Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- Seite 328 (sequence 4)
- Language
- German
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328 Juden, von denen ich einzelne hoch schätze und verehre, innerhalb und außerhalb des Perbandes Deutscher Bühnenschriftsteller zu meinen Freunden. Aber das darf mich nicht obhalten, gegen jenen verderblichen Geist aufzutreten, als dessen vorzüglichsten Träger ich in harter Lebenserfahrung das Judentum erkannt habe. Mir sind in Berlin allmählich die Augen ansgegangen. Ich bin zu der Ueberzeugung gelangt, daß wir, das Volk, das die Hermannsschlacht geschlagen, das 1813 mtb 1870 erlebte, bis in fünfzig Jahren kein deutsches Vaterland mehr haben werden, wenn es uns nicht gelingt, diesen fremdblütigen Geist wirksam zu bekämpfen. Unser von außen schwer bedrohtes Vaterland birgt in seinem Innern einen viel furchtbareren Feind als unsere äußeren Gegner es sind, weil wir diesen Feind nicht mit dem Schwerte in der Faust niedetKzwingen können. In unserer deutschen Ahnungslosigkeit haben wir, das Herreuvolk, einem fremdblütigen Volke Gastfreundschaft gewährt und werden von ihm zum Danke dafür nunmehr erdrosselt. Es handelt sich hier um die fundamentale Frage, ob in Deutschland arischer oder semitischer Geist siegen wird. Die Tatsache, daß die beiden Verfasser des „Mirakel" keine Juden sind, ist ein unumstößlicher Beweis dafür, wie sehr der semitische Geist bereits den arischen Geist infiziert hat. Nur kritiklose Voreingenommenheit kann behaupten, daß das „Mirakel"-Spiel bei aller Anerkenntnis für Reinhardts sonstige Regieleistungen irgend etwas mit Kunst zu tun habe. Tie arischen Verfasser des „Mirakel" und sein semitischer Regisseur bezwecken darnit nichts anderes, als Geld zu verdienen. Das beweist die ganze raffinierte „Aufmachung" und Reklame, mit der dieser ganze „Mirakel"-Rummel inszeniert wurde. Daß aber jene seelischen Werte, welche die Grundlage des Ariertums bilden, dazu herhalten müssen, sich zum Zwecke einer Nnrgeldverdienerei verhöhnen zu lassen, dagegen Protest zu erheben ist Pflicht eines jeden Deutschen, der nicht nur Ehrgefühl, sondern überhaupt noch Selbsterhaltungstrieb hat. Wie ich jetzt als Gründer des Verbandes Deutscher Bühnenschriftsteller und seiner Vertriebsstelle und als Organisator beider Körperschaften von meinen jüdischen und judenfrommen arischen Mitarbeitern erdrosselt werde, genau so wird es das Schicksal des ganzen deutschen Volkes sein, wenn es sich nicht rechtzeitig der ihm drohenden Gefahr bewußt wird und sich gegen sie wehrt." Wir kommen in einem Leitartikel der nächsten Nummer auf die Sache zurück, die einer Besprechung wert ist. * Daß glücklicherweise n i ch t alle Christen, namentlich die Höchstgestellten, Antisemiten sind, lehrt folgende Notiz der Blätter des Abwehrvereins: Der k ü r z l i ch v e r st o r b e n e H erzog G e o r g II. v o n Meiningen ist als wahrhaft moderner Herrscher auch ein entschiedener Gegner des Antisemitismus gewesen. Auf ein Huldignngstelegramm der israelitischen Gemeinde Bauerbach hat er folgende telegraphische Antwort erlassen: „Eadenäbbia bei Eoino. Herzlichen Dank für freundliches Gedenken. Angesichts der Versuche der Verirrung des Antisemitismus, sich auch bei uns Eingang zu verschaffen, können die Israeliten Meiningens auf mich Zählen." Als ein Beweis dafür, daß der Herzog frei von foufeffionetten Vorurteilen war, darf wohl auch die Tatsache gelten, daß Georg II., ein Fürst im Reiche der Kunst, bei seinem verdienstlichen Wirken als Bühnenresormator einen rechtgläubigen Inden, Ludwig Chronegk, zu seinem Gehilfen erwählt hatte, und daß auch in beut weltberühmt gewordenen Ensemble der Meininger Künstlerschar jüdische Talente in großer Anzahl vertr-eten waren. * Ueber Deutschlands K ultnrpolitik und die Judenfrage in Rumänien veröffentlicht die „Frankfurter Zeitung" einen bemerkenswerten Artikel: Nachdem sie beit moralischen Einfluß Frankreichs auf Rumänien auseinnndergesetzt hat, schreibt sie, daß deutscherseits nicht vieles unterlassen worden ist, was Voraussetzungen geschaffen hätte auch für eine stärkere Verbreitung deutscher Kultur. Dazu gehört etwa die politische Preisgabe der rumänischen Juden, die Bismarck für einen besonders geschickten Schachzug gehalten hat, und zwar deren Preisgabe gegen den Eintausch finanzieller Vorteile. Diese Juden nämlich sind der deutschen Kultur immer besonders zugänglich gewesen. In den meisten jüdischen Häusern wird man deutsche Klassiker und andere deutsche Bücher finden. In ihren Schulen ist die deutsche Sprache immer gründlich -gepflegt worden. Der jetzige Rektor der Jassyer Universität, Professor Stere, ehemaliger russischer Revolutionär, der nach Sibirien verbannt gewesen und nach Rumänien flüchten konnte, tmt es hier bis zum aussichtsreichen Ministerkandidatelt ztt bringen, hat einen größeren Aufsatz über die Ballernmib Judenfrage geschrieben, der folgenden Satz enthält: „Mau muß beachten, daß ein russischer, deutscher, französischer Jude, wenn er sich die europäische Kultur aneignet und aus der Sphäre des Judaismus austr'itt, sich der Nationalkultur des betreffenden Landes anschließt, während er bei uns in diesem Falle höchstens der deutschen Kultur gewonnen ist, die, der unseren überlegen, ihm durch Sprache, gemeinsamen (?) Ursprung und durch den ganzen Kontplex der wirtschaftlichen mtb Handelsbeziehungen zugänglicher ist." Sieht mau hier von etwas tendenziöser Uebertreibung ab, so bleibt die Beobachtung richtig, daß die jüdische Bevölkerung Rumäniens in demselben Maße zur deutschen Kultur gravitiert, wie die gebildete Schicht der Rumänen selbst zur französischen. Der rumänische Antisemitismus ist ein künstliches Gewächs der regierenden Oligarchie. Jedoch ist seine Züchtung dadurch erleichtert worden, daß man die Juden der Politischett Rechte entkleidet und damit von der christlichen Bevölkerung immer mehr isoliert hat. Heute ist wohl ilicht daran zu denken, daß dieser Fehler von der deutscheu Diplomatie gutgemacht werden könnte. Heute muß die Gleichberechtigung der Juden ans dem freien Entschluß der christlichett Mitbürger entspringen, mtb wer unter uns Rumänen an ei nett Fortschritt glaubt, wird nicht die Zuversicht aufgeben, daß dies auch eines Tages geschehen wird. Ein Aufgehen der jüdischen Bevölkerung in der rnmättischeu, das sich ja trotz der Jsolierungsmauer, welche durch die Politische Rechtlosigkeit und die Behandlung der Inden als Fremde errichtet worden ist, immer mehr durchsetzt, wird die einseitige Entwicklung Rlunäniens mtlbcnt und durch die Vermischung französischer und deutscher Grundelemente der Kultur einen harmonischen Klang ergeben. Es worden dann vielleicht aus der inneren Politik jene übertriebenen, nur auf das rein Persönliche zugespitzten Kampfesmethoden mehr mtb mehr verschwinden, und attch für die auswärtige Politik werden neue Gesichtspunkte maßgebend werden. * Die „Anrore" teilt mit Befriedigung mit, daß die Behörden Jerusalems beschlossen haben sollen, die dortigen Rabbiner und die Zöglinge der r a b b i n i s ch e n Schulen vom Militärdienste zu befreien. Wir können diese Befriedigung durchaus nicht teilen, sondern würden in der Ausführung dieser Maßregel einen höchst beklagenswerten Rückschritt betrachten. * Aus Petersburg wird uns geschrieben: In der letzten Sitzung des Reichsrats machten mehrere Redner die Regierung darattf aufmerksam, daß es ratsam wäre, schon jetzt die gesetzgebenden Körperschaften in die Materie des künftigen deutsch-russischen Handelsvertrags einzuweihen. Zugleich damit erhob der bekannte Professor Oserow Beschwerde darüber, daß die Gründung von Aktiengesellschaften in Rußland solchen Schwierigkeiten ausgesetzt sei. Was im Auslande im Laufe von wenigen Tagen geschehe, daure in Rußland oft ein halbes Jahr und noch länger. So sei es bekannt, daß momentan die Satzungen von etwa 300 Gesellschaften im Ministerium lagerten, ohne daß die Gründungen genehmigt würden. Die Klage Oserows streifte damit die russische Judenfrage, da bekanntlich die größten Verzögerungen mid Verschleppungen bei den Aktiengesellschaften aus jenen Beschränkungen resultieren, welche darin gegen die Juden bestehen und die die Zirkulation des Kapitals zum größten Schaden Rußlands aufs äußerste hemmen. *