Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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78. Jahrgang. Nr. 28 Berlin, 10. Juli 1914 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums". Liorrrlpondru-rn und Aachrichten. Lkiitschlsnd. &&& Berlin, 7. Juli. Die Pro-Fa lascha-Vetv eg tutg ist der jübifd/c rt Welt nicht unbekannt. Drei Reisen hat Herr Tr. Faitlowits ch in das Innere Abessiniens gemacht, um die dortigen einheimischen Inden, die Falaschas, kennen zu lernen und die seit Jahrtausenden unterbrochene Verbindung dieses versprengten Teiles des jüdischen Stammes mit seinen übrigen Stammes- und Glanbensgenossen lvieder herzustellen. Dies ist ihm znm Teil schon gelungen. Er hat in den Jahren 1904/5, 1908/9 und 191-3 Abessinien jeweils mehrere Monate bereist, die Jalasch n -A n si ed elu n g e n besucht und hat durch Schriften und Vorträge die Resultate seiner Reisen der Gesamtjndenheit unterbreitet. So lange Abessinien im allgemeinen von der äußeren Welt abgeschlossen lvar, konnten die Falaschas trotz der Unterdrückungen und Verfolgungen durch ihre Nachbarstänune, wenn sie auch keinen Rückhalt an ihren jüdischen Brüdern hatten, doch dem Glauben ihrer Väter treu bleiben. Seit dein vorigen Jahrhundert wurde Abessinien aber der Knlttlrwett allmählich erschlossen. Mit den europäischen Gelehrten und Iorschungsreisenden kamen dann aber auch die Missionare ins Land, welche versuchten, die Falaschas dem Ehristentume znzuführeu. Es läßt sich beim Mangel eines eigenen jüdischen Schrifttums unter den Falaschas verstehen, daß die Missionare, aus deren Händen sie auch die Bibel erhielten, leicht Erfolge erzielen konnten. Nur so mehr ist die Treue anzuerkennen, mit welcher immer noch einige 50 000 bis 60 000 Falaschas in ihrem Indentume beharren. Diesen unseren | Brüdern die Hilfe zu bringen, die sie von uns erwarten, muß uns als eine heilige Aufgabe gelten. Es handelt sich dabei wohlgemerkt nicht ttui einen materiellen Beistand. Was sie wünschen und was wir ihnen bieten wollen, ist moralische und ideelle Hilfe. Das Internationale Pro-Falascha-Eomite betrachtet es nunmehr als seine nächste und wichtigste Aufgabe, für eine jüdische Erziehung der Falascha- Ingend zu sorgen. Demgemäß soll ein Seminar mit Internat in Erhthräa, der Abessinien benachbarten italienischen Kolonie, zur Ausbildung junger Falaschas als Lehrer eingerichtet werden. Diese werden dann in der Lage sein, Schulen in ihren Gemeinden zu leiten. Sodann müssen für die Falaschas die Bibel in ihre Sprache übersetzt und Schriften jüdisch-religiösen Inhalts verfaßt werden, damit sie das Judentum ans den Quellen kennen lernen. Das Unterzeichnete Komitee wendet sich an die Gesamtjndenheit mit der Bitte um Unterstützung dieses.Werkes. Zu seiner Ausführung sind aber größere Mittel nötig. Es soll ein Baufonds zur Errichtung des Seminars ausgebracht werden, ferner erfordern die Unterhaltung des Seminars und der Schulen sowie die Herstellung der erwähnten Schriften jährliche Beiträge. Das Unterzeichnete Komitee, dein außer den Herren des geschäftsführenden Ausschusses eine große Anzahl der bekanntesten Glaubensgenossen des In- und Auslandes angehört, bittet dringend, ihm für beide Zwecke reichliche Spenden zukommeu zu lassen. Möge sein Appell an die bewährte jüdische Bruderliebe nicht wirkungslos Verhallen. Der Gejehäftsführende Ausschuß des Internationalen Pro-Falascha- Eomitas besteht aus folgenden Herren: Oberrabbiner Professor Dr. M a r g n l i e s , Florenz, Ehrenpräsident; Julius G o l d - s ch m i d t, Frankfurt a. M., Vorsitzender; Dr. Albert Sondheimer, Frankfurt a. M., Landgerichtsrat Stern, Stuttgart, Moritz Stiel, Köln, Dr. I. G i n s b er g , Berlin, stellvertretende Vorsitzende; Salomvn Epstein, Frankfurt a. M., Schatzmeister; Rechtsanwalt Horovitz, Frankfurt a. M., Schriftführer; Professor Dr. B o u d i, Frankfurt a. M., stellvertretender Schriftführer. Zn weiterer Auskunft ist bereit das General-Sekretariat des Internationalen Pro-Falascha-Eomites, Frankfurt a. M., Palmstr. 11 Pt. Dorthin sind auch alle Zuschriften zu richten. Adresse für Geldsendungen: Herrn Salomon Epstein, Frankfurt a. M., Ilhlandstr. 39 (Deutsches Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 8438), oder Pfälzische Bank Depositenkasse, Zeilpnlast, Frankfurt a. M., ans Konto „Pro-Falascha^. §2 Berlin, 7. Juli. Ter Verband jüdischer F r a n c n für K u l t u r a r b e i t i n Palästina versendet seinen sechsten Jahresbericht, der ein Bild seiner Tätigkeit im Jahre 1913 gibt. Wir ersehen ans diesem Bericht, daß die Spitzenschulen des Verbandes im Frühjahr 1913 eine Krisis durchzumachen hatten, bie sie jedoch gut überstanden haben. Der Absatz der Spitzen hat sich gegen Schluß des Jahres, dank den vom Verband ergriffenen energischen Maßnahmen, sehr gehoben, und die Aussichten für die Zukunft der Spitzenateliers scheinen somit günstige zu sein. Die Mädchenfarm in Kinereth ist im Laufe des vergangenen Jahres weiter ausgebaut worden. Eine zweite Lehrkraft wurde engagiert, die Milchwirtschaft wurde durch die Ortsgruppe Moskau erweitert, die Baumschule übernahm der Prager jüdische Franenverein, der Haushaltungsunterricht wurde gefördert, eine Geflügelzucht angelegt. Znm erstenmal wurden Schülerinnen der Farm im Sommer 1913 entlassen und erhielten sofort Anstellung in den Kolonien, teils in Arbeiterküchen, teils übernahmen sie den Gemüsebau und die sonstigen weiblichen Arbeiten in der Landwirtschaft. Für das Krankenhaus in Haifa, dessen finanzielle Lage im letzten Jahre eine sehr traurige geworden war, da der Verband seine Subvention leider nicht erhöhen konnte, lvar der Besuch der Frau Baronin Rothschild in Palästina von großer Bedeutung. Frau Baronin Rothschild hat dem Spital eine jährliche Subvention von 6000 Francs zugestchert, außerdem Terrain- und Baukosten für em eigenes Gebäude. Zwar ist das Budget des Krankenhauses dadurch noch nicht gesichert, immerhin ist seine Lage bedeutend gebessert, und wir dürfen hoffen, daß es nun der dortigen jüdischen Bevölkerung dauernd erhalten bleibt. Am 13. Mai fand die Generalversammlung des Verbandes im Hause der Jüdischen Gemeinde zu Berlin statt. Am besten sehen lvir das Anwachsen des Verbandes, wenn wir die Zahlen ans dem Kassenbericht, der der Versammlung vorlag, und der auch dem gedruckten Bericht beigesügt ist, mit den Zahlen ans dem Bericht für 1912 vergleichen. Danach wurden im Jahre 1912 für Spitzen in Berlin und in Jaffa 15 632 Mark eingenommen, im Jahre 1913 19 673 Mark. An Mitgliederbeiträgen hatte der Verband im Jahre 1912 16 848 Mark, im Jahre 1013 22 672 Mark. Ebenso stiegen die einmaligen Beiträge von 3414 Mark ans 5616 Mark. Die Generalversammlung beschloß, die Tätigkeit des Verbandes noch auf einen weiteren Zweig knltnreller Arbeit anszudehnen, indem sie für die seit dem August 1913 in Jaffa eröffnete Kinderbewahranstalt, die den hebräischen Namen „Havmen" führt und unter der ärztlichen Aufsicht von Frau Tr. Entmann, Jaffa, steht, eine Subvention belvitligte. Berlin, 7. Juli. Der V e r ein f ü r A r b e i t s n a ch -- w ei s (b e g r. v o n d e n B e r t i u e r L o g e n , M u n b i j o n - platz 10) schreibt uns: Die Zahl der im Berichtsmonat Juni zur Kenntnis unserer Stellenvermittlung gelangten Vakanzen bedingt mit Notwendigkeit den Rückschluß, das; die Arbeitslosigkeit in den hauptstädtischen Betrieben noch immer nicht wesentlich adgenommen hat. Durch die s ü r a l t e Teile k o st e n l o s e B e r m ittlertätigkeit unseres Vereins konnten insgesamt 146 Personen (8 Stellungen mit Sabbatheilignng) einer in den meisten Füllen andauernden Beschäftigung zugeführt tverden. Der Erfolg des.lediglich humane Zwecke verfolgenden Arbeitsnachweises beruht ans dem Interesse und der Inanspruchnahme seitens weiter Kreise der hauptstädtischen Arbeitgeber. Der Verein kann den Wünschen seiner Petenten, die tagtäglich in großer Zahl in seinen Bureaus vorstellig werden, nur gerecht werden, wenn die Arbeitgeber, die sozial fühlen und Elend und Rot gern lindern helfen, alle in ihrem Bet r i e b e v o r k v m in ende n B a k a n z e it dem Verein zur Besetzung anmelden. - - Auch die Einrichtung unserer Abteilung Schreibstube, in welcher Aufträge für Schreib- und Maschinenarbeiten aller Art, Versand von Reklamen nsw. zu billigen Preisen sachgeuläß ausgeführt tverden, macht es möglich, Bewerber, die sich in trauriger Lage befinden, durch Uebertragung von Schreibarbeiten bei sofortiger Auszahlung des Verdienstes vor dringendster Not zu schützen. Es wäre daher sehr wünschenswert, wenn auch diese Institution mehr noch als bisher in Anspruch genommen würde. W. Posen, 3. Juli. Ihren 70. Geburtstag beging mit 20. v. 3LU. unter Anteilnahme weiter Kreise Frau Mcdizinntrat Therese Mankiewicz, eine geborene Posenevin, die sich mit zahlreiche gemeinnützige Vereine hervorragende Verdienste erworben hat. So bekleidet sie u. a. seit