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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-07-03 · Heft 27 (3.7.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 27 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Wiens haben auf bnn Gebiete der Bekämpfung der Juden keine Fortschritte gemacht, ihre Kampfrnethode bleibt sich immer gleich: wüstes schimpfen und Schmähen. Dazu gehört nicht viel Takt und Scharfsinn. Es seien daher hier nur einige sehr treffende Bemerkungen zweier liberaler Gemeinderäte wiedergegeben, die auch für auswärtige Leser nicht ohne Interesse sein dürften. Gelneindernt Nt i t t l e r sagte unter anderem: „Gegen eines musz ich mich verwahren, das; heute überhaupt noch vor; jüdischem Großkapital gesprochen wird. Das ist doch heute schon eine Mythe. Bon der Deinfaltstraße bis zur Hohenstaufengasse, rechter Hand, linker Hand, alles getauft. Die können doch nur mehr von ßctanften Banken sprechen. Es sollte eine eigene Glailbenswechselschnle errichtet werden. Revidieren Die also Ihre Schlagworte, Die wurden sonst der jüdischen Kultusgemeinde das Recht geben, gegen die Bezeichnung „die jüdische Bank" zu remonstrieren. Man wird bald in die Lage kommen, nicht von jüdischen, sondern von christlichsozialen Banken zu sprechen: daß das gewesene jüdische Banken sind, wird nicht genieren." Stadtverordneter Dr. Löwenstein beschwerte sich darüber, daß jüdische Aerzte in den Spitälern der Wiener Kommune keine Anstellung finden. Er sprach sein Bedauern darüber ans, daß in dem neuen Jubiläumsspital der Gemeinde Wien eine Gruppe von Aerzten, die zweifellos viel Fähigkeiten besitzen, als Aerzte nicht zugelassen werde. „Ich glaube," führte Redner aus, „die Herren haben diese Berechtigung, angestellt zu lverden, denn diese Klasse hat der medizinischen Wissenschaft Kapazitäten gegeben, ich nenne nur Stricker, Zuckerkandl, Kaposi, Neumann, Oser und viele andere, welche den Beweis erbracht haben, daß sie erste Fachmänner auf ihrem Gebiete waren, und daß die leidende Menschheit ihnen viel verdankt." — Bei dieser Gelegenheit sei auch bemerkt, daß hier seit Jahren ein Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten besteht, der es sich zur Aufgabe macht, arme Juden, die in Wiener Krankenhäusern sich in Pflege befinden, mit ritueller Kost zu versehen. Dem Vereine ist es jetzt gelungen, im Allgenieinen Krankenhanse eine rituelle Küche, die den höchsten hygienischen Anforderungen und den Vorschriften in bezug auf Kaschrus entspricht, zu etablieren. Tie Kosten der Kücheneinrichtung allein belaufen sich aus 18 000 Kronen. Der Verwaltung des Allgemeinen Krankenhauses gebührt in erster Reihe der Dank all jener Patienten, die in Wien Heilung suchen und dabei streng nach religiöser Vorschrift leben wollen. Aber auch dein Vorstande des genannten Vereins gebührt Dank und Anerkennung für seine wahrhaft edle und humane Tat. — Tr. Adolf B e r ger , ein gebürtiger Leinberger, wurde vor einigen Tagen zum Dozenten des römischen Rechtes in Ron: ernannt. Dr. Berger hat vor zwei Jahren in Wien sub auspiciis impcratoris promoviert; da er hier keine Aussicht auf Ausübung eines akademischen Berufes hatte, wanderte er nach dem Auslände aus, wo er sein Ziel erreichte. Von Ash und Fern. — In der Abgeordnetenhaus-Kommission wurde der A 41 (Besteuerung der Beamten, Lehrer usiv.) der Beschluß gefaßt, daß die bestehenden Dteuerprivilegieu für Kultusbeamte usw. auch aus solche anerkannten Religionsgemeinschaften ausgedehnt lverden sollen, die bisher die Privilegien nicht genossen haben. Do wird fortan dieses Gesetz auch den jüdischen Kultusbeamten zugute kommen. Der Fabrikbesitzer Julius Eassirer, Mitinhaber der Firma Dr. Eassirer u. Eo., Kabelfabrit in Eharlottenbnrg, und Mitglied der Handelskammer zu Berlin, ist zum königlich preußischen Kommerzienrat ernannt worden. Geheiinrat Professor Dr. Adol f Frank, der verdiente Begründer der deutschen Kaliindnstrie, feierte seinen 80. Geburtstag. - Der Bankier Franz Nathan, Inhaber der Berliner Finna Alexander Loewenherz Nachf., ist in Dt. Moritz gestorben. -- Zahnarzt Dr. L i p s ch i tz, Mitglied der Preußischen Zahnärztekammer, der Begründer und erste Borsitzende des llnterstütznngsvereins deutscher Zahnärzte, blickte am 25. Juni auf eine fnnsnndzwanzigjährige Berufstätigkeit zurück. — Geh. Regierungsrat Professor Dr. Dr.-Jng. E. Lieb er mann ist von der Technischen Hochschule in Berlin zum Dr.-Jng. ehrenhalber ernannt worden. Unser langjähriger Mitarbeiter, der einer. Lehrer Herr Hermann Wol ff in Posen und feine Frau Jenny geb. Knttner, begingen vor kurzem unter herzlicher Teilnahme weiter Kreise das schöne Fest der goldenen Hochzeit. — Ans Hohensalza wird uns geschrieben: Vorn sicheren Tode des Ertrinkens rettete der Referendar Herr Cohn, der zurzeit an dem hiesigen königlichen Amtsgericht beschäftigt ist, einen vierzehnjährigen Schutknaben, der beim Kahnfahren infolge Umkippens des Kahnes am hiesigen Solbad bereits untergegangen war. Der Referendar, der den Vorgang vom User aus beobachtete, sprang ohne langes Zögern in das Wasser und brachte den bewußtlosen Knaben ans Ufer. Die Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg begleitet. — Der 22. Gemeindetag des V e r b a n d e s der S h n a gogen - Ge rn e i n d e n W c ft - fale n s findet am Sonntag, den 5. dieses Monats, zu Hamm i. W. statt. - In Wilhelmshaven ist am 24. Juni in Gegenwart von Vertretern der städtischen und militärischen Behörden der Grundstein für die Synagoge der jüdischen Gemeinde gelegt, worden. Das neue jüdische Krankenhalls m Frankfurt n. Bk. ist schon seit Monaten als die stattlichste und mustergültigste Anlage an der Gagernstraße anzusehen. Das neue Krankenhaus der israelitischen Gemeinde steht in Verbindung mit dem neuen Schwesternhaus des Vereins für jüdisches Krankeupflegertum. Der stattliche Ball, ein wahrer Palast, wurde nach-den Plänen der Architekten -W ö k l e und V o g g e u b e r g e n ausgeführt. - Barlkier Joseph Fulda, Vorsitzender der „Israelitischen Religionsgemeinschaft" in Mainz, feierte den 80. Geburtstag. Er hat sich um feilte Gemeinde große Verdienste erworben und genießt auch außerhalb derselben allgemeiu-e Wertschätznilg. - Alls Weißenburg i. E. wird uns mitgeteilt, daß der Kaiserliche Statthalter von Elsaß-Lothringen Dr. v. Dallwitz gelegentlich seiner Anwesenheit in Weißenburg zur Teilnahme am Pferderennen llnd Trachtenfest allch der dortigen Synagoge in Begleitung des Kreisdirektors Grafen v. Bissingen, des Unterstaatssckretärs Freiherr« v. Stein und des Majors v. Strem pel einen Besuch a'bgestattet hat und daselbst von Rabbiner Dr. Koch sowie den Mitgliedern des Vorstandes enlpfangen und begrüßt wurde. -- Dr. Joseph G r neu, der mehrere Jahre als Richter an der königlichen Tafel in Szegedin gewirkt hat, wurde vorn Kaiser zum Richter an der königlichen Kurie, den; höchsten Gerichtshöfe Ungarns, eruapnt. — In Paris wurde kürzlich das neile jüdische Spital, eine Stiftung des Barons Edmund v. R o t h s ch i l d, feierlich eröffnet. Das großartige Spital ist nach den neuesten hygienischen Erfindungen erbaut: es sind vorhanden spezielle Pavillons für Männer, Frauen und Kinder usw. Bei der Einweihung sprachen Grandrabbin Alfred L e v i und der Pariser Oberrabbiner Dreh fuß. Als Direktor des Spitals wurde Tr. H. B r a u n, der unter der armen jüdischen Bevölkerung sehr beliebt ist, ausersehen. — Aus London wird gemeldet: Bei dem am vorigen Mittwoch stattgehabten Empfang bei Hose wurde der Chiefrabbi von England, T r. Herz, ein geführt und dem König vorgestellt. Die Vorstellung besorgte Kapitän Lyonel d e R o t h schuld, Mitglied des englischen Unterhauses. —Aus Kiew wird uns geschrieben: Wie es heißt, soll die für die Kiewer Staatsanwaltschaft blamable Fastower „Ritualmordaffäre" demnächst gänzlich' liquidiert werden. Wie erinnerlich, waren seinerzeit der Vater des ermordeten jüdischen Knaben Paschkow nebst seinem Gesellen Gutharz als verdächtige „Ritualmörder" festgenommen und nach einiger Zeit gegen eine Kaution frei gelassen worden. Soeben haben nun die Bürgen der Paschkow intb Gutharz ihre Kaution zurückerhalten, was in der Tat darauf schließen läßt, daß die Kiewer Nutersuchungsbehörden trotz des Druckes des Schwarzen Hunderts die Fastower Schandtat nicht ans sich nehmen wollen. — Der bekannte Philanthrop Leo Brodski in Kiew hat sich angesichts der großen Notlage, in welcher sich 583 ansgewiesene jüdische Familien befinden, bereit erklärt, die Hilfsaktion zugunsten dieser Unglücklichen in die Hand zu nehmen beziehungsweise den größten Teil der hierzu erforderlichen Summe aus eigenen Mitteln zu decken. Es ist geplant, diese Vertriebenen entweder m den westlichen Staaten Amerikas, oder wenn es irgendwie möglich, in Palästina anzusiedeln. — Im September dieses Jahres finden im Staate New Park verschiedene Wahlen in die legislative Körperschaft des Staates statt. Nach dem Gesetze hat diese Wahl am 22. September vor sich zu gehen. Mit Rücksicht darauf, daß das jüdische Neujahrsfest auf den 22. September fällt, hat Gouverneur Geynn dem New Porter Staatsparlamente eine Botschaft Zugehen lassen, in welcher er den Vorschlag macht, durch ein Amendement zu dem genannten Gesetze die Abgabe der Stimmzettel in diesem Jahre für den 29. September festznsetzen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 53. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Ma^ Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.

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