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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-07-03 · Heft 27 (3.7.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 27 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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mu]cf)ören, aufjcrbcm ist als (Semeinbenutcjlieb natürlich auch jeder andere Rabbiner wählbar. Zurzeit gehört als Rabbiner Herr Prof. Dr. Maybaum, als Ovetneindeinitglied Herr Rabbiner Dr. Weiße n. a. denr Schul- und Talmud-Thora-Vorstand an. Herr Prof. Dr. M ah bäum hat nun ans Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergetegt. An seiner Stelle wird als Rabbiner Herr Dr. Weiße und als Gemeindemitglied an Stelle des Herrn Dr. Weiße Herr Rabbiner Dr. Vaeck in den Talmud-Thora-Vorstand gewählt. — In die W a i sen-K o nt n i i ssi o n, deren Mitgliederzahl um eines vermehrt werden ' soll, ivird für die neu geschaffene Stelle Herr Karl Schiff und an stelle des verstorbenen Mitgliedes Herrn Richard Sachs Herr Jacob ^targardt gewählt. - Die Versammlung erteilte hierauf dem Gemeindevorstand die Ermächtigung, den mit der Stadt Berlin lmter dem 8. Januar 1012 abgeschlossenen Pachtvertrag betreffend das all das neue Krankenhausgrundstück angrenzende Terrain auf die Tauer von drei weiteren Jahren unter den bisherigen Bedingnngen zu verlängern. Eine Pachtung auf zehn Jahre, wie es die Gemeillde wünschte, hat die Stadt abgelehnt, da dies unzulässig sei. — Nach denr Rechnungsabschluß der Fürsorge-Kommission stehen den gesamten Einnahmen in Höhe von 26 767,10 Mark Ausgaben in Höhe von 655,95 Mart gegenüber, so daß eine Mehrausgabe von 6888,85 Mark nachzubewilligen ist. Tie Versammlung stimrut dem zu, nachdem Herr Lewinski befriedigende Erläuterung über die Mehrausgabe gegeben hat, und erteilt zugleich die beantragte Entlastung. — Für die Errichtung einer Warte- und Blumenhalle auf dem Friedhof in Weistensee werden zu der bereits früher bewilligten Sunune von :35 000 Mark weitere 1051,93 Mark nachbewilligt. Dabei bringt Herr Emil Pincus die bereits früher von Herrn Jnstizrat Eohn einmal vorgebrachten Beschwerden über die Unzulänglichkeit und Mißstände der bestehenden Einrichtung der neuen Wartehalle vor. Vom Borstandstisch verweist Herr Seligsohn darauf, daß es sich nur mit ein Provisorium handele und wohl schon in nächster Zeit der Versammlung eine entsprechende Vorlage zugehen werde, um den Beschwerden definitiv abzuhelfen. Herr Prof. Blaschke bittet Vorsorge zu treffen, daß den Kranken und Schwachen der weite Weg zur neuen Oriedhosshalle etwas erleichtert iverde. — Für die Modernisierung der Schaltervorrichtungen für elekrischen Strom in der Synagoge Lindenstraße werden 700 Mark bewilligt, ferner wird zur Besoldung eines Dolmetschers bei der Durchreiseuden-Kommission der Betrag von 50 Mark monatlich bewilligt. — Der Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Künstler werden für die Jahre 1914/15 jährlich 300 Mart Subvention bewilligt. — Zur Verabschiedung gelangten dann noch drei Vorlagen, die als dringliche anerkannt wurden. Die Versammlung stimmte allen drei Vorlagen zu, und zwar der Erhöhung des für die Anschaffung eines zweiten Automobilleichenwagens bewilligten Betrages von 1-2 000 Mark auf 12 600 Mark, ferner ber Wahl des Herrn Benno Ehrmann in die Waisen-Kommiffion an stelle des Herrn Bernhard Behrens, der aus Altersrücksichten sein Ehrenamt niedergelegt hat, und schließlich der Mietung des kleinen Saales im Moabiter Gesellschaftshaus zur Veranstaltung von Jugendgottesdienst an den diesjährigen hohen Feiertagen. Es folgte dann noch eine geheime Sitzung, in der meist Personalien erledigt wurden. S£2 Berlin, 30. Juni. Wie alljährlich, veranstaltete die jüdische Gemeinde auch in diesem Jahre einen Ausbildungskursus für Jnterimskantoren, die an den hohen Feiertagen hier fungieren sollen. Unter der bewährten Leitung des Herrn Hanptkantors Felix Asch wurden 39 Teilnehmer während der Zeit vom 15. Dezember 1913 bis 15. Juni 1914 in wöchentlich zweistündigem Unterricht mit den Gesängen und Rezitativen des Maariv-, Schacharis-, Mussaf- und Jngendgottesdienstes (nach olt-cm und neuem Ritus) vertraut gemacht. Am Sonntag, den 21. Juni, fand vor der „Kommission für die musikalischen und festgottesdienstlichen. Angelegenheiten" die Prüfung statt, gu welcher 30 Interessenten zügellosen waren. Nach den zurzeit bestehenden Vakanzen konnten von den diesjährigen Kursteilnehmern 20 Verwendung finden. Gleichzeitig sei der jüdischen Gemeinde an dieser Stelle herz^ licher Dank ausgedrückt dafür, daß sie, lote in den Vorjahren, die Einrichtung getroffen, sechs Teilnehmern des Kursus einen mehrwöchigen Stimmbildungsunterricht bei Herrn Felix Asch angedeihen zu lassen. Auch dem Kursleiter sei hier für seinen Eifer und seine Mühewaltung aufrichtiger Dank gesagt. Ein Kursteilnehmer. x. Lifla i. P., 26. Juni. Einer der bekanntesten Mitbürger unserer Stadt und eines der geschütztesten Mitglieder unserer Gemeinde, Kaufmann Adolf Pick, feierte am 14. d. Mt. feinen 70. Geburtstag. Er ist seit vielen Jahren Stadtverordneter und Repräsentant der jüdischen Gemeinde. In der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung, in der Rechtsanwalt Dr. Wolfs an Stelle feines verstorbenen Oheims, des Landtagsabgeordneten Justizrats Wolfs, zum Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung gewählt wurde, fiel die Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden auf Adolf Pick. Aus Anlaß seines 70. Geburtstages wurden ihm viele Ehrungen zuteil. Unter anderem wurde ihm vom Kuratorium der Abraham Joel und Bertha Sachsschen Stiftung, dessen Vorsitzender er ist, eine seine großen Verdienste um die Stiftung anerkennende Adresse überreicht. Alle, die den wackeren, aufrechten Mann, feine gemeinnützigen Bestrebungen für Stadt und Gemeinde und insbesondere sein stetes Eintreten für seine Glaubensgenossen kennen, wünschen ihm noch viele Jahre eines gesegneten Wirkens. §2 Görlitz, 26. Juni. Ter Droschkenbesitzer Fritz S ch m i d t von hier war wegen Uebertretung der Vorschriften für Droschkenkutscher erstinstanzlich zu 3 Mark Geldstrafe verurteilt worden, weil er einem Fahrgast jüdischer Religion gegenüber bemerkt hatte, er, der Angeklagte, „sei kein Jude, er lasse nicht mit sich handeln". Der Angeklagte war mit dem betreffenden Fahrgast, den er von der Stadthalle nach der Mittelstraße fahren sollte, in Wortwechsel geraten, weil er versehentlich an einer falschen Hausnummer gehalten hatte. Der Droschkenkutscher verlangte, da er noch zwei Damen des Fahrgastes anderwärts abgesetzt, einen höheren Fahrpreis, den der Fahrgast nicht bewilligen wollte. Daraus die Aeußerung des Droschkenkutschers, durch' die. sich der Fahrgast verletzt fühlte. Vor dem Berufungsgericht beantragte der Angeklagte seine Freisprechung, weil er keinerlei verletzende Absicht bei seiner Bemerkung gehabt habe. Das Berufungsgericht bestätigte das erste Urteil. Die Aeußerung sei unpassend, auch wenn der Fahrgast nicht jüdischer Religion gewesen wäre. Daher sei der Angeklagte als Droschkenführer, die sich ans Grund der Vorschriften für das Droschkenwesen den Fahrgästen gegenüber höflich benehmen sollen, zu bestrafen. Strelitz (Mecklenburg), 26. Juni. Eine Seelengedächtnisfeier für den verstorbenen Groß Herzog A d o l s F r i e d r i ch V. fand am vorigen Sonnabend nach dem Hauptgottesdienst in der Synagoge statt. Der Kantor, Herr Isidor Deren dt, leitete die Feier mit dem Psalm 45 ein und wählte zu seinem Texte hieraus Vers 8: „Du liebtest Gerechtigkeit unb hassest gottloses Wesen! Darum hat dich dein Gott gesalbt mit Freudenöl mehr denn beiiic Genossen." Der Redner schilderte die segensreiche, leider nur zehnjährige Negiernngszeit des Großherzogs, dessen Handlungen alle im Sinne der (Gerechtigkeit, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, waren, und erinnerte an die Gründung einer jüdischen Gemeinde für ganz Mecklenburg, da der Verfall in den einzelnen jüdischen Ortsgemeinden drohte. Zum Schluß erläuterte der Redner die letzten zwei Verse dieses Psalmes: „An Stelle deines Vaters wird dein Sohn treten. Tu wirst ihn machen zu einem Fürsten über das Land, ich will deines Namens gedenken aller Zeiten! Darum wird dir dein Volk danken immer und ewig!" Vor der offenen Heiligen Vundeslade sprach dann der Kantor-eiu Seelengebet für den hochseligen Großherzog, erbat Gottes Trost für das ganze Großherzogliche Haus und endete mit einem Gebet für den neuen Landesherrn und sein Land. ir. Köln, 26. Juni. Am 21. d. M. fand hier im großen Saale der Rheinlanbloge der zehnte G e m e i n d e t a g des P roll 1 n z i a l v e r b a n d e s rheinischer S y n a g o g e n g e m e i nden statt. Der Vorsitzende, Herr Sanitätsrat Dr. Apfel, begrüßte die zahlreich erschienenen Gemeindevertreter und Gäste, und erstattete zunächst den Verwaltungsbericht über die letzten zwei Jahre. Von den Ausschußmitgliedern sind in der Berichtsperiode drei Mitglieder ausgeschieden: Herr Kanzleirat Hirsch aus Essen durch den Tod, Herr Stadtrat Simon aus Elberfeld infolge hohen Alters und Herr Waisenhausdirektor Wormser aus Dinslaken, der aus der Rheinprovinz verzogen ist. Die Tätigkeit des Verbandes erstreckte sich in den letzten' zwei Jahren neben den regelmäßigen Arbeiten, vor allem aus zwei Gebiete: Volksschulangelegenheit und Ordnung und Regelung des Religionsunterrichtswesens. Der Vorsitzende gab eine eingehende Darlegung seiner Stellungnahme und der Behandlung der Bolksschulangelegenheit im Ausschuß des Prolltuzialverbandes. Zur Ordnung des Religionsunterrichts- Wesens wurde eine Schulkommisston gewählt, die aus Vertretern

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