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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-26 · Heft 26 (26.6.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Landwirtschaftlichen Winterschulen in der Provinz Posen überwiesen. Die Zinsen dieser Stiftung sollen als Prämien oder Unterstützungen an die besten Schüler verteilt werden. — Zur Umgestaltung des Rathauskellers hat Herr Kaufmann Hermann Levy (Inhaber der Firma D. Scheret Witwe) einen größeren Betrag der Stadtkommune zur Verfügung gestellt. — Zum Mitgliede der Sparkassen-Deputation wurde Stadtverordneter Jaffa wiedergewählt. — Die hiesige jüdische Gemeinde hat durch den Tod des Kaufmanns Herrn Heinrich D o b r i n e r ein sehr hochachtbares Mitglied verloren. Derselbe ist im Alter von 53 Jahren in Kissingen, wo er zur Kur weilte. Plötzlich gestorben. Die Leiche wurde hierher gebracht und unter überaus Zahlreicher Beteiligung auf dem Friedhof beigesetzt. Herr Rabbiner Dr. Silberberg hielt die Trauerrede, die auf alle Zuhörer einen mächtigen Eindruck machte. Der Verstorbene gehörte der Handelskammer für den Regierungsbezirk Posen an und hat in seiner Zugehörigkeit sich als liebenswürdiger und erfahrungsreicher Mitarbeiter gezeigt, dessen Andenken stets in Ehren gehalten werden wird. Die kaufmännischen Angdstellten der Firma Heinrich Dobriner verlieren in dem Entschlafenen einen Chef von strengster GereHtigkeitsliebe und einen väterlichen Freund und Berater, an den sie sich in allen Lebenslagen mit Vertrauen wenden durften und dessen wohlwollende, treue und fürsorgliche Hilfe nie versagt hat. — T i r s ch t i e g e l. Ter Kaufmann Albert Boas ist zum Magistratsschösfen gewählt und vom Regierungspräsidenten bestätigt worden. — Rogasen. Die israelitische Schulgemeinde hat beschlossen, für das Rechnungsjahr 1914/15 55 Prozent gegen 65 im Vorjahre an direkten Schulbeiträgen der Einkommensteuer zu erheben. Für die Mitbenutzung der von der Stadt neu zu erbauenden Turnhalle wurden vom jüdischen Schulvorstand 40 Mark Jahresbeitrag festgesetzt. — H o h e n s a l z a. Hier selbst verstarb Herr Direktor M e s ch u l e m Herzseld , ein in allen Kreisen der Bevölkerung wohlgekannter Mann. An der Beerdigung nahmen viele Leidtragende teil. — V r o m borg. Herr Rechtsanwalt Justizrat A r v u s o h n ist zum Notar ernannt worden. — Hamburg, 19. Juni. Durch den Leiter der Hamburg-Amerika- Linie hat der Name Ball in in den letzten Jahren eine häufige Erwähnüng gefunden. Einige Angaben über die Herkunft dieses Namens, der sprachlich gleichen Ursprungs wie die Formen Balin, Belin, Blin, Blün und Blüen ist, dürften deshalb nicht ohne Interesse sein. Sie sind einem von Dr. Oskar Ballm veröffentlichten Buche „Die Familie Ballin" (Gandersheim, Druck von C. F. Hertel) entitummen. — Um 1450 wird in zwei gleichzeitigen hebräischen Urkunden erstmalig eine Rabbinerfamilie B'—lin erwähnt, die von Südfrankreich nach Italien auswandert. Es handelt sich um einen Raphael B'—-lin in Nizza und seinen Sohn Simson, der sich in Parma ansässig uiachte. Obgleich diesem Worte B'—lin in der hebräischen Schrift die Vokale fehlen, steht doch seine Aussprache fest: als französische Wortbildung kann es nicht anders als Baläng, Belang oder Bläng gesprochen werden. Bei dem allgemein geübten Brauche, sich nach dem Herkunftsorte zu bezeichnen, dürfen wir das auch bei dieser Familie annehmen. Und in der Tat liegt in Südsraukreich in der Nähe von Bordeaux ein kleines Städtchen, das sich Belin nennt. Hier lebten bis zur allgemeinen Judenvertreibung aus Frankreich (im Jahre 1394) jüdische Familien, und in ihnen dürfen wir die Stammväter auch' der deutschen Familien des Namens sehen. Zweige dieses Geschlechtes wanderten nülnlich über Metz und das Elsaß nach Worms, wo wir den Namen seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart vorfinden. Auf diese Wormser B'—lin gehen die deutschen Familien des Namens zurück, insbesondere auch das Hamburger Geschlecht Ballin, das in der alten Hansestadt schon seit dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts nachweisbar ist. CA> München, 19. Juni. Die bayerische Abgeordnetenkammer hat bei der Beratung eines Gemeindebeamtengesetzes die staatsrechtliche Frage gestreift, ob Bayern ein konfessioneller Staat sei. Hierzu führt Prof. Robert Piloty, Würzburg, in dm „Münchener Neuesten Nachrichten" aus: „Es sind (in Bayern) sowohl die Rechte der Gtaubensgesellschasten gegenüber dem Staate als auch die kirchlichen Hoheitsrechte des Staates und die Rechte der einzelnen auf Schutz der Gewissensfreiheit in allen einzelnen Beziehungen so geregelt, daß nur aus ihnen allen zusammen sich ergeben kann, wie die Normallinie des Rechtes läuft. Das eine ist aber sicher, daß diese Normallinie nicht etwa mit dem Schlagworte, daß Bayern ein christlicher <->taat sei, zutreffend bezeichnet werden kann. Richtig ist daran nur, daß ausschließlich die drei christlichen Glaubensgesellschasten, die katholische und die beiden protestantischen, diejenigen staatsrechtlichen Vorzüge genießen, welche die Berfassungsurkunde mit der Rechtsstellung einer öffentlichen Glaubensgesellschasten verbindet. Unrichtig aber wäre es, daraus abzuleiten, daß Angehörige anderer Bekenntnisse oder Bekenntnislose in Bayern deshalb einen niederen staatsbürgerlichen Rang hätten als die Katholiken und die Protestanten. Will man also dem bayerischen Staat selbst ein konfessionelles Gepräge geben, so kann man das schwerlich tun, ohne seiner Verfassung Gewalt anzutun. Nach der religiösen Seite wird vom Standpunkt des Staatsrechts das Verhältnis einzig und allein durch das Rechtsprinzip der Parität charakterisiert. Bayern ist ein paritätischer Staat, und das heißt heute genau dasselbe wie vordem, nämlich daß die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte der einzelnen vom religiösen Bekenntnis völlig unabhängig sind." — Negensbrrrg, 19. Juni. Der 14. und 15. Juni waren für Regensburg hohe Feiertage. Se. Majestät König Ludwig III. und Ihre Majestät Kömgin Maria Theresia mit den Prinzessinnen Töchtern weilten an diesen beiden Tagen in den Mauern der oberpfälzischen Kreishauptstadt. Neberall herrschte Freude und Jubel. Zu den Festlichkeiten war neben den Geistlichen der anderen Bekenntnisse auch der Distriktsrabbiner Dr. Meyer eingeladen. Beim Empfange wie beim Cercle nach der Hostasel wurde der Rabbiner von Sr. Majestät dem König mit einer Ansprache beehrt. Mit besonderem Interesse nahm Se. Majestät davon Kenntnis, daß die israelitische Kultusgemeinde Regensburg eine einheitliche Gemeinde ohne jegliche Spaltung sei. .— Unter den mit Orden ausgezeichneten Persönlichkeiten befindet sich auch der Distriktsrabbiner Dr. Meyer, dem der Verdienstorden vom heiligen Michael vierter Klasse verliehen wurde. Neustadt a. H., 19. Juni. Am 11. d. M. wurde die Weihe des Betsaales im Israelitischen Altersheim vorgenommen. Es füllte ihn eine festliche, aus Damen und Herren bestehende Versammlung. Auch der Vorsitzende des Israelitischen Kreisasylvereins Dr. Reis war anwesend. Nosengirlanden schmückten finnig den Eingang des Saales und ringsden Vorhang, der die Thora rollen, barg. Nach einem von Lehrer Waldbott-Speyer klangvoll gesungenen Psalm folgten die feierliche Aushebung der Thora rollen und Vorlesen ans der Thora, wobei bei der Aushebung der Synagogenchor Speyer unter Leitung von Musikdirektor Stahl-Speyer und unter dessen Harmoniumbeglei-tung sang. Der Thoravorlesung folgte die ein'druckstiefe Weiherede von Bezirksrabbiner Dr. Meyer-Pirmasens. Ein Weihegebet, Einheben der Thora und festlich-feierlicher Gesang des Synagogenchores sowie ein Schlußgebet bildeten den Abschluß der eindrucksvollen Feier. Ihr folgte nachmittags 3 Uhr tut Konversationssaal des Saalbaues die Mitgliederversammlung des Israelitischen Kreisasylvereins für die Pfalz, die aus der ganzen Pfalz gut besucht war. Vorsitzender Dr. Reis begrüßte die Erschienenen nuti^ dankte allen, die das Fest verschönern halsen. Sodann erstattete erden Verloabtungsbericht über das abgelaufene Jahr. Die Erdbewegung oben am Hause habe große Kosten, 14 000 Mark, verursacht, 4000 Mart mehr, als im Voranschlag vorgesehen. Seit 15'. Januar habe mau nun im Heim die Oberin Schwester Karola Adler. Das Amt eines Hausvaters habe Kultusvorstand Behr-Neustadt übernommen. Der Pstegesatz, den man für das Altersheim festgesetzt Habe, sei 1000 Mark, selbstverständlich werden aber auch Bedürftige ausgenommen, die weniger oder gar nichts zahlen können, vorausgesetzt, daß sie geistig und körperlich den Anforderungen entsprechen. Jeder Fall werde nach Bedürftigkeit und Würdigkeit geprüft. Man habe jetzt 12 Pfälzer Pfleglinge, die im Durchschnitt 500 Mark bezahlen, von denen aber manche gar nichts bezahlen und nur die Gemeinde einen Beitrag leiste. Redner ersuchte, auch weiter für das Heim zu wirken, dem Verein Mittel Zuzuführen. Den Kassenbericht erstattete Schatzmeister Waldbot t - Speyer. Das abgelaufene Jahr war günstig. Die Gesamteinnahmen betrugen 78 363 Mark. Für den Bau ll'u-rden an Ausgäben 1913 70473 Mark aufgewandt. Mit 1912 wurden insgesamt ans den Bau bezahlt 164 000 Mark, einschließlich Inneneinrichtung. Man habe nun eine Hypothek von 80 000 Mark auf den Bau ausgenommen. Im ganzen habe man 105 000 Mark Schulden. Kultusvorstand E. Behr-Neustadt als Mitglied des Ausschusses und als Hausvater dankte den Herren des Ausschusses sowie der Oberin. Es wurden dann noch Wahlen für ben erweiterten Ausschuß vorgenommen. Für Neustadt wurde zu den Herren E. Behr und S. Bamberg er noch Herr A. Rosenstiel gewählt. Als

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