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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-26 · Heft 26 (26.6.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Vertreter der Rabbiner wurde Rabbiner Dr. E i n st e in - Landau gewählt. Der Vorsitzende schloh dann um 6 Uhr mit Dank für das Interesse die Versammlung. Es folgte noch eine Ausschußsitzung, in der der Vorstand einstimmig wiedergewählt wurde. 22 Frankfurt a. M., 19. Juni. Vor sechs Jahren ist aus einer Stiftung der verstorbenen Eheleute Jsaac und Clara Bermann ein Heim gegründet worden, um dauernden odervorübergehenden Aufenthalt solchen deutschen, israelitischen Lehrerinnen, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Haus- und sonstigen Beamtinnen sowie anderen w e i b ti ch e n Angestell - t e n höherer Bildung zu gewähren, die in ihrer Arbeitsfähigkeit durch Alter oder aus einem sonstigen Grunde beschränkt sind. Das Heim hat in dieser Zeit seinen Zweck in segensreicher Weise erfüllen können. Leider erwiesen sich aber bald die Räume zu beschränkt, um den zahlreichen Gesuchen um Aufnahme nachzukommen. Die rührige Verwaltung hat' infolgedessen dank der Unterstützung ans Kreisen hiesiger Wohltäter in jüngster Zeit eine Erweiterung des Heims vorgenommen; die neugeschafsenen Räume sollen zunächst den Insassinnen noch größere Behaglichkeit als bisher gewähren, außerdem können sechs weitere Insassinnen nunmehr Aufnahme finden. Die näheren Aufnahmebedingungen sind durch den Schriftführer des Vereins „Israelitisches Lehrerinnenheim", Herrn Direktor Dr. Adler, Hebelstraße 15, zu erfahren. Dänemark. Z. Kopenhagen, 19. Juni. Auf Initiative des Oberrabbiners Dr. Schornstein und mit Unterstützung der angesehensten dänischen Juden hat sich hier ein Verband russischer Juden in Dänemark gebildet. Dieser Verband ist eigentlich eine Organisation zum Schutze der russischen Inden, gegen welche die dänischen Behörden in letzter Zeit nach bekanntem Muster eine Ausweisungspraxis ansüben. In den letzten Jahren sind aus dem russischen Reiche nicht nur zahlreiche Juden, sondern auch „echte Russen" und „Polen" in großer Anzahl eingewandert, welch letztere durch ihr unbotmäßiges Verhalten den Gerichtsbehörden viel zu schaffen geben. Tie Regierung hat nun, ohne zu distinguieren, sehr scharfe Maßnahmen gegen alle Russen, so auch gegen die russischen Juden, verfügt. Am härtesten werden jedoch — wie bei allen ähnlichen Verfügungen — von diesen Ausweisungsbefehlen die russischen Juden betroffen. Der obenerwähnte Verband hat zunächst den Zweck, die nichtjüdische Bevölkerung Dänemarks über das Leben der russischen Juden authentisch zu unterrichten. Der Verband hat denn auch schon in dieser kurzen Zeit seiner Existenz den Erfolg aufzuweisen, daß die russischen Juden, die eine anständige Beschäftigung nachzuweisen vermögen und gegen welche auch sonst nichts vorliegt, von der Ausweisung verschont bleiben. Von MH und Fern. — Bankdirektor Curt Sobernheim von der Commerz- und Disconto-Bank erhielt die Königliche Krone zum Roten Adlerorden vierter Klasse. - Der Repräsentant unserer Gemeinde, Herr Aron Hirsch, hat am Hochzeitstage seiner Tochter, dem 11. Juni, der Armendirektion 500 Mark mit der Bestimmung überwiesen, 25 Arme der Stadtgemeinde Berlin mit Beträgen von 20 Mark zu bedenken. — Bei einem Elternabend, den der „Deutsche Wandervogel" hier einberufen hatte, kam es zu lebhaften Protesten gegen zahlreiche von den Führern veranlaßte Ausschließungen von Wandervögeln und gegen die jetzt übliche Streichungsbefugnis der Führer überhaupt. Bestritten wurde, daß die kritisierten Streichungen mit Antisemitismus und den Frankfurter Beschlüssen überhaupt etwas zu tun hätten. — In der Vereinigung der Familie Eger hielt am 21. d. M. Rabbiner Dr. B a e ck einen Vortrag über: Akiba Eger, ein jüdischer Idealist. — Aus Posen wird uns geschrieben: Als der von Schrinnn nach hier berufene Rabbiner Dr. S i l b e r b e r g in seiner Filialengemeinde Santomischel die Abschiedspredigt in der Synagoge hielt, fanden sich die Arbeiter Joseph Sobik, Anton Mikolajczak, Wladislaus Kowalski und Michael Cys aus Polnica (Kreis Schroda) ein und vollführten im Synagogenraum einen derartigen Lärm, daß die versammelten Beter außerordentlich gestört wurden. Sie schlugen mit Stäben auf die Steinflächen, klapperten mit deni Deckel eines Handwaschbeckens und Cys verlachte den Prediger. Zur Ruhe aufgesordert, erwiderten sie, sie wollten den Bock mit den Hörnern sehen. Erst als mehrere Leute erschienen, verließen die Lärmenden die Synagoge. Die Strafkammer Hierselbst, vor der die Anklagesache zur Verhandlung kam, hielt beschimpfenden Unfug für erwiesen und verurteilte Sobik und Mikvlajczak zu je einer Woche, Kowalski'zu zwei Wochen und Cys zu einem Monat Gefängnis. Der Verhandlung wohnte ein zahlreiches Publikum bei. — Dr. Ferdinand Straßburger aus Hoppstädten ist zum Landrabbiner für das Fürstentum Birkenfeld, ernannt worden. — Die neue bayerische Schulordnung für höhere Lehranstalten enthält unter anderm folgende Bestimmung: Die israelitischen Schüler haben an den Sabbaten und Feiertagen, an denen ein Unterricht nicht stattfindet oder an denen sie vom Unterrichte befreit sind, den Hauptgottesdienst, an anderen Sabbaten und Feiertagen den für sie in Betracht kommenden Jugendgottesdienst oder, wo ein solcher nicht eingerichtet ist, den Nachmittagsgottesdienst zu besuchen. — Die Kannstiftung in Frankfurt a. M., eine Erholungsstätte für israelitische Kaufleute und Beamte, ist seit einigen Wochen wieder eröffnet und soll, wie man hört, künftighin Sommer und Winter geöffnet bleiben. — Aus Stuttgart wird gemeldet: Der König hat dem Postrat Schloßberger bei der Generaldirektion der Posten und Telegraphen den Titel und Rang eines .Olldrpostrats verliehen. - In Brünn wurden große Vorbereitungen zu dem am 21. d. M. stattgefundenen zweiten Kreisturnen der jüdischen Turnerschaft Westösterreichs getroffen. Das Schauturnen, an dem sich sämtliche jüdischen Turnvereine Westösterreichs beteiligten, fand auf dem Sportplatz in Schreibwalde statt, den der Brünner Magistrat der jüdischen Turnerschaft bereitwilligst zur Verfügung gestellt hatte. — Die philosophische Fakultät der Budapester Universität hat in der letzten Sitzung ihrer Professoren einstimmig den Professor Dr. Bernhard Alexander zum Dekan für das Schuljahr 1914/15 gewählt. Professor Alexander ist durch seine publizistischen Arbeiten auf philosophischen Gebieten auch im Auslande bekannt. — Ferner wird aus Budapest gemeldet: Der Gewinner des Verläßlichkeitspreises von 30 000 Kronen, Ingenieur Viktor Wittmann, ist Jude. Er hat auf seiner Flugmaschine die Strecke Budapest—Wien in vier Stunden zurückgelegt. — Seit dem 15. Mai d. I. erscheint in Krakau eine veue polnische Tageszeitung, deren Programm die Ueberpflanzung des russischpolnischen Boykotts gegen die Juden auf Galizien anstrebt. Die Frage ist nur, wie lange dieses bazillenvolle Organ die hiesige Lust verpesten und ob ihm längeres Dasein beschieden sein wird. Denn eine solche Zeitung gibt es hier schon seit langem, die aber nicht viel Aufhebens macht. — Das bekannteste jüdische Blatt in Rumänien, die „Egalitäten" in Bukarest, feierte das 25 jährige Jubiläum seines Bestehens. Dem Redakteur Schwarzfeld sind aus diesem Anlaß viele Sympathiekundgebungen zuteil geworden. — Die von der Familie Rothschild in Paris gegründete Arbeitsstätte für jüdische Einwanderer, die noch ohne Verdienst sind, hatte unter Protektorat der Baronin Edmund v. Rothschild einen Basar veranstaltet, der ein Reinergebnis von 30 000 Franken brachte. Beim Verkaufe der Gegenstände hatten sich drei Geschlechter der-Rothschilds sehr aktiv beteiligt: die alte Baronin Willi von Frankfurt, die Baronin Edmund und die Schwiegertochter- Baronin Edmund Rothschild (aus dem Hause Pinto in London). — Dr. med. Leon L e w i n, Privatdozent an der Universität Petersburg, wurde zum Professor ernannt. Dr. Lewin ist ein Schwager des bekannten hebräischen Schriftstellers David Frisch mann. — Wie der „Aurore" aus Jaffa berichtet wird, hat die seinerzeit gemeldete Sammlung der dortigen Juden für einen. Aeroplan, der den Namen „Israel" führen soll, bereits einen schönen Erfolg aufzuweisen. Die Sammlung ergab bisher 23 000 Franken, und da das Präliminare auf 30 000 Franken festgesetzt ist, so dürfte diese Summe bald erreicht sein. Die Jaffaer Juden wollen dann das Kriegsluftschifs „Israel" der ottomanischen Regierung, bzw. der Armee zum Geschenke machen. — Aus New Jork wird uns geschrieben: Der jüdische Arzt Dr. Harry Plotz, Leiter des pathologischen Instituts an dem großen Mount Sinai- Hospitale, hat in einer Versammlung von Medizinern die Mitteilung gemacht, daß er den Erreger des Typhus entdeckt habe und nun mit gutem Erfolge daran arbeite, ein Mittel zur Tötung dieses Erregers zu finden. In amerikanisch-jüdischen Kreisen bringt man diesen Mitteilungen großes Vertrauen entgegen, da Dr. Plotz trotz seiner jungen Jahre — er ist noch nicht 30 Jahre alt — bereits sehr Beachtenswertes auf medizinischem Gebiete geleistet hat. __ Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin> Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin.

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