein Liebesverhältnis unterhielt. Der saubere Katechet wurde darauf strafiveise von Kolin versetzt. Der k. k. Landesschulrat von Bol,men hat nun e i » st i m m i g beschlossen, Pater Hracholvsky gänzlich und für immer vom Lehramte zu entfernen. In der Begründung wird ans seinen unmoralischen Lebenswandel und auch daraus hiugelviesen, daß er d » r ch g c l, ä s s i g e, n u io n l, r e Artikel g e g e n ei n e st a n t l i el, ,1 n e r t n u u t e N e l i g i v il z u h e tz e n s u ch t e. Diese Entscheidung luncht dem Landesschulrate in Prag alle Ehre! * Von Aah und ssern. Ter verstorbene Konnnerzienrat Heimann, genannt Herinann u e v 0 n rl), Ijnt durch testamentarische Verfügung der Armem oirektion der Ttadtgerneinde Berlin ein Vermächtnis von 5000 Mark '"r Berloendnng für Arme ansgesetzt. Der Magistrat hak beschlossen, das Vermächtnis a«zuneh»nen. - - Frau Henriette M a h (Köuiggrätzer Tkrähe 1)7) ist als erste Dame zuin uichtstiuunberechtigteu Mitgliede der Berliner städtischen Waiseudeputatiou nach Vorschlag des Ausschilsses geloählt morden. - Aus Posen wird uns geschrieben: Bon deu im Berichtsjahre 1913 hier geschlossenen Ehen waren rein evangelisch WO, rein katholisch 053 und rein mosaisch 33. Die Zahl der Mischehen ist von 206 im Borjahre aus 86 zurückgegaugeu. - Bei dem üblichen Pfingstschießen haben einige jüdische Mitglieder der Tchnhengilden in unserer Provinz sich als die bestell Schützen bewährt. 2o errang die Köniaswürde in Rvgasen Herr M. Wolfs, hier im Laudioehrvereiu ist Herr Kaufmann Mar S ch m a l einer der besseren Oehützeu und hat eine Schießprämie erzielt. - In dem Kreislehrerverband zli Bomst besprach Herr Lehrer Becker ans Wöllstein die pädagogischen Werke des Professors Natrop und erntete großen Beifall. - In Grätz starb der Rentier Samuel Salevski iin l'5. Lebensjahre. Der Tahingeschiedene zeichnete sich durch Fröm- '.nigkeit und Wohltätigkeitssinu ans. --- Herr Fabrikbesitzer Dr. Kurt Urnen k el in Neustadt i. S. hat, wie uns von dort berichtet wird, anläßlich der Geburt eines Sohnes für Unterstützung von Arbeiter!! und Angestellten seiner Firma S. Fraenkel die Summe von WO000 Mark gestiftet. - Ein dreister Einbruch wurde kürzlich in das Kontor des Israelitischen Armeuunterstützungsvereins in Dresden ausgeführt. Der Täter hat mittels Sperrzeuges die Türen geöfstlet und aus einer Kassette 500 Mark, davon ungefähr 480 Mark in Zehumarkscheiucu, entwendet. - Dem Senator Rechtsanwalt und Notar Justizrat Dr. Meyer in Hannover ist der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. - Spuren einer alten Synagoge haben sich in der Ortschaft Horb am Obermain gefunden. Es wohnten in früheren Zeiten dort jüdische Familien als Schützlinge der Nitterschaft. Die Synagoge ist verfallen, jedoch gelang es, die wertvollen Deckengemälde 31t erhalten. Diese wurden durch Kommerzienrat G u t m a n n - Bamberg dem städtischen Museum überwiesen. - Die Eheleute Jsak Lazarus in Breisach, Baden, feierten unter Anteilnahme der gesamten Bevölkeruug ihres Heimatsortes das Fest der goldenen Hochzeit. Auch der E-roßherzog ließ durch den Bürgermeister dem Jubelpaare ein schönes Geschenk überreichen. Kaiser Franz Joses hat das von dem Schriftsteller königlichen Rat Dr. Adolf K 0 h u t in Berlin verfaßte Werk «König Maximilian IT. von Bayern und der Philosoph F. W. I. v. ^chelling" von dem Antor für die k. und k. Familienfideikvmmißbibliothek angenommen und dein Verfasser durch die österreichischungarische Botschaft in Berlin danken lassen. — In Budapest fand dieser Tage unter Vorsitz des Grafen August Zichv die Genera lversammlnng des Stefauiekinderspitales statt. In seinen! Präsidialberichte meldete Graf Zichy, daß Frau Karl von Bachruch zur Umgestaltung des Scharlachpavillvus 60 000 Kronen und Frau Baronin Joseph v 0 n H a t v a n y - Deutsch zmn Andenken.an ihren verstorbenen Gatten zum selbe»! Zlvecke 50 000 Kronen gespendet haben. Das Stefaniekinderspital in Budapest ist ein interkonfessionelles Krankenhaus. — Die Nationalliberalen in Rumänien haben einen Gesetzentwurf vorbereitet, demznfolge die Inden künftig in Negierungs- und öffentlichen Schulen überhaupt nicht mehr ausgenommen werden sollen. Die Negierung ihrerseits steht im Begriff, in den Elementarschulen Lesebücher mit antisemitischen Inhalt einzuführen sowie das Schulgeld für jüdische Schüler zu erhöhen. Sogar die antisemitischen Studenten an der Universität Jassy haben ihre Mißbilligung über diese neuen judenfeindlichen Maßnahmen zum Ausdruck gebracht, die den Juden im Auslande Anlaß böten, Rmnänien in der Presse anzugreifen. — Der jüdische Chemiker Dr. Wolk, der kürzlich zum Professor der Chemie an dein neugegrüudeten Leonardo da Vinci Institut zu Paris ernannt lvnrde, hat jetzt die goldene Medaille für landwirtschaftliche Verdienste erhalten. Dr. Wolk ist der Sohn des verstorbenen Pinsker Rabbiners Wolf Wolk, der ein hervorragender Talmudist gewesen war. - - Ans London wird uns geschrieben: Die Aktion der jüdischen Fraueustimmrechtsliga, welche es sich zur besonderen Aufgabe gemacht hat, den jüdischen Frauen in allen Fragen des jüdischen Gemeindewesens, Wahl- und Stinnnrecht zu erringen, gewinnt innner weitere Kreise. Allerdings haben die gegenwärtigen Vorstände der einzelnen Synagogen sich bisher mit aller Entschiedenheit gegen die Zulassung der Frauen zur Verwaltung der jüdischen Gemeinde ausgesprochen, doch ist es kein Zweifel, daß dieser Widerstand nicht lange ansreichen wird, die jüdische Frau von der Erreichung ihrer Ziele abzuhaltcn. -- Die königliche Bibliothek in Madrid besitzt über die Inquisition 30 000 Bände, in denen alle Verfolgungen und Foltern an Inden genau beschrieben sind. Außerdem haben die Inquisitoren genaue Stammbäume ausgestellt, um festzilstellen, daß die Marannen wirklich Inden seien. Die Bibliothek wird zurzeit von Professor G 0 t t h e i l von der Columbia-Universität durchforscht. —- Wie uns mitgeteilt wird, fand kürzlich in Warschau eine Konferenz statt, um die Frage einer zu eröffnenden Auswandererbank zu erörtern. 25 000 Rubel sind bisher von der führenden Judenschaft ansgebracht worden und es hat sich auch bereits ein Komitee gebildet, uin den Fonds entsprechend zu verlnehren. - Jsaac Effendi F e r r a r a, ein jüdischer Jurist, der seine Studien ans Kosten der türkischen Regierung in Paris vollendet hat. ist zum Ober-Staatsanwalt am Kassations-Gericht in Konstantinopel ernannt worden. —- Aus New Dort wird uns berichtet: Unter dem Namen „Army and Navy Leagne" hat sich hier eine Gesellschaft g"- bildet, welche den Zweck hat, Patriotismus unter der jüdischen Jugend zu pflegen, jüdische Soldaten und Seeleute während des Pessachfestes zu versorgen und solchen, die ihren Militärdienst zu Lande oder zu Wasser in Ehren absolviert haben, mit Stellungen und Arbeitsgelegenheiten zu versehen. Die Gesellschaft wird an allen militärischen und Mariuestationen in den Bereinigten Staaten Erposituren haben. An der Spitze der Liga steht Kapitän I. B. Greenhnt. Die Ehrenpräsidentschaft hat der Präsident der Bereinigten Staaten W i l s 0 n übernommen. — Laut der jüngsten Statistik, welche von Dr. Joses Jacobs zusammengestellt wurde, beträgt die Zahl der Inden in New Bork gegenwärtig eine Million, von denen rund 600 000 außerhalb Amerikas geboren wurden und 400 000 New Yorker Gebürtige sind. Mehr als die Hälfte der Inden von New York wohnt in der Borstadt Manhattan. Es sind dies 450 000. Die wenigsten, und zwar 1150, in der Borstadt Richmond. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin. Pankow. Florastraße LS. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. .