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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-07-03 · Heft 27 (3.7.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 27 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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des Provinzialverbandes, des Rabbiner- und Lehrervereins besteht. Es wurde ein Entwurf des Lehrplans aufgestellt, der in kürzester Zeit an die Gemeinden verschickt werden soll. Der Vorsitzende bat, der Schulkommission volles Vertrauen entgegenzubringen, denn in ihr sind Gemeinden, Rabbiner und Lehrer gleichmäßig vertreten, die Faktoren, die als Hüter und Wächter unseres Religionsunterrichtes bestellt sind. — An Subventionen für den Religionsunterricht hat der Provinzialverband in den letzten zwei Jahren die Summe von 5500 Mark verausgabt; in 23 Unterrichtsstationen wurde dadurch 265 Kindern die Erteilung eines regelmäßigen Religionsunterrichts ermöglicht. — Der Verband unterhält mit der Rheinlandloge eine Wanderbibliothek und subventioniert das israelitische Kinderheim, das Lehrlingsheim Köln und die Arbeiterkolonie Weißensee, so daß er für allgemein jüdische Zwecke zirka 6500 Mark ausbringt. — Aus dem Kassenbericht, den der Schatzmeister des Verbandes, Herr Bruno Heidenheim, Köln, erstattete, ergab sich, daß die Kassenverhältnisse durchaus geordnet sind. Herr G. Kaufmann, Mülheim-Ruhr, referierte dann über Normalvertrag und Schiedsgerichtsordnung. Referent kam zu dem Ergebnis, daß der vorliegende Entwurf nicht als Normalvertrag an die Gemeinden geschickt werden könne, doch sei es wünschenswert, den Gemeinden zu empfehlen, im Vertrag mit ihren Beamten nach einer Probezeit definitive Anstellung und Pensions- und Reliktenversorgung vorzusehen. Der vorliegende Entwurf biete wertvolles Material, das jedoch einer gründlichen Durchsicht bedürfe. Referent beantragt, die Angelegenheit dem Ausschuß als Material zu überweisen, die Schiedsgerichtsordnung jedoch anzunehmen. Nach eingehender Debatte wurde der Antrag des Referenten angenommen. Als ständige Mitglieder des Schiedsgerichts wurden gewählt: Herr Sanitätsrat Dr. Apfel als Vorsitzender, Siegfried Simon, Köln, als dessen Stellvertreter, Justizrat Dr. Simon, Krefeld, Kommerzienrat Wahl, Barmen; als Stellvertreter die Herren Lehrer Abraham, Essen und G. Kaufmann, Mülheim (Ruhr). Herr Rabbiner Dr. Frank referierte dann an der Hand eines sehr interessanten Materials über: Jüdische Seelsorge in den öffentlichen Anstalten der Rheinprovinz, bzw. in den Strafanstalten. Referent beantragte folgende Resolution, die einstimmig angenommen wurde: „Der am 21. Juni 1914 in Köln tagende zehnte Gemeindetag des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden beschließt: 1. Es sollen mit dem Nabbinerverband Deutschlands, dem Deutsch-israelitischen Gemeindebund und dem Verband der deutschen Juden Schritte in die Wege geleitet werden, um die jüdische Seelsorge staatlicherseits in den öffentlichen Pflegeanstalten und Gefängnissen sicher zu stellen und zu regeln. 2. An erster Stelle müssen für eine bessere jüdische Seelsorge in den Strafanstalten die geeigneten behördlichen Anordnungen getroffen werden, damit regelmäßiger Gottesdienst und Verpflegung mit ritueller Kost, wie es früher in Köln und Rawitsch, seitens des Staates und auf Staatskosten geschah, wiederum eingeführt werde. 3. Es solle an das Justizministerium und das Ministerium des Innern von den Ausschüssen des Rabbinerverbandes Deutschlands, des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes der deutschen Juden ein gemeinsames Gesuch eingereicht werden, dahingehend, die jüdischen Strafgefangenen an bestimmten Anstalten zu konzentrieren, um dadurch die unter 1 und 2 genannte unbedingt erforderliche Seelsorge, den regelmäßigen Gottesdienst und die rituelle Verpflegung leichter und besser Zu ermöglichen." Herr Siegfried Simon und Herr Rabbiner Dr. Hannover, Köln, hielten dann ein Referat über Gemeindeverwaltung und die ausländischen Juden. Herr Simon sprach eingehend über die Einrichtungen, die die Synagogengemeinde Köln für die hier wohnenden Ausländer getroffen hat. Es sind vor allem Kindergarten, Synagoge und Kinderhort. Ter Vorstand ist dabei bestrebt, die Autonomie der Ausländer zu wahren, alle Einrichtungen, die den Kultus und die Religion betreffen, von den Ausländern selbst leiten zu lassen, so daß der Vorstand im wesentlichen nur die notwendigen Geldmittel Zu bewilligen hat. Nur durch diese Art sei es möglich, das Vertrauen der Ausländer zu gewinnen und sie zu wertvollen Mitgliedern der Synagogengemeinde heranzubilden. Für die Heranwachsende Generation ist die jüdische Voltsschule die beste Institution, um die ausländischen Juden bei uns einzubürgern. Der Korreferent, Herr Rabbiner Dr. Hannover stellte als Ziel für die Gemeindeverwaltung in bezug auf die ausländischen Juden: Einbürgerung in äußeren Dingen und Erhaltung ihrer Eigenart in religiöser und allge nt ein jüdischer Erziehung. Die ausländischen Juden in Deutschland befänden sich heute in einem Stadium wie die deutschen Juden vor der Zeit Mendelssohns. Sie sind ein wertvoller Menschenbestandteil zur Ausfüllung unserer Lücken. Nützliche Arbeit ist nur dann möglich, wenn sie in Gemeinschaft mit den Ausländern getan wird. Ihre religiösen Anschauungen sind vollständig zu respektieren. An die Referate schloß sich eine lebhafte Debatte. Von den Diskussionsrednern wurde den Referenten im großen ganzen zugestimmt, alle Redner erkannten in der jüdischen Volksschule das beste Mittel zur Einbürgerung der ausländischen Juden. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Frank dem Vorsitzenden für die treffliche Leitung und Herr Rabb. Dr. Neumark der Synagogengemeinde Köln für die Bewirtung gedankt hatten, würde der zehnte Gemeindetag geschlossen. A. Nürnberg, 26. Juni. Erner der angesehensten und verdienstvollsten Männer der hiesigen Stadt und der Gemeinde, Herr Generalkonsul Bernhard Lang, wurde am 21. -d. M. unter außerordentlich großer Beteiligung aus allen Kreisen der Bevölkerung zu Grabe getragen. Insbesondere war das Konsulatskorps vollzählig vertreten. Der Verblichene war viele Jahre Konsul, später Generalkonsul von Schweden und hat durch sein hervorragendes Wirken viel zu den guten, politischen und kommerziellen Beziehungen zwischen Schweden und Deutschland beigetragen, weshalb seine Brust mit zahlreichen hohen Orden und Auszeichnungen geschmückt war. Bernhard Lang war auch viele Jahre Mitglied der israelitischen Kultusverwaltung sowie des israelitischen Waisen- und des israelitischen Krankenschwesternvereins. Er war bei allen sozialen und charitativen Bestrebungen der hiesigen Stadt in vorderster Reihe tätig, und viele angesehene Vereinigungen ernannten Herrn Generalkonsul Lang zu ihrem Ehrenmitglied. Herr Rabbiner Dr. F r e u d e n 1 h a l schilderte in eindrucksvollen Worten den Lebensgang des Heimgegangenen, der stets ein offenes Herz und eine offene Hand hatte, wenn es galt, zu raten und zu helfen, und der in der gewisseuhafteu Verwaltung seiner zahlreichen Ehrenämter ein leuchtendes Vorbild von Pflichterfüllung bot. Herr Generalkonsul Schräg legte namens der Nürnberger Konsuln und namens des bayerischen Konsulatskorps in München kostbare Kränze an der Bahre nieder. Die gleiche Ehrung geschah von seiten des „Wärmestubenvereins" sowie des mit umflorter Fahne erschienenen „Vereins bayerischer Sanitätsmannschasten", welche wiederholt hochherzige Zuwendungen von dem Verstorbenen erhalten hatten. Im Namen der Freimaurerloge „Joseph zur Einigkeit" widmete Herr Justizrat Dr. Deutsch dem verstorbenen treueir Bruder, der das Ziel und das Wesen der Freimaurerei stets mit tiefem Verständnis und vollem Herzen gefördert hatte, einen warm empfundenen Nachruf und einen letzten Blumengruß. — Gotha, 26. Juni. Im hiesigen Krematorium fand gestern nachmittag die Bestattung Bertha v. Suttners statt, deren Tod auch in jüdischen Kreisen die schmerzlichste Teilnahme geweckt hat. Zu Füßen des Sarges lag ein großer Lorbeerkranz mit der Inschrift: Unserer geliebten großen Führerin! Die Deutsche Friedensgesellschaft. Einen weiteren Schmuck trug der Sarg, einer Bestimmung der Toten entsprechend, nicht. Von der Familie war eine Nichte, Baroneß v. Suttner aus Wien, anwesend. Die Deutsche Friedensgesellschaft vertraten Professor Dr. Quidde - München und Herr de Neufville-Frankfurt a. M. Von der österreichischen Friedensgesellschaft war Rechnungsrat Schuster-Wien anwesend, aus Dresden Geheimer Kommerzienrat A r n h o l d. Von der Ortsgruppe Gotha der Deutschen Friedensgesetlschaft waren zahlreiche Mitglieder erschienen, unter ihnen Bürgermeister Lie betraut. Einer Bestimmung, der Toten entsprechend war von jeder Feier abgesehen worden, auch wurden keinerlei Ansprachen gehalten. Wie die Verstorbene es gewünscht, wuvde auf dem Harmonium nur der „Feuerzauber" aus der „Walküre" gespielt, dann senkte man den Sarg hinab zur Feuerbestattung. Die Urne mit der Asche wird auf dem Gothaer Friedhof an bevorzugter Stellung ihren Platz finden. Oesterreich-Angara. K. Wien, 26. Juni. In den vor einigen Tagen stattgefundenen Sitzungen des Wiener Gemeinderates, den letzten vor Ferienbeginn, bekamen wir wieder eine Art Judendebatte zu hören. Die christlichsozialen Schimpfworte und Anrempelungen der jüdischen Steuerträger sind zur Genüge bekannt; die Gemeindegewaltigen

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